Alles auf Sand gebaut...

 

Unser Hof liegt ziemlich abseits auf einer Waldlichtung im Naturschutzgebiet Brattforsheden, das geologisch sehr interessant ist, da durch das Abschmelzen des Inlandeises vor etwa 10.000 Jahren eine einzigartige Dünenlandschaft durch Sandverwehungen entstand und diesem Gebiet bis heute seinen speziellen Charakter verleiht.

 

Auch unser Hof steht auf einer Sanddüne, von der man heute freilich nichts mehr ahnt, wenn unsere Schafe glücklich in den saftigen Wiesen grasen.

 

Der Hof war bis vor einige Jahre weitestgehend autark. Es gab ein Sägewerk, eine Tischlerei, eine Schmiede, ein Waschhäuschen, Ställe, Scheunen und sogar eine Schule.

 

Herbert, der Vorbesitzer unseres Hofes, war bis zu seinem Tode dafür bekannt, jede Arbeit auf dem Hof möglichst so durchzuführen, wie er es von seinen Eltern gelernt hatte und wie man es schon immer gemacht hatte, und damit auf möglichst traditionelle Art und Weise. Holzerntemaschinen ließ er nicht an seine Bäume, und sein Holz schlug er lieber selbst und holte es mit Ochsen oder später mit dem Traktor aus dem Wald. Seine Kühe trieb er in den Wald zum Grasen, und das Gebiet um unseren Hof war der einzige Platz unseres Landkreises, in dem Kühe frei im Wald auf Nahrungssuche gingen.

 

Bis zum letzten Tag seines 87- jährigen Lebens lebte Herbert auf dem Hof und kümmerte sich um seine Kühe, und man erzählt sich noch heute die Geschichte im sechs Kilometer entfernten Dorf, daß sich die Kühe in eine Reihe aufstellten und zum Abschied muhten, als Herbert an seinem letzten Tag ins Krankenhaus gefahren wurde, ganz so, als ob sie wüßten, daß er nie wiederkommen würde.

 

Viele gingen davon aus, daß der Hof nun verfallen würde, denn Herbert hatte die letzten 30 Jahre sich nur um seine Kühe, nicht aber um die Instandhaltung des Hofes gekümmert, und kaum jemand konnte sich vorstellen, daß der neue Besitzer in die Fußstapfen Herberts treten und den Hof restaurieren und möglichst weitgehend erhalten würde.

 

Und an dieser Stelle kommen wir ins Bild. Auf der Suche nach unserem Selbstversorger-Traumhof stießen wir eines Tages auf Snåret. Es war Liebe auf den ersten Blick, und auch der massive Renovierungsstau konnte uns nach dem ersten Schock nicht schrecken, immerhin hatten wir durch die letzten Jahre eine gewisse Routine entwickelt, was Instandhaltung von alten Holzhäusern und Scheunen angeht.

 

Ein Abenteuerspielplatz für Handwerker mit seinen sechzehn Gebäuden in allen Größen, angefangen vom kleinen, schiefen Waschhaus über die ehemalige Schmiede, Wohnhaus, mehrere Scheunen und letztendlich einer alten Schule. Und überall war dringender und teilweise wirklich akuter Handlungsbedarf.

 

Nachdem wir jetzt fast zwei Jahre lang ununterbrochen geschuftet haben und auch viele helfende Hände uns tatkräftig unterstützten, sind wir inzwischen auch ganz gut voran gekommen, auch wenn ein Ende der Renovierungsarbeiten noch lange nicht absehbar ist. Uns ist sehr daran gelegen, soviel wie möglich zu erhalten, so daß wir uns auch um für uns eher überflüssige Anlagen wie die ehemalige Viehstraße, auf der die Kühe vom Wald in die Scheune getrieben wurden, kümmern, oder auch um den akut einsturzgefährdeten Viehstall, der mit seinem häßlichen, verrosteten Blechdach momentan keine wirkliche Augenweise ist, und doch einen Großteil des Charmes dieses einmaligen Hofes ausmacht.

