Mi

08

Feb

2012

Eingefroren

Es war kalt. Temperaturen um die minus 25 Grad hier auf dem Berg sind im Winter keine Seltenheit. Die Eisblumen an den noch immer uralten handgeblasenen Fensterscheiben unseres schlecht isolierten Hauses, zeigen uns, das der Winter noch alles fest im Griff hat.

 

Auch unsere Wasserleitung ist eingefroren, was uns an unsere erste Zeit in Schweden erinnert, als wir das Wasser noch mit Eimern vom Brunnen holen mußten.

 

Aber so ist das nun mal: Wenigstens kommt man an Wasser ran, wenn man auf dem Land lebt, auch wenn es nicht leicht ist.

Denn was macht man, wenn man in einer Stadt in einem Hochhaus lebt und in einem langen, harten Winter so etwas passiert, vielleicht sogar in Verbindung mit Stromausfall?

 

Der Mensch von heute verläßt sich vielleicht ein wenig zu viel auf die Technik, die zwar vieles erleichtert, aber auch abhängig macht.

 

Der Winter ist ansonsten ganz gut um mal auszuspannen und die Seele baumeln zu lassen. Es mal ruhiger angehen zu lassen, bevor unser Hof wieder von Wwoofern und Praktikanten und hoffentlich auch vielen Low-Budget Urlaubern wimmelt, die unseren Hof kennenlernen möchten.

 

Wir hatten viel Zeit neue Pläne zu schmieden und uns Projekte auszudenken, die wir dieses Jahr in Angriff nehmen wollen, doch dazu ein anderes Mal mehr.

 

Allen die frieren in der kalten Jahreszeit und vielleicht auch eingefrorene Leitungen haben und mit klammen und verfrorenen Händen Wassereimer schleppen müssen, sei gesagt, das der Frühling nicht mehr weit weg ist. Und dann taut bestimmt auch die Wasserleitung wieder auf.

 

Michael von Dolsperg

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Do

22

Dez

2011

Und wieder ein Jahr zu Ende...

Nun ist die längste Nacht des Jahres vorbei, die wir gebührend wieder mit Met am Feuer verbrachten. Auch wenn der Winter noch lange nicht vorbei ist, werden die Tage nun wieder länger.

 

Auch für uns ist es nun ruhiger und es bleibt Zeit zum Pläneschmieden.

 

Es ist übrigens toll, daß unser Blog so gut ankommt und so viele Leser hat. Leider schaffen wir es nicht immer auf alle mails zu antworten, aber wir bemühen uns!

 

Euch allen eine frohe Weihnacht und ein frohes neues Jahr!

 

Und auf das es ein gutes Jahr werden wird!

 

Cordula und Michael

 

 

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Fr

28

Okt

2011

Einmal rund um den Hof...

Zwei Jahre hat es nun gedauert. Aber nun ist er endlich fertig, unser Schwedenzaun! Das letzte Tor, sozusagen der Ort wo alles begann und der Ort an dem der Kreis sich wieder schließt.

Das letzte Tor! Normalerweise steht es offen... Das letzte Tor! Normalerweise steht es offen...

Der alte Zaun hatte seine Schuldigkeit getan. Er zerbröselte wenn man ihn nur schief anguckte. Trotzdem hatte er seinen Reiz. Er passte zu unserem Hof und wir wollten ihn nicht durch neumodische Maschendrahtzäune ersetzen. So entschieden wir uns bereits vor drei Jahren ihn neu zu machen.

Der alte Zaun hielt weder etwas drin noch draußen... Der alte Zaun hielt weder etwas drin noch draußen...

Zuerst mußte ich wissen wie. Zu diesem Zweck nahm ich an einem Lehrgang teil wo es um Tradition, Geschichte, Theorie und praktische Umsetzung ging. Viel ist zu beachten, von der Qualität des Holzes bis hin zur Verarbeitung. Und so baute ich erstmal woanders meinen ersten Schwedenzaun um dann bei uns voll durchzustarten.

 

 

die ersten Meter... die ersten Meter...

Als ich die ersten 250 Meter mit Cordula setzte, war es schwer vorstellbar, das man irgendwann einmal wieder am Ausgangspunkt landen würde. 

Aber durch viele fleißige Hände wurde es dann doch schneller beendet, als man selbst geglaubt hat.

 

Unser besonderes Dankeschön richten wir daher an alle Mithelfer die direkt am Zaunprojekt mitgewirkt haben: Stina (USA), Erik (USA), Lilith (D), Nassim (D), Katharina (D), Sabine (D), Manuel (D), Daniel (D), Denise (Ch), Peter (Ch), Lisa (D), Anne (D), Axel (Dk), Victor (Esp), Estella (Esp) und Anna (D)

 

Unser Zaun ist also international.

Insgesamt haben wir 1155 Meter Zaun gebaut, ihr könnt Euch also vorstellen, wieviel Material ich herankarren mußte. Schätzungsweise wurden etwa 6000 Holzstangen verbaut.

 

Aktuell merkt man das es ruhiger wird. Mein Werkstattauto wird jetzt ein Cabrio und das sieht dann so aus:

Angezeichnet... Angezeichnet...

Es ist ja schon ein mulmiges Gefühl wenn man die Stichsäge ansetzt. Nachahmern empfehle ich ihre Frauen wegzuschicken. Es kommt der "point of no return".

Etwas mulmig war mir schon zumute... Etwas mulmig war mir schon zumute...

Aber wenn man so schön nach oben gucken kann, ist es ja auch ganz nett. Cordula sieht noch nicht überzeugt aus.

fast fertig... fast fertig...

Nein - es wird natürlich kein Cabrio. Ich hab "nur" ein Fenster und einen Lüfter eingebaut, falls man mit der Karre mal wegfahren will und in ihr schlafen möchte. Und ich sage Euch - nachdem Mann das erste Loch ausgesägt hat, verliert man alle Hemmungen.

 

Naja, Fenster ist jetzt drinnen und es scheint auch dicht zu sein. Es regnet (mal wieder) ohne Ende, doch der Regen ist draußen geblieben. Schön.

Euch allen ein schönes Wochenende!

 

Michael von Dolsperg

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Do

20

Okt

2011

Halb sieben und zappenduster!

Noch vor wenigen Wochen saßen wir um diese Uhrzeit draußen. Im Sommer schien die Sonne teilweise noch abends um halb zehn. Und inzwischen ist es um sieben Uhr abends zappenduster. Morgens um halb acht dämmert es. Es ist frostig kalt, und die Welt sieht aus wie mit Puderzucker überstäubt. Der Gang der Jahreszeiten...

 

Es war ein sehr ereignisreicher Sommer, aber er ist nun zu Ende. Der letzte Wwoofer ist abgereist, es ist still geworden auf dem Hof. Selbst die Vögel sind ruhig, und das einzige, was man hin und wieder hört, ist da leise Gackern der Hühner oder mal das Krähen des Hahnes. Aber auch er scheint sich der Ruhe anzupassen, und morgens muß ich immer einen doppelten Blick zum Hühnerstall werfen, um mich zu überzeugen, daß die Stalltür wirklich offen ist, so ruhig ist es.

 

Gestern Abend hörte Michael wieder die Wölfe heulen. Als ich das Fenster öffnete, waren sie jedoch still. Warum wir sie neuerdings so oft hören, hat seinen Grund, den wir letzte Woche erfahren hatten: Es gibt zwei Rudel hier im Revier. Ein Rudel mit zwei ausgewachsenen Wölfen und ihren fünf Jungen. Und dann ein weiteres Rudel mit fünf Wölfen. Heute mußte ich unserer Nachbarin versprechen, ihr eine kurze sms zu schicken, wenn wir sie wieder heulen hören, denn sie hat zwar Spuren gesehen, gehört hat sie sie aber noch nicht.

 

Wo wir gerade bei Spuren sind: Gestern früh fanden wir wieder frische Wolfsspuren auf unserer Wiese, nicht weit vom Haus. Ganz deutlich war die gerade Schnur zu sehen, die jeder Wolf hinterläßt, und die so typisch für ihn ist. Im taunassen, vom Frost noch etwas angehauchten Gras ließ sie sich gut verfolgen. Lisa fand auch das zum Wolf dazugehörige, noch frische Würstchen, und da sie es sowieso liebt, sich einzuparfümieren, kam ich zu spät: Sie wälzte sich genüßlich darin und stank den ganzen Tag. Und hatte braune Schmiere an Gesicht und Hals kleben, was sie nicht gerade attraktiv machte. Jedenfalls durfte sie uns gestern kein Küßchen geben, und beinahe wäre sie mit Michael zusammen unter der Dusche gelandet, so eklig fanden wir das. Aber ihr geht es gut, und darüber freuen wir uns natürlich. Eine Woche nach ihrem starken Krampfanfall hatte sie noch einen superleichten, und das war´s. Seitdem ist Ruhe. Ich hoffe, das bleibt so. 

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Mo

10

Okt

2011

Das Vermächtnis des letzten Wwoofis

”Magst du nicht einen Blogeintrag schreiben? Wäre doch schön, wenn mal ein Wwoofi hier zu Wort kommt…” meinte Cordula  vor in paar Tagen zu mir. Und so wage ich Neuwwoofi mich also an das Blogschreiben.  Seit Dienstag bin ich da, heute ist Montag, also gibt es schon einiges zu erzählen. Michael holte mich vom Bahnhof ab und wir fuhren von Karlstad aus immer weiter in Richtung Wildnis. “Sind das eure nächsten Nachbarn?” wollte ich wissen, als wir bei einem einsamen Hof mitten im Wald vorbeikamen. Nein, die waren es noch nicht und weiter ging es ueber Schlaglöcher und in Schlangenlinien bergauf. Am Wegrand stand ein Buecherbus, eine fahrende Bibliothek, die auch die entlegeneren Häuser und Höfe mit Lesestoff versorgt und irgendwann auf der rechten Seite ein von den Sommerwwoofis bunt bemalter Wegweiser mit “Snåret”. Wir waren da.

 

Lisa begruesste mich freundlich und zurueckhaltend, ihr Hundekollege Bamse war richtig stuermisch, sprang wild mit dem Schwanz wedelnd an mir hoch und warf mich fast um. Doch er kann auch sehr schmusig sein, besonders morgens, dann verliert er beim Kraulen tonnenweise Fell. Auch den anhänglichen Bilbo lernte ich gleich kennen; er begleitete mich maunzend zur Schule, meiner neuen Bleibe fuer eine Woche, suchte das Bett aus und half beim Beziehen –naja, eher weniger, aber eine nette Gesellschaft ist er doch! Beim Zaun reparieren  kraxelt er Michael und mir auf den Ruecken, wo er schnurrend einschläft. Oder er inspiziert den Zaun und prueft, ob wir auch ordentlich arbeiten. Auch gestern musste er einen Blick ins Gewächshaus werfen. Dort ist jetzt ein richtiger Kahlschlag, die Tomaten sind draussen, die Gurken auch, nur der Spargel darf bleiben. 

 

Aber nicht nur Bilbo leistet bei der Gartenarbeit Gesellschaft, auch Lisa sorgt dafuer, dass keine Langeweile aufkommt. Unermuedlich legt sie uns ihren “Kotti” (von schwedisch Kotte=Tannenzapfen) vor die Nase und hofft, dass ihn irgendeiner versteckt oder am liebsten wirft. Nur dumm, dass die Menschen noch so viel andere Dinge zu tun haben, zum Beispiel Giersch aus der Erde ziehen. Ich Städter wusste ja gar nicht was Giersch ist, bis ich die eher unerfreuliche Bekanntschaft mit dieser auswuchernden Unkrautpflanze machen durfte. Obwohl er nur an einem kleinen Flecken wuchs, hatte er schon seine hartnäckigen weissen Wurzeln in alle Richtungen ausgebreitet und es hat doch eine Weile gedauert, bis ich ihm endgueltig den Garaus gemacht hatte. Zum Glueck war Lisa da und wir spielten nach jeder Schubkarrenfuhre voll Giersch einmal Kotti verstecken, bis die Hundenase ganz erdig war.

 

Eins meiner Highlights hier auf dem Hof war das abendliche Bad in der gusseisernen Freiluftbadewanne.  Bei 0  Grad Aussentemperatur  im heissen Wasser liegen, ein echter Luxus! Fuer den Panoramablick auf die Wiese war es zu dunkel, dafuer war der Himmel um so huebscher. Mit Sternen. Und mit Sternschnuppen! Ich glaube, ich lag ueber eine Stunde in der Wanne, bis Cordula mal nachschauen kam. Nicht dass ihr der letzte Wwoofi in diesem Jahr noch in der Wanne ertrinkt. Mein Rat an alle zukuenftigen Woofer: lasst euch so ein Bad nicht entgehen! Das lohnt sich wirklich!

Heiss gemacht wird das Wasser uebrigens durch ein kleines Feuerchen direkt unter der Wanne. Michael kuemmerte sich darum, seine Wwoofer sollen es ja gut haben sagt er und ich bin kein Held im Feuer machen. 

 

Meine romantische Vorstellung vom gemuetlichen Kaminfeuer hat ein bisschen gelitten, denn ich brauche abends gefuehlte Stunden, bis es dann endlich im Kamin in der alten Schule knistert. Einfach die dicken Scheite rein, Streichholz an und fertig, so einfach geht das ja leider nicht. Aber ich lerne und es klappt immer besser. Zum Glueck, denn es wird langsam richtig kalt. 7 Grad waren es gestern abend in der Schule und da ueberlege ich es mir doch dreimal, ob ich den kurzen aber eisigkalten Weg zum schuleigenen Plumpsklo noch auf mich nehme.

Ab morgen ist dann alles schon wieder vorbei, da geht es in Richtung Heimat. Schade eigentlich, denn das Hofleben gefällt mir. Gerne wuerde ich Bamse oder Lisa mitschmuggeln oder zumindest den lustigen Bilbo. Zu dumm, dass Ryan Air so strenge Gepäckbestimmungen hat. Vielleicht muss ich dann doch im Mai wiederkommen, da braucht Cordula Gartenwwoofer und das wird bestimmt auch wieder lustig.

 

Anna 

 

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So

09

Okt

2011

Herbstgeschehen

Weißkopf kann seine verwandtschaftliche Verbindung mit Mokki Tokki nicht leugnen: Beide starben mit demselben Krawall. Und diese Krawallgene leben nun in nicht wenigen Küken weiter. Wwoofer- Anna hielt trotz des lautstarken Sterbens tapfer durch und assistierte Michael, als dieser unser Abendbrot vorbereitete. Einfach wird es nicht für sie gewesen sein: Beim ersten Mal Schlachten gleich eine solche Negativerfahrung… Jaja, der Vorführeffekt. Bei Jule der meterweit flatternde kopflose Torso, und hier das lautstarke Wehren gegen das Unvermeidliche. Eindeutig: Tokki war der Papi.

 

Weißkopf hat es in den letzten Wochen seines Lebens nicht leicht gehabt, denn der große weiße Hahn rächte sich unerbittlich für die vergangenen Monate des gnadenlosen Mobbings. Und nun war es Weißkopf, den es traf. Der keine Henne begleiten durfte. Der nicht mit den anderen gemeinsam picken durfte. Und der ständig verjagt wurde.

 

Jedenfalls gibt es in zwei Stunden Hühnchen zum Essen. Zwar ist an Weißkopf nicht viel dran, aber schmecken wird er uns trotzdem. Er wird neben der Roten Bete auf dem Feuer garen. Die werden Anna und ich nämlich heute noch einlegen, und dazu muß sie vorher weich gekocht und geschält werden. Mit etwas Glück sind wir vor dem Essen damit fertig.

 

Überhaupt ist Erntezeit, und Anna legt sich voll ins Zeug. Obwohl heute ihr freier Sonntag ist und es ziemlich kalt war, heute früh waren es minus fünf Grad, alles frostweiß überhaucht und ein Grad plus erst ab zehn Uhr, zog es sie, mit Hacke, Schere und Bindfaden bewaffnet, in den Garten. Begeistert erntete sie den leicht verfrosteten Blumenkohl, Rote Bete, Blattsellerie, Pfefferminze…


 

Eine ganze Schubkarre voll Kürbisse warten auf die Einlagerung bzw. Verarbeitung, und dieselbe Menge müssen wir morgen noch ernten. Wir haben vielleicht etwas lange damit gewartet, aber ich denke, die dicke Schale wird einiges an Kälte abgehalten haben. Der Mangold und der Kohl blieb von dem Frost völlig unberührt, allerdings ist es jetzt mit den Tomaten und Gurken im Gewächshaus vollends vorbei. Na, durch die Gewächshausleuchten haben wir noch soviel wie möglich zur Reife gebracht. Und schön sieht es abends auch noch aus, wenn das Gewächshaus erleuchtet ist. 

 

Bilbo inspizierte erst einmal ganz genau, was Anna da so im Gewächshaus treibt. Inzwischen wagt er sich nämlich sogar ans Wohnhaus, er ist ja sehr hartnäckig, und letztens durfte er sogar gemeinsam mit einigen unserer Katzen aus einem Napf fressen.

 

Nicht, daß jetzt Waffenstillstand wäre, oh nein, aber knurrende Mägen lassen den kampfesmutigsten Stubentiger nur aufs Futter schielen, und nicht auf den Feind. In dem offenen Badfenster saß er schon, und zweimal ging er bereits im Haus spazieren, wobei er einmal auf Hupe traf, die ihm fauchend und knurrend begegnete. Aber er gibt ja nicht auf, und aus Frust greift er gern unseren Hemmel an, denjenigen, der sich vor seinem eigenen Schatten fürchtet und ständig versucht, ihm tunlichst aus dem Weg zu gehen. Erst heute überfiel er ihn wieder und verfolgte ihn bis unter das Haus. So haben alle unsere Katzen Kratzer und Wunden, und unsere Katzenomi sogar ein stark eingerissenes Ohr.

 

Und wie könnte es anders sein: Bilbo hat sich zumindest stundenweise bei Anna in der Schule einquartiert. Zwar geht er nachts auf Streifzüge, aber auf das weiche Bett verzichtet er dann doch nicht. Immerhin ist es seine Schule. Sein Hof, seine Schule, seine Wwoofer- und natürlich sein Schwedenzaun. Und da muß man natürlich gucken, ob der auch richtig gebaut und repariert wird. Die beste Aussicht hat man von oben, und deshalb:

 

Rückblick auf sonnigere Tage Rückblick auf sonnigere Tage

Gestern Abend war Sternschnuppennacht. Der Kometenschweif sollte bis zu sechshundert Sternschnuppen pro Stunde hervorbringen, und da wir sowieso Lust auf ein Feuerchen hatten, war das ein guter Anlaß.

 

Die schön mit Steinen eingefaßte Feuerstelle haben wir Wwoofer- Hannah und Wwoofer- Milan zu verdanken, die an ihrem letzten Tag noch Steine rückten und buddelten. 

 

Zwar gab es gestern kein Stockbrot, dafür aber Spiegelei auf Käsebrot, und getrommelt haben wir auch. Bamse fand das ziemlich aufregend, und als Michael die Handtrommel mit Schellen schüttelte, fiel er in den Reigen mit ein. Lisa hielt es nicht mehr in ihrer Höhle, und so durfte sie noch ein Weilchen bei uns draußen sein. Bis es dann am Waldrand zu spannend wurde, dort muß sich wohl das eine oder andere Wild aufgehalten haben, so daß wir sie ins Haus verfrachteten.

 

Am Feuer spürte man die Kälte nicht, und so wurde es ziemlich spät. Und als wir im Bett lagen, saß Anna noch am Feuer und genoß die Stille. Denn so ruhig ist es in Nürnberg dann doch nicht.

 

Cordula

 

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Mo

19

Sep

2011

Schock am Abend

Lisas Tagesrhythmus ist sehr vom Tageslicht abhängig. Jetzt, wo es täglich früher dunkel wird, will sie immer früher schlafen gehen. Schlafen, das kann sie nur in ihrer Höhle, die in unserem Schlafzimmer neben dem Bett steht. So hier sieht es aus, wenn Lisa sich in ihr Bettchen kuschelt:

Diese Aufnahme entstand im Urlaub. Denn die Höhle mußte mit nach Portugal, ganz klar.

 

Nun wissen wir ja, daß Lisa ganz gern mal hin und her wandert oder auch die eine oder andere Fliege jagt. Von daher reagierten wir anfangs mit Lachen auf das Poltern, das von oben ertönte. Zwischendurch klang es auch mal so, als würde sie sich hinlegen, aber dann ging das Gepoltere wieder los. Mir wurde etwas mulmig, und so lief ich, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hoch zum Schlafzimmer.

 

Als ich die Tür öffnete, traf mich der Anblick wie ein Schlag: Lisa stand vor ihrer Höhle, die zwischen Bett und Wand steht, und ihr Körper zuckte in starken Krämpfen derart, daß sie von der Wand ans Bett und wieder zurückprallte, auf den Boden stürzte und wieder richtiggehend hin und her flog.

 

Ich schnappte mir die Kleine und versuchte, sie festzuhalten, was sich als fast unmöglich erwies, so kräftig waren ihre Krämpfe. Ihr Herz raste, ihren Körper schüttelte es.

 

Nun muß ich dazu sagen, daß sie letzten Juni bereits einmal einen leichten Krampfanfall gehabt hatte, allerdings nichts im Vergleich hierzu. Damals betrag ich die Küche, in der sie verkrampft auf dem Boden lag, die Schnauze zugepreßt und mit dem Vorderbein rudernd. Auch damals bekam ich Panik, vor allem, da Lisa nicht allein stehen konnte, sie schwankte hin und her und drohte mehrfach, zu stürzen. Nach einigen Minuten waren die Krämpfe vorbei, und sie schlabberte dankbar die verdünnte Milch, die ich ihr eher zur eigenen Beruhigung gegeben hatte, frei nach dem Motto: Ein Tier, das trinkt, hat das schlimmste überstanden.

 

Ein Jahr und drei Monate ist das jetzt her. Und dieser Krampfanfall war derart heftig, daß ich in Panik verfiel. Ich schrie nach Michael, der angestürzt kam, und gemeinsam versuchten wir, Lisa festzuhalten, damit sie sich nicht wehtat. Gift oder Wespenstich schlossen wir aus, da sie nicht jaulte. Sie war vollständig verkrampft und fing dann auch an, zu speicheln.

 

Es handelte es sich um die Symptome eines epileptischen Anfalls, ganz klar. Das bestätigte auch Cora, die momentan bei uns wohnt, und die von Michael geholt wurde, da sie sich etwas mehr damit auskennt als wir.

 

Im Endeffekt kann man nur abwarten und dafür sorgen, daß sich das Tier während des Anfalls nicht verletzt. Und das taten wir, so gut wir konnten. Einmal klangen die Krämpfe etwas ab, und wir dachten schon, es ginge Lisa jetzt besser, aber dann ging es wieder mit verstärkter Kraft weiter. Sie gab gequälte Laute von sich, und ich hatte panische Angst, sie zu verlieren. Obwohl mir ja klar war, daß niemand an einem einzelnen epileptischen Anfall stirbt.

 

Irgendwann, die Minuten zogen sich wie Stunden, ließen ihre Krämpfe nach, und so langsam nahm sie ihre Umgebung wieder wahr. Und schlabberte die gesamte Schale verdünnter Milch leer, die Michael ihr hingestellt hatte. Später lasen wir dann, daß es so ziemlich normal ist, daß Tiere nach einem epileptischen Anfall sehr durstig und/ oder hungrig sind.

 

Mir wurde einmal mehr bewußt, wie sehr ich Lisa doch liebe. Ich glaube, ich litt mehr als sie. Wir wollten sie nicht allein lassen, und so hielten wir Wache bei ihr, solange der andere Zähne putzte und sich nachtfertig machte. Das paßte Lisa gar nicht in den Kram, sie wollte uns beide bei sich haben, und Michael hatte Mühe, sie oben zu halten, während ich im Bad war.

 

Und sie kam sogar in unser Bettchen gehüpft, wo wir etwas kuschelten. Das macht sie normalerweise nicht. Vielleicht hat sie aber auch nur unsere Beunruhigung gesprüt und wollte uns trösten, wer weiß?

 

Unsere Lisa ist also Epileptikerin. Das bedeutet, daß wir uns nun entscheiden müssen, ob wir ihr Medikamente geben oder nicht. Zuerst werden wir jedoch zum Tierarzt gehen und einen Gehirntumor ausschließen. Ob und welche Medikamente wir ihr dann geben, werden wir wohl nach dem nächsten Anfall entscheiden- sofern er kommt. Sollte es bei diesem Zeitintervall bleiben, kann man eine Medikamentengabe diskutieren. Kommen die Anfälle häufiger, bleibt wohl keine andere Wahl. Wir werden das sehen.

 

Mich irritiert allerdings, daß die Symptomatik derart zugenommen hat. So sollte es eigentlich nicht sein. 

 

Lisa jedenfalls hat den Anfall gut überstanden. Sie hatte sich gerade wieder in ihre Höhle zurückgezogen, als die Wölfe loslegten. Vor zwei Wochen hatten wir sie bereits gehört, ein ganzes Rudel, in der Abenddämmerung. Und jetzt, kurz vor Mitternacht, ging es wieder los. Aber diesmal derart nah, daß ich eine Gänsehaut bekam.

 

Ein ganzes Wolfsrudel, das nachts den Mond anheult- das ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergißt. Wie gebannt lauschten wir, und ich wollte gerade die Bemerkung machen, daß der eine dieser Wölfe anscheinend sehr, sehr nahe sei, als mir aufging, daß es Bamse war, der unten im Flur laut mitheulte.

 

Spätestens jetzt hielt es auch Lisa nicht mehr in ihrer Höhle, und sie fiel in den mehrstimmigen Chor ein. Es war mystisch. Unglaublich. So etwas muß man erlebt haben.

 

Cordula

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So

11

Sep

2011

Schichtwechsel

„Du siehst genauso aus wie in dem Blog!“ begrüßte Wwoofer- Hannah Michael, als er sie am Bahnhof abholte. Ich mußte grinsen, als ich das hörte. Aber es ist schon etwas merkwürdig: Da kommen Menschen, die man nicht kennt, und wissen unheimlich viel über einen. So auch Wwoofer- Lisa, Wwoofer- Anna und Wwoofer- Axel, die Michael fast umgehend fragten, was denn sein Fuß mache. Denn er hatte ihn sich ja einige Tage zuvor übel gezerrt, und ich natürlich im Blog darüber berichtet. So richtig dran gewöhnen werde ich mich wohl nicht, aber so weiß zumindest jeder Wwoofer, was ihn erwartet, wenn er zu uns kommt J

 

Unsere drei Bayerinnen sind abgereist. Sie tauschten Gartenarbeit bei uns gegen Sanddornpflücken. Aber an ihrem letzten Tag erfüllten sie mir einen Herzenswunsch: Sie putzten die Fenster im Wohnhaus! Die hatte ich ja vor zwei Jahren renoviert, kam dann aber nicht mehr zum Kitt und Farbe abkratzen, und man konnte bei einigen Fenstern auch deutlich sehen, daß sie dreißig Jahre lang nicht geputzt worden waren. Letztes Jahr dann wollte ich sie putzen- und renovierte sie statt dessen noch einmal, denn die Meisen hatten den Kitt rausgefressen. Dieses Jahr dann besserte ich den Kitt zum hoffentlich letzten Mal aus, schob das ungeliebte Fensterputzen aber immer vor mir her. Schulfensterputzen hatte ich mit Lisa und Anne bereits begonnen, die habe ich prioritiert, da wir die Schule ja vermieten wollen, das Wohnhaus mußte warten. Schien die Sonne durch die Scheiben, schwor ich mir ein fürs andere Mal, endlich Glaskratzer und Seifenlauge zu nehmen und das leidige Thema anzugehen, und dann gab es doch wichtigere Sachen zu erledigen. Ich bin halt nicht der Fensterputzer.

