Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.

 

 ISBN: 9 - 783839 - 103142

 

 

Leseprobe:

Der erste Schritt in unsere neue Zukunft

 

Ein wenig mulmig wurde uns doch, als wir uns endlich für unser Häuschen entschieden hatten. Ohne Strom? Nicht winterfest? Würden wir das wirklich schaffen, oder muteten wir uns damit zuviel zu? Aber was hatten wir schon zu verlieren? Der Sprung ins kalte Wasser hatte noch niemandem geschadet, und ausprobieren wollten wir es auf jeden Fall. Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor war die Tatsache, daß wir uns das Haus noch gar nicht von innen angesehen hatten, da der Besitzer den Schlüssel mit in seinen Skiurlaub genommen hatte, statt ihn dem Makler zu übergeben. Unsere Besichtigung hatte sich daher darauf beschränkt, von außen durch die Fenster der unteren Etage zu blicken und Scheune und Holzschuppen von innen anzusehen. Verrückt eigentlich, aber so war es. Dennoch hatten wir das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

 

Wir unterschrieben also den Kaufvertrag, vereinbarten mit dem Makler einen Termin und fuhren Mitte November nach Schweden, um den Schlüssel für unser zukünftiges Zuhause in Empfang zu nehmen. Eine Nacht würden wir dort verbringen und dann nach Deutschland mit seinen vielen Verpflichtungen zurückkehren.

 

Die Dunkelheit brach früh herein, so daß wir die Formalitäten bei Kerzenlicht erledigten. Zweimaliges Händeschütteln, und Makler und ehemaliger Besitzer unseres Traumhauses entschwanden in die Dunkelheit.

 

Bald prasselte ein Feuerchen im offenen Kamin im Wohnzimmer. Mit einer Flasche Wein saßen wir glücklich in unserem neuen Zuhause und stießen auf unser Häuschen an. Auf dem Campingkocher wärmten wir uns zwei Suppen auf, leerten eine zweite Flasche Wein und verbrachten dann die Nacht in unserem ausgebauten VW- Bus.

 

Am nächsten Tag inspizierten wir Haus und Grundstück aufs genaueste, um auch die anstehenden Renovierungsarbeiten planen zu können.

 

Unser Häuschen lag einsam im Wald an einem schmalen Waldweg, von Nachbarn war weit und breit nichts zu sehen. Die Stille war unglaublich, man konnte fast meinen, allein auf der Welt zu sein.

 

Das Wohnhaus war aus ganzen Baumstämmen gezimmert und über zweihundert Jahre alt. Es verfügte über einfach verglaste und noch mundgeblasene  Sprossenfenster, die an einigen Stellen gesprungen waren. Die Farben der Wände und Decken empfanden wir als unerträglich: Rosa der Flur und die Küche, das Wohnzimmer hellblau, und die Tapete im dritten Zimmer war in einem undefinierbaren, schmutzigem Graubraun gehalten. Die Treppe zum Dachboden war steil und lebensgefährlich, das Dach selbst nicht isoliert, der Dachboden hatte noch nicht einmal einen richtigen Fußboden. Die einzigen Wärmequellen waren ein alter Holzherd in der Küche und ein offener Kamin im Wohnzimmer.

 

Das Grundstück war vollständig verwildert und zugewachsen, der Waldrand nur einige Meter vom Haus entfernt. Umgestürzte Bäume lagen auf der Wiese, die seit Jahren keinen Rasenmäher mehr gesehen hatte. Der gegrabene Wasserbrunnen lag etwa fünfzig Meter vom Haus entfernt, das Plumpsklo ebenfalls. Zudem gab es einen alten Erdkeller, eine kleine Scheune und einen Holzschuppen, der unser Gästehaus werden würde, momentan allerdings nur aus einer rohen Bretterwand gezimmert war und vom vorherigen Besitzer anscheinend als Müllablageplatz benutzt worden war, genauso wie die Senke hinter der Scheune, in der sich der Müll meterhoch türmte.