 

Oft erhalten wir Besuch von älteren Leuten, die mit Tränen in den Augen von ihren Kindheitserinnerungen hier auf dem Berghof berichten und wie schön es sei, daß wir den Hof so traditionell wieder renovieren. Und auch ehemalige Schüler finden regelmäßig zurück zu ihrer Schule, und jeder von ihnen hat eine andere Geschichte parat, und so wissen wir heute beispielsweise, daß sich die junge Lehrerin nicht traute, allein hier oben in der Einsamkeit zu übernachten, so daß immer eine Schülerin bei ihr wohnen mußte, oder daß das gemeinsame Mittagessen auf dem immer noch gut erhaltenen Küchenofen zubereitet wurde und die belegten Brote im Flur zum Verzehr bereit lagen.

 

Zur Zeit bauen wir den traditionellen Schwedenzaun, der um das gesamte offene Gelände verläuft, neu auf. Der alte war derart morsch, daß man ihn stellenweise gar nicht mehr als Zaun bezeichnen konnte, so daß man ihn nicht mehr reparieren konnte. Und so lernte sich Michael die Technik von den „Alten“, die noch wissen, wie man solche Zäune seit Generationen errichtet, die Pfosten richtig brennt, mit Zweigen bindet und die Tore baut.

 

Der Garten ist ein großer Bestandteil unserer Philosophie. Am liebsten würden wir alles selber erzeugen, wobei uns klar ist, daß es sich hierbei um reines Wunschdenken handelt. Aber dennoch bauen wir viel Gemüse selbst an; diesen Sommer gibt es Salate, Zucchini, Blattgemüse und Gurken im Überfluß, so daß wir nichts davon kaufen mußten und es auch für unsere vielen Gäste, Helfer und Praktikanten reicht. Den Garten wollen wir ständig erweitern, und da wir Permakultur für sehr sinnvoll halten, versuchen wir, unseren Garten nach diesen Richtlinien zu gestalten.

 

Wir bauen nach ökologischen Richtlinien an und verwenden keine Kunstdünger, sondern versuchen statt dessen, funktionierende Kreisläufe zu schaffen. Die Schafe fressen Gras und Heu, und der Schafsmist landet auf den Beeten, der Hühnermist wird zusammen mit Garten- und Küchenabfällen vorkompostiert, und der anfallende Humus zur Düngung verwendet. Unser Gewächshaus hat die erste Feuerprobe bestanden. Die erste Ernteperiode gab einen guten bis sehr guten Ertrag, auch wenn wir einräumen müssen, daß wir viele Fehler machten. Wir setzten die Pflanzen teilweise viel zu dicht, so das wir beim Ernten Probleme hatten. Ein weiteres, größeres Gewächshaus ist in Planung.

 

Alle Tiere sollen es gut haben! Jeder ist von unserer Schaf- und Hühnerhaltung begeistert, wenn man uns besucht. Es macht uns auch ein wenig stolz. Natürlich ist das nicht wirtschaftlich, doch das spielt keine Rolle für uns. Tierhaltung darf man nicht an der Wirtschaftlichkeit messen, sondern ausschließlich daran, wie artgerecht die Haltung der Tiere erfolgt.

 

Wir töten und schlachten selbst, zum einen, um den Tieren Angst und Streß bei den Transporten zu ersparen, und zum anderen, weil wir der Auffassung sind, daß sich jeder Fleischesser dieser Prozedur unterziehen sollte. Wer Fleisch ißt, sollte auch bereit sein, zu töten, und nicht anonym verpacktes Fleisch aus Massentierhaltung im Supermarkt kaufen.

 

Natürlich wurschteln wir noch immer vor uns hin, aber man beginnt, Resultate unserer Bemühungen zu sehen. Und aus den vielen Fehlern, die wir doch noch immer wieder machen, versuchen wir zu lernen. Langeweile kam nie auf und wir freuen uns nach wie vor darauf, zu gestalten, zu verändern, zu erhalten und neue Dinge zu tun. Denn Landleben ist schön!

 

Snåret, Sommer 2010

Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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