 

Ich mußte mit Michael auf eine Baustelle fahren und bat Sophie, Luzie und Jule, zumindest außen mit dem Kittabkratzen zu beginnen. Als wir nach Hause kamen, hatten sie die Fenster nicht nur außen geputzt, sondern auch innen bereits begonnen! Welche Freude! Und da sie bereits so eifrig dabei waren, zu wienern und zu putzen, baute Michael die Innenbögen in Wohnzimmer, Küche und Bad aus, damit auch sie geputzt werden konnten. Mit Leib und Seele waren sie dabei, und ich jubelte nicht nur innerlich. Juchhu, man konnte anständig durch die Scheiben blicken! Und sogar im Eingangsbereich, wo von innen so komischer grüner Belag an den Scheiben geklebt hatte, blitzte und blinkte es, daß es mir fast in den Augen wehtat! Die Balkontür, die nicht nur von den Katzen im unteren Bereich ständig verschmiert wird, sondern auch von Männerhänden, die Glasscheiben den Türklinken vorziehen, im oberen Bereich, sah aus wie neu gekauft. Wow!

Wwoofer- Milan lernte die drei noch kennen. Er hatte es nämlich doch noch zu uns geschafft, allen Widrigkeiten zum Trotz. Vor drei Wochen nämlich hatte ich einen Anruf von ihm bekommen, der seinen Aufenthalt bei uns etwas infrage stellte: Er befand sich gerade auf einem Hof in Mecklemburg- Vorpommern, bei dem er seine Ausrüstung und Paß auf der Sauna verstaut hatte- die abbrannte, mitsamt all seinen Habseligkeiten. Und ohne Paß ist es schon nicht so schön, das Land zu verlassen… die angekokelten Geldscheine nimmt hoffentlich die Bank zurück, die Läden weigern sich aus verständlichen Gründen.

 

Jedenfalls ist er jetzt da und bewohnt die Schmiede. Hannah bezog die Lehrerwohnung, kam aber eines Morgens nach einer stürmischen, verregneten Nacht mit einer Hiobsbotschaft zu uns: Sie war vom steten Tropfen auf den Fußboden wach geworden. Es hatte in die Schule geregnet! Eine Begutachtung ergab, daß das Dach dicht war, die Nässe jedoch durch die marode Fassade gedrungen, die dicken Balken durchnäßt und dann durch die Zwischendecke ins Schlafzimmer getropft war. Da hatten wir die Fassade gesprüht, in der Hoffnung, daß wir sie erst im nächsten Jahr austauschen müssen, und nun so etwas! Ins Getreidemagazin regnet es auch an zwei Stellen hinein, vorm Winter müssen die Lecks unbedingt noch beseitigt werden.

 

Seit Ende Juli regnete es, vorgestern kam endlich die Sonne raus. Nach sieben Wochen Regen! Und so wirbelten Hannah und ich im Garten, zupften, mulchten und pflanzten um, und sind doch noch nicht fertig damit. Milan griff Michael bei einer nahegelegenen Baustelle unter die Arme, denn ich gehe nicht auf das Gerüst und bin heilfroh, daß Milan einspringt. Außerdem konnte ich mich so auf den Garten konzentrieren, was sowieso viel mehr Spaß macht.

 

Und da Hannah und ich zuhause waren, erlebten wir das Drama live mit. Hautnah sozusagen, und es war besser als Kino: Der weiße Hahn, der Import, der, seitdem er bei uns wohnt, gemobbt und gejagt wird, der immer nur mal wieder eine einzige Henne mit sich führte, der im Rang so weit unten stand, daß er teilweise nicht auf die Sitzstange durfte, der nicht erkannte, daß er der größte und kräftigste von allen ist, daß Tokki und Weißkopf einfach nur kleine Sizilianer sind, die ihre nicht vorhandene Größe durch Großmäuligkeit und Aggressivität ausgleichen, dieser unterdrückte und verkannte Hahn bäumte sich auf und setzte sich zur Wehr. Er war es wohl leid, ständig von Tokki weggejagt zu werden, und diesmal reagierte er. Massiv. Tokki war die Verblüffung genauso ins Gesicht geschrieben wir mir, als ich es sah: Tokki und der Weiße lieferten sich einen filmreifen Kampf. Und Tokki gab einfach nicht auf. Die Halsfedern stellten sich auf, und immer und immer wieder gingen sie aufeinander los. Der Kampf verlagerte sich vom Weg auf den Kompost und dann richtung Heckenrosen. Plötzlich ein schrilles Kreischen. Tokki war getroffen und floh in den Stall, dicht gefolgt vom Weißen, der seinen Sieg in greifbare Nähe gerückt sah. Mit weit ausgreifenden Schritten folgte er Tokki in den Stall. Der Kampf schien vorbei, nur das Siegesgegacker des Weißen war zu hören. Laut schrie er seinen Sieg erst Tokki und dann allen Hennen zu. Und auch Weißkopf, der dem Kampf unberührt zugesehen hatte. Hoch erhobenen Hauptes stolzierte er aus dem Stall, arrogant reckte er den Kopf und erzählte es jedem, der es hören wollte oder auch nicht, daß er Tokki geschlagen hatte. In einem fairen Kampf. Den Mut dazu, vermute ich, hatte er dadurch bekommen, daß der große dunkle Hahn noch zu Zeiten der Wwoofer- Bayerinnen (siehe letzter Blogeintrag) dran hatte glauben müssen.

Ich kontrollierte, ob Tokki noch lebte. Ja, tat er, saß in einem ungenutzten Nest im Stall. Auch nach einer halben Stunde war er nicht wieder zum Vorschein gekommen, und mein Kontrollgang enthüllte, daß er sich in die dunkelste Ecke zurückgezogen hatte. Michael stellte dann fest, daß er ziemlich lädiert aussah, eines seiner Augen existierte kaum noch, und wir entschlossen uns, ihn endlich zu schlachten. Zu oft war er schon der Axt entgangen, aber diesmal mußten wir ihn erlösen. Dachten wir. Denn Milan war gerade mit der Axt im Anmarsch, da stob Tokki laut kreischend aus dem Stall und begann, hysterisch hin und her zu laufen. Also ging es ihm wohl doch nicht so schlecht, die Axt wurde beiseite gestellt.

 

Es war Abend, und ich wollte das Licht im Stall löschen. Tokki saß auf der Stange, und ganz entgegen seiner Gewohnheit blieb er still, als ich den Stall betrat. Forschend trat ich an ihn heran und betrachtete ihn. Er blieb weiterhin ruhig. Das war kein gutes Zeichen! Sein Auge war ausgelaufen, er sah nicht gut aus. Ich entschloß mich, daß wir ihn wohl doch schlachten würden. Michael betrat den Stall, und ich hörte Tokki, bevor ich ihn sah. Jetzt war nichts mehr von still zu hören, er kreischte, wußte wohl, was anstand, und hing an seinem Leben. Wollte nicht sterben. Ich überlegte gerade, ob ich mich ein weiteres Mal für ihn einsetzen sollte, im Frühjahr hatte ich dies ja bereits einmal mit Erfolg getan, da trat urplötzlich Stille ein. Zu spät. Wir würden Tokki essen.

 

Und das taten wir auch. Zäh war er, und da nützte auch das lange Kochen nichts. Dennoch: Erst verschwand eine halbe Tokkibrust aus dem Topf. Dann war die andere Hälfte angenagt, und am nächsten Morgen fehlten plötzlich beide Tokkibrüste. Milan bekam einen Tokkischenkel, ich nagte die Reste ab, und die Suppe verzehrten wir gemeinsam. Ohne Hannah, denn die ist Vegetarierin, allerdings eine vom alten Schlag, denn Fisch ißt sie.

 

Wobei mir einfällt, daß Milan ja letzten Sonntag angeln war. Und dabei bis zur Hüfte im Moor steckengeblieben war und sich nur mit viel Mühe wieder befreien konnte. Wir konnten ihm nicht helfen, denn wir waren Pilze sammeln. Sechs Kilo waren es geworden, und einen Teil mußten wir einkochen. Auch die Fische, die Milan gefangen hatte, konnten wir nicht vollständig vertilgen, es waren einfach zu viele.

Die Pause während unserer Pilzwanderung verbrachten wir am Långtjärn, an dem sich ein Unterstand und eine Feuerstelle befinden. Er ist nicht weit von uns, und doch haben wir den Wanderpfad erst vor wenigen Wochen entdeckt. Michael hatte dort bereits Ende August mit Sophie, Luzie und Jule eine Pilzsammelwanderungspause gemacht, und da die Wanderung so ergiebig und der Wanderweg so schön war, wiederholten wir sie nun zu dritt.

Hannah war die erste, die in den See sprang, sie ist leidenschaftliche Schwimmerin, und da konnte Michael natürlich nicht zurückstehen. Er brauchte zwar einige Minuten länger als Hannah, bis er im Wasser war, aber dann durchschwamm er mit ihr gemeinsam den See.

Ich zog es vor, am Feuer sitzen zu bleiben, denn meine Erkältung, die ich mir vor zwei Wochen zugezogen hatte, war immer noch nicht abgeklungen. Außerdem bin ich viel zu fröstelig, um in so kaltem Wasser zu schwimmen und etwas froh über dieses Alibi. Aber malerisch sah es aus, das muß ich ja zugeben. Vielleicht springe ich nächstes Jahr mit hinein...

 

Cordula

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So

28

Aug

2011

Der Gruselkeller und die Waffelbäcker

Was sich so alles angesammelt hat auf unserem alten Hof. Es gibt ja immer Stellen, von denen man weiß, daß sie existieren, aber man macht doch bewußt oder unbewußt einen Bogen drum. Eine solche Stelle ist der "Gruselkeller", wie ihn unsere bayrischen Wwoofis getauft haben.

 

Beim Gruselkeller handelt es sich um einen typischen "Jordkällare", also einen Erdkeller, in dem Eingemachtes vor Frost geschützt werden soll. Wir haben drei davon auf dem Hof, doch dieser eine Keller, der jetzt Gruselkeller heißt, hatte etwas exotisches. Er soll freigeräumt werden von allem, was sich darin befindet.

 

Schubkarren mit Eingemachten Schubkarren mit Eingemachten

Die Konserven aus den Jahren von 1965 - 1969 enthielten Spannendes. Pflaumen, Himbeeren, Erdbeeren, Fleisch und vieles mehr. Appetitlich war das Entleeren der Gläser allerdings nicht immer.

Die Mädels waren fasziniert von den Inhalten Die Mädels waren fasziniert von den Inhalten

Ganz fertig sind wir noch nicht geworden. Aber wir kriegen bestimmt noch andere Wwoofer, die mit uns in die Tiefen des Gruselkeller vordringen und seine Schätze ans Tageslicht befördern wollen. Für diejenigen, die es interessieren sollte, ob Obst nach über 4o Jahren noch gut ist: Ja. Ich hab die Pflaumen gekostet und zusammen mit den Mädels etwas probiert, was wir für Wein hielten. Die Pflaumen schmeckten noch nach Pflaume und der Wein hat ein wenig nach Essig geschmeckt. 

Doch wir machen natürlich auch schöne Sachen mit unseren Wwoofern. Vorgestern sind wir zu unserem alten Haus ohne Strom gefahren und haben noch einen kleinen Spaziergang zum Gryten gemacht, einem idyllischen See in dem Naturreservat Vargaviddarna. 

Am Lagerfeuer ließen wir uns dann unser Stockbrot schmecken. Für diejenigen, die noch nie Stockbrot gemacht haben - es ist supereinfach: 500 Gramm Mehl, etwas Salz, 1 Päckchen Trockenhefe und Wasser. Den Teig etwas gehen lassen, und los kanns gehen.

Auch mir schmeckt es Auch mir schmeckt es

Dann kam gestern das Highlight der Woche: Biowaffelverkauf auf dem Tivedsmarkt in Sannerud. Die ganze Woche hatten wir am Rezept gefeilt und fast jeden Tag Waffeln gegessen, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren. Auch ein Verkaufsstand mußte gebaut werden, eine Aufgabe, die mir zufiel. Gestern früh um 5 Uhr standen wir auf und fuhren nach Sannerud, bauten unseren Stand auf und hofften, daß jemand unsere Waffeln kauft.

Doch unsere Bio-Waffeln kamen gut an. Wir hatten hauptsächlich mit ökologischen Zutaten gebacken, weil das eine Prinzipsfrage für uns ist. Aber sie schmeckten auch echt lecker.

Teilweise war der Andrang recht groß, und Meisterbäckerin Luzie hatte mit Sophie, Julia, Cordula und mir ganz gut zu tun. 

Viele Deutsche kamen auch zu unserem Stand, und einige Bücher von Cordula gingen auch noch über den Ladentisch. Alles in allem ein gelungener Tag, mit viel Spaß und Freude. Auf dem Heimweg nach Snåret überfielen wir noch eine Pizzeria und spendierten unseren fleißigen Mädels eine große vegetarische Familienpizza. Zu Hause angekommen waren wir dann auch total kaputt und fielen in unsere Betten.

 

Zum Schluß noch ein Bild vom Stand und dem Team Snåret.

 

Michael von Dolsperg

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Di

23

Aug

2011

Wwoofi müßte man sein...

Wäre man Wwoofi, hätte man es gut. Das bewiesen unsere drei Bayerinnen vorgestern Abend. Das Foto spricht für sich. Und sagt nicht, daß kein Neid bei Euch aufkommt!

Redlich verdient hatten sie sich das Bad, denn sie haben etwas getan, woran noch vor wenigen Tagen nicht zu denken gewesen war. Sophie und Luzie sind Vegetarier, und von daher müssen sie es nicht, aber die beiden und auch Michael und ich waren der Auffassung, wer Fleisch ißt, sollte auch mal schlachten, und so traf Julia dieses Los. Ganz widerstandslos ging das ganze nicht vonstatten, aber schließlich erklärte sie sich tapfer bereit, Michael beim Schlachten des großen dunklen Hahns zu assistieren. Als moralische Unterstützung waren auch Luzie und Sophie zugegen, wobei erstere hingegen nach dem ersten Axthieb und dem kräftigen Flattern der Hahnenflügel ins Haus flüchtete.

Ein bißchen doof war es ja gelaufen, der typische Vorführeffekt: Obwohl kopflos, flatterte das Vieh noch einige Meter, und für jemanden, der diesen Anblick zum ersten Mal sieht, ist es wirklich makaber. Nicht viele Hühner haben derart viel Energie, aber unser dunkler hatte wohl Störtebeker als Vorbild, und damit hatten wir nicht gerechnet.

 

Trotzdem waren sie sich hinterher einig, daß es schnell ging und der Hahn nicht leiden mußte. Und auf jeden Fall hatte unser Hahn einen angenehmeren Tod als die unzähligen Hühner, die anonym und maschinell in den Hühnerfarmen getötet werden und teilweise sogar noch lebend gebrüht werden.                                   

 

Eigentlich hätte Mokki Tokki dran glauben müssen. Ihr wißt schon, der hysterische, durchgeknallte Schwanzlose, das Sportmodell, das seine nicht vorhandene Größe wie ein kleiner Sizilianer mit Aggressionen wettmacht. Da an ihm jedoch nix dran ist und wir sowieso der Meinung waren, daß Tokki einen riesigen Rabatz schlagen würde, haben wir uns gegen ihn entschieden. Er erhielt nochmal eine Gnadenfrist. Das zweite Mal dem Hackeklotz entgangen! Aber mal ehrlich, wer zum ersten Mal beim Schlachten assistiert, sollte kein Trauma erleiden. Und dafür hätte Tokki sicherlich gesorgt. Es ging ja schon los, als Michael die Stalltür öffnete. Normalerweise bleiben Hühner ruhig auf der Stange sitzen, wenn man im Dunklen den Stall betritt, aber von Tokki sind wir ja sowieso anderes gewohnt. Und so legte er auch diesmal kreischend los, sobald sich die Tür nur einen Spalt breit geöffnet hatte. Ob er froh war, als Michael mit dem dunklen Hahn unterm Arm den Stall verließ? Na, der bedankte sich dann ja mit der Störtebeker- Nummer…

 

Vorgestern gab es also glücklichen Hahn zum Essen. Jedenfalls für Julia, Michael und mich. Die anderen begnügten sich mit Chili sin Carne und Salat. Ich hatte auch seit drei Monaten kein Fleisch mehr gegessen, und ich muß sagen, der Hahn schmeckte gut. Gestern gab es dann noch Hahnennudelsoße.

 

Als nächstes sind dann Tokki und Weißkopf dran. Weißkopf ist Tokkis Sohn, und er zeigt ähnliche größenwahnsinnige Tendenzen wie sein Papi. Wie überhaupt alle Schwanzlosen aus dieser Linie. Die Küken werden wohl in dieser Tradition verbleiben, denn auch hier haben wir einige Schwanzlose dabei.

 

Während ich hier sitze und schreibe, kann ich unseren Garten sehen. Von oben, denn ich arbeite im Büro, von dem aus ich einen herrlichen Blick auf Garten und Wiesen habe.

War der Küchengarten im Mai noch kahl und braun gewesen und die Beete nur von einer dicken Heuschicht bedeckt, so hat man jetzt Mühe, wenn man sich einen Weg auf den schmalen Wegen bahnen will. Der Regen der letzten zwei Wochen hat alles noch einmal explodieren lassen, und jetzt ist es höchste Zeit, zumindest das Blattgemüse zu verarbeiten. Und so haben wir eben noch Kohl geschnippelt und gedämpft, um ihn später einzufrieren. Den Raupen des Kohlweißlings gönne ich ihn nämlich nicht, es reicht, daß mir die Erdflöhe einen Großteil der Gemüse geklaut haben.

 

Da das Wetter es nicht zugelassen hatte, haben wir nicht viel im Garten erledigen können. Statt dessen ist es im Schulsaal voran gegangen, und unsere drei Bayerinnen haben geschliffen und Fenster gemalt, bis ihnen die Farbe ausging.

 

Waffelduft zieht zu mir hoch. Ist es jetzt das dritte oder gar das vierte Mal, daß wir Waffeln probebacken? Am Sonnabend nämlich verkaufen wir Biowaffeln und Biokaffee auf einem Herbstmarkt, und dafür müssen wir üben. Die Waffeln sollen milchfrei sein, Eier ließen sich aber leider nicht vermeiden, obwohl ein veganes Waffelrezept das Gegenteil behauptete. Backe ich für mich selbst Waffeln, ist es ja ok, wenn sie festkleben oder zerbröseln, aber wenn ich sie verkaufe, geht das natürlich nicht. Und so üben wir und üben und üben. Ich gehe fest davon aus, daß wir spätestens am Wochenende keine Waffeln mehr sehen können. Gut, daß Sophie, Luzie und Julia bereits Verkaufserfahrung haben; der Verkauf von Gemüse gehörte nämlich auf ihrem vorigen Wwoof- Hof zu ihren Aufgaben.

 

 

Ach ja, und dann ist jetzt endlich das Snåret- Schild fertig. Eine Seite des Wegweisers verdanken wir ja Lisa und Anne, und jetzt haben die drei Bayerinnen auch die andere Seite fertig gestellt. Wir präsentieren also ganz stolz unseren hofeigenen Wegweiser! Heute wurde er dann aufgesetzt.

 

Foto oben: Made by Anne und Lisa. Foto unten: Die fleißigen Schildmaler mit ihrem Werk.

v.l.n.r.: Julia, Sophie, Luzie v.l.n.r.: Julia, Sophie, Luzie

Habt Ihr eigentlich schon gesehen, daß die alte Schmiede und die Lehrerwohnung zur Vermietung freigegeben wurden? Nein? Dann wird es aber Zeit! Schaut links im Menü nach, dann könnt Ihr es nicht übersehen.

 

So, und für mich wird es jetzt auch Zeit, Waffeln zu probieren. Sonst essen mir Michael und die Mädels alles weg.

 

Cordula

 

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Fr

05

Aug

2011

Und so ist bereits August...

Regenzeit ist Blogschreibezeit. Die letzten Tage, eigentlich seit Abreise unserer beiden Mädels, hatten wir bombastisches Wetter. Es war so warm, daß sogar ich mich in den See gewagt habe. Dort waren Michael und ich gestern am späten Nachmittag mit den Hunden. Ich glaube, der Horssjön ist der einzige See, in dem man schmutziger wieder raussteigt als man reingegangen ist. Der Lehm legt sich wirklich um jedes Härchen!

 

Heute jedoch regnet es, und das ist eigentlich auch gut so. Dennoch drückt das Wetter etwas auf mein Gemüt. Na, morgen soll es wieder besser werden.

 

Was haben wir die letzten zwei Wochen getrieben? Nun, als erstes haben wir versucht, uns an die Stille zu gewöhnen. Das hat zwei, drei Tage gedauert.

Sonnabend hatten wir ein Lagerfeuer, an dem wir gemütlich beisammen saßen und mit Bilbo kuschelten, der sich bei uns all das holte, was er die Tage davor nicht von den Mädels bekommen hatte- nach denen er immer noch täglich fragt. Unsere Katzen waren nicht sehr begeistert davon, daß Bilbo so einträchtig mit uns am Feuerchen saß und haben fauchend versucht, ihn zu vertreiben. Vergeblich. Bilbo ist ein sehr gerechter ehemaliger Kater: Er verteilte sein Kuschelbedürfnis an jeden von uns, und so durfte ihn jeder einmal auf dem Schoß haben und durchwalken.

Auch den Zaunbau hat Bilbo voll unter Kontrolle, und wie mir die fleißigen Zaunbauer Axel und Michael berichteten, dreht er täglich seine Runde ums Grundstück- auf dem Zaun.

Überhaupt Zaunbau: Heute wurde der Hofrekord vom letzten Jahr gebrochen. Da hatten nämlich Wwoofer- Katharina, Wwoofer- Manuel und Michael an einem Tag 63 Meter Zaun gesetzt. Heute jedoch zogen Axel und Michael 67 Meter Zaun!

 

Axel ist begeisterter Zaunbauer, der teilweise morgens vorm Frühstück die ersten Pfosten setzte und auch abends nach dem Abendbrot noch hin und wieder eine Sonderschicht einlegte. So wie gestern Abend, als er unbedingt die letzten Pfosten setzen wollte, um heute so richtig mit Michael durchziehen zu können. Und das haben die beiden dann ja auch getan- trotz Regen. Dennoch hat er sich dazu entschlossen, Sonntag frei zu nehmen, da er zum einen Montag früh um sechs Uhr zum nächsten Hof weiterradeln möchte, und zum anderen, da er unseren nächsten drei Wwooferinnen nicht alle gute Arbeit wegnehmen möchte. Die drei münchner Mädels sollen die Ehre haben, den letzten Ast am Zaun zu befestigen. Ist er nicht ein echter Kavalier?

 

Ja, Axel reist Montag früh ab. Und kehrt um den 24.08. herum auf dem Rückweg nach Dänemark für ein oder zwei Tage bei uns ein. Ich hoffe, für drei oder vier oder fünf. Denn dann haben wir ja die drei Münchnerinnen hier, frisch abituriert und voll motiviert. Und das wird sicherlich lustig.

 

Auch sonst ist in den letzten Tagen einiges passiert: Die letzten Gipsplatten sind im Schulsaal gesetzt worden und warten auf Spachtel. Die Südseite der Schule ist mit Rödfärg besprüht worden, dann ging leider die Sprühmaschine kaputt, und das Projekt Schulfassade malen ist fürs erste auf eis gelegt. Dafür hat sich Axel todesmutig aufs hohe Gerüst gewagt und das Fenster in der oberen Etage zweimal gemalt und auch begonnen, die Windscheiben zu malen. Der Anblick der neu bemalten Schule ist absolut faszinierend.

Im Hühnerstall tanzt der Bär. Wir haben jetzt einundzwanzig Küken, alles wuselt durcheinander, und wenn man den Stall betritt, muß man genau acht geben, wohin man tritt. Das eine und andere Küken gerät immer mal aus dem einen oder anderen Grund in Panik, und so haben wir immer ein Ohr in Richtung Hühnerstall, um im Notfall eingreifen zu können. Ein solcher trat ein, als ein zwei Tage altes Küken lauthals und verzweifelt nach Mami rief- die sich mit den anderen beiden Küken bereits im Stall befand. Hühnermama Cordula rückte an und rettete das kleine Wesen. Oder Panik, Panik, Panik. Es klang nach einem ganz jungen Küken. Und tatsächlich: Zwei Tage alt und schon festgeklemmt in der Spalte zwischen Rampe und Hühnerstallschwelle. Auch hier war Notrettung angesagt.

 

Gestern Abend, als ich die Tür zum Hühnerstall schloß, bot sich mir ein vergnügliches Bild: Ein größeres Küken schaukelte auf dem Kabel der Mückenlampe. Vor, zurück. Vor, zurück. Leider wurde es ihm dann wohl zu langweilig- oder zu gefährlich, denn als ich endlich den Fotoapparat geholt hatte, hatte es sich bereits zu seinen Geschwistern gesellt.

Hier noch ein Rätsel für Hühnerliebhaber. Dies ist ein Küken:

Wer dieser Hähne ist der Urheber desselben?

(Denkt nicht so makabre Dinge über uns! Dies ist zwar ein Hackeklotz, aber es ist definitiv keine Axt, die drauf liegt!)

 

Cordula

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Sa

30

Jul

2011

Speiseplan

In den letzten drei Wochen haben wir verdammt gut gespeist, und das, ohne daß ich stundelang in der Küche stand. Unser Wwoofer- Axel liebt es nämlich, zu kochen, und extra für uns ist er von seiner gewöhnlich veganen Ernährung auf vegetarisch umgestiegen.

 

Und da wir so stolz auf unseren Speiseplan sind, veröffentlichen wir ihn hier. Damit alle Eure Mägen knurren und Ihr neidvoll auf uns blickt.

 

Bis auf eine einzige Ausnahme zeichnet sich Axel für die Hauptspeisen verantwortlich. Die Kuchen und Torten, die wir fast täglich nach dem bereits üppigen Abendessen verspeisten, gehen aufs Konto unserer berliner Kuchenbackmeisterinnen Anne und Lisa.

 

Und nun aufgepaßt!