 

Es war kalt, windig und regnerisch, und nach unserem Rundgang und einem kleinen Ausflug in den Wald war ich froh, wieder vor dem Kamin im Wohnzimmer zu sitzen. Der Abschied fiel uns schwer, wußten wir doch nicht, wann wir das nächste Mal wieder hierher kommen konnten.

 

Obwohl wir nicht nur das Haus, sondern auch die Anreise für die Schlüsselübergabe von der Bank hatten finanzieren lassen müssen, fühlten wir uns bereits jetzt unserem Ziel näher. Wir besaßen jetzt ein eigenes kleines Häuschen in Schweden, eine Rückzugsmöglichkeit, die niemand außer uns kannte. Es war ein Stück Freiheit. Und das machte uns froh.

 

 

Der erste Urlaub

  

Obwohl wir nur über mein Einkommen verfügten, hatten wir im März genug Geld beiseite gelegt, um nach Schweden fahren zu können. Wir wollten die Woche Urlaub dazu nutzen, mit den Renovierungen zu beginnen.

 

Wir hatten lange diskutiert und uns dann dazu entschlossen, einen Stromerzeuger zu kaufen, um die Renovierung etwas einfacher zu gestalten. So könnten wir elektrische Werkzeuge betreiben und wären nicht auf reine Handarbeit angewiesen. Wir kauften ein günstiges Vorführgerät, das genug Strom liefern würde, um auch größere Maschinen betreiben zu können.

 

Wir waren abends in Deutschland losgefahren und kamen morgens in Schweden an. Einige Tassen starken Kaffees halfen uns über die Müdigkeit hinweg, und als wir uns unserem Häuschen näherten, wurden wir immer munterer. Die Sonne schien und der Himmel war strahlend blau. Aber kalt war es, viel kälter als in Deutschland.

 

Unser Schwedenhaus stand unversehrt und sah wunderschön in der Sonne aus. Der Schnee war an einigen Stellen bereits getaut, auch hier war der Frühling also nicht mehr fern.

 

Nachdem wir den Bus ausgeladen und im Kamin gefeuert hatten, überkam uns eine bleierne Müdigkeit. Ein Bett hatten wir ins Wohnzimmer gestellt und einen Berg Bettdecken darauf ausgebreitet, unter die wir jetzt krochen. Wir konnten unseren Atem sehen, so kalt war es, und so kuschelten wir uns eng aneinander.

 

Den restlichen Tag verwendeten wir für Inspektionsgänge im und um das Haus herum und heizten, um das ausgekühlte Haus aufzuwärmen. Der Vorbesitzer hatte in der Scheune etwas gespaltenes Brennholz hinterlassen, das wir neben dem Kamin stapelten, um ständig Holz zum Nachlegen zu haben.

 

Tagsüber war es dank der Sonne relativ warm, nachts jedoch sehr kalt. Beinahe stündlich wachten wir auf und legten Holz nach. Morgens um sechs Uhr wurden wir von der Sonne geweckt, die ins Zimmer schien, und so begannen wir unseren Tag sehr früh.

 

Gefrühstückt wurde vorm prasselnden Kaminfeuer. Kaffeewasser morgens auf dem Holzherd zu erhitzen, hatte keinen Zweck, es dauerte zu lange, daher benutzte ich dazu den gasbetriebenen Campingkocher, den wir von zuhause mitgebracht hatten. Danach ließen wir das kochende Wasser durch einen einfachen mit Kaffeepulver gefüllten Filter laufen.

 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie glücklich ich war, als ich das erste Wasser auf dem Küchenofen zum Kochen gebracht hatte. So richtig hatte ich mir ja nicht vorstellen können, daß es funktionierte, aber als dann der Topfdeckel anfing zu klappern und ich ihn anhob und das sprudelnde heiße Wasser sah, war ich hin und weg. Der Herd faszinierte mich, und ich liebte es, auf ihm zu Kochen, auch wenn er oft nicht genug Hitze entwickelte, so daß es sehr lange dauerte, bis das Essen fertig war.