 

 

Hauptspeisen:

 

Blumenkohl- Kartoffelbrei- Auflauf

Kichererbsen- Curry

Mangold- Curry- Reis

Lauchsuppe und Nudelpfanne

Bohnen- Burger

Falafel

Axel's beste und Cordulas lieblings Pizza

PiriPiri Bulgur mit Gemüsepfanne und Omelette

Kohlsuppe

Grillen mit Stockbrot und vegetarischen Bratlingen

Nudeln mit Champignons und Mangold

Überbackene Auberginen mit Getreidepfanne

Gemüse- Reis- Eintopf

Spaghetti Pythagoras

Zucchinipuffer mit Humous

Pilz- Mangold- Zucchiniauflauf

Mexikanisches Drei- Bohnen- Chili

Vegetarisches Irish Stew à la Cordula

Pfifferlingsomelette mit Bratkartoffeln

Gemischter Gemüseteller

Gemüse- Couscous mt Selleriesalat

Stockbrot mit Vegoburger, Humous und Salat

 

Dazu wurde oft garteneigener Salat gereicht.

 

Und hier die Nachspeisen der beiden Wochen, als noch unsere Kuchenbäckerinnen das Nudelholz schwangen:

 

Erdbeertorte mit Vanillepudding (Mehrfach! Eigene Erdbeeren! Hmmm!)

Erdbeertorte

Blaubeerkuchen

Marmorkuchen

Möhrentorte

Bienenstich

Johannisbeerquarktorte

Erdbeersorbet

 

Das mit den Kuchen und Torten ging so weit, daß uns Axel an mindestens zwei Tagen Kuchenpause verordnete...

 

Und jetzt sage nochmal einer, er sei nicht neidisch!

 

- Allerdings wird sich der Speiseplan ändern, sobald Axel nicht mehr da ist. Denn dann bin ich fürs Kochen zuständig, und ich mache nicht so ein Heckmeck ums Essen :)

 

Gestern allerdings habe ich mir Mühe gegeben: Gedämpfter Blumenkohl mit Kräuterbutter und Erbsen- Möhren- Gemüse. Bratkartoffeln. Grüner Salat mit leckerem Honig- Senf- Knobi- Dressing. Dazu den restlichen Selleriesalat vom Vortag. Und als Nachspeise: Vanillepudding mit Johannisbeeren. Danach waren wir pappsatt und konnten uns kaum noch rühren.

 

Und damit hier keiner auf die Idee kommt, uns diese tollen Koch- und Küchenwwoofis abwerben zu wollen: Die kommen wieder zu uns. Nicht zu Euch. Zu uns. Bereits nächstes Jahr.

 

Cordula

 

 

 

 

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So

24

Jul

2011

Ausnahmezustand

Daran werde ich mich erst einmal gewöhnen müssen. Auf einen Schlag ist es still geworden auf dem Hof. Die letzten zehn Tage ging es richtig hoch her! Ich erinnere mich gut an einen Tag, an dem ich vom Einkaufen kam. Betrat die Küche- und damit ein augenscheinliches Chaos. Alle wuselten hin und her, es wirkte völlig ungeordnet, und doch wußte jeder, was er zu tun hatte. Birgit und Daniel wuschen bzw. trockneten ab. Axel war am Kochen und Anne und Lisa am Kuchen backen. Kreuz und quer führten die Wege durch unsere Küche, und auch ich hatte schnell meine Aufgabe gefunden. Als Michael dann kam, war bereits alles fertig.

 

Und jetzt- Stille. Denn vier von fünf Wwoofern sind heute abgereist. Anne und Lisa brachte ich heute früh zum Busbahnhof. Und heute Mittag reisten Birgit und Daniel ab. Der hat nämlich ein Haus gefunden, das er kaufen möchte, und dessen Schornsteinbesichtigung morgen früh stattfindet. Beide fahren runter und bleiben gleich da.

 

Ich glaube, es ist allein Axel zu verdanken, daß ich nicht in Depressionen versinke. Michael ist unterwegs, es regnet, und es ist ungewohnt still hier. Das braucht wohl einige Tage, bis wir uns daran gewöhnt haben. Vielleicht dauert es aber auch so lange, bis die beiden Spanier am Sonntag kommen und wieder etwas Leben auf den Hof bringen.

Anne und Lisa- unsere singenden und tanzenden Wwoofis. Das hatten wir noch nicht: Wwoofer, die während der Arbeit singen und auch mal einen heißen Step hinlegen. Nachdem sie die Decke des Schulsaals zum zweiten Mal gestrichen hatten, bekam ich eine Privatvorstellung, die im Schulsaal stattfand, und auch auf den „Marshmallows“ wurde die eine oder andere Turnübung hingelegt.

Bis zum zweiten Frühstück arbeiteten Axel, Anne und Lisa oft gemeinsam mit Michael am Schwedenzaun und lichteten auch das Unterholz dort, wo der Verlauf des Zaunes sein sollte. Im Rahmen dessen kam nach und nach ein völlig zugewachsener Entwässerungsgraben zum Vorschein! Nach dem Frühstück wurden Beete umgegraben und von unerwünschten Wildkräutern befreit, schubkarrenweise Kuhkacke herangeschafft (Danke, Axel!), gezupft und gemulcht. Daniel kümmerte sich um die marode Elektrik, während Birgit beide Schuleingänge mit Farbe verschönerte, so daß sie jetzt wie neu aussehen, und Lisa und ich sahen zu, daß zumindest ein Teil der Schulfenster endlich mal von Kitt, Farbe, Holzöl und vierzig Jahren Schmutz befreit wird, und alle gemeinsam fuhren wir Holz in die Scheune und stapelten es, und die beiden Mädels malten die Schmiede von außen richtig schön rot. Mit Falu Rödfärg, womit sonst.

Ihren empfindlichen Städternasen verdanken wir übrigens den gefüllten Torfeimer auf unserem Plumpsklo, und ihrer nicht versiegenden Kreativität einen selbst bemalten Wegweiser, zwei bemalte Holzschindeln fürs Plumpsklo, die darüber informieren, ob der Donnerbalken frei oder besetzt ist, und ein Gästebuch, auf das wir zukünftig jeden Gast und Wwoofer freundlich hinweisen werden.

Axel zog es immer wieder mit der Axt zum Hackeklotz (normalerweise geben wir Wwoofis keine Axt in die Hand, aus eigener, bitterer Erfahrung, aber hier machten wir eine Ausnahme), Daniel kümmerte sich darum, daß die Baggerspur weitgehend von Steinen, Löchern und Hügeln befreit wird, und auf dem hohen Kuhkackehaufen zupften wir die dort ansässigen Kürbisse von dem Grünzeug frei, das wir dort eigentlich auch nicht haben wollten.

Johannisbeeren wurden geerntet und von Anne und Lisa zu leckerem Kuchen verarbeitet, genauso wie die Blaubeeren, die sie im Wald pflückten. Eines Abends haben wir sogar Bienenstich bekommen! Der war so gelungen, daß einige von uns nur ein einziges Stück futtern konnten, bevor sie aufgaben. Überhaupt haben wir nach dem leckeren vegetarischen Essen, das Axel jeden Abend zubereitete, meistens einen noch warmen Kuchen oder eine Torte vorgesetzt bekommen, bevor sich Birgit in den Abwasch stürzte.

Bamse war besonders glücklich darüber, daß ihn Axel morgens mit zum Laufen genommen hat, und zur Entschädigung wurden für Lisa (der mit dem weißen Fell, nicht der mit dem langen dunklen Haar) Unmengen von Tannenzapfen und Stöckchen versteckt.

Lisa & Lisa Lisa & Lisa

Und überhaupt Bamse und Lisa. Die fanden es beide überhaupt nicht gut, daß Lisa tagelang mit einem Keuschheitshöschen umherlief. Wo doch die Hühnchen im Sichtbereich täglich mehrmals... und sie beide, die doch zur Familie gehören... so richtig zu Familie...

 

Aber bei den Hühnchen wurden dann auch die Folgen sichtbar: Unser Hühnerbestand hat sich in den letzten Tagen verdoppelt, und es ist immer noch kein Ende in Sicht. Nachdem sich zwei Sorgenkükchen, bei denen das Überleben mehr als unsicher war, gerappelt haben, teilen sich nun zwei Glucken die Erziehung ihrer insgesamt zwölf Kinderchen. Bei denen mindestens zwei, nämlich den schwarzen, Tokki seine Finger oder andere Körperteile im Spiel gehabt haben muß. Aber auch der weiße Neuling hat früher zugeschlagen, als wir gedacht hatten, denn eines der sechs größeren Küken (Man zähle: zwölf plus sechs macht achtzehn!) kann nur von ihm sein, so weiß, wie es ist.

Bilbo begutachtete das alles natürlich, und da Anne und Lisa ihn rückhaltlos in ihr Herz geschlossen hatten, bereiteten sie ihm vor der Schule unter der Überdachung liebevoll ein Bettchen und streichelten und sangen ihn abends in den Schlaf. Zum Dank legte er ihnen dann die eine oder andere Maus vor die Tür, damit sie nicht verhungerten. Entsprechend verwirrt sah er heute aus, als die beiden weit und breit nicht zu sehen waren. Ich werde wohl heute mal hoch zur Schule gehen und ihm erklären, daß er ein Jahr auf die beiden warten muß, und daß er heute von mir ins Bettchen gebracht wird.

Gestern Abend saßen wir noch einmal am Lagerfeuer und aßen Stockbrot. Michael, der heimlich geübt hatte, holte die Gitarre hervor, und dann spielte er Idas Sommarvisa, und Anne und Lisa sangen dazu- auf schwedisch. Der Regen löste unser geselliges Beisammensein auf. Glücklicherweise, muß ich sagen, denn sonst hätten wir noch viel länger dort gesessen, und das, wo der Wecker heute früh um halb fünf klingelte, da die beiden Mädels so früh in Karlstad sein mußten.

Und so sind wir jetzt nur noch drei auf unserem Hof. Zunächst.

 

Und während ich diese letzten Zeilen online stelle, sehe ich Bilbo. Der fühlt sich wohl so einsam oben an der leeren Schule, daß er es tatsächlich gewagt hat, sich ins Herrschaftsgebiet unserer Katzen zu begeben und durch die Balkontür zu gucken. Mann, muß der eine Sehnsucht haben!

 

Cordula

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Sa

16

Jul

2011

Alle lieben Bilbo

Ende April tauchte er das erste Mal bei uns auf, der Bilbo, und bevor wir nicht seine Besitzerin ausfindig gemacht hatten, wußten wir seinen Namen nicht. Wir brachten ihn hinunter ins Dorf, sieben Kilometer entfernt, und setzten ihn, ganz nach Anweisung, vor seinem Haus auf die Straße. Es dauerte keine vierundzwanzig Stunden, da war er wieder bei uns. Muß sich wohl postwendend wieder auf den Weg gemacht haben. Wir brachten ihn wieder zurück, und diesmal behielt ihn die Besitzerin im Haus, bis der Kastrationstermin anstand, und auch danach noch eine gute Woche. Dann jedoch durchkämmte Bilbo wieder unsere Wiesen auf der Jagd nach Beute. Irgend etwas zieht ihn zu uns, aber da unsere Katzen ihn nicht leiden können, kann es an deren Charme nicht liegen. Nun gut, seine Eierchen sind ab, soll er doch bei uns wohnen.

 

Letzte Woche saß Urban bei uns am Kaffeetisch, der Bauer, der das Gras bei uns schlägt. Er ist Bilbos Nachbar im Dorf und hatte sich mit Bilbos Besitzer unterhalten, der sich grübelnd fragte, „was denn mit dem Kater“ sei, und wo er „sich wohl rumtreibt“. Da hat ihn wohl seine Ehefrau nicht über Bilbos Vorliebe für unseren Hof aufgeklärt…

 

Man muß ihn einfach mögen. Strax wandert er auf jeden zu, den er sieht, und wünscht ihm maunzend einen guten Morgen oder einen guten Tag oder einen schönen Abend. Streicht um die Beine und krallt sich in die Hosenbeine bei seinem Versuch, auf eine Augenhöhe mit uns Menschen zu gelangen. Zu oft wird er dann hochgehoben, wofür er sich dann mit Küßchen auf Hals und Kinn bedankt und gleichzeitig seinen jungen Dieselmotor hochfährt. Er begleitet uns auf unseren Wegen über den Hof, und ist er in Kuschellaune, wirft er sich direkt vor Hofbewohners Beinen auf den Rücken, um am Bauch gekrault zu werden. Man muß wirklich achtgeben, daß man nicht über ihn stolpert!

 

 

Verläßt man den Hof zum Spaziergang, folgen Bilbos Augen jeder Bewegung, und betritt man den Hof später wieder, kann man sicher sein, daß er lauert und alles genau registriert. Es ist sein Hof, und so inspiziert er ganz genau, was hier so vor sich geht. Ein Graben wird zur Schule ausgehoben? Da mußte er genau nachschauen, was es damit auf sich hatte, und nachdem er in den Graben gesprungen und die Arbeit beäugt hatte, begab er sich wieder auf einen seiner Streifzüge. Die Arbeit am Zaun wird genauso beguckt wie das Reparieren der Fenster an der Schule, und nicht nur einmal hatte ich ihn mit auf der Leiter, während ich das Kittmesser schwang. 

 

In der Schule geht er ein und aus, hat auf den Betten Probe gelegen und auch die noch nasse Farbe an der Schuldecke angesehen. Jeder neue Wwoofer und Gast wird begrüßt und ausgiebig beschnuppert, und zwar, bevor er die Erlaubnis zum Bleiben erhält, und alle sind von ihm vorbehaltlos eingenommen. Er ist der Schwarm aller Wwoofis, und so durfte er gestern beispielsweise beim Zaunbau auf Annes Rücken kraxeln und das Werk von oben betrachten.


 

Bilbo läßt sich von Anne verwöhnen Bilbo läßt sich von Anne verwöhnen

Denise war zwar am Boden zerstört gewesen, als er mit einem Eichhörnchenbaby in der Schnute zur aktuellen Baustelle kam und dem sowieso schon malträtierten Tierchen nicht gerade zartfühlend den Rest gab, bevor er es verspeiste. Der Schwanz des kleinen Dings wurde dann würdig bestattet. Ihrer Liebe zu Bilbo tat dieser Vorfall dennoch keinen Abbruch. Er weiß halt, wie er es anstellen muß, unser Charmeur.

 

Neuerdings traut er sich hin und wieder in den eingezäunten Bereich um Haus und Küchengarten. Natürlich nur, wenn von unseren Katzen weit und breit nichts zu sehen ist, denn sonst wird er gemeinschaftlich verprügelt. Gestern schalteten und walteten Daniel und seine vorgestern angereiste Freundin Birgit an der Elektrik an der großen Scheune, und er beschaute sich das Kabelgewirr ganz genau, bevor er sein Einverständnis gab. Und natürlich wurden zwischendurch immer wieder Kuschelrunden eingelegt, um neue Kräfte zu sammeln.

 

Wir haben ihn nicht gesucht, doch er hat uns gefunden. Und wir hoffen, daß er uns noch lange, lange erhalten bleibt. 

 

Für alle fitten Köpfchen hier noch eine Denksportaufgabe. Dieses ist ein Wimmelbild. Wo ist Bilbo?

 

 

Viel Spaß beim Rätselraten. 

 

Cordula

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Di

12

Jul

2011

Es geht voran

Bevor sie uns verließen, legten sich Denise und Peter noch richtig ins Zeug, damit das Erdkabel noch bis zur Schule verlegt werden konnte. Während ich mir in der Schmiede beim Malen der Decke weiße Farbe in Gesicht und Haare kleckste, arbeiteten sie sich gemeinsam mit Daniel die letzten Meter bis zur Schule vor. Zwei Spatenstiche tief war der Graben, der etwa siebzig Meter lang war, und die vielen kleinen und großen Steine, die seinen Verlauf markierten, zeugten von der harten Arbeit, die dahinter steckte. Auch ich hatte es eilig mit den Arbeiten in der Schmiede, denn Wwoofer- Axels Besuch rückte immer näher, und ihn wollten wir in der Schmiede nächtigen lassen, um den Schulsaal während der sicherlich anstehenden Regenperioden renovieren zu können. Die Lehrerwohnung würden Anne und Lisa, unsere berliner Mädels, beziehen.

 

An Daniel blieb die meiste Arbeit mit Zuschütten und anschließendem Harken hängen, und zudem arbeitete er weiter mit unserer maroden Hofelektrik. Nicht selten hörte man ihn fluchen. Ich vermute, er hält nur durch, weil er am Mittwoch seine Freundin zu einem zweiwöchigen Besuch am Flughafen abholt…

 

Donnerstag Abend jedenfalls schlemmten wir noch einmal ordentlich mit Blaubeerpfannkuchen, und zum Abschied bekamen wir selbstgemachte Pralinen geschenkt. Freitag früh brachte ich Denise und Peter beiden zum Bahnhof, von wo aus sie richtung Stockholm auf den nächsten Hof fuhren.

Der Sonnabend zog ins land, und pünktlich kurz vor vier stand ich am Bahnhof, um Anne und Lisa abzuholen, als ich eine sms von ihnen bekam: Der Bus hatte Verspätung. Bus? Ich stand am Zugbahnhof! Da hätten wir uns ja beinahe verpaßt!

 

Axel wollte am Sonntag eintreffen, er radelte ja zu uns hoch, aber irgendwie hatte ich im Gefühl, daß er bereits Sonnabend ankommen würde. Und tatsächlich: Wir saßen noch draußen, als sein Fahrrad vorfuhr. Jetzt hatte ich meine Wwoofis komplett!

Normalerweise haben sie sonntags frei, aber da sie erst Sonnabend angekommen waren und zudem die Erdbeerbeete nach Zupfen und Mulchen schrien, strich ich den freien Sonntag. Ausschlafen sollten sie, was die beiden Mädels auch leidlich ausnutzten (Habe ich früher auch bis halb zwölf im Bett gelegen?!?), und dann gingen wir zu fünft an die Beete. Und wie es voran ging!

 

Gestern und heute machten wir weiter, und allmählich sieht das ganze richtig gut aus! Und damit das so bleibt, habe ich Order an alle gegeben, mindestens zweimal pro Tag alle Beete abzugehen und alles zu zupfen, was hochkommt und nach nicht erwünschtem Bewuchs aussieht.

Der Zaunbau geht auch voran. Sowohl mit Denise und Peter als auch mit unseren jetzigen drei Wwoofern wurde er weitergebaut, und bald geht uns das Material aus, so daß wir nachkaufen müssen. Noch etwa dreihundertsiebzig Meter, dann sind wir ums gesamte Grundstück herum. Noch zwei Tore gebaut, dann ist es fertig, unser Dreijahresprojekt. Ich bin guter Dinge, was das angeht.

 

Cordula

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Di

05

Jul

2011

Jetzt geht´s an die Früchte

Heute haben meine drei Wwoofer und ich Erdbeertorte mit Vanillepudding gegessen. Lecker! Eigene Erdbeeren, und Denise besteht drauf, daß es die besten Erdbeeren sind, die sie je gegessen hat. Und damit ich die Ableger dieser tollen Erdbeeren auch einpflanzen kann, hat sie mit Peter heute erstmal ein neues Erdbeerbeet angelegt. Und das ging so: Auf gemähten Rasen wurde eine dicke Schicht Zeitungen gelegt (momentan sind wir in den 70-er Jahren; der Stapel auf dem Dachboden der Schule wird ganz, ganz allmählich kleiner. Und spannend ist das immer, die Schlagzeilen zu lesen!), darauf wurde Kuhmist dick ausgebracht. Und da drauf dann eine dicke Schicht altes Heu, das seit zehn Jahren in einer der Scheunen herumstaubt. Es ist perfekt, der Hof hat alles, was man zum Beetebauen braucht!

 

Überhaupt sind wir am Mulchen und Beete bauen. Dort, wo die Wege sein sollen, verzichten wir natürlich auf den guten Kuhmist, dort liegt das Heu direkt auf den Zeitungen, die erfahrungsgemäß nach spätestens einem Jahr total verrottet sind.

 

Außerdem waren Denise und Peter gestern Blaubeeren pflücken. Zweieinhalb Kilo haben sie mitgebracht, und daraus haben wir heute Marmelade gekocht. Biomarmelade, denn ich hatte mir aus Deutschland Biokonfitura mitgebracht, die ich unbedingt mal ausprobieren wollte. Drei Gläser haben wir mit Honig statt mit Zucker gesüßt, mal sehen, wie lange sich das auf diese Weise hält.

 

Morgen gehen die beiden nochmal in die Blaubeeren, dann gibt es nochmal Marmelade, und am Donnerstag gibt es dann Abschieds- Blaubeerpfannkuchen, denn Freitag früh ist Abreise für unsere beiden deutschstämmigen Schweizer.

 

Sonnabend kommt die nächste Ladung Wwoofer: Zwei Mädels aus Berlin, die gerade ihr Abitur gemacht haben. Und am Sonntag erwarten wir meine Küchenfee, die hierher radelt. Ich habe ihn schon vor den letzten drei Kilometern gewarnt, wo es nur bergauf geht und ihm nahegelegt, doch vorher noch in den See zu hüpfen. Dann habe ich vier Wwoofer, die beschäftigt werden wollen J

 

Cordula

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Mi

29

Jun

2011

Immer was los hier!

„Oh Mist, verdammt!“ hörte ich es schreien, raste aus der Schule, in der ich mit Michael gerade das Zimmer für unsere Wwooferin vorbereitete, und sah Michael schmerzverkrümmt auf dem Boden liegen. Er war mit dem Fuß umgeknickt und konnte sich sicherlich eine Minute lang nicht rühren. Das Fußgelenk schwoll sofort an, eine Schwellung in Größe eines Tennisballs, und im laufe der nächsten Minuten bereits sah man die Einblutung im Gewebe. Eine Zerrung, und was für eine!

 

In der Hoffnung, daß keine Sehne angerissen war, fuhren wir zur Arztzentrale, von wo aus wir zum Röntgen weitergeschickt wurden. Kein Riß im Knochen, Michael wurde nach kurzer Abfertigung im Wartezimmer nach Hause geschickt. Weder wurde geklärt, ob weitere Schäden, die in Verbindung mit einer solchen Zerrung auftreten, vorlagen, noch bekam er eine Bandage oder eine Salbe verschrieben. Beides haben wir glücklicherweise zuhause liegen, aber das konnte der Arzt nicht wissen. Der Fuß ist auch heute, drei Tage nach dem Unglück, doppelt so dick, wie er sein sollte, und der blaue Fleck, der sich ursprünglich am Knöchel befunden hatte, war bis in die geschwollenen Zehen gesunken. Natürlich kann er die Füße nicht stillhalten, auch die Bandage ist für mein Sensibelchen zu unbequem, an Ruhe für den Fuß ist nicht zu denken, und ich bin fast ununterbrochen dabei, alle Daumen zu drücken, daß keine Schäden zurückbleiben. Zwar werden selbstgemachte Beinwellsalbe und Arnika das ihrige tun, aber was kaputt ist, muß ja zusammenwachsen, aber was das angeht, ist Michael halsstarrig wie ein kleiner Junge.

 

Gestern baute er den ganzen Tag Zaun mit Daniel und Denise, die vorgestern bei uns eingetroffen war, um uns die nächsten Tage auf dem Hof zu unterstützen. Nachdem vierunddreißig Meter Zaun gesetzt worden waren, fuhr Michael mit Daniel zu Gudrun und Karl- Heinz, wo die beiden anfingen, dessen Haus zu malen. Mit schwedischer roter Schlammfarbe. Denise wanderte derweil zum See und ließ sich hinterher von Gudrun verwöhnen, die noch Auflauf auftischte, damit niemand hungrig nach Hause gehen mußte.

 

Peter, Denises Freund, der eigentlich auch am Montag zu uns kommen wollte, kommt morgen nach. Er hat sich nämlich den rechten Daumen gezerrt und eine Sehne so gut wie abgerissen und brauchte erst noch das Ok der behandelnden Ärzte, bevor er ohne Operation das Land verlassen darf. Den schweizer Ärzten liegt wohl mehr an der körperlichen Unversehrtheit ihrer Patienten als den schwedischen… Momentan jedenfalls sitzt er im Zug richtung Schweden.

Es ist warm. Man könnte meinen, wir wären in Spanien. Oder Portugal. Seit drei Tagen ist hier Hitze. Fünfundzwanzig Grad im Schatten, das sind wir gar nicht mehr gewohnt! Gartenzeit! Und so packten Denise und ich unter anderem den zur Wiese verkommenen Kartoffelacker an, während Michael und Daniel die Stützbalken der großen Scheune austauschten. Der Kuhmist, der dort über einen Meter hoch gelegen und die Stützbalken hatte vergammeln lassen, war von Daniel in mühevoller Arbeit schubkarrenweise rausgefahren worden. Drei Tage hatte es gedauert, die sicherlich zwanzig Kubikmeter Kuhmist wegzufahren, und nun liegt die Betonplatte frei, auf der der Mist gelagert worden war. Hier, unter Dach, will Michael unseren Firmenbus lackieren. Er soll rot werden mit weißen Ecken. Ein Schwedenhaus auf Rädern. Das dürfte so ziemlich einzigartig sein.

Zudem wurde die Wiese von einem ansässigen Bauern geschlagen. Das Heu wird nächste Woche in Ensilageballen verpackt und soll den Kühen, die dem Bauern gehören, als Winterfutter dienen. Letztes Jahr hatte der Mähdrescher Möwen im Gefolge gehabt, die uns etwa eine Woche in Stimmung „Urlaub am Meer“ versetzt hatten, und wie erhofft, kamen auch dieses Jahr wieder Möwen. Sechs Stück, und ich hoffe, daß sie einige Tage bleiben werden. Zwar ist mir unklar, was sie auf der frisch geschlagenen Wiese suchen, aber willkommen sind sie allemal.

Heute Abend gibt es selbstgezogenen Spinat. Hier bereiten Lisa und Denise (von links nach rechts) das Abendessen vor:

Langeweile? Gibt es hier nicht! Hier ist immer was los, und das ist auch gut so!

 

Cordula

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Sa

25

Jun

2011

Unser Mittsommer

Gestern wurde hier in Schweden das traditionelle Mittsommerfest begangen. In fast jedem Ort wurden Mittsommerstangen errichtet, und dann wurde getanzt und gefeiert. Wir hatten es eher klein und familiär: Die gesamte Nachbarschaft versammelte sich bei unseren schwedischen Nachbarn und feierte dort im kleinen Kreis.

 

Nachbarn- für schwedische Verhältnisse auf jeden Fall. Da gibt es unsere schwedischen Nachbarn Maria und Odd, die Luftlinie etwa achthundert Meter entfernt auf der höchsten ehemaligen Sanddüne wohnen. Mit Wald dazwischen, nur selten hört man ihre Motorsäge, da hören sie doch öfter unsere hähnischen Krawallmaschinen. Auf dieser Lichtung im Wald steht noch ein zweites Haus- das bisher Dänen gehörte und nun an andere Dänen verkauft wurde, die hier ihren Sommerurlaub verbringen. Noch weiter weg ist ein weiteres Ferienhaus, dort verbringen Deutsche ihren Sommer. Und dann gibt es noch uns. Wir waren also wirklich multinational gestern, und unsere schwedischen Nachbarn hatten sich zur Verstärkung noch Tochter, Schwiegersohn und Enkel geholt, um nicht ganz in der Unterzahl zu sein.

Karl, der deutsche Rentner, der sich noch vor einer Woche mit dem Holzspalter statt Holz den rechten Zeigefinger gespalten hatte und seitdem mit einem dicken Verband umherläuft, hatte vorgestern trotz Behinderung eine Mittsommerstange gebaut. Die schmückten wir gestern gemeinsam und richteten sie unter großem Jubel auf.

Fleisch wurde auf den Grill geworfen und danach im Partyzelt gut gespeist. Und was wurde nicht alles aufgetischt! Gudrun, Karls Frau, hatte extra für mich eine Portion vegetarischen Salat angerührt, und zudem gab es noch Kartoffelgratin, diverse andere Salate und frische schwedische Erdbeeren. Und Wein und Bier nicht zu vergessen! Die Dänen kamen später noch mit Kaffee und gutem deutschen Kognak an, aber dem habe ich mich enthalten. Mir hatten zwei Becher Wein bereits zur nötigen Entspannung und Bettschwere verholfen.

 

Die Knott, die sich zu gern an uns sattgefuttert hätten, mußten draußen bleiben J

Nachdem wir uns gegen zehn Uhr abends verabschiedet und auf den Heimweg begeben hatten, sammelten wir, eingehüllt in Schwärme von Knott, die dieses feuchte Wetter, das momentan herrscht, natürlich lieben, eine nicht unerhebliche Menge Schnecken vom Kohl. Hatte ich es doch richtig gedeutet: Die Löcher, die merkwürdigerweise überwiegend unter dem schützenden Vlies entstanden, waren keine Erdflohlöcher! Ich hoffe, wir haben noch rechtzeitig eingegriffen, so daß der Kohl noch wächst und irgendwann von uns gegessen werden kann.

 

Und zum Schluß noch ein kleiner Exkurs zur Mittsommerstange, die auch oft Maibaum genannt wird, was häufig zur Verwirrung beiträgt: Der Name Maibaum hat nichts mit dem Monat Mai zu tun. Wäre auch merkwürdig, da die Sonnenwende und das Mittsommerfest ja in den Juni fallen, und das schon seit jeher. Der Begriff Mai kommt von maien (herrje, hoffentlich habe ich das jetzt richtig geschrieben!), was soviel bedeutet wie „Heu schlagen“. Daher auch die deutschen Nachnamen Maier und Meier und Mayer und Meyer. Und das Heu wird zumindest hier in Schweden traditionell im Juni geschlagen. Daher also der Name Maibaum.

 

Cordula

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So

05

Jun

2011

Luxusbad

Manchmal sind Männer unglaublich. Keinen Augenblick darf man sie aus den Augen lassen, sonst machen sie nur Blödsinn! Große Buben sind sie, das haben meine beiden gestern mal wieder bewiesen.

 

Mir schwante ja bereits, was mir blühte, als sie die alte gußeiserne Badewanne aus der Tvättstuga wuchteten und richtung Schmiede schafften. Eine Stunde später bestätigte sich mein Verdacht: sie bauten an einem Draußenbad. Und zwar einem ganz exklusiven.

Große Steine wurden gestapelt, und die Badewanne dort eingebaut. Dann schrubbte Daniel das Ding, und eine Feuerstelle wurde unter ihr eingerichtet. Das schöne an Gußbadewannen ist, daß man ihnen eine Menge antun kann und sie trotzdem nicht kaputtgehen. Kunststoffbadewannenbesitzern empfehlen wir nicht, dasselbe mit ihrer modernen Badewanne zu tun.

 

Ein solches Luxusbad hatte sich Michael gewünscht, seitdem er es vor Jahren bei einem Freund gesehen hatte- der seine wertvolle gußeiserne Badewanne nach Fertigstellung seines Badezimmers unverständlicherweise wieder deinstalliert hatte.

 

Gut, Schafe sind ja nicht mehr da, um das Ding als Viehtränke auf eine Weide zu stellen, und zum Wegwerfen ist sie natürlich auch viel zu schade, aber mußten sie ausgerechnet jetzt…

Michael ließ Daniel den Vortritt. Er gab es ja nicht zu, aber er war ganz schön neidisch, daß Daniel den Vortritt eingeräumt bekommen hatte. Ich hingegen war nur ultra scharf drauf, ein schönes Foto zu schießen, entschied mich aber aufgrund der sowieso schon mangelnden Privatsphäre des Draußenbades, darauf zu verzichten. Ich tröstete mich mit dem Gedanken daran, daß Michael am Tag darauf als Fotoobjekt herhalten müßte. Dann jedoch kam Daniel mit seligem Lächeln und nur mit einem Badetuch bekleidet auf mich zugetrabt und drückte mir seine Kamera in die Hand. Ich durfte fotografieren!

Heute war Michael dann an der Reihe. Er schleppte etwa 10 Gießkannen, und dann wurde angefeuert. Nach einer Stunde waren 100 Liter Wasser auf 45 Grad erhitzt, und Michael setzte alles daran, mich dazu zu überreden, mit ihm in die Wanne zu steigen. Ich bin ja eher der Duschtyp, dem Baden kann ich nichts abgewinnen, aber zu einem Einweihungsbad ließ ich mich dann doch in das viel zu warme Wasser gleiten.

 

Der Ausblick war ja wirklich herrlich: Wir blickten genau auf unsere sonnige Wiese. Naja, ich blickte auf die sonnige Wiese- Michael saß mit dem Rücken zu ihr, trank aber glückselig von seinem kalten Bier. Ich hatte auf ein Glas Wein verzichtet, da es erst Nachmittag war und ich noch eine Menge zu tun hatte.

 

Ich hielt es nicht lange in der Wanne aus, im Gegensatz zu Michael, der genüßlich seine langen Beine ausstreckte und verträumt auf die Wiese schaute. Später verriet er mir, wovon er geträumt hatte: Von einem Bad im Schnee. Wenn ein halber Meter Schnee liegt und es 10 Grad minus sind, würde er gern im Schneetreiben in einer heißen Badewanne sitzen.

 

Na, in den nächsten Wochen werden erst einmal Wwoofis in der Wanne sitzen. Ihre verspannten und von der schweren Arbeit müden Muskeln entspannen. Und damit einen Luxus genießen, der nur wenigen Auserwählten zur Verfügung steht.

 

Cordula

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Fr

03

Jun

2011

Neues vom Berge

Der erste Wwoofer ist da! Zwar schon seit mehr als zwei Wochen, aber bisher habe ich ihn ja nicht vorgestellt, Ihr wißt also noch gar nichts von ihm. Er heißt Daniel, ist vor einiger Zeit über mein Buch gestolpert, das ihm gefiel und hatte sich daraufhin bei uns gemeldet. Mitte Mai eröffnete er die diesjährige Wwoof- Saison- und ebenso die Campingsaison, denn er wohnt in eigenem Wohnwagen und ist somit unser erster Campinggast. Wir haben uns nämlich entschlossen, auf unserem Hof Platz für einige Wohnmobile und Wohnwagen zu schaffen für Menschen, die einen eher familiären und kleinen Campingplatz inmitten von Wald und Natur suchen. Im Menü findet Ihr mehr Informationen dazu.

 

Es gibt noch weitere Gäste auf unserem Hof: Beispielsweise ist Bilbo wieder da. Der rot-weiße Kater, der ins sieben Kilometer entfernte Dorf gehört, und den wir zweimal bereits wieder nach Hause gebracht hatten. Dann wurde er kastriert, was ihn aber nicht davon abhielt, schnurstracks wieder zu uns zu wandern- irgendwas gibt es hier wohl, das ihn anzieht. Und das können nicht unsere hübschen Katzen sein, denn ohne Eierchen dürften ihn die nicht mehr interessieren. Darüber hinaus wollen die ihn sowieso nicht hier haben, und hin und wieder werden wir Ohrenzeuge einer Keilerei zwischen einer von ihnen und Bilbo.

 

Und dann haben wir zwei Pärchen wilder Kanadagänse auf unserer Wiese. Mit lautem Geschrei fliegen sie an und landen. Oft wird lautstark diskutiert, welches Pärchen denn nun die älteren Rechte auf unsere Wiese habe, aber wie es scheint, können sie sich nicht recht einigen. Denn auch die Kraniche haben inzwischen entdeckt, wie schön es sich bei uns grasen läßt, so daß sich die Gänsediskussionen um die Wiese erübrigen. Vor einigen Tagen hatten wir sechs laut singende Kraniche auf der Wiese! Und das bei dem Echo auf unserem Grundstück, es ist faszinierend! Oft hören wir Gänse oder Kraniche auch morgens vor dem Aufstehen, denn hier wird es um drei, halb vier hell, und Federvieh scheint Frühaufsteher zu sein.

 

Ja, es ist Leben auf dem Hof, das läßt sich nicht bestreiten.

 

Seit drei Tagen ist es endlich auch wärmer geworden. Seit dem letzten Temperatursturz war es ja richtig kalt, aber das scheint nun auch endlich hinter uns zu liegen. Gartenwetter! Fast ist es zu warm zum Arbeiten, aber mit ausreichend Pausen und Flüssigkeit läßt es sich dann doch aushalten. Michael und Daniel haben begonnen, den Windschutzzaun zu verlängern, und Daniel hat mir heute ein Gartentürchen eingebaut. Und nicht nur das: Damit man genau weiß, ob man nun ziehen oder drücken soll, ließ er seiner Kreativität freien Lauf:

Für all diejenigen, den des Schwedischen nicht mächtig sind, gibt es einen Hinweis auf Englisch. Denn die meisten Wwoofis, die uns besuchen werden, können kein Schwedisch, müssen aber auch wissen, wie sich die Pforte öffnen läßt...

Überhaupt verändert sich der Küchengarten. Jetzt, wo tatkräftige Hilfe da ist, geht es auch im Garten voran. Zwar legen die beiden Männer momentan Priorität auf die Renovierung der Schule, schließlich ziehen Ende Juni die nächsten Wwoofer ein, aber bei so schönem Wetter lassen sie sich doch nicht lange bitten, wenn es um etwas Hilfe in Garten geht.

 

Und dann muß ich Euch noch von den Plumpsklo- Eiern erzählen! Michael hatte sich mehrfach beschwert, daß es unter ihm laut gackern würde, wenn er morgens auf dem Donnerbalken sitzt. Dazu muß ich erklären, daß man auf dem Weg zum Thron einige Stufen hinaufsteigen muß. Viel Platz für unsere Hinterlassenschaften ist also vorhanden. Und in diesem Hohlraum jedenfalls gackerte es. Eines Morgens thronte Michael mal wieder, als ein aufgescheuchtes Huhn unter einer Treppenstufe auftauchte und laut gackernd floh. Er nahm die Stufe genauer in Augenschein und stellte fest, daß sie eine Öffnung hatte, die gerade groß genug war für ein Huhn. Als er mir dies berichtete, bewaffnete ich mich mit einem Spiegel, um einen Blick hinter die Stufen werfen zu können. Und entdeckte: Ein Nest. Mit sechs Eiern. Plumpsklo- Eier nicht weit entfernt von dem werdenden Düngehaufen, an dem wir täglich bauen. Nun wurde uns auch klar, warum wir zu wenige Eier im Stall fanden. Waren es Mitte Mai noch acht bis neun Eier täglich, so benötigten unsere Hühnchen für dieselbe Menge jetzt zwei Tage. Aber vielleicht bereitete eine Henne auch einfach nur eine Kinderstube vor? Wir warteten etwas ab. Als die Menge der Eier jedoch auf dreizehn gestiegen war und von einer brütenden Henne weit und breit nichts zu sehen war, nagelten wir das Loch in der Stufe zu.

 

Leider, leider haben wie trotzdem nur vier bis fünf Eier pro Tag im Stall. Und das bei zehn Hennen. Irgendwo draußen im Dickicht befindet sich also noch ein Nest. Ich habe schon diverse Male Ostern gespielt, bin aber nicht fündig geworden. So geht das aber nicht weiter, denn unsere Nachbarn kaufen ihre Eier bei uns, und als sie vorgestern vierundzwanzig Stück kaufen wollten, konnten wir nur acht Stück liefern. So etwas geht nicht! Wir haben bereits ein ernsthaftes Wörtchen mit unseren Hennen geredet, ohne Erfolg. Ich werde mich morgen früh also wohl an die Fersen der Hühner heften und sehen, ob ich irgendwo ein Nest finde. Denn einsperren will ich sie nicht. Bei Demeter wird es ja so gehandhabt, das hatte uns Wwoofer- Lilith berichtet, die auf einem schwedischen Demeterhof gewwooft hatte: Die Hühner werden erst um zwei Uhr aus dem Stall gelassen. Tja, bisher hatten wir das nicht nötig, aber die Hühnerfarmbetreiber werden schon wissen, warum sie es so machen…

 

Cordula

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Mi

11

Mai

2011

Bilbo der Schwerenöter

Charme hat er ja - das ist Bilbo Charme hat er ja - das ist Bilbo

Unser zugelaufener Kater hat seine Chance genutzt und eine unserer Miezen gepoppt! Dabei hatten wir schon einen Termin beim Tierarzt für seine Entmannung besorgt. Nun ja, wenigstens wissen wir jetzt wo er hingehört. Cordula hatte Aushänge im Dorf gemacht und siehe da - die Eigentümerin hatte ihn schon seit drei Wochen vermisst. Ist ja nur 8 Kilometer Weg für den Kater. Also schnappten wir das Vieh und brachten ihn zu seinem Frauchen zurück. Nützte nur nicht viel, denn 24 Stunden später war der Mistkerl wieder da! Auweia müssen unsere Katzen attraktiv sein...

Aber Pech für ihn, es ging wieder zur Besitzerin zurück und am Freitag wird er entmannt. Ab da darf er wiederkommen...

Blick von meinem Arbeitsplats Blick von meinem Arbeitsplats

Keine schlechten Aussichten habe ich derzeit auf meiner Arbeit. Ein Haus und ein Gästehaus am See zu malen ist schon eine tolle Sache. In der Frühstücks und Mittagspause zum Seeufer zu gehen, sich in die Sonne zu legen und seine Stullen zu mampfen. 

Auch wenn momentan ganz gut zu tun ist, ist es doch immer schön, nach Hause zu kommen. Zu beobachten, wie im Garten und im Gewächshaus die Pflanzen wachsen, die Hühner über die Wiese gackern oder die Wildgänse Krawall machen. Schweden ist wunderschön zu dieser Jahreszeit. 

 

 

3 Meter lange Sitzgarnitur 3 Meter lange Sitzgarnitur

Passend zum Frühjahr habe ich für einen Freund eine massive Sitzgelegenheit für seine Terasse gebaut. Bevor sie den Hof verließ, stellten wir sie nochmal auf die Wiese. Wer hat schon einen 3 Meter langen Tisch in weißlasierter Birke mit passenden Bänken dazu? Schön, auch mal solche Sachen zu bauen.

Michael

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Do

05

Mai

2011

Wetterkapriolen

Nachdem vor zwei Wochen der meteorologische Sommer verkündet worden war, da die Tagesmitteltemperaturen über einen gewissen Zeitraum einen festgelegten Wert überstiegen hatten, und nachdem Erika, bei der ich die Reitbeteiligung innehabe, Ostern bereits baden gewesen war (sie sagt, es sei kalt gewesen, teilweise habe noch Eis auf dem See gelegen, ihre mit dieser Mutprobe zusammenhängende Wette habe sie aber trotzdem verloren) und wir uns bereits einen Sonnenbrand im Gesicht geholt hatten, schlug das Wetter am Sonnabend radikal um. Ich hatte ob der Hitze gerade meine kurzen Hosen angezogen und bereitete eine groß angelegte Anzuchtaktion im Garten vor, als sich der Himmel zuzog. Nichts desto trotz legte ich einige Stunden lang Samen über Samen in die Erde, flüchtete dann jedoch vor starkem, kalten Wind ins Haus. Es wurde immer kälter, und als absehbar war, daß es Nachtfröste geben würde, kramten wir unsere Marschalls heraus und plazierten sie im Gewächshaus, um die dortigen Tomatenpflänzchen zu schützen. Über dem Hochbeet, in das Michael bereits einige Zucchinipflanzen gesetzt hatte, befand sich eine Folienhaube, auf die wir große Hoffnungen setzten.

 

Der nächste Morgen enthüllte frostkalte Luft. Minus sechs Grad waren es geworden, und die Zucchinis hatten es nicht überlebt. Es war kalt, und als sich abends wieder Frost ankündigte, packte Michael den nächsten Marschall ins Gewächshaus, diesmal unterstützt von vielen Teelichtern. Jede Tomatenpflanze bekam zwei zugeteilt, so daß eine richtig romantische Atmosphäre herrschte…

Gestern früh dann war die Welt weiß geworden. Fünf Zentimeter Neuschnee, wir trauten unseren Augen kaum. Und kalt war es. So kalt, daß ich einen Bürotag einlegte und Michael sich ins Auto setzte, um einen kleineren Auftrag mit Innenrenovierung zu erledigen- leider mit Übernachtung, so daß ich allein zurück blieb.

Es schneite und es hagelte. Dann taute der Schnee weg. Es schneite wieder. Graupelte. Man fühlte sich wie im Winter. Neuschnee Anfang Mai, das haben wir hier noch nicht erlebt! Genauso wenig, wie wir es hier erlebt haben, daß Ende April alles grün ist; drei Wochen früher als sonst- aber nun gut, der Winter ist zurück, soviel zu einer frühen Gartensaison.

Zwei neue Hofbewohner haben wir. Einen holten wir, der andere lief uns zu.

 

Vorgestern, ich kam gerade mit den Hunden von der Wiese, wurde ich leise angemaunzt. Von einem wunderschönen, hellrot- weiß gezeichneten Kater, der gleich auf mich zulief und mit mir kuschelte. Leider ist er unkastriert, so daß ich unsere drei Miezen ganz genau im Auge behalte, bis die Herkunft des Tigers geklärt ist und er wieder nach Hause reisen kann. Dazu habe ich Aushänge vorbereitet, bin allerdings eher skeptisch, was ihren Erfolg betrifft.

 

Und außerdem zog ein großer, weißer Hahn bei uns ein. Klarasson, unser Haupthahn, war im Winter gestorben, und Tokki, der kleine hysterische Schläger, der ihn vertrat und seine die Nachfolge angetreten hat, verfügt unserer Auffassung nach nicht über die Führungsqualitäten, die wir bei unserem Haupthahn gern sehen würden. Einen großen, orangefarbenen Brahmahahn, wie ich ihn gern hätte, haben wir nicht bekommen, so daß wir auf einen von der Schlachtung bedrohten weißen Mischlingshahn zurückgriffen, der am Sonnabend bei uns einzog. Er ist größer als unsere Hähne, hat aber Probleme, sich einzugewöhnen. Was auch absehbar war. Nach den ersten Schlägereien mit unseren Zwergen lief er einsam auf dem Hof umher, fand jedoch abends problemlos in den Stall und auf die Stange zurück. Und heute früh sah ich ihn dann in Begleitung einer jungen Brahmahenne das Dickicht durchforsten. Das gibt Anlaß zur Hoffnung.

 

Cordula

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Do

28

Apr

2011

Keine Zeit...

Wie schnell einen der Alltag doch wieder einholt. Wahnsinn! Kaum brennt die Sonne einige Tage allen Schnee weg und sorgt dafür, daß die Knospen der Bäume und Sträucher in rasendem Tempo aufplatzen, ist an ruhige Momente eigentlich nicht mehr zu denken. Alle Schweden haben jetzt gemerkt, daß Frühling ist und denken an Handwerker, die gebraucht werden. Zum Glück bin ich ein solches Exemplar, und so wird schon bei Kunden gemalt, auf Dächer gerechnet und man weiß eigentlich nicht, wo zuerst anfangen. Auf dem Hof soll ja auch noch was gemacht werden. Doch manchmal hat man Glück: Ostern besuchte uns ein alter Freund, und als er die Heckklappe seines Polos aufmachte, wären Cordula und ich fast in Freudentaumel verfallen, als die Erdfräse zum Vorschein kam. Jippieh! Also Land für die Kartoffeln vorbereiten.

Ostermontag haben wir dann, statt Ostereier zu suchen, Kartoffeln in die Erde gesteckt. Es war über 20 Grad im Schatten, so daß die meisten Kleidungsstücke überflüssig wurden, während ich Löcher für hunderte Karoffeln grub und Cordula steckte und anhäufelte.

Bevor es Dienstag früh auf Arbeit ging, machten die Kraniche erst mal Lärm bei uns. Erst weckten sie mich vor dem Wecker, und dann machten sie noch Lärm beim Kaffetrinken. Wer mag, kann sich das Spektakel jetzt auf youtube ansehen.

Und auch Wildgänse wackeln seit über einer Woche über die Wiesen und fressen das erste zaghafte Grün. Kurzum - man merkt, wie Frühling wird.

Nicht nur in der Natur - sondern eben auch auf dem Hof, wo Gartenarbeit und Renovierungen gleichzeitig zum Broterwerb stattfinden sollen.

Und als wir merkten, daß wir wieder anfangen, in Streß und Hektik zu verfallen, kam Cordula auf die wunderbare Idee, diese Tatsache einfach zu ignorieren. Und so blieb der Computer mal einen Tag aus, und dafür wurde ein Lagerfeuer angemacht, um das wir gemütlich bis in den späten Abend saßen.

Wir werden versuchen, keine Zeit für "Keine Zeit!" zu haben.

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Di

12

Apr

2011

Der Hof erwacht zu neuem Leben...

 

Endlich kommt der Frühling. Lag vor 10 Tagen noch knapp ein halber Meter Schnee und vermieste uns die Ankunft auf unserem Hof, so scheinen wir doch etwas Wärme aus Portugal mitgebracht zu haben. Die letzte Woche war es tagsüber meist sonnig und über 10 Grad warm. Rekord war dann gestern mit sage und schreibe 17 Grad.

Bei slchen Temperaturen taut es schnell... Bei slchen Temperaturen taut es schnell...

Ich brauche wahrscheinlich niemandem zu erklären, was passiert, wenn ganz viel Schnee ganz schnell schmilzt. Kurz und gut – die Straße zu uns ist nicht weit von dem entfernt, was man als unpassierbar bezeichnen kann. Die paar Male, die wir unterwegs waren, hatten wir mehr Glück als Verstand, daß unser uralter Volvo sich doch durch den Schlammweg wühlte.

 

Eine dieser Schlammfahrten galt unseren Hühnern. Diese hatten wir während unseres dreimonatigen Aufenthaltes im Süden bei einem früheren Arbeitskollegen in Hühnerpension gegeben. Leider starb unser Lieblingshahn namens Klarasson während unserer Abwesenheit (benannt nach dem legendärem Hahn Klara Nyfiken, dessen direkter Nachfahre er war – wer mehr wissen will – einfach Klara Nyfiken googeln).

IN MEMORANDUM - Klarasson IN MEMORANDUM - Klarasson

Immerhin schaffte es mein Kollege, von den 19 ihm anvertrauten Hühnern 17 Exemplare über den Winter zu bringen. Am Sonntag fuhr ich dann los, um meine Schützlinge wieder heim auf den Hof zu holen. 2 Stunden hin und 2 Stunden zurück, weil mein Arbeitskollege am Ende der Welt wohnt. Aber was macht man nicht alles für das geliebte Federvieh.

Endlich wieder zu Hause... Endlich wieder zu Hause...

Mensch, haben wir das Krähen und Gackern vermißt! Die Hühner, die bei meinem Kollegen nur in der Scheune waren, genossen es sichtlich, endlich mal wieder in der Frühlingssonne spazieren zu gehen. Im frisch gemisteten Stall wurde erstmal ein ausgiebiges „Bad“ in Torfstreu genommen.

Auch die Katzen genießen die Sonne.

 

Hemmel sonnt sich... Hemmel sonnt sich...

Und wir? Hm- wir wissen vor Arbeit nicht, wo uns der Kopf steht. Aber zum Glück kommen bald die ersten Praktikanten auf den Hof, so daß wir vielleicht ein wenig entlastet werden.

 

 

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Mo

04

Apr

2011

Zeitreisen oder die Heimkehr

Um es vorweg zu nehmen: Ja, ich habe meine Wette mit Cordula verloren. Hatte ich doch in meiner Naivität angenommen, das der See bei uns um die Ecke eisfrei ist und Cordula hielt dagegen. Nun ja, sie hatte recht... 

Als wir in Nordportugal losfuhren, war dort die halbe Bevölkerung auf den Feldern. Aussaat, Ernte, Felder vorbereiten – das volle Programm eben. Temperaturen um die 20 Grad. Einfach schön. Badewetter, Gartenwetter.

Mitte März in Nordportugal Mitte März in Nordportugal

Auch in Deutschland, wo wir ebenfalls etwa zwei Wochen verbrachten, waren die Nächte zwar kalt, die Tage jedoch angenehm warm. Das Wetter lud zu Spaziergängen und Treffen mit Freunden ein und als wir Deutschland verließen, war auch dort in den Schrebergärten volle Aktivität.

Deutschland Ende März Deutschland Ende März

Die Überfahrt von Deutschland nach Schweden war sonnig und der milde Wind auf der Fähre sorgte dafür, daß wir sie auf dem Außendeck genossen.

Auf dem Weg nach Schweden Auf dem Weg nach Schweden

Auch in Südschweden sahen wir vereinzelt Schlepper über die Felder ziehen, die bereits vollkommen schneefrei waren.

 

Doch als wir gestern nachmittag in unserer Region ankamen, wurden wir doch etwas geschockt von dem Anblick der sich uns bot. Schnee und Eis satt. Wie sollte unser Wohnwagen die 4 Kilometer lange steile Bergstraße raufkommen die von einer 10 cm dicken Spiegeleisfläche bedeckt war? Wie sollten wir auf unseren Hof kommen, wo seit 3 Monaten kein Schnee mehr geräumt wurde?

Zum Glück haben wir superliebe Nachbarn die uns mit dem Traktor die Bergstraße hochzogen und uns mit dem Traktor vor unserem Einfahrtsweg etwas Schnee wegschoben, so das wir Auto und Wohnwagen abstellen konnten. Doch der Schnee auf dem Weg zum Hof ist so schwer und verdichtet, das es der Traktor aus den 60ern leider nicht schafft bis zum Haus zu pflügen. Und so war schleppen angesagt.

 

Geschätzte 500 Meter einfach Strecke, Hälfte bergab und Hälfte bergauf durch knietiefen Schnee mit Gepäck zu stapfen, war schon eine sportliche Herausforderung. Nach jeweils dreimal Gehen hatten wir die nötigsten Sachen im Haus und waren ganz schön ausser Atem. Pitschnasse Schuhe und Füße trugen auch nicht unbedingt zum Heben der Stimmung bei.

 

Ja, das ist schon ein kleiner Unterschied im Klima und gerade in solchen Momenten kann man darüber spekulieren, ob man mit Selbstversorgerambitionen in dieser Region gut aufgehoben ist oder das ganze eine Schnapsidee war.

Anfang April in Mittelschweden Anfang April in Mittelschweden

Der einzige Trost: Auf dem Nachhauseweg hatten wir die Katzen aus der Katzenpension geholt so das wir den Abend vor dem Kamin mit unseren Hoftigern und einer Flasche Wein ausklingen ließen. Zum Glück taut es ja und wir hoffen das es schnell geht und es auch mal hier Frühling wird.