 

Es war eine völlig neue Erfahrung für uns, das Plumpsklo zu benutzen. Das Haus verlassen zu müssen, um auf Toilette zu gehen, fühlte sich anfangs etwas merkwürdig an. Auf dem Plumpsklo selbst zog es kalt von unten, so daß wir uns beeilten, wieder ins Warme zurückzukehren.

 

Das Wasser holten wir mit dem Eimer aus dem Brunnen. Die Brunneneinfassung war ziemlich marode, so daß wir acht geben mußten, nicht einzubrechen, und wir nahmen uns vor, sie bald auszutauschen. Das Grundwasser stand relativ hoch, so daß es kein Problem für uns war, Wasser mit dem Eimer zu schöpfen. Die Mückenlarven, die sich hin und wieder im Wasser befanden, siebten wir aus.

 

Abgewaschen wurde in einer kleinen Wanne, denn über eine Spüle verfügten wir nicht. Überhaupt fehlte eine Kücheneinrichtung völlig, und die wenigen Möbelstücke, die der Vormieter hinterlassen hatte, würden wir bald ergänzen müssen.

 

Wir begannen damit, das Grundstück etwas aufzuräumen. Reisig wurde aufgesammelt und auf der Wiese gestapelt, abends entzündeten wir ein Feuer und genossen Lagerfeuerromantik. Außerdem begann Michael, einige der Stämme, die auf der Wiese lagen, mit der Motorsäge aufzusägen. Die Rollen trug ich dann vor die Scheune, wo Michael sie auf dem Hackeklotz spaltete. Einen Teil nahmen wir mit ins Haus, den Rest warfen wir in die Scheune. In den Küchenofen paßten nur kleinere Holzstücke, die wir gesondert in eine Kiste packten. Es fühlte sich verdammt gut an, sein eigenes Holz zu sägen, spalten und dann zu verbrennen.

 

Es war uns ein Rätsel, wie jemand schöne Holzpaneele rosa anmalen konnte, und wir hatten uns schnell entschieden, die Küche neu zu vertäfeln. Den Einbauschrank wollte ich behalten, aber auch hier mußten die Bretter ausgetauscht werden. Übermalen kam für uns nicht infrage, wir wollten Holz pur.

 

Wir vertäfelten also die Küchenwände und erneuerten den Einbauschrank. Danach fliesten wir die Küche mit schönen blaumelierten, großen Fliesen, die wir in Deutschland gekauft hatten. Aufgrund der Holzpreise in Schweden entschieden wir uns, zukünftig auch das Holz für die Vertäfelung aus Deutschland mitzubringen, es war dort, obwohl importiert aus Schweden, nur halb so teuer.

 

Auf einem unserer Spaziergänge entdeckten wir dann zu unserer Enttäuschung nicht weit von uns entfernt zwei Wohnhäuser. Eines davon war bewohnt, das erkannten wir am Licht und an den Autos, die davor standen, das andere stand augenscheinlich leer, war wahrscheinlich ein Ferienhaus, wie es auch unseres gewesen war.

 

Also hatten wir den Vorbesitzer doch richtig verstanden, der uns bei der Schlüsselübergabe erzählt hatte, unsere Nachbarn würden nur einige hundert Meter entfernt wohnen und sich um das Räumen des Weges im Winter kümmern. Wir verschoben einen Besuch bei ihnen auf den Sommer, momentan wollten wir einfach nur unser Häuschen genießen, ohne mit jemand anderem sprechen zu müssen.

 

Wir genossen dieses einfache Leben, das so anders war als unser Leben in Deutschland. War unser Lagerfeuer draußen heruntergebrannt, ließen wir den Abend im Schein von auf dem Flohmarkt erstandenen Petroleumlampen und Kerzen vorm Kamin ausklingen, redeten, planten und lachten.

 

Viel zu schnell war die Woche Urlaub vorbei, und wir waren gezwungen, wieder nach Deutschland zu fahren. Ein letzter wehmütiger Blick auf unser Häuschen, dann startete Michael den Motor und wir fuhren wieder unserem Alltag entgegen.

 

...wie es weitergeht, erfahrt Ihr im Buch...

 

 

 

 

 

Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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