 

Michael von Dolsperg

 

 

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Di

15

Mär

2011

Auf der Heimreise

Wir sind auf dem Heimweg und bereits in Nordspanien angekommen. Dabei haben wir festgestellt, das Nordspanien sehr schön ist und gleich noch zwei Tage Zwischenstopp im Land der Basken eingelegt. Der ursprüngliche Plan war ja von Nordportugal nach Galicien zu reisen und uns Santiago de Compostela und den Jacobsweg mal anzuschauen und die rauhe Küste zu inspizieren.

 

 

Küste von Galicien Küste von Galicien

Aber daraus wurde nichts. Wir fuhren zwar nach Galicien und blieben 2 Nächte. Aber uns blieb nur einzusehen, daß unser „Equipment“ (unser Schrammelwohnwagen, an dem nichts, aber auch gar nichts funktioniert – ausser das er fährt) ungeeignet ist für ein Land, in dem so gut wie kein Campingplatz offen hat. Und die, die offen haben, verlangen 25 Euro pro Nacht und mehr, völlig unakzeptabel für unsere geschröpfte Urlaubskasse. Beim „wilden Campen“, wie wir es sehr oft in Portugal gemacht haben, sind die Spanier nicht so tolerant. Einmal flüchteten wir von einem sehr schönem Platz am Meer, wo man zwar mit Auto parken durfte, aber Wohnwagen und Wohnmobile verboten waren. Laut Schild werden pro Quadratmeter dann 30,05 Euro Strafe fällig. Das wollten wir nicht ausprobieren, zumal die Ploizeiwache direkt gegenüber lag.

 

Als wir wieder mal nach dem fünften geschlossenen Campingplatz total entnervt waren, fragte ich den Campingplatztypen ob er nicht mal eine Ausnahme machen könnte und Cordula ließ ihren Charme spielen, so daß wir für 5 Euro Schwarzpreis eine Nacht campen durften.

 

Danach waren wir uns ziemlich einig, unser geplantes Galicien-Abenteuer zu beenden und zurück nach Portugal zu fahren, wo die Campingplätze meistens offen haben. Es waren nur 250 Kilometer zurück zu einer Stelle in der Nähe von Esposente, wo wir schon einige Nächte „wild“ gecampt hatten. Direkt am Atlantik mit einem sehr sauberen Fluß der ins Meer mündete. Dort verbrachten wir dann unsere „Galicien-Woche“ aus der dann eine Strandwoche wurde.

 

Spaziergang in Nordportugal Spaziergang in Nordportugal

Dort waren die Bauern schon voll mit Saat und Ernte beschäftigt. Wenn wir in ein paar Wochen zu Hause sind, dann fangen wir gerade mal mit der Anzucht an.

 

 

Gemüse im Februar... Gemüse im Februar...

Und nun sind wir noch hundert Kilometer von der französischen Grenze weg. Wer Gebirge und Meer in Kombination liebt, der sollte mal ins Baskenland fahren. Leider konnten wir es auch nicht richtig entdecken, doch der Eindruck ist ein schöner.  

 

Nordspanische Küste Nordspanische Küste
Baskenland Baskenland

Noch Zahnarzt in Deutschland, Familie und ein paar Freunde besuchen und dann hat uns Schweden und der Schnee wieder. Nicht zu glauben, daß zweieinhalb Monate so schnell umgehen können. Aber es hat auch sein Gutes. Wir werden viel arbeiten damit wir uns den nächsten Winter wieder in den Süden verkrümeln können, nötigenfalls wieder mit dem Schrammelwohnwagen...

 

Michael v. Dolsperg

 

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Sa

26

Feb

2011

50 Grad Unterschied...

Es ist ja irgendwie schon irre- während wir in Portugal im Februar bei (für uns) sommerlichen Temperaturen gebraten werden, melden uns Nachbars von zu Hause Temperaturen von -24 Grad. Das sind etwa 50 Grad Temperaturunterschied zwischen Schweden und Portugal! Und während Freunde in Schweden über eingefrorene Wasserleitungen meckern, klagen wir darüber, das bei unserem Schrammelwohnwagen der Kühlschrank nicht funktioniert.

 

 

Zu Hause ein Meter Schnee - hier Badesport in Atlantik und Stauseen, blühende Osterglocken und überhaupt duftet hier alles nach Frühling. Es wird uns wie ein Schlag treffen, wenn wir in einigen Wochen wieder in Schweden sind. Ich hab mit Cordula gewettet das der See bei uns um die Ecke Anfang April überwiegend offen ist, sie hält dagegen und ich hoffe sie gewinnt nicht.

 

Für uns geht es jetzt jedenfalls schon mal ganz, ganz sachte auf den Heimweg. Vor ein paar Tagen haben wir uns von Bas verabschiedet, der wieder ein paar nette Holzschalen geschnitzt hatte. Zum Abschied bekam ich noch eine schöne Arbeit von ihm. Und nun sind wir nordwärts unterwegs um Freunde in der Nähe von Coimbra zu besuchen. Wir hatten auf dem Weg dorthin noch einen schönen Platz an der Küste gefunden mit herrlichen Felsformationen und atemberaubender Aussicht. Weil es so heiß war und wir mit den Hunden nicht bei der drückenden Hitze fahren wollten, gammelten wir einfach noch etwas rum um am späten Nachmittag weiterzufahren.

 

Auf der Karte hatten wir uns schon schlau gemacht, wir wollten an einem Stausee übernachten. Natürlich war es schon dunkel als wir in die Gegend kamen und eierten auf superschmalen Landstraßen fast 30 Kilometer lang Serpentinen hoch und runter bis wir endlich an einen Platz kamen den wir dann entnervt auswählten. Als wir ausstiegen, merkten wir das der Platz direkt neben einer Autobahn lag und es war bei der Geräuschkulisse kein angenehmes Schlafen. Aber manchmal spielt das Schicksal eben seine Streiche.

Schön ist Portugals Norden, wesentlich schöner als der Süden. Die Vegetation ist abwechslungsreicher und viel interessanter als die Oliven und Korkeichenplantagen des Südens.

 

Viele schöne Plätze haben wir gesehen, die Hunde freuen sich auf die Abkühlungen in den Stauseen und der erwachende Frühling ist eine Wohltat für die Seele. Das schönste war zweifelsohne ein kleiner Stausee dessen Namen wir hier nicht verraten, weil er so einsam bleiben soll. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Kirche vorbei, auf der zwei riesige Lautsprecher aufgebaut waren. Ich machte natürlich wieder ein paar doofe Sprüche etwa in der Art: „Wenn ich hier wohnen würde und müßte mir in 5 Kilometern Entfernung Predigten anhören, dann...“

 

 

Am Stausee angekommen umfasste uns eine Stille wie wir sie sonst nur von zu Hause kennen. Ein Entenpärchen flog verschreckt auf aber ansonsten Stille. Und dann hörten wir wie der Kantor ein Stück auf der Orgel spielte und es klang so majästetisch und schön, das wir begriffen, warum sie die Lautsprecher an der Kirche angebracht hatten. Das Echo trug die Melodie kilometerweit. So etwas gibt es wohl nur in den Bergen.

 

Michael von Dolsperg

 

 

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Do

17

Feb

2011

Aussteigertypen

Wir sind wieder am Atlantik. Das Wetter zeigt sich momentan nicht von seiner besten Seite – Regengüsse, Sturm und Sonne – alles dabei. Zu allem Übel bekam ich Zahnschmerzen. Glück im Unglück war, daß wir im Internet einige deutsche Zahnärzte an der Algarve fanden. Und so kam es, daß wir, die immer einen Bogen um Touristengebiete gemacht haben, uns diese „Attraktion“ mal anschauen konnten.

 

Zugebaute Küsten und völlig überlaufen. Wie kann man hier nur Urlaub machen wollen? Alles nur auf Touris ausgelegt, Speisekarten auf deutsch und englisch, deutsches Fachärztezentrum mit allen Spezialisten, deutsche Zahnärzte, Heilpraktiker, deutsche Metzger und Bäcker.

 

 

Klar, das Klima lockt. Warum kalte Winter in der Heimat erleben, wenn man bei 15 -20 Grad im Biergarten sitzen kann und seine Bildzeitung am Kiosk nebenan bekommt. Laut ADAC zählen zu den 450 000 Einwohnern der Algarve mittlerweile über 20 000 Deutsche und 40 000 Briten die dort ihren Lebensabend verbringen, nicht hinzugerechnet Holländer, Skandinavier etc.

Das merkt man natürlich und auf eine gewisse Art und Weise ist es auch wie eine große Aussteigercommunity mit eigener Infrastruktur. Schließlich wollte ich ja auch einen Zahnarzt der deutsch sprach und den bekam ich hier. Er war in meinem Alter, war vorher in Brasilien tätig und dann hat es ihn nach Portugal verschlagen. Meine Zahnschmerzen sind jetzt weg und wir sind auch froh, wieder in weniger touristisch erschlossenen Gefilden zu sein.

 

Vorgestern gingen wir zu „unserer“ Bucht um dort mit den Hunden zu spielen. Dabei trafen wir auf Bas, einen Engländer. Das er auch etwas schräg drauf sein mußte, sahen wir schon an seinem Auto aus dessem Dach ein Schornstein rausragte.

 

 

Cordula und Bas Cordula und Bas

Bei der „Besichtigung“ des Lastwagens kam mir wieder das Sprichwort in den Sinn: „Arm ist nicht der, der viel besitzt, sondern der, der viel benötigt.“ Bas hatte sein Bett darin das er etwas höher gebaut hatte, so das seine beiden Hunde unter dem Bett ihren Platz hatten. Der Rest war vollgestopft mit Holz und seinen Kunstwerken. Etwa 10 Blumentöpfe hatte er mit, nicht etwa mit Haschischpflanzen wie man es vielleicht bei seinem Anblick vermuten würde, sondern mit Rosmarin und anderen Gewürzen für die Küche.

 

 

Bas bei der Arbeit Bas bei der Arbeit

Bas erzählte uns während er an einem Stück Treibholz herumschnitzte, daß er schon seit 15 Jahren in seinem LKW lebt und seit 40 Jahren auf Reisen ist. Wie geschickt er mit Holz umgehen konnte, begriff ich spätestens, als er mir einige seiner Kunstwerke zeigte. Ich hätte niemals Geduld für so etwas - als Mann für grobe Holzarbeiten wie Dachlatten auswechseln oder Fassadenerneuerungen käme es mir nie in den Sinn Tage für Holzschalen oder Skulpturen zu opfern.

Ich fragte Bas wieviel Zeit er braucht im Durchschnitt. Er sagte mir das es ihm egal sei, schließlich hätte er Zeit im Überfluß.  

 

Ein guter Platz zum Arbeiten Ein guter Platz zum Arbeiten

Er verkaufte mir eine Schale aus dem Wurzelholz eines Olivenbaumes, die ich zwar nicht brauche, aber trotzdem gerne gekauft habe, um solch eine individualistische Lebensweise zu unterstützen. Denn auch wenn ich selbst ein solches Leben nicht führen wollen würde, so ist es doch immer wieder prima, auf Menschen zu treffen, welche die materiellen Lebensstrukturen der heutigen Zeit durch ihre eigene Lebensweise in Frage stellen.

 

Eine kleine Auswahl von Bas Kunstwerken Eine kleine Auswahl von Bas Kunstwerken

Michael von Dolsperg

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Do

03

Feb

2011

Schlepper fahren auf der Bio-Farm

Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir merken, daß der Streß so langsam von uns abfällt. Wir hatten schöne Tage hier auf der Bio Farm in Pamarino im Grenzland zwischen Spanien und Portugal. Eigentlich wollten wir gar nicht so lange hier bleiben. Doch dann trafen wir Tanja und Pedro die auf diesem Hof arbeiten und mit denen wir uns gleich gut verstanden. Tolle Gespräche haben wir geführt und es ist leider manchmal auch spät geworden. Tanja und eine andere Praktikantin brachten mir dann auch noch bei, einen 45 Jahre alten Deutz Traktor zu fahren. Wie ihr seht grinse ich auf dem Foto wie ein Honigkuchenpferd und habe die Fahrt mit den Mädels offensichtlich genossen.

Tanja und die andere Praktikantin scherzten über Jungs und ihre Spielzeuge. Sie haben sicher recht damit.

 

Treckerfahren macht mir offensichtlich Spaß Treckerfahren macht mir offensichtlich Spaß
und mit so netter Begleitung... und mit so netter Begleitung...

Aber auch Mädchen brauchen ihre Spielzeuge und ich bin froh das es so ist! Cordula motzt schon seit Wochen über das Brot hier – einmal fanden wir einen Bioladen mit tollem Brot in Aljezur aber Bioläden gibt es hier nicht um die Ecke. Baguette und Weißbrote und alle Brote die wir ausprobierten waren zwar essbar, aber da wir seit 10 Jahren selber backen, fühlt sich jeder Biss in gekauftes Brot wie eine Vergewaltigung der Geschmacksnerven an und die Sehnsucht nach dem Duft frischgebackenen Vollkornbrots macht sich breit. Da es auch billiger ist selber zu backen und umweltfreundlicher als wenn wir jeden Tag losfahren um frisches Baguette zu holen, ist Cordula jetzt stolze Besitzerin einer Brotbackmaschine. Wir haben früher immer alle belächelt, die mit so einem Ding backen und jetzt haben wie selber eine! Mann sind wir spiessig geworden! Aber als mir Cordula vorhin eine Scheibe frischen Vollkornbrotes mit Nutella (Sorry, das gute BIO-Samba ist schon alle) reichte, schüttete mein Körper jede Menge Glückshormone aus. Mmmmmh!

 

 

Ansonsten waren viel unterwegs hier. Faul am Strand liegen war ja nicht, so schauten wir uns die Gegend an. Hühnengräber, Menhire, Naturschutzgebiete, Kirchen, Stauseen und weiß der Geier. Guckt Euch einfach die Fotos an. Heute ist Aufbruch hier. Wo es hingeht, wird noch nicht verraten.

 

Michael von Dolsperg

 

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Sa

29

Jan

2011

Wo sind meine Handschuhe?!

Vor über einer Woche holte uns die Kälte ein. Wer hätte gedacht, daß es in Portugal an der Küste derart kalt werden würde? Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nachts, und auch tagsüber gerade mal im zweistelligen Bereich, dazu starker Wind und Regen. Beinahe hätte ich meinen Wintermantel wieder herausgeholt.

 

Zwei Tage lang sahen wir uns die Kälte an, aber da wir in Porto Covo nur wegen unserer schönen, verschwiegenen Bucht waren, war dies ein Grund zum verführten Aufbruch. Das Wetter und das merkwürdige Verhalten der Campingplatzangestellten, die nicht recht glauben konnten, daß wir nur alle vier oder fünf Tage Strom für unsere Batterien brauchten.

 

Zuvor aber besuchten wir noch eine bereits vor achtzehn Jahren nach Porto Covo ausgewanderte Deutsche, die wir einige Tage zuvor im Restaurant kennengelernt hatten. Ihr Freund oder Mann oder Exfreund, ganz schlau wurden wir nicht draus, wohnte überwiegend in England, besuchte sie aber wohl oft, und der gemeinsame Sohn wohnte und arbeitete in Norwegen. Eine wirklich globale Familie!

 

Normalweise legen die Portugiesen keinen Wert auf Gartengestaltung, und statt Blumen ziehen sie Gemüse an, bei Nannis Haus und Garten jedoch sah man den deutschen Einfluß, und wir wurden beide von etwas Neid erfaßt, als wir ihren Garten sahen.

Interessanterweise ist Nanni nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen; sie erhält Strom durch Solarzellen (in Portugal auch im Winter kein Problem), und wenn es doch einmal bewölkt ist und sie Wäsche waschen möchte, wirft sie den Stromgenerator an.

 

Wir begaben uns auf den Weg in ein Naturschutzgebiet an der portugiesisch- spanischen Grenze und übernachteten bei einem Schweizer, der zwanzig Jahre in Asien gearbeitet und sich vor zwei Jahren ein Grundstück in Zentralportugal gekauft hatte. Auf dem Grundstück befindet sich eine Kirchenruine aus dem sechzehnten oder siebzehnten Jahrhundert, und nun befindet sich im vorgeschriebenen Abstand von fünfzig Metern (ja, die Portugiesen nehmen die Bauvorschriften sehr ernst, wie wir bereits von Nanni erfahren hatten) sein Bunker. Und ein Bunker ist es wirklich, er bezeichnet sein Haus selber so. Uns gefiel es nicht, wir sind Holzhausfans, aber Geschmäcker sind nun mal verschieden, und das ist auch gut so.

 

Lisa hatte natürlich nichts besseres zu tun, als Theo und seiner Frau ständig Stöckchen vor die Füße zu legen, die diese bitte werfen sollten, und wie so viele, konnten auch diese ihrem Charme nicht widerstehen. Und dann geschah es: Theo warf ein Stöckchen, Lisa setzte hinterher. Ich hörte Theo noch sagen: „Nein, nicht dahin!“- und dann verschwand Lisa bereits in der Erde. Wurde sozusagen von ihr verschluckt.

 

Sie war in einen alten Brunnen gefallen, der glücklicherweise nicht tief war, und so zogen wir eine triefnasse Lisa gemeinsam aus dem Wasserloch. Sobald sie festen Boden unter den Füßen verspürte, suchte sie das Stöckchen, das hinter dem Brunnen im Gras lag. Alles andere war unwichtig, das Stöckchen mußte gefunden werden! Ich darf nicht daran denken, was alles hätte passieren können, aber Lisa ist einfach nur blind, wenn es um Tannenzapfen oder Stöckchen geht. Da rennt sie dann gegen Brenntonnen (den dunklen Fleck auf der Stirn trug sie fast zwei Wochen spazieren), Schubkarren oder auch schon einmal gegen ihr Frauchen, das dann mit dem Hosenboden den Boden küßt.

Seit vier Tagen stehen wir mit unserem Wohnwagen auf einem kleinen familiären Campingplatz mit angeschlossener Biofarm im Naturpark Serra do Sao Mamede, der über unheimlich viele Dolmen nicht nur im portugiesischen Teil des Gebirges verfügt. Der Blick auf eine Übersichtskarte ließ mich die Augen ungläubig aufreißen. Leider konnten wir die Karte nicht mitnehmen, begaben uns jedoch trotz allem auf die Suche nach diesen Hinterlassenschaften einer längst vergangenen Megalithkultur.

 

Aufgrund mangelnder Informationen und Wegbeschreibungen seitens des portugiesischen Touristenbüros (das waren die zwei netten Damen mit dem kopierten Stadtplan. Die uns übrigens auf meine direkte Frage einen kleinen Wisch auf portugiesisch in die Hand drückten, auf dem der Weg zu zwei Dolmen in der näheren Umgebung beschrieben wurde. Mehr Informationsmaterial besaßen sie nicht) unternahmen wir einen Ausflug in den spanischen Teil des Gebirges.

 

Der erste Dolmen, den wir besuchten, war Melizzo, und er war auch mit Abstand der schönste und am besten erhalten von allen, die wir danach noch aufsuchten.

Weitere Ausflüge werden folgen, genauso wie ein Besuch auf der Biofarm eines Deutschen, der seine Kinder zuhause unterrichtet. Jedenfalls hoffen wir, daß wir ihn besuchen können, denn unsere letzte Information ist, daß er eventuell erst im Februar nach Portugal zurückkehrt, und dann sind wir hoffentlich wieder am Strand. An meinem heißgeliebten Atlantik. Den ich bereits jetzt vermisse. Aber wer hat schon Lust, bei acht bis zehn Grad und Regen mit starkem Wind am Strand zu liegen? Außer Lisa natürlich, für die gehen Meer und Wellen und Sand mit Stöckchengewerfe fast über alles…

 

Cordula

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Do

27

Jan

2011

Die Verschmutzung der Meere

Man geht schon mit anderen Augen spazieren, wenn man sich wie wir oft mit Umweltfragen beschäftigt. Haben wir uns in Schweden für die letzten bedrohten Urwälder eingesetzt, so stößt man, wohin es einen auf dieser weiten Welt auch verschlägt, auf Dinge, mit denen der Mensch die Natur verschandelt.

 

Vor über zehn Jahren besuchten wir die westliche Atlantikküste Portugals, und schon damals bemerkten wir, daß die Südländer ein weniger kompliziertes Verhältnis zu Müll und Abfall haben als wir Mittel- und Nordeuropäer.

 

Aber irgendwie habe ich den Eindruck, daß es immer mehr wird mit dem Müll, auch wenn eine vor bereits fast zwanzig Jahren ausgewanderte Deutsche, mit der wir uns eingehender unterhalten haben, das Gegenteil behauptet.

 

Der Müll findet sich auf Parkplätzen, an Straßenrändern und nicht zuletzt auch an den Stränden. Sieht man sich Bilder wie dieses hier an, denkt man, welch herrliche Landschaft, oder was für ein wundervoller Strand.

 

 

 

Doch geht man mit offenen Augen am Strand spazieren, kann man traurig werden, und die schönen Momente und Eindrücke geraten dann manchmal in den Hintergrund, wenn man den Blick für das Detail schärft.

Zumindest das, was schwimmt und vom Menschen ins Meer geworfen wird, spuckt das Meer wieder aus.

Autoreifen, Plastik und auch Glasflaschen (was besonders schön ist, wenn sie an Felsen zerschellen), Taue, Netze, Spraydosen und jeder mögliche andere Dreck unserer Wohlstandsgesellschaft verleihen den kilometerlangen Strandspaziergängen einen faden Beigeschmack.

 

Öl aus einem Kanister läuft auf den Strand Öl aus einem Kanister läuft auf den Strand
Mit jeder Flut kommt der Müll... Mit jeder Flut kommt der Müll...

Ich will nicht an die Dinge denken, die auf dem Meeresgrund liegenbleiben.

 

 

Niemand, der sich verantwortlich für diesen Müll fühlt – dabei sprechen wir von hunderten von möglichen Arbeitsplätzen nur für die Entmüllung. Doch statt dessen schafft die EU eine Vollzeitstelle für ein von uns besuchtes Touristenbüro, das ganze drei Broschüren zur Auswahl hat, und dessen gelangweilte Angestellte nicht weiß, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll. Oder, wie es uns heute begegnete, wo eine ebenfalls von der EU geförderte Touristeninformation von zwei Angestellten besetzt ist, die uns nur die Kopie einer Stadtskizze bieten konnten, auf der für Touristen interessante Stellen markiert sind. Statt einen Broschürenständer für die Broschüren oder das A4- Papier hinzustellen und die Damen auf EU- Kosten Mülleinsammeln zu schicken, wird Geld wie so oft zum Fenster rausgeworfen.

 

Reifen, Netze,Schiffstaureste und kleinerer Müll Reifen, Netze,Schiffstaureste und kleinerer Müll

Wir sollten uns alle mehr mit unserem Müll beschäftigen.

 

Michael von Dolsperg

 

 

 

 

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Mi

19

Jan

2011

Endlich in Portugal

Ich bin faul. Aber das darf ich auch sein, immerhin habe ich Urlaub. Manchmal packt mich das schlechte Gewissen, weil ich einfach nichts tu, aber ist es nicht so im Urlaub, daß man einfach nichts tut? Und immerhin lerne ich ja etwas Portugiesisch, müßte mich allerdings endlich mal bei der Uni einloggen, um mein Anwenderkonto zu schaffen und den Lehrplan einzusehen. Vielleicht heute Abend. Oder morgen. Es läuft mir ja nicht weg. Nur keinen Streß machen. Fühlt sich ungewohnt an.

 

Das Wetter hier am Atlantik ist gemischt. Es ist Regenzeit in Portugal, und so hatten wir einige Regentage mit starkem Wind, so daß ich nachts kaum schlafen konnte, da ich jederzeit damit rechnete, daß der Wohnwagen umgeblasen wird. Bei dem es sowieso an mindestens zwei Stellen reinregnet, wie wir feststellen mußten. Ich will nicht wissen, wie die Zwischendecke aussieht, sie muß ein einziger nasser Schimmelhaufen sein. Ach ja, die Gasheizung funktioniert auch nicht, ebenso wenig wie der Gasherd. Ich bin froh, daß ich darauf bestanden habe, unseren dreiflammigen Campinggaskocher einzupacken, auf dem wir sonst zuhause kochen. Eine Gaslampe haben wir uns hier gekauft, um abends Licht zu haben. Denn irgendeinen Fehler muß es auch beim Licht geben, wir sind noch nicht drauf gekommen, was es ist.

 

Außerdem hatten wir einige regenfreie Tage mit Wolken. Und einige Tage mit blauem Himmel und Sonne, die wir am Strand verbrachten. Ungestört und einsam, und sogar die Hunde können wir frei laufen lassen, da keine Elch- oder Hasenspur sie auf Abwege bringt. Das einzige Problem sind die vielen freilaufenden Hunde. Die auch kein echtes Problem wären, wenn nicht Lisa pünktlich zum Urlaub läufig geworden wäre statt Mitte November, was normalerweise ihre Zeit gewesen wäre. Jeder Hundebesitzer wird wissen, wovon ich rede. Ein Drama!

 

Jedenfalls fangen wir jetzt allmählich an, uns zu entspannen.

Seit zwei Wochen sind wir jetzt an unserem vorläufigen Ziel, und wir haben es vor einigen Tagen endlich geschafft, uns einzurichten und mit den Gegebenheiten zu versöhnen. War nicht ganz einfach, denn das Portugal, das wir kennen, gibt es nur noch in Ansätzen, viel hat sich verändert. Es stimmt traurig, und manchmal macht es mich wütend, aber so ist wohl der Lauf der Dinge.

 

Vor zwölf Jahren hatten wir Porto Covo mehr durch Zufall entdeckt. Etwas unterhalb von Sines gelegen, blühten hier die Blumen, als wir Anfang April unseren Weg an die reizvollen Strände und in das verschlafene kleine Städtchen fanden. Ich verliebte mich auf Anhieb in das ehemalige Fischerörtchen mit der zauberhaften Atmosphäre, den kopfsteingepflasterten Straßen, in die freundlichen Menschen, die meinen Versuchen, ihre Sprache zu sprechen, humorvoll begegneten und nach wenigen Tagen wußten, wer Michael und ich waren. Es gab eine Menge deutsche Aussteiger hier, und das verwunderte uns nicht. Porto Covo lud einfach zum Aussteigen ein. Damals war es noch so, daß man nicht wußte, ob die Sommerzeit im Ort nun eingeführt wurde oder nicht, und ein Portugiese erklärte uns, das wisse man erst nach einer Woche etwa, je nachdem, wie sich die Anwohner entschieden hatten; und in jenem Jahr verzichtete man darauf, die Uhren um eine Stunde vorzustellen.

 

Tagsüber sprangen wir völlig ungestört am Strand umher, abends saßen wir in der von einem schweizer Aussteiger geführten Pizzeria mit Blick auf den kleinen Hafen und das Meer. Nachts lauschten wir den Wellen, die durch die teilweise leicht geöffnete Tür unseres ausgebauten VW- Busses gut zu hören waren. Denn wir standen auch nachts an „unserer“ Bucht, direkt am Strand. Beim Frühstück wurden wir oft vom Ziegenhirten und seiner Herde beehrt, der fast täglich über die Wiesen zog und anscheinend einen Narren an uns gefressen hatte. Und dann gab es noch Jeppe, den herrenlosen Hund, den wir von etwa hundertfünfzig Zecken befreiten, und der uns danach täglich mindestens einmal täglich besuchte.

 

Bis zur Entdeckung Porto Covos hatte ich es in Urlauben nie länger als zwei Tage an einem Ort ausgehalten, hier jedoch ließ ich mich seelisch sofort nieder, und der Versuch, die Algarve zu erkunden, endete damit, daß wir noch an demselben Abend reuevoll in unsere Bucht zurückkehrten und dort den Rest unseres Urlaubes verbrachten.

 

Damals wohnten wir noch in Deutschland, und unsere Gehälter erlaubten es uns, noch zweimal nach Porto Covo zu fahren, bevor wir nach Schweden zogen. Fast wären wir in Porto Covo gelandet statt in Schweden, heute bin ich froh, daß wir uns für Schweden entschieden haben. Denn Porto Covo ist nicht mehr das, was es damals war.

 

Bereits Ende 2001, unserem vorerst letzten Urlaub in Porto Covo, deuteten sich die Veränderungen an. Auf dem Brachland zwischen Städtchen und Campingplatz beispielsweise prangte ein großes Schild, das Werbung für eine Lidl- Filiale nicht weit entfernt machte, und in einem der Restaurants wurden wir auf Deutsch bedient, was mich sehr enttäuschte, da ich gern Portugiesisch sprach und es auch heute noch nur für höflich halte, zumindest einige Brocken der Landessprache zu sprechen. Ganz zu schweigen von den ersten englischen Speisekarten.

 

Vor dreieinhalb Jahren nahmen wir uns eine Woche Auszeit, die wir in Porto Covo verbrachten, und der Anblick des Gebäudes der Surfschule an unserer Bucht und der veränderten Atmosphäre des Ortes verursachten mir erst einmal eine Migräne. Unsere Pension war eine Katastrophe, der ganze Urlaub schien ein einziger Reinfall zu sein. Es ist Michael zu verdanken, daß wir schließlich eine einsam am Strand liegende Pension entdeckten, die zwar doppelt so teuer war wie unsere ursprüngliche, uns allerdings die Möglichkeit gab, morgens und abends auf der Terrasse zu sitzen und beim Rauschen der Wellen Wein zu trinken. Nicht weit entfernt fanden wir einen einsamen Strand, und wenn wir abends in Porto Covo essen gingen, meinten wir, einen Teil des früheren Zaubers wiederzufinden.

 

Und jetzt sind wir wieder hier. Spät abends kamen wir an, und da wir uns mit Wohnwagen nicht trauten, an unsere Bucht zu fahren, die Wege sind ja mit Pkw kaum befahrbar, saßen wir auf einem gut ausgebauten Parkplatz vor unserem Wohnwagen und tranken unser Willkommensweinchen. Und mir ging mal wieder auf, wie sehr ich den Atlantik vermißt hatte.

 

Der nächste Tag brachte Ernüchterung:

 

Der kleine Ort Porto Covo ist um sicherlich das doppelte gewachsen. Alles Neubauten, und es wird weiterhin fleißig gebaut. Im größten Neubau soll sogar ein Einkaufszentrum eröffnet werden!

 

Aber nicht nur hier, die gesamte Küste ist eine einzige Baustelle. Die ehemals frei zugänglichen Buchten sind teilweise eingezäunt und Parkplätze eingerichtet worden. Die Atmosphäre hat unheimlich gelitten. Das Kopfsteinpflaster ist herausgerissen und gegen glatte moderne Steine ausgetauscht worden. Ehemals einstöckige Gebäude, die das Stadtbild bestimmten, wurden aufgestockt, um mehr Vermietungsmöglichkeiten zu schaffen. Einmal blieben wir mit unserem Wohnwagen an einer der vielen neu angebrachten Höhenbegrenzungen hängen, die das Benutzen von Parkplätzen für Wohnmobile unmöglich machen sollen. Der Wohnmobilparkplatz, den wir noch vor drei Jahren gesehen hatten, existiert nicht mehr. Noch ist bei der Höhenbegrenzung keine Querstange angebracht, aber die Baufahrzeuge stehen vor Ort, es ist also nur noch eine Frage von Tagen, bis sie sitzt.

 

Drei Tage verbrachten wir an unserer ehemaligen Bucht, aber auch hier hat der Verkehr unheimlich zugenommen. Konnten wir früher nackt baden, so ist jetzt gar nicht mehr daran zu denken. Gut, daß wir eine andere Bucht entdeckt haben, etwas Fußmarsch entfernt, aber nicht frequentiert. Zweimal kam ein Angler vorbei, aber das ist auch schon alles. Damit können wir gut leben.

Diese Bucht verfügt über einen Bach, der ins Meer fließt, sehr praktisch für die Hunde. Die nach anfänglicher Zurückhaltung der Wellen gegenüber jetzt gern hineinspringen und daher beim Aufbruch von uns immer ins Süßwasser gejagt werden, um sich das Salzwasser abzuwaschen.

Vor fünf Tagen sind wir auf den Campingplatz gezogen. Er ist teuer, aber da wir nicht täglich Strom benötigen, können wir die Kosten etwas senken. Ich hoffe nur, daß an der Rezeption eine Strichliste geführt wird und wir nicht täglich die Strompauschale von 3,40 Euro bezahlen müssen.

 

Das Klima ist fantastisch. In den Gärten stehen Kohl, Lauch, Salat. Die Orangen und Zitronen sind reif. Blumen blühen. Frost gibt es hier nicht. Selbst, wenn es bedeckt ist, herrschen Temperaturen um die fünfzehn Grad. Nachts schlafen wir bei offenem Fenster.

Zuhause liegt ein Meter Schnee, und über Weihnachten und Neujahr war es sehr kalt und stürmisch, Stromausfälle gab es ständig, und die Temperaturen lagen wohl noch letzte Woche bei minus sechzehn Grad. „Kommt gefälligst nach Hause und schippt Schnee!“ war die Reaktion unserer Nachbarn auf das Sommer-Sonne-Strandfoto, das Michael bei Facebook hochgeladen hatte, und sie machten uns scherzhaft auf den schwedischen Neid aufmerksam, wir sollten lieber aufpassen, was für Fotos wir hochladen…

 

Wie gesagt, wir haben uns mit dem neuen Portugal arrangiert. Obwohl wir immer noch nicht verstehen, wie es sein kann, daß man hier fast ausschließlich neue Autos sieht, die Restaurants rappeldicke voll mit Einheimischen sind und die Cafeterias, die es alle hundert Meter gibt, nicht nur überleben, sondern auch noch gut besucht sind. Die Lebensmittelpreise sind höher als in Schweden (Ausnahme: Brot, Baguette und Wasser), Bioprodukte gibt es fast gar nicht. Die Biomilch, die ich entdeckte, kostete 1,44 Euro pro Liter, die sechs Bioeier, die aber nicht nach Bio schmeckten, 2,24 Euro. Der Liter Benzin liegt bei 1,60 Euro. Wie bezahlen die Leute das? Soll Portugal nicht angeblich ein Wackelkandidat sein? Nun, den Menschen hier geht es verdammt gut.

 

Und wir lassen es uns auch gut gehen. Jedenfalls für die nächsten Wochen. So, die Sonne guckt. Vielleicht können wir doch an den Strand, obwohl es heute früh gar nicht danach aussah…

 

Cordula

Felsküste bei Porto Covo mit Leuchtturm Felsküste bei Porto Covo mit Leuchtturm
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Mi

05

Jan

2011

4000 Kilometer später

Wir können es selbst noch gar nicht glauben, aber wir haben es gemacht. Im Superschneesturm am 24.12. noch fast auf Puttgarden in einer Schneewehe hängengeblieben, so konnten wir Weihnachten doch bei unseren Familien feiern. Danach revanchierten wir uns mit einem Gegenbesuch bei Freunden von uns.

 

Robert sagte damals: "Ein Wikinger muß reiten können, ich such Dir schon ein Pferd das Dich nicht runterschmeißt!"

 

Und so wurde ich an einem Tag zweimal auf ein Pferd gesetzt und wie versprochen fiel ich auch nicht runter.

Und so konnten Cordula und ich zusammen mit anderen Reitersleuten den herrlichen Winterwald des Hohen Meißners durchreiten. Ein wenig leid taten mir die Pferde als sie durch Schnee stapfen mußten, der ihnen bis zum Bauch ging aber die Extraportion Hafer haben sie sich wirklich verdient.

Auch Roberts Kamel Samson kaute gemächlich auf dem Heu. Ich hatte das Kamelschild ja erst für einen Scherz gehalten, aber da guckte mich Samson an. Ist er nicht toll?

Am Abend ließ ich mich dann noch bequatschen einen Fackelmarsch ins nächste Wirtshaus zu machen. Die Mädels hatten schon zwei Flaschen saure Kirsche klargemacht, damit wir auf dem Weg nicht frieren. Als wir im Wirtshaus ankamen, hatten wir alle schon einen kleinen im Tee...

Am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen von unseren beiden ritterlichen Gastgebern die uns einen richtig schönen Tag bescherten. Nun sollte es losgehen, dem Frühling entgegen, denn von Schnee hatten wir jetzt erstmal genug. Am zweiten Tag schafften wir es dann bis Frankreich und es erstaunte uns, wie heruntergekommen doch alles wirkte. Doch Frankreich ist landschaftlich auch sehr schön. 

Spaziergang in der Auvergne Spaziergang in der Auvergne

Doch Franzosen sind ja auch etwas eklig wenn ich das mal so sagen darf. Die kacken in Löcher! Wer mal in Frankreich unterwegs ist, dem empfehle ich mal die Benutzung eines solchen Lochklos - ist echt ein Erlebnis.

Und so ging es dann immer weiter Richtung Süden. Irgendwann waren wir dann in Spanien. Leider müssen wir wirklich feststellen, das unsere südlichen Nachbarn was Müll in die Gegend werfen anbelangt, Weltmeister sind. Schweden und Deutschland sind da wirklich um viele Längen sauberer. An Rastplätzen Müll obwohl es Papierkörbe gibt - völlig unverständlich für mich. 

Trotzdem gibt es charmante Plätze wie dieses ehemalige Hotel hier.

Vorgestern kamen wir dann in Portugal an. Hier ist Frühling. Eindeutig zu viel warme Kleidung mitgenommen. T-shirt-Wetter. Atlantik, Sonne aber auch hier viel Müll. Trotzdem ein tolles Klima, jedenfalls jetzt. In Schweden hätten wir jetzt bestimmt um die minus 15 Grad und hier sind es jetzt etwa 15 Plus- wobei es heute windig und bewölkt ist. Aber egal - der Frühling ist hier und wenn wir bald zurückfahren, dann nehmen wir ihn einfach mit.

Wer hätte gedacht, das der 650 Euro Wohnwagen die 4000 Kilometer von Schweden bis nach Portugal schafft? Ich nicht!

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Do

23

Dez

2010

...und los!

Zehn vor acht Uhr morgens. Es ist noch stockfinster. Heute geht es auf die Reise. Wir sind dabei, die letzten Sachen zusammenzupacken. Wasserleitungen müssen noch geleert werden, die Katzen in die Katzenpension. Im Wohnwagen sind es immerhin fünf Grad plus, gestern früh waren es noch minus zwanzig. Der Heizlüfter hat das seine getan, aber während der Fahrt wird er wieder auskühlen. Aber wir fahren ja ins warme Deutschland mit Temperaturen um den Gefrierpunkt.

 

Tschüs, Snåret! Vi ses!

 

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Mi

22

Dez

2010

...vier...drei...zwei...eins...

Falls ich noch nicht erwähnt habe, daß ich Banken hasse, dann hole ich das hier mal nach. Wir wollten uns vorgestern unsere bestellten Teuros abholen, doch schon um 14 Uhr war die Bank verriegelt. Öffnungszeiten Mo.– Fr. von 10 bis 13 Uhr! Nachdem ich mit meinem Finger leicht irritiert in den Klingel betätigte, um die Schlafmützen aufzuwecken, erschien dann auch ein geschniegeltes und gebügeltes Männchen, um mir zu erklären, daß wir 50 Kilometer umsonst gefahren sind und morgen zur normalen Öffnungszeit wiederkommen sollen.

 

Am nächsten Tag ging es früh aus dem Bett. Wir hatten Vollmond, und die anstehende Mondfinsternis wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zu sehen bekamen wir leider nichts.

Dann wieder zur Bank. Auf dem Weg dorthin wurden wir fast von einem großen Frachtflugzeug „gerammt“ (kein Scherz), das so tief flog, daß wir glaubten, jeden Moment knallt es. Es knallte aber nicht, scheinbar ist es normal, daß die Dinger jetzt in 50 Meter Höhe fliegen.

 

Am Bankschalter erklärte uns die Sachbearbeiterin, daß keine Teuros für uns da sein würden. Der gellende Schrei Cordulas, der daraufhin durch die Bank fegte, ließ sie noch mal nachschauen, und schließlich entdeckten ihre Augen das Kuvert mit den Teuros. Nach etwa fünf Versuchen, ein paar Geldscheine zu zählen, blickte sie ganz glücklich und offensichtlich stolz darauf, es geschafft zu haben, im sechsten Versuch zehn Fünfzigeuroscheine so zu zählen, daß es auch 500 Teuros wurden.

 

Unsere letzten zwei Hähne landeten danach im Kochtopf. Jetzt sind wir hühnerfrei, und es ist schon ein komisches Gefühl, wenn es morgens nicht kräht.

 

Die Sonnenwende war die kälteste, die wir bisher erlebt haben. Schon am Nachmittag sanken die Temperaturen am schlecht isolierten Fenster bereits auf minus 25 Grad, und dann fror wieder eine Wasserleitung ein.

Abends am Feuer war es dann noch kälter, an minus 30 fehlte wirklich nicht mehr viel, aber da sowohl das Feuer als auch der Met wärmte, saßen wir dort – zum ersten Mal seit langem allein – und schickten unsere Wünsche und Feuersprüche mit den fliegenden Funken zu den Ahnen und Göttern in den klaren Sternenhimmel.

 

 

Und nun ist sie wieder vorbei, die Wintersonnenwende, und ab nun sollen die Tage wieder länger werden. Während die erkaltenden Reste des Sonnenwendfeuers den Rauch in den frostigen Morgenhimmel entlassen, heißt es für uns, die letzten Sachen zusammenzupacken, bevor wir dem Frühling entgegenreisen werden. Jetzt noch Weihnachten mit der Familie, und dann fahren wir mit unserem schrammeligen 30 Jahre alten 650 Teuro Wohnwagen in südlichere Gefilde und schauen mal, auf wen oder was wir dort treffen werden. Der erste Urlaub seit 9 Jahren- ich glaube, wir haben ihn uns verdient nach all den Jahren der Schufterei.


 

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Sa

18

Dez

2010

Sieben...sechs...fünf...

Korrektur: Nina ist nicht Norwegerin. Sie ist Schwedin, arbeitet in Oslo und benutzt eine norwegische Tastatur, wenn sie den Rechner benutzt. Daher mein Irrtum. Sie kam gestern nicht vorbei, das Wetter ließ es nicht zu, aber morgen frühstücken wir zusammen. Bin gespannt, ob wir uns verstehen.

 

Die Hühner sind auf dem Weg in die Hühnerpension. Hilfe, was das ein Theater gewesen, sie in die Kartons zu stecken! Um drei Uhr hatten wir das Licht im Stall gelöscht und die Tür geschlossen. Um vier Uhr saßen sie dann ganz brav auf der Stange, bis auf ein paar Junghühner, die in der Rangordnung wohl so weit unten stehen, daß sie nicht auf die Stangen dürfen. Denn Platz genug wäre ja. Wir hatten drei große Kartons, die wir mit Luftlöchern versehen hatten. Die Taschenlampe hängten wir in einen Winkel des Stalles, ich stand am Karton, den ich öffnen und schließen sollte, und Michael hob das erste Hühnchen von der Stange. Tokki hatte natürlich längst angefangen, Panik zu veranstalten und brachte Chaos in die Ruhe, so daß er einer der ersten war, der im Karton landete. Die Theorie und auch unsere früheren Erfahrungen besagten nämlich, daß Hühner still sind, wenn es dunkel ist. Und im Karton war es dunkel. Tokki jedoch wußte anscheinend nichts von dieser Benimmregel, er krakeelte weiter und stellte sich an, als ob er geschlachtet werden sollte. Als ob wir unseren Tokki aufessen würden!

 

Im Endeffekt benötigten wir vier Kartons für die Hühner, und zwei Junghähne blieben zurück, sie müssen morgen über die Klinge springen. Es sind hübsche Junghähne, aber das Los hat entschieden. Oder besser gesagt: die Dunkelheit. Denn Michael konnte nicht sehen, wen er einpackt, und leider hat der dunkle Junghahn das lange Streichholz gezogen, dabei war der meiner Favorit für den Bräter.

 

Es gibt also nochmal Hühnchen. Danach bleiben wir hühnchenabstinent bis zum Frühjahr. Und auch Eier werde ich vorerst nicht mehr essen. Die fünf, die ich heute aus dem Stall geholt habe, werden verschenkt. Nächstes Jahr können wir dann Eier verkaufen. Aber natürlich nicht alle, einige müssen auf Vorrat im Kühlschrank bleiben, damit wir sie den brütenden Hennen unterschieben können. Und auch Enteneier schieben wir nächstes Jahr unter. Wenn die Hühner aus der Pension abgeholt werden, bringen wir gleich Bruteier mit, denn ich wette, daß es nicht lange dauert, bis die erste Henne brütet.

 

Jedenfalls leert sich der Hof allmählich. Die Katzen bleiben bis zum Schluß, die Katzenpension liegt auf unserer Strecke. Ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht, wie lange ein Katzengedächtnis reicht, hoffe doch, daß sie sich hinterher noch an uns erinnern?!

 

Eine Vogelfutterstelle müssen wir noch bauen. Irgend etwas überdachtes, unter das wir fünfzig Kilo Sonnenblumenkerne schütten, damit unsere Vögel, allen voran Meisen, nicht hungern. Schließlich sollen sie nächstes Jahr fleißig Mücken und Knott fangen und viele Eier legen, um die nächste Generation Mückenfänger auf die Welt zu bringen!

 

Der Dachs scheint übrigens ausgezogen zu sein. Hat es mir wohl übel genommen, daß ich im den reich gedeckten Tisch entzogen habe. Bamse schlägt nachts nicht mehr an, und Spuren konnten wir im Schnee auch nicht entdecken. Das ist sehr gut.

 

Was wir allerdings heute früh gesehen haben, das waren Wolfsspuren. Die Einfahrt hinunter bis zur Schranke, an der unser Grundstück und Bamses Revier beginnt. Dort wendete der Wolf und trottete richtung Nachbars. Lisa und Bamse waren sehr interessiert an den Spuren, die uns ein gutes Stück auf unserem Spaziergang begleiteten.

 

Übrigens sollen hier wieder Wölfe gejagt werden, vom Mitte Januar bis Mitte Februar. Diesmal „nur“ zwanzig Stück. Und mindestens die gleiche Anzahl illegal, klar. Welcher Jäger will nicht die Gelegenheit wahrnehmen, dem erklärten Feind den Garaus zu machen? Es werden sowieso ständig Wölfe schwarz geschossen. Im Winter sieht man ihre Spuren ja sehr gut, und es macht so einen Spaß, mit dem Schneescooter hinter ihnen herzujagen, um sie schließlich zu erschießen. Wenn der Wolf Glück hat, denn bei der letzten Wolfsjagd wurde es offiziell: Die Jäger können ihre Schießeisen nicht hantieren, es wurden mehrere Wölfe angeschossen und verendeten qualvoll bei eisigen minus fünfundzwanzig Grad und starkem Wind. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, es macht mich so böse! 

 

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Fr

17

Dez

2010

Bald ist es soweit!

Der Countdown läuft. Noch eine Woche, und wir fahren. Erst Weihnachten mit Familie und Freunden, und dann ab in den Süden. Endlich! Noch kann ich es kaum glauben.

 

Es wird das erste Weihnachten mit Familie seit zehn Jahren. Wird sich merkwürdig anfühlen, unterm Weihnachtsbaum zu sitzen, vor allem, da uns das Fest nichts bedeutet, wir feiern ja die Sonnenwende- die auf den kältesten Tag bisher fallen wird, wenn man den Wetterdiensten glauben darf; es sind Temperaturen von minus zweiundzwanzig Grad angesagt- für den nächsten Ort, wir haben es hier meist fünf Grad kälter.

 

Ich werde wohl noch zum Zahnarzt müssen. Seit anderthalb Jahren habe ich eine leichte Entzündung in einem meiner Eckzähne; nach dem Unfall wurde es akuter, und vor etwa zehn Tagen richtig akut, so daß ich dachte, ich muß noch zu einem dieser Schwedenpfuscher. Das wollte ich um jeden Preis vermeiden, habe Aspirin gefuttert, mit Kamillentee gespült und ihn literweise getrunken (kalt natürlich, alles andere brachte meinen Zahn fast zum Explodieren), das Zahnfleisch ständig mit Rhabarbertinktur eingepinselt- und hurra, er hat sich beruhigt. Ich kann nicht richtig zubeißen, und ich habe einen unangenehmen Druck auf dem Zahn, die akuten schlafraubenden Schmerzen sind jedoch weg. Also kann ich zum deutschen Zahnarzt, und falls der Zahn sich weiter beruhigt, gehe ich in Portugal. Das wäre mir ja am liebsten.

 

Die Lämmchen sind geschlachtet. Montag rückte Mustafa mit einem Kumpel und Ehefrau und Kleinkind an; Michael hatte Dieter abgeholt, der sein Bolzenschußgerät einweihte. Sie starben schnell, davon sind wir überzeugt. Es dauerte vier Stunden, bis die vier Lämmchen ausgenommen waren, und das bei minus fünfzehn Grad! Jetzt jedenfalls sind wir schaffrei, und das fühlt sich gut an.

 

Die Hühner ziehen morgen in die Hühnerpension um. Einundzwanzig Stück haben wir noch, mehr konnten wir nicht reduzieren, es gab sowieso viel zuviel Hühnchen in den letzten Wochen. Und Eier! Drei bis vier Eier pro Tag, ich kann schon keine Eier mehr essen!

 

Die Welt ist weiß. Und es schneit weiter. Gestern fuhr ich zu meinem Chef, und statt der halben Stunde, die es normalerweise dauert, habe ich fast anderthalb Stunden gebraucht. Ok, ich war die einzige, die so langsam fuhr, und ich habe jeden Autofahrer, der hinter mir war, zur Weißglut getrieben, aber ich bin sowieso der Meinung, daß man bei derartigen Straßenverhältnisse gut daran tut, das Haus überhaupt nicht zu verlassen. Eigentlich ist es das Risiko nicht wert. Aber wer fragt heutzutage schon danach? Wer kann es sich leisten, aufgrund von Schneefall einfach zuhause zu bleiben?

 

Ziemlich heftig war es auch vorgestern, als ich in Örebro bei meinem Osteopathen war. Ich hatte einige Tage nach dem Unfall urplötzlich kaum noch gehen können, so daß ich einen Akuttermin bei einem Osteopathen in der Nähe (haha, siebzig Kilometer einfache Fahrt waren es trotzdem) vereinbart habe, aber bereits während der Behandlung hatte ich das Gefühl, daß er nicht sorgfältig arbeitet. Sowieso arbeitet er ganz anders als mein Osteopath, aber am schlimmsten fand ich ja, daß er zwar sah, daß ich Probleme mit den Brustwirbeln hatte, sie aber nicht behandelte. Und mir auch nicht erklärte, daß ich Rückenübungen zum Muskelaufbau durchführen muß. Nun gut, mir war es um die Hüfte gegangen, und am Folgetag humpelte ich nicht mehr und hatte nur noch etwas Muskelkater, die Schmerzen waren verschwunden. Jedenfalls war mein Osteopath vorgestern ziemlich enttäuscht, als er meinen schiefen Rücken sah. Mein Akutosteopath hatte es noch nicht einmal hinbekommen, die Hüfte komplett gerade zu rücken, mein rechtes Bein war einige Zentimeter länger als das andere!

 

Benny und ich diskutierten ziemlich lange über das Thema Osteopathie. Er behandelt mit der klassischen Osteopathie, die sich ziemlich von der unterscheidet, die man an den Schulen lernt. Ursprünglich wollte ich auch Osteopath werden, hatte aber immer die lange Ausbildungszeit von fünf Jahren gescheut. Und billig ist es ja auch nicht. Inzwischen bin ich ganz froh, es nicht gemacht zu haben, denn wenn jemand fünf Jahre lang zur Vollzeitschule geht (hier in Schweden ist es eine Vollzeitausbildung), sollte er in der Lage sein, den Rücken und die Hüfte zu behandeln, und kann er es nicht und legt zudem keinen Wert auf die grundlegende Gesundung des Rückens, dann ist es nicht das, was ich möchte. Ob in Deutschland andere Maßstäbe gesetzt werden, weiß ich nicht, Benny behauptet, die Ausbildung sei europäisch angeglichen worden und sowieso nur eine Grundausbildung, auf die man später aufbauen müsse, aber ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich bin jedenfalls zutiefst enttäuscht über die symptomatische Behandlung und heilfroh, bei Benny gelandet zu sein. Er ist wirklich ein Glücksgriff.

 

Jetzt mache ich dreimal täglich meine von Benny verordneten Übungen und habe fest vor, niemals wieder zu schlampen. Die Schlamperei im Sommer hat mich nämlich sehr weit zurückgeworfen, und der Unfall hat sein übriges getan. Aber ich habe draus gelernt.

 

Übrigens Unfall: Die gegnerische Versicherung hat einen Beschluß gefaßt: Wir tragen die halbe Schuld. Und bekommen demgemäß auch nur die Hälfte dessen erstattet, was der Clio wert ist. Abzüglich Eigenanteil. Es wird also nichts hängenbleiben, wir gehen leer aus. Mit unserer Versicherung haben wir besprochen, wie wir weiter vorgehen, und uns wurde gesagt, daß wir in den Widerspruch gehen können, es aber unwahrscheinlich sei, daß wir von aller Schuld freigesprochen werden, das maximale sei eine Eindrittelschuld. Wir werden als nicht dagegen vorgehen. Uns wurde seitens unserer Versicherung auch versprochen, daß wir nicht hochgestuft werden, da wir so viele schadensfreie Jahre hatten. Das ist doch großzügig, oder?

 

Heute Abend bekommen wir Besuch von einer Norwegerin, die wir übers Internet kennengelernt haben. Sie ist auch sehr umweltbewußt eingestellt, wohnt etwa sechzig Kilometer von uns. Mal sehen, ob sie sich bei dem Wetter wirklich ins Auto setzt. Ansonsten müssen wir unser Kennenlernen auf nächstes Jahr verschieben.

 

Oje, es schneit immer noch. Aber ich habe gehört, in Deutschland sei es nicht anders, dabei haben wir uns grüne Weihnachten gewünscht…

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Mi

08

Dez

2010

Eisige Kälte

Als ich heute früh das Schlafzimmer verließ, wurde ich von Minustemperaturen im Flur und ganzen acht Grad in Küche und Wohnzimmer begrüßt. Die Außentemperaturen lagen bei minus 22 Grad, und zur Abwechslung war mal unser Heißwasser eingefroren. Der Volvo sprang nicht an, und da Michael nicht da war, er kommt erst heute Nacht oder gar morgen wieder nach Hause, war ich diejenige, die die schwere Autobatterie ins Haus schleppte und an das Ladegerät anschloß. Da ist man einmal allein auf dem Hof, und dann so etwas. Eigentlich hatte ich heute vormittag einen Termin mit meinem Chef, mit dem ich einige Buchführungsunterlagen durchgehen wollte, aber so mußte ich absagen und den Termin auf morgen verschieben. Ärgerlich!

 

Glücklicherweise mußte ich nicht so viel Wasser zu den Schafen schleppen, wir haben nämlich nur noch die vier Lämmchen. Der Opi und seine drei Mädels sind vorgestern ausgezogen. Das war ein Theater, die vier von den Lämmchen zu trennen und danach in den Anhänger zu verfrachten! Sie wollten nämlich nicht, und nur mit List und Tücke konnte wir sie schließlich dorthin bugsieren, wo wir sie haben wollten.

 

Auch vier kleine Hühnchen zogen um, Annika und Stefan wollten nämlich nicht nur Schafe, sondern auch Hühner, und da wir sowieso zu viele haben… der Abschied fiel mir schwer. Sie bekamen einen Junghahn, einem Sohn von Tokki, unser ehemals schwarzes Küken, das jetzt allerdings einen weißen Kopf und graue, weiße und blaugrün schimmernde Federn ausgebildet hat. Frech ist er, saß vor einigen Tagen zum ersten Mal mit seiner kleinen Freundin auf der Stange und hat auch schon Poppversuche gestartet, der Lümmel. Seine Freundin zog mit um, klar, und noch zwei weitere Hennen desselben Alters. Jetzt sind es nur noch zweiundzwanzig Hühner, die wir haben- immer noch zuviel. Aber ich mag meine Hühnchen und kann mich kaum trennen.

 

In den nächsten Tagen sollen endlich die Lämmer geschlachtet werden. Wie erwartet haben sich nur Mohammeds gemeldet, die sie lebend kaufen wollen, und da wir sie nicht zum Schächten verkaufen, ist es eine Geschichte ohne Ende geworden. Inzwischen haben wir einen Mustafa gefunden, der bei uns schlachtet, wobei wir die Lämmer erschießen. Problem ist nur, daß wir über kein Bolzenschußgerät verfügen, und Dieter, der uns letztes Jahr beim Schlachten geholfen hat, kann momentan nicht zu uns kommen, da sein Auto kaputt ist. Und in einer Woche fährt er für einen Monat nach Deutschland. Jetzt müssen wir zusehen, daß ein Bauer aus der Umgebung sein Gewehr bei uns einsetzt. Wäre alles einfacher, wenn wir einfach sagen würden, Augen zu und durch, ab lebendig mit ihnen- aber das kann ich nicht. Geht nicht. Könnte hinterher nicht mehr in den Spiegel gucken.

 

Ach ja, der Dachs. Der geht mir ziemlich auf die Nerven. Wohnt seit etwa zwei Wochen bei uns unterm Haus, und jede Nacht schlug Bamse wie ein Verrückter mehrfach an. Bamse haßt Dachse. Jedenfalls war dann einige Nächte lang Ruhe, so daß wir dachten, der Dachs wäre umgezogen. Bis dann am Sonntag Schnee fiel und Michael einen Schneewall ans Haus schaufelte, um unter dem Haus etwas zu isolieren. Am nächsten Tag sahen wir dann, daß sich ein Tier durch den Schnee gegraben hatte. Der Dachs war also immer noch da. Und prompt schlug Bamse wieder an.

 

Der Dachs geht ans Hühnerfutter und die Sonnenblumenkerne für die Vögel. Wir hatten eine kleine Öffnung für die Katzen gesägt gehabt, und durch die geht er durch. Wirft die Futtertonnen um, holt die Deckel runter, stiftet Chaos und Unordnung, und futtert sich Nacht für Nacht satt. Vorgestern Abend erwischte ich ihn. Es schepperte und polterte, und dann schoß er aus der Öffnung hinaus und unter die Scheune. Heute habe ich eine dicke Holzleiste gegen die Öffnung geschraubt. Die Katzen dürften noch durch passen, der Dachs hoffentlich nicht. Morgen früh werde ich es dann wissen. So ein Miststück! Von Nachbars haben wir uns eine Fuchsfalle geliehen, die wir aufstellen werden, aber ich begreife die Technik nicht ganz, die dahinter steht, werde damit also auf Michael warten müssen.

 

Es scheint wärmer zu werden. Wir haben nur noch minus dreizehn Grad. Wahrscheinlich bekommen wir Schnee. Wäre schön, wenn die Temperaturen etwas in die Höhe gehen würden, es ist wirklich verdammt kalt. Es beißt im Gesicht, wenn man draußen ist, und Lisa ist auch sehr empfindlich, sie beginnt zu humpeln, und oft bilden sich große Eisklumpen zwischen ihren Ballen, die wir mühselig entfernen müssen. Auf den Holzfassaden liegen Eiskristalle, und der Himmel hat vor allem morgens diese eisblaue Farbe, die einfach nur kalt aussieht- und hält, was sie verspricht. Es gibt ja Spezialisten, die behaupten, die trockene Kälte in Schweden sei ja gar nicht so schlimm, und die allen Ernstes der Auffassung sind, minus zwanzig oder fünfundzwanzig Grad in Schweden seien weniger schlimm als feuchte minus fünf in Deutschland. Ich stehe dem sehr skeptisch gegenüber, denn weder Wasserleitungen lassen sich von trocken oder feucht beeindrucken, noch hat es Einfluß auf den Holzverbrauch oder das eklige Kneifen und Brennen im Gesicht, wenn man sich im Freien aufhält. Ich würde diesen Leuten mal einige Wochen bei uns gönnen, danach würden sie anders reden. Aber wie gesagt, es scheint ja wärmer zu werden…

 

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Sa

04

Dez

2010

Lisa und Bamse und die mißglückte Erziehung

Heute war das letzte Treffen unserer Hundetrainingsgruppe. Die Winterpause beginnt, denn bei den Temperaturen, die momentan herrschen, läuft man dann doch nicht freiwillig durch die Stadt. Anfangs hatten wir uns auf dem Hundeplatz getroffen, uns vor einigen Wochen aber aufs Städtchen verlegt.

 

Es sind bis zu fünf Hunde, die sich mit Frauchen und/ oder Herrchen treffen, um sich zu lernen, daß man nicht jeden Fußgänger angreifen, jedes Auto jagen und jeden anderen Hund verspeisen muß. Auch, wie man ordentlich an der Leine geht, ohne sein Frauchen hinter sich herzuzerren, wird geübt, und ebenso, daß Metalltreppen und -rampen nicht gefährlich sind.

 

Wir müssen einen lustigen Anblick bieten, wenn wir mitten auf dem Marktplatz im Kreis stehen und mit unseren Hunde im Slalom um die anderen herumgehen, Begegnungen fingieren und mehrfach um jedes Auto schleichen, in dem sich ein wildgewordener, kläffender Hund befindet. Und das alles nur, damit unsere Hunde sich daran gewöhnen, daß sie nicht allein auf der Welt sind und sich daher an gewisse Regeln zu halten haben.

 

Vorletzte Woche war schönes Wetter, und dementsprechend nahmen sich die Passanten Zeit, uns zuzusehen. Mehrere Grüppchen bildeten sich und sahen uns zu: Eine alte Frau mit Rollator (heißt das Ding auch auf Deutsch Rollator?! Gehhilfe mit Rädern zum Draufstützen und mit Einkaufskorb vorn dran?!) und ihrer Betreuerin. Vier Kinder, die uns mit wachsender Begeisterung zusahen. Einige Halbstarke, die besonders cool sein wollten. Und dann die unzähligen Blicke, die lange auf unserer Gruppe ruhten… wir fielen auf, ganz klar. Und uns im Gegenzug entging zwangsläufig auch nicht der kleinste vorbeipassierende Hund, denn auf den machten uns dann Bamse und Lea laut kläffend oder jaulend aufmerksam.

 

Letzte Woche war es so klirrend kalt, daß wir uns auf die Suche nach dem Café begaben, indem gerüchteweise Hunde willkommen waren. In einer Nebenstraße an einer Brücke wurden wir fündig, und tatsächlich: Hunde willkommen.

 

Wir waren mit drei Hunden unterwegs: Lea, eine 15 Monate alte Mischlingshündin, die immer und ständig ihre Grenzen wissen möchte. Lisa, die sich gern davon anstecken läßt und sowieso seit einigen Monaten eher der unerzogenen Gattung angehört. Und dann Bamse, den wir seit einigen Wochen an Städte, Hunde und Menschen gewöhnen. Er hat nämlich nie einen Hundekurs besucht, hat sich fast ausschließlich im Wald befunden und rastet regelmäßig aus, wenn er andere Hunde sieht. Bei seiner Körpergröße und Kraft stellt das immer ein großes Problem dar, vor allem für mich, so daß er im Fall der Fälle dann auf unser Auto aufpassen durfte, wenn wir einkaufen gingen. Da wir jedoch nach Deutschland und in Urlaub fahren werden, war es höchste Zeit, ihn etwas umwelttauglicher zu machen. Und diese Aufgabe fiel Michael zu, der unseren Rüpel mit Köttbullar (Fleischbällchen) bestach und ihm beibrachte, daß Herrchen in der Stadt die Regeln vorgibt. Bamse findet die Ausflüge furchtbar spannend, und da er anscheinend weiß, daß damit Schluß ist, sobald er eine gewisse Benimmgrenze überschreitet, gibt er sich redliche Mühe. Und es gelingt ihm mal mehr, mal weniger gut.

 

Jedenfalls betraten wir das Café, wo man einen Blick auf unsere aufgeregten Hunde warf und uns dann an einen Tisch verfrachtete, von dem jede Vitrine und jedes Regal weit entfernt war. Dort tranken wir Kaffee, aßen Kuchen und plauderten. Eine gute Übung für unsere Hunde! Heute wiederholten wir das Spektakel und erfuhren zu unserem Bedauern, daß das Café nach Jul schließt. Schade. In welchem Café sind denn heutzutage Hunde willkommen?!

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Fr

03

Dez

2010

Uneffektiv

Der Winter nervt, obwohl er kaum begonnen hat. Seit 2 Tagen tischlere ich an einer Treppe für eine Kundin herum. Bei minus 16 Grad zur Mittagszeit ist es ein schönes Erlebnis, Holz paßgenau zu sägen. Die Finger sind klamm und nahe am Abfrieren, mit Handschuhen kann man nicht arbeiten, und alle zwei Stunden rennt man rein, um einen heißen Tee zu trinken.

Jetzt ist die Treppe soweit fertig, muß allerdings noch geölt werden. Wenn ich die Treppe heute einöle, stellt sich die Frage des Trocknens. Bei den Temperaturen dauert das bis zum Frühjahr! Also muß Extrawärme her. Das nervt. Gewisse Dinge dauern im Winter doppelt so lang.

 

Auch die Gitarren verübeln uns die Temperaturunterschiede. Von 25 Grad plus in 20 Grad minus, danach ins lauwarme Auto und wieder in 20 Grad minus und von dort aus wieder in 20 Grad plus wo unser Gitarrenkurs stattfindet. Da muß der Stimmapperat auf Hochtouren laufen. Cordulas Gitarre hat sich verzogen, so daß ich sie erst mal richten muß, bevor man wieder auf ihr klimpern kann.

 

Dann begann der frischrenovierte Kachelofen auch noch zu rauchen, er zog einfach nicht mehr. Alle Selbstversuche scheiterten, so daß wir jetzt den Schornsteinfeger bestellt haben, der allerdings nichts von sich hören läßt. Wahrscheinlich hat er uns vergessen. Zum Glück funktionieren die anderen Öfen super.

 

Nicht funktionieren hingegen tun die Kaltwasserleitungen und der Abfluß der Dusche, denn beide sind eingefroren. Welch toller Winter!

 

Bei soviel Uneffektivität war es schön, daß uns einer unserer Praktikanten ein Weihnachtspaket schickte, u.a. mit einer Flasche Glühwein. Denn das ist wohl das einzig schöne an solch arschkalten Wintertagen – Glühwein trinken und gemütlich vor dem Kamin sitzen.

 

Michael von Dolsperg

 

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Di

23

Nov

2010

Ein ungebetener Gast

Als ich heute morgen die Hühner fütterte, hörte ich ein merkwürdiges Rascheln. Hatte Cordula gestern etwa den Stall zu früh geschlossen, so daß eine Henne im Vorraum pennen mußte? Wieder ein Rascheln – entschieden zu laut für Huhn oder Maus. Aber ich konnte nichts sehen, weil leere Futtertüten dort gesammelt werden.

 

Egal – ich wollte wissen, was das ist. Also Tüten weg, und da sah ich ihn und traute meinen Augen kaum. Da hat ein Schlingel von Dachs sich bei den Hühnern einquartiert. Das geht gar nicht, dachte ich, der frißt Hühnerfutter, Hühnereier und mit Pech auch unsere Hühner. Also schnell ins Haus, Axt und Fotoapparat geholt und wegen dieses Fotos ist mir das Mistvieh entwischt.

Hätte nicht gedacht, daß die Viecher so schnell sind, aber das nächste Mal gibt es saures. Man merkt echt, daß man in der Wildnis wohnt. Kurz nach unserem Unfall vom Freitag lief uns doch noch ein Koloß von einem Elch fast vors Auto. Mehr als drei Meter Platz waren da nicht mehr. Manchmal hat man auch Glück.

 

Die Hühnerhaltung bereitet immer noch große Freude. Heute hat Cordula wieder 5 Eier aus dem Stall geschleppt. Die legen Eier wie die Bekloppten. Jetzt, wo es kalt ist und Schnee liegt, gehen sie auch gar nicht so gerne raus – picken und scharren funktioniert ja jetzt nicht so gut. Wahrscheinlich ist ihnen da jetzt ein wenig langweilig und sie nutzen die Zeit zum Eierlegen.

Also wieder Eierkuchen morgen…

 

Michael von Dolsperg

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Fr

19

Nov

2010

Das hätte schiefgehen können!

Daß ich hier jetzt sitze und tippe, ist ein halbes Wunder. Und daß Michael im Wohnzimmer im Sessel sitzt, ist eigentlich sogar ein ganzes. Denn wir hatten heute einen Autounfall, der durchaus hätte übel ausgehen können- hätten wir nicht Engel- und Götterhilfe gehabt.

 

Wir kamen von unserer Werkstatt, hatten den Volvo hingebracht und fuhren mit meinem kleinen Clio zurück. Ich fuhr, Michael saß auf dem Beifahrersitz. Ein schmaler Weg, alles vereist. Ich bin schon immer vorsichtig gefahren, seit unserem Autounfall vor über zehn Jahren fahre ich noch vorsichtiger, vor allem, wenn es glatt ist. Ich fuhr langsam in eine Kurve, es ging leicht bergab, da sah ich einen großen Saab auf uns zuheizen. Michael rief noch ein lautes Scheiße oder so ähnlich, bei mir gingen die Reflexe los, ich reagierte automatisch.

 

Sollte ich bremsen oder nicht? Immerhin war die Straße vereist, und wenn man auf Eis bremst, kann man alles noch schlimmer machen. Auf welche Seite weiche ich aus? Ich weiß ja nicht, ob und falls ja, in welche Richtung der andere fährt. Wenn ich ausweiche, wo findet dann der Zusammenstoß statt, wie kann ich den Aufprall abmildern? Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, und wie ich letztendlich reagiert habe, weiß ich nicht.

 

Der Wagen donnerte fast frontal in uns hinein, es schepperte laut, und dann fuhr er die Böschung hinunter. Der kleine Clio stellte sich quer über die Straße, Michael schrie und hielt sich den Kopf. Verdammt, er war mal wieder nicht angeschnallt gewesen, und ich hatte es nicht gesehen gehabt.

 

Der andere Fahrer war ein Bürschchen von 19 Jahren, war natürlich unverletzt. Er hatte seinen Führerschein erst im Juli gemacht, wie ich später dem Führerschein entnahm. Aber er hatte einen großen Kumpel, der uns bei seinem Eintreffen mit den bösen Worten: „Und Ihr habt keine Versicherung?!“ begrüßte. Ich war nur noch sprachlos, und mir war klar, daß uns Ärger erwartete.

 

Michael lief hin und her, behauptete ein ums andere Mal, es sei ihm nichts passiert. Na, das konnte ich jetzt glauben oder nicht, aber einfach wegfahren zum Arzt konnten wir ja auch nicht. Ich rief den Besitzer der Werkstatt an, die nur wenige hundert Meter entfernt lag, und er knipste einige Fotos und maß zusammen mit Michael, der sich tatsächlich wacker auf den Beinen hielt, die Bremsspur aus: Über dreißig Meter, und das bergauf! Da konnte der vorlaute Kumpel des Unfallgegners tausendmal behaupten, wir wären beide zu schnell gefahren und wären jetzt beide dran, meine Bremsspur war nur wenige Meter lang.

 

Naja, im Endeffekt kam tatsächlich die Polizei, da sie gerade in der Nähe war und Michael über rasende Kopfschmerzen klagte. Auch die Ambulanz trudelte ein, und ein Abschleppunternehmen rief auf meinem Telefon an und fragte, ob sie die Autos abschleppen sollten. Ich pustete ins Röhrchen, Michael wurde auf die Bahre gelegt und zur nächsten Arztzentrale gefahren, und der Clio zur Werkstatt gebracht. Er ist ein Totalschaden, da ist wohl nichts mehr zu machen. Erst im Juli gekauft, und dann so etwas.

 

Die Polizei maß übrigens nicht die Bremsspuren aus, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Die Schuldfrage würden die Versicherungen klären, teilten sie mir zu meinem Frust mit, sie nahmen nur kurz die Personalien auf und fuhren dann wieder weg.

 

Ich stritt mich noch mit dem Kumpel des Unfallgegners herum, der eine meiner Meinung nach falsche Skizze des Unfallhergangs anfertigte und dann von mir ungehalten die Unterschrift forderte, die ich verweigerte, rief die Versicherung an, da ich mich nicht über den Tisch ziehen lassen wollte und sorgte mich gleichzeitig um Michael. Mehr als Händchen hätte ich nicht halten können, daher focht ich meinen Kampf aus und überließ ihn den mehr oder weniger kundigen Händen des Arztes.

 

Der Neunzehnjährige war übrigens auf dem Weg zur Jagd gewesen und mußte noch seine Gewehre aus dem Auto holen. Daß so junge Burschen mit scharfen Waffen umherfuchteln dürfen, finde ich heftig, und ich hätte das trotz aller Jagdmißstände in Schweden nicht erwartet.

 

Als ich Michael endlich mit dem Volvo abholen konnte, waren fast zwei Stunden vergangen. Sie hatten ihn nach Hause geschickt. Die Untersuchung hatte darin bestanden, daß sie seinen Puls und Blutdruck gemessen hatten ( So einen tollen Blutdruck hätten sie auch gern, sagten Arzt und Arzthelferin, wobei sie nicht beachteten, daß Michael normalerweise unter zu niedrigem Blutdruck leidet) und sich die Platzwunde angesehen hatten. Ich bin der Überzeugung, er hat zumindest eine leichte Gehirnerschütterung, eventuell sogar ein leichtes Schleudertrauma, das bleibt abzuwarten. Übel ist ihm zum Glück nicht, aber müde ist er. Und er fror die ganze Zeit. Ganz eindeutig die Symptome eines Schocks.

 

Mein Rücken tut weh, diesmal die Brustwirbel, und ich kann nur hoffen, daß Bennys vorgestrige Behandlung nicht völlig hinüber ist. Ich kann auch nicht mal eben zu ihm fahren: Es sind über hundert Kilometer einfache Fahrt, und außerdem ist er total ausgebucht, arbeitet sowieso schon sechzig Stunden die Woche. Daß Michael Rückenschmerzen hat, überrascht nicht, er hatte die Behandlung ja bereits vor zwei Jahren abgebrochen, da er keine Lust auf die Rückenübungen hatte, und sein Rücken ist sowieso derart kaputt, daß er nie wieder vollständig geheilt werden kann.

 

Wir haben riesiges Glück gehabt. Das hätte alles auch ganz anders ausgehen können. Dank allen guten Geistern, die uns beigestanden haben!

 

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Do

18

Nov

2010

Der Rüffel

18.11.2010

 

Gestern war ich mal wieder bei meinem Osteopathen. Und bekam von ihm einen richtigen Rüffel verpaßt: Mein Rücken hat sich wieder verschlechtert. Ursache: Reine Faulheit. Und ein Teil Vergeßlichkeit, denn wir hatten wirklich viel zu tun im Sommer.

 

Eigentlich sollte ich täglich meine Rückenübungen machen, und solange ich Beschwerden hatte, bin ich damit auch ganz eifrig gewesen. Dann verschwanden die Schmerzen, alles war gut, der Sommer kam- und ich vergaß ein ums andere Mal meine Rückenübungen. Und wenn ich gerade mal dran dachte, konnte oder wollte ich sie nicht durchführen: Während alle Wwoofis am Frühstückstisch sitzen. Nach dem Abendbrot, wenn ich todmüde nur noch ins Bett wollte. Oder wenn ich bereits im Bett lag. Dann kam der Vorsatz: Nachher mache ich sie. Ganz sicher. Oder morgen. Ja, morgen.

 

Naja, die Monate gingen ins Land. Und gestern war ich zur Kontrolle. Mit dem Ergebnis, daß mein Rücken wieder schief ist. Und mein rechtes Bein war auch wieder länger als das linke, und das nicht gerade wenig.

 

Da helfen keine Ausflüchte und Entschuldigungen. Das Resultat ist absolut inakzeptabel. Und auf meinen schwachen Versuch, Benny zu erklären, daß ich es oft vergessen hatte, sah er mich ernsthaft an und meinte: „Jaja, mit dem Alter kommt dann die Vergeßlichkeit.“

 

Er läßt nichts gelten, und Recht hat er damit. Ich schäme mich ganz furchtbar und habe ein schlechtes Gewissen. Immerhin hatte ich mir zu Beginn der Behandlung ganz fest vorgenommen, daß ich nicht zu denjenigen gehöre, bei denen der Rückenübungseifer nachläßt und sich der Rücken wieder verschlechtert. Und jetzt so was… Aber Benny ist ja ganz geduldig, und er hat mich sogar für eine Nachbehandlung Mitte Dezember in eine seiner Mittagspausen geschoben, da er sonst keine Zeit für mich gehabt hätte.

 

Ich werde jetzt dranbleiben an meinen Übungen, auch wenn mich die Tatsache, daß ich sie mein Leben lang machen muß, schwindeln läßt. Andererseits gehen sie echt fix, zehn Minuten am Tag, und das sollte uns ein funktionierender Körper schon wert sein, oder?

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Sa

13

Nov

2010

Raubtieralarm

Der Winter ist eingezogen auf unserem Hof. Momentan taut der Schnee zwar wieder, es wurde aber bereits neuer Schneefall angesagt. Damit wird es etwas ruhiger, zu tun haben wir aber immer noch genug.

 

Vor einer Woche schloß Michael den letzte Auftrag für dieses Jahr ab, ein Wohnhausdach. Bisher hat sich nichts neues aufgetan, obwohl wir einige Annoncen veröffentlicht haben. Klar, die Leute haben keine Lust, im Winter Handwerker im Haus zu haben, ich kann das verstehen.

 

Der Fuchs hat uns vor einigen Wochen ein Hühnchen geklaut, das ist zu verschmerzen. Wir sehen seine Spuren regelmäßig im Schnee, wir er die Einfahrt hoch und am Hühnerstall vorbei schleicht. Zudem haben wir einen Dachs auf dem Grundstück, und auch dessen Spuren können wir regelmäßig sehen. Manuel hat sowohl ihn als auch den Fuchs sogar erwischt, wie sie sich in den offenen Außengebäuden in der Nähe der Elchfelle aufhielten.

 

Und ein großer Wolf ist vorgestern nahe unseres Grundstücks durch den Wald gezogen, die Spuren verlaufen quer über unseren Zufahrtsweg und dann weiter in den Wald hinein. Nun ist ja Bamse nicht gerade der kleinste Hund, aber seine Spuren nahmen sich neben denen des Wolfes doch ziemlich unbedeutend aus… Wir waren ja ein wenig in Sorge, ob er sich an unsere Schafe wagt, immerhin wurden nur wenige Kilometer entfernt auch einige Schafe von einem Wolf gerissen, aber bisher ist nichts passiert.

 

Diese Woche werden wir die vier Lämmchen schlachten und verkaufen. Und dann ziehen der Opi und seine drei Mädels nach Hagfors. Zeit wird es, eigentlich wollte ich die Schafe bereits im August weggegeben haben. Wogegen sich Michael jedoch erfolgreich gesträubt hat.

 

Manuel ist gestern nach Deutschland gefahren. Nach fünf Monaten sind wir also wieder zu zweit hier. Und damit ändert sich auch unser Rhythmus. So haben wir uns beispielsweise heute ein langes Frühstück vor dem Kamin gegönnt. Und während ich hier tippe, hält Michael ein Mittagsschläfchen auf dem Sofa. Das ist ein Luxus, den wir uns sehr lange nicht mehr gegönnt haben. Eigentlich wollte ich heute auf einen verfrühten Weihnachtsmarkt fahren, auf dem Freunde von uns Kinderpunsch und Lebkuchen verkaufen, habe mich jedoch zum einen aufgrund der Straßenverhältnisse und zum anderen aufgrund des zu beseitigenden Chaoses dagegen entschieden. In den letzten Tagen ist zuviel Arbeit im Haushalt liegen geblieben, wir werden jetzt also die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam an eine große Putz- und Aufräumaktion gehen. Überhaupt haben wir uns vorgenommen, in den nächsten Wochen massiv auszumisten. Es hat sich bei uns viel zuviel Kram angesammelt, von dem wir uns trennen werden.

 

Dann bekommen wir noch Besuch von Annika und Stefan aus Hagfors, die wir ja vor einigen Wochen im Zusammenhang mit der Anzeige für den Verkauf der Schafe kennengelernt und mit Kiloweise Elchknochen für ihre vielen Hunde versorgt haben. Die beiden betreiben eine Huskyfarm und bieten unter anderem Hundeschlittenfahrten an. Für sie beginnt jetzt mit dem Schnee also die Saison, für uns hört sie auf. Entsprechend sind die beiden überglücklich über den Schnee, wir hingegen könnten gut auf ihn verzichten…

 

Lisa verträgt die Elchknochen übrigens gar nicht. Bamse hatte nach der Futterumstellung zwei, drei Tage lang Durchfall, danach normalisierte es sich bei ihm. Lisa hingegen mußte auch noch nach drei Wochen nachts vier bis sechs Mal raus, teilweise stündlich. Und tagsüber natürlich auch. Und sie hatte nicht nur weichen Stuhlgang, sondern richtig flüssigen. Es war erschreckend, und obwohl sie endlich zugenommen hat und die Knochen liebt, haben wir aufgehört, sie damit zu füttern. Jetzt gibt es wieder Trockenfutter, aber eines mit höherem Fleischanteil als das Supermarktfutter. Das ganz teure Orijen können wir uns nicht leisten, es würde für beide Hunde zusammen umgerechnet über hundert Euro im Monat kosten, und obwohl wir es ihnen gern gönnen würden, geht es einfach nicht. Der Kompromiß kostet nur halb so viel.

 

So, jetzt werde ich Michael vom Sofa schmeißen. Wir haben noch viel zu tun.

 

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So

17

Okt

2010

Elchjagd, Kälteeinbruch und kulinarisches

Als ich vorgestern früh aus der Türe trat, war alles weiß. Nicht viel, aber ein guter Zentimeter Schnee war gefallen. Ein Blick auf das Thermometer, das minus 5 Grad anzeigte, genügte, um mich davon zu überzeugen, in den Holzschuppen zu gehen und noch einen Arm voll Holz mit ins Haus zu nehmen. Etwas später klingelte das Telefon. Ein befreundeter Jäger rief mich an und fragte mich, ob ich noch Interesse an Elchhäuten hätte.

 

Als Vorgeschichte sollte ich vielleicht erwähnen, daß ich mich etwas mit Gerben beschäftige und diesen Jäger vor einiger Zeit gefragt hatte, ob ich nicht ein Fell bekommen könnte, und, falls vorhanden, einige Knochen für unsere Hunde.

 

Er berichtete mir, sie hätten zwei Elche geschossen, ich solle bei ihm vorbeikommen und die Felle holen. Also ab ins Auto, als Dankeschön für die Jäger noch eine Flasche Schnaps mitgenommen, und zurück kam ich mit zwei Elchfellen, eins von einem Bullen, und eines von einer Kuh. Bei der Kuh sagte er mir, hätten sie die Zunge noch nicht rausgenommen, ich solle sie unbedingt probieren. Bei beiden Fellen war der Kopf also noch dran.

 

Und so schnappte ich mir unseren Praktikanten Manuel und häutete den Kopf der Elchkuh, schnitt die Zunge raus – für das Essen war gesorgt. Dann salzten wir die Felle, denn so können sie jetzt erst mal etwas liegen, bis ich die Zeit finde, sie endgültig zu behandeln.

 

Am Abend rief der Jäger noch einmal an, sie hätten die Elche jetzt zerlegt und die Knochen für die Hunde könne ich abholen. Gesagt getan – zurück kam ich mit vier großen Müllsäcken voll Knochen. Auf dem Rückweg fuhr ich mir mal wieder einen Platten (zwei Reifen in zwei Wochen!)

 

(Falls irgendein Reifenhersteller diesen Blog liest – mein Verschleiß liegt bei etwa 15 - 20 Reifen pro Jahr – ich stelle mich als Reifentester zur Verfügung. Extreme Testbedingungen – hunderte Kilometer nur auf Schotterwegen – ich brauche einen Reifensponsor!)

 

Cordula hatte wegen der Kälte schon Blattradieschen geerntet (für mich eher eine Rettichvariante), die auf dem Schafsmist super gekommen waren! Was für Dinger!

Elchzunge mit Blattradieschen, wobei Cordula die Elchzunge doch zu suspekt war und sich auf Gemüse und Kartoffeln aus eigener Ernte beschränkte.

 

Gestern war es dann noch kälter, minus sieben Grad, erst mittags kletterte das Thermometer im Schatten über Null. 

 

Die Elchknochen waren klasse. Und da die Jäger nicht sehr sauber gearbeitet hatten, blieb noch genug mageres und zartes Fleisch für uns übrig. Das Elchgulasch war somit auch gesichert, und diesmal beteiligte sich auch Cordula an dem Festmahl.

 

Auch die Hunde waren wie aus dem Häuschen. Während sich Bamse gierig auf den Knochen stürzte, nagte Lisa wie in Trance mit geschlossenen Augen an dem Riesenknochen.

 

Das Elchgulasch wird auch noch für heute reichen – also drei Tage Elchfleisch in Folge.

Morgen gibt es wieder vegetarisch. Es ist noch soviel Mangold im Garten, der dringend geerntet werden muß.

 

Die vier Mülltüten mit den Elchknochen sind natürlich zuviel für unsere Hunde, so daß wir die Hälfte den Deutschen geschenkt haben, die den Opi und seine Mädels nehmen und die Huskyfarm nicht weit von uns betreiben. Die beiden haben uns heute Nachmittag besucht, und als ein weiterer Anruf eines anderen befreundeten Jägers eintraf, der uns mitteilte, einen ganzen Anhänger von Elchknochen für uns bereit gestellt zu haben, war die Freude natürlich groß. Fünfzehn Huskys müssen irgendwie satt werden, und da kommen die vielen Knochen natürlich nur recht.

 

Und so sind abgesehen von den Elchen, die über ihr vorzeitiges Ableben bestimmt nicht so glücklich waren, einige andere glücklich geworden. Die Jäger für erfolgreiches Jagdglück, ein Praktikant, der zum ersten Mal Elchfleisch futtern konnte, die vielen Hunde, die richtiges Fleisch statt Hundefutter mit nur 10 Prozent Fleischanteil zum Futtern bekommen, und ich, wenn ich erfolgreich gegerbt hab. Denn dann können wir die Haut für Cordulas Trommel verwenden, die dann wiederum glücklich sein wird- obwohl sie noch skeptisch ist, was meine Fellgerbekünste und eine spätere Verwendung für die Trommel angeht.

 

Wie heißt es in einem schwedischem Sprichwort: „Des einen Not, des anderen Brot“

Klingt etwas sarkastisch – ist aber so.

 

Michael von Dolsperg 

 

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Mi

13

Okt

2010

Fuchs, du wollt´st ein Hühnchen stehlen...

Gestern früh saß er auf unserer Wiese: Der Fuchs, den unsere Nachbarin diesen Sommer schon oft bei sich gesehen hat. Michael entdeckte ihn als erster, und nachdem er ihn zuerst für Hemmel gehalten hatte, der ja auch so rötlich schimmert, informierte er uns über unseren Besucher, so daß wir alle einen Blick auf ihn werfen konnten, wie er geduldig ein Mauseloch bewachte. Es war eine eher ungewöhnliche Tageszeit für Füchse, die ja eigentlich in der Dämmerung jagen, und wir entschieden uns, die Hühner noch einige Zeit im Stall zu lassen.

 

Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien, es waren nur wenige Wolken am Himmel. Mit unseren beiden Hunden machte ich einen Spaziergang zu unseren Nachbarn, bei denen Michael und Manuel das Dach deckten. Wieder zuhause, setzte ich mich an den Rechner, als mich ein gräsliches Geschrei aufschreckte. Eindeutig ein Huhn, aber auch eindeutig keine Keilerei zwischen ihnen, das klang zwar auch teilweise heftig, aber nicht so. Hier schrie ein Huhn in Todesangst.

 

Ich sprang auf und rannte aus dem Haus zum Hühnerstall, der sich nur wenige Meter entfernt vom Wohnhaus befindet. Und da sah ich ihn, wie er ein Huhn in der Schnauze hatte und sich aus dem staub machen wollte: Der Fuchs. Ich konnte es kaum fassen: Es war hellichter Tag, und der Fuchs ging so nah ans Haus?! Mitte Oktober?!

 

Ich sprang laut schreiend und mit den Armen wild fuchtelnd hinter ihm her, wie er unsere junge Brahmahenne wegschleppte, die schrie und schrie. Der Fuchs blickte sich um, zögerte, sah mich an. Einen Moment lang dachte ich, er greift mich an, und das machte mich noch zorniger. Ich schrie noch lauter und setzte mit großen Sprüngen auf ihn zu. Er ließ das Huhn fallen und rannte in den Wald.

 

Die Henne war unverletzt, die Hühnerherde in alle Winde verweht. Fassungslos ging ich vorm Hühnerstall auf und ab. Ich war noch dabei, Michael telefonisch über den Vorfall zu informieren, er hatte mich bis zu Nachbars schreien hören, da traute ich meinen Augen nicht: Der Fuchs lugte wieder um die Ecke der Scheune! Keine zwei Minuten, nachdem ich ihn verjagt hatte! Wieder packte mich die Wut, und schreiend, das Telefon ans Ohr gepreßt, rannte ich auf ihn zu. Er wandte sich blitzschnell um und verschwand im nahegelegenen Wald.

 

Von diesem Augenblick an konnte ich mich nicht mehr entspannen. Ständig stand ich am Küchenfenster und schaute hinaus zu den Hühnern. Bamse hatte ich wieder draußen angeleint, damit er anschlagen würde, wenn der Fuchs wieder käme. Das Problem war nur, daß unsere Hühner sich ja über das ganze große Grundstück bewegen und sich auch in Waldrandnähe aufhalten, wie sollte ich dem Fuchs rechtzeitig in die quere kommen, wenn er doch auf diese Weise alle Vorteile auf seiner Seite hatte?

 

Bei den Baggerarbeiten waren sehr viele Steine zum Vorschein gekommen, und von den faustgroßen holte ich mir jetzt einige und legte sie mir zurecht, damit ich den Fuchs mit Steinen bewerfen könnte, wenn er nochmal käme. Illusionen mache ich mir aber keine: Ich bin schon immer sehr schlecht im Zielen gewesen, wahrscheinlich würde der Fuchs über meine Bemühungen, ihn zu treffen, nur lachen. Und ich prüfte nach, wo die große Axt stand, damit ich sie im Fall der Fälle auch sofort greifbar hätte.

 

Relativ früh lockten wir die Hühner in den Stall, den wir ordentlich verrammelten. Viel Zeit zum Diskutieren hatten wir nicht, denn an diesem Abend sollte zum ersten Mal unser Gitarrenkurs stattfinden, so daß wir uns kurz vor sechs auf den Weg machten.

 

Ich hatte die älteste und schrammeligste Gitarre des ganzen Kurses; vor Jahren hatte ich sie mal auf dem Flohmarkt gekauft, und so sah sie auch aus. Sogar Michaels Gitarre glänzte neu, dank Lidl, wo ich vor drei oder vier Jahren um die Weihnachtszeit günstig eine klassische Gitarre gekauft hatte, immer optimistisch, doch irgendwann einmal anfangen zu können, mir das Gitarrespielen zu lernen.

 

Ich habe mal nachgerechnet: Es hat sechsundzwanzig Jahre gedauert, bis ich mir diesen Wunsch erfüllt habe. In der fünften Klasse hatte ich eine Arbeitsgemeinschaft belegt, in der wir die Grundlagen des Gitarrespielens lernten, natürlich auf dem Niveau eines Kindes, klar. Seitdem wollte ich Gitarre spielen lernen. Und jetzt endlich ist es soweit. Gut Ding will Weile haben. Ich habe noch Kontakt zu meinem damaligen Gitarrenlehrer, ich muß ihm unbedingt schreiben…

 

Jedenfalls tippe ich mit schmerzen Fingerkuppen, denn die müssen sich erst einmal an die Saiten gewöhnen. Und mit einem Ohr bin ich immer draußen bei den Hühnern, bereit, sie zu verteidigen. Ich frage mich nur, wie ich mit meinen Puschen hinter dem Räuber herrennen soll. Aber das wird sich zeigen.

 

Michael wollte die Hühner eigentlich im Stall lassen, aber dagegen habe ich mich gesträubt. Meine Hühner müssen frei gehen! Ich vertraue einfach mal darauf, daß ich den Fuchs gestern derart erschreckt habe, daß er nicht wiederkommt. Wir ziehen in Erwägung, sie in den Schafstall umziehen zu lassen, dann können sie im eingezäunten Bereich frei gehen. Den Küchengarten haben wir provisorisch mit dem orangefarbenen Fertigzaun eingezäunt, wie im letzten Herbst, damit sich so wenig Hühner wie möglich in die Gemüsebeete verirren und Unheil anrichten. Den Zaun haben wir bei den Schafen entfernt, so daß Michael und Manuel dort einen Maschendraht aufgesetzt haben, auch provisorisch, damit wir ihn wieder abbauen können, wenn die Schafe weg sind. Soviel zum hühnerfreien Gartenbereich… was tut man nicht alles für das geliebte Federvieh…

  

 

 

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So

10

Okt

2010

Die letzten Gurken

Da habe ich vor zwei Monaten angekündigt, zweimal die Woche in meinem Blog zu schreiben, und was ist daraus geworden?! Inzwischen ist Oktober, und hier hat sich einiges getan, nur fehlte mir die Zeit, es niederzuschreiben. Naja, als ich ankündigte, regelmäßig berichten zu wollen, wußte ich noch nicht, daß ich Arbeit bekomme. Und nun sitze ich mehrere Stunden täglich in meinem Büro mit Blick auf den Garten, und mal wieder ist Zeit das große Thema. Zeit, die für all die Dinge fehlt, die ich tun möchte und noch nicht einmal für all das reicht, was ich tun muß.

 

Gerade bricht die Sonne durch die dicke Wolkendecke und läßt das Laub des Ahorns vorm Haus aufleuchten. Eigentlich ist es eine schöne Jahreszeit, der Herbst, auch wenn sich nicht verleugnen läßt, daß es mit großen Schritten auf den Winter zugeht.

 

Michael und Manuel sind gerade dabei, den letzten Auftrag für dieses Jahr abzuschließen. Danach wird Kassensturz gemacht. Was übrigbleibt, teilen wir halbe halbe mit dem schwedischen Staat (warum gibt es hier keine Kleingewerberegelung wie in Deutschland?!), und der Rest muß bis Ende Mai reichen, wenn das Geld des ersten Auftrages im nächsten Jahr eingeht. Einen Auftrag haben wir bereits, und den werden wir wohl ab Anfang Mai ausführen. Ich kann nur hoffen, daß sich noch der eine oder andere Winterauftrag ergibt, sonst wird es ziemlich eng bei uns…

 

Der Opi und seine Herde. Natürlich riefen vor allem Muslime an, die versprachen, daß „Papa schlachtet“. Dabei hatte ich extra in die Anzeige reingeschrieben, daß Angehörige schächtender Religionen erst gar nicht anzurufen brauchen. Naja, einer bot uns an, bei uns auf dem Hof zu schlachten, und wir kontaktierten Dieter, der uns letztes Jahr beim Schlachten geholfen hatte und inzwischen ein Bolzenschußgerät besitzt. Nur ist Dieter momentan in Deutschland und erst in zwei Wochen wieder da.

 

Aber dann meldeten sich Annika und Stefan, welch ein Glück! Ein deutsches Pärchen, frisch nach Schweden ausgewandert, das seinen Hof mit Tieren füllen möchte. Als ob fünfzehn Hunde nicht reichen würden- sie haben nämlich eine Huskyfarm und bieten auch Fahrten mit einem Huskygespann an. Sie entschieden sich, den Opi und drei weitere Schafe zu nehmen, und zudem einen Hahn und drei bis vier Hennen. Nun müssen wir also warten, bis die Lämmchen geschlachtet sind, und dann ziehen Opi und seine Mädels um. Nicht weit weg übrigens, etwa vierzig Kilometer. Und dort werden sie es gut haben, da bin ich mir sicher.

 

Dann rief noch eine Frau an, die Tiertherapien abietet, meldete sich aber nicht mehr, und auch noch Engländer, die allerdings auch nichts mehr von sich hören ließen. Und, wie gesagt, endlos viele Muslime. Es war ja abzusehen gewesen.

 

Momentan bin ich auf der Jagd nach einem Westernsattel. Seitdem Tess verkauft ist, reite ich Ginny, und da ich englische Sättel und auch die englische Reitweise nicht ausstehen kann, reite ich western und benötige einen passenden Sattel. Ist bequemer und schonender nicht nur fürs Pferd, auch ich fühle mich auf einem Westernsattel wohler als auf diesen englischen Dressursätteln, und so durchforste ich, wann immer die Zeit es zuläßt, das Internet. Es wird wohl auf einen Import hinauslaufen, hier sind die Sättel viel zu teuer. Und dann kann man nur hoffen, daß er auch paßt.

 

Ich bin richtig glücklich darüber, daß ich die Möglichkeit habe, regelmäßig zu reiten. Das hatte mir die letzten Jahre doch ziemlich gefehlt, und daß ich mich mit Erika, der Besitzerin, gut verstehe, macht das ganze noch schöner.

 

Am Dienstag startet dann tatsächlich unser Gitarrenkurs, und sowohl Michael als auch ich werden daran teilnehmen. Seitdem ich Kind war, wollte ich Gitarre lernen, aber außer einer Gitarren- AG in der Schule ist nie was draus geworden. Nichts desto trotz hatte ich fast ständig mindestens eine Gitarre im Haus, denn oft können unsere Gäste spielen, und ich sehe und höre ihnen immer neidisch dabei zu. Letztes Jahr tauchte in Deutschland meine vor Jahren als vermißt gemeldete Gitarre auf irgendeinem Dachboden auf, so daß wir jetzt zwei Gitarren besitzen und somit beide an dem Kurs teilnehmen werden. Es handelt sich nur um sieben Abende, ich sollte also keine zu hohen Erwartungen daran knüpfen, und springt auch nur einer der fünf Teilnehmer ab, findet auch kein Fortsetzungskurs im Frühjahr statt, aber vielleicht ist es ein Anfang. Dann können wir uns, falls gar nichts mehr geht, als Straßenmusikanten über Wasser halten, denn Bamse singt gern und schief, und Lisa beteiligt sich auch manchmal an unseren Ständchen, je nach Laune. Aber eigentlich sollten wir die Kleine zum Hut umhertragen und Geld einsammeln ausbilden, mit ihren hübschen braunen Äugelein wird sie da sehr erfolgreich sein…

 

 

Der Garten. Ständig verirren sich Vögel in unser Gewächshaus, da müssen wir uns was einfallen lassen, denn alle Löcher stopfen können wir nicht. Vorgestern erntete Michael die letzten Gurken und heute muß ich mich endlich um die restlichen Tomaten kümmern, die im Gewächshaus stehen. Reifen tut jetzt sowieso nichts mehr. Der Borretsch muß endlich geerntet werden, und auch die Petersilie und der letzte Sellerie. Die asiatischen Blattgemüse und den Mangold wollte ich schon längst milchgesäuert haben. Aber die Zeit, die Zeit…

 

Gestern haben wir die erste Ladung Apfelmus gekocht, mit Äpfeln aus dem Garten unseres dänischen Nachbarn. Dem ist es ja in Schweden zu kalt, verständlicherweise, und er verkauft daher sein Haus und geht nach Dänemark zurück. Momentan pendelt er zwischen Dänemark und Schweden, und wenn er Michael nicht günstiges Bier aus Dänemark mitbringt, dann eben Obst aus seinem Garten. Und das wird bei uns zu Mus.

 

Die Wolken sind verschwunden. Ich sollte in den Garten gehen. Aufräumen kann ich später immer noch. Und auch in meinem Büro sitzen und den Buchschluß machen. Macht mich übrigens etwas nervös, es ist der erste Buchschluß, den ich allein durchführe. Beim Studium hatten wir ja ständig Gruppenarbeiten, und eine Teilnehmerin hatte bereits jahrelang mit Buchführung gearbeitet, so daß die Last nicht allein auf meinen Schultern lag. Hat mir doch tatsächlich vorgestern eine Migräne verpaßt, ich konnte es kaum fassen. Aber es geht voran, und es wird gut. Man wächst mit seinen Aufgaben…

 

Ja, jetzt muß ich raus. Die Sonne ruft. Und es gibt viel zu tun.

 

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Do

30

Sep

2010

Mach´s gut, Opi!

Die Entscheidung ist gefallen. Der Opi und seine Herde verlassen unseren Hof. Denn obwohl der Opi wirklich goldig ist, wenn er ständig versucht, einen von hinten umzurennen, und obwohl ich es fantastisch fand, wie sehr sie uns auf Trab gehalten haben, wenn sie mal wieder ausbüxten, sind wir doch keine wirklichen Schafsmenschen. Ich hoffe, die Schäfchen finden jetzt richtig nach Hause... Achtgeben muß man allerdings, da gern Muslime kaufen, um dann zu schächten, der vorige Besitzer der Schafe hat gern an solche verkauft, wir tun das nicht. Falls wir niemanden finden, dem wir die Schafe anvertrauen können, müssen wir eine andere Lösung finden.

 

Das Wetter ist herrlich. Zwar haben wir nachts Frost, aber tagsüber ist blauer Himmel und Sonne pur. Nach der Frühmorgenrunde mit den Hunden sitze ich meist in meinem Büro, von dem aus ich einen tollen Ausblick auf den Hof habe, und ab mittags arbeite ich im Garten.

 

Seit vorgestern brütet wieder eine unserer Hennen, ich darf garnicht daran denken! Zum einen ist es in drei Wochen doch arg kalt für die Küken, worauf diese unsere beste Brüthenne allerdings keine Rücksicht nimmt, nach dem Motto: Was meine Kleinen nicht umbringt, macht sie härter, und zum anderen haben wir jetzt viel zuviele Küken! So viele Hühner wollten wir garnicht überwintern, aber Küken schlachten lohnt sich nicht wirklich. Na, zumindest ist es durch die vielen Hühner richtig kuschelig warm im Stall. Mich trifft morgens beim Öffnen der Stalltür immer ein Schwall warmer Luft- und natürlich die protestierende Federwolke aus piependen und schimpfenden Küken, die schon längst draußen im Rauhreif herumspringen wollten...

 

Geschlachtet haben wir auch bereits. Ein Junghahn mußte am Sonnabend dran glauben. Manuel hatte nämlich Geburtstag, und zur Feier des Tages durfte er bei der Schlachtung assistieren. Es war das erste Mal für ihn, aber er war tapfer. Und geschmeckt hat es auch. Klar, so eigenes glückliches Huhn, das ist schon was. Und glücklich war der Hahn wirklich, ich glaube, er hat bis zum Schluß nicht begriffen, was los war, und dann war alles bereits vorbei.

 

Noch zwei weitere Junghähne stehen an, es ist zuviel Trubel im Stall, und die wenigen erwachsenen Hennen werden massivst bedrängt. Tokki bringt es sogar fertig, die Küken anzubaggern, aber da ist Klarasson immer ganz schnell da und verjagt ihn. Aber danach wird es schwierig. Vielleicht sollten wir Lose ziehen...

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Sa

25

Sep

2010

Jahreszeiten sind toll!

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Das merkt man auch daran, daß es jetzt wieder dunkler wird. Konnten wir bis vor zwei Wochen noch bis 20.00 Uhr arbeiten, so ist jetzt schon 19.15 Uhr Feierabend. Morgens ist es kalt und herbstlich, und während ich das hier schreibe, haben wir 3 Grad plus um 10 Uhr morgens. Aber dennoch, der Herbst ist auch eine wunderschöne Jahreszeit. Vor einigen Tagen ging ich um halb sieben aus der Haustür, um die Hunde ihr Geschäft verrichten zu lassen, und machte das Foto rechts:

 

Weiter ging´s zu den Schafen, um nach dem rechten zu sehen, da die Wölfe in der Nachbarschaft 6 Schafe gerissen hatten. Auch hier ein schöner Anblick, die Schafe im Morgennebel grasen zu sehen. Ein wenig muß ich immer an das Buch "Glennkill" von Leonie Swann denken, ein Schafskrimi, den alle lieben, die auch Schafe lieben.

 

Auch der Garten macht viel Freude, allerdings auch Arbeit. Seit Jahren geben wir immer die erste und schönste Frucht jeder angebauten Pflanze an die Erde als Opfergabe zurück. Trotz vieler Rückschläge in den letzten Jahren meinte es Mutter Erde dieses Jahr recht gut mit uns. Es ist der 25. September, wir haben immer noch frische Salatköpfe, die darauf warten, gepflückt zu werden, Mangold, asiatisches Blattgemüse, selbst einige Gurken und Tomaten bekommen wir noch.

 

Ein kleiner Teil der Ernte.   Amerikanische Blaubeeren und mexikanische Minigurken sorgten für etwas Exotik Ein kleiner Teil der Ernte. Amerikanische Blaubeeren und mexikanische Minigurken sorgten für etwas Exotik
Das asiatische Blattgemüse verträgt es auch, wenn es etwas kälter ist. Ganz toll - unsere Blattradieschen. Das asiatische Blattgemüse verträgt es auch, wenn es etwas kälter ist. Ganz toll - unsere Blattradieschen.
Und Salat - frisch aus dem Garten, und das Ende September! Und Salat - frisch aus dem Garten, und das Ende September!

So macht der Garten jedenfalls Spaß, und wir freuen uns auf das nächste Jahr. Cordula hat fast alle Erdbeerableger eingepflanzt, für einen weiteren Wassereimer voll mit Ablegern muß noch Beetfläche geschaffen werden.

 

Auch die Wasserleitung in unsere Schule haben wir jetzt eingegraben, allerdings mit Minibagger - 200 Meter mit Spaten war uns dann doch zuviel. Hier müssen noch Steine abgelesen und die gröbsten Unebenheiten beseitigt werden.

 

Gestern kamen dann die bestellten Schwartenbretter. Man kann sie immer gut gebrauchen, sei es, um Zäune zu bauen, oder einfach nur für Brennholz. Der Stapel wird meine Freizeitbeschäftigung für die nächsten Wochen sein. Leider habe ich nur wenig Freizeit, da noch ein Haufen Kunden darauf warten, daß der Handwerker zu ihnen kommt.

 

 

Doch es wird ruhiger werden. So, wie die Blätter in herbstlichen Wetter zu Boden fallen, die Ernte fast eingebracht worden ist und es immer dunkler wird, merkt man, daß die Zeit kommt, wo man sich wieder ausruhen kann. Mit einem schönen Buch vor dem prasselnden Kaminfeuer sitzen und ein Glas Wein zu trinken, oder Vater und Mutters Rumtopf endlich zu probieren. Deshalb sind Jahreszeiten schön!

 

Michael von Dolsperg

 

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Mi

08

Sep

2010

Chemtrails, zweiter Teil

Mit den Chemtrails am Montag war noch nicht alles vorbei. Dienstag ging das Spektakel weiter, da nämlich wurden plötzlich Überschallflugübungen über unseren Köpfen abgehalten und schweres Geschütz vom Flieger aus auf das nahegelegene Militärfeld abgefeuert. Immer zwei Flieger gleichzeitig kreisten über unserem Grundstück, immer dieselbe Route, und bald konnten wir vorhersagen, wann die nächste ohrenbetäubende Detonation erfolgen würde.

 

Es war ein beklemmend- faszinierendes Schauspiel.

 

Und uns war nach wenigen Minuten klar: Die Chemtrails des gestrigen Tages hingen zusammen mit diesen Übungen, die angeblich von einem Regiment abgehalten werden sollten, das laut Internetseite nur über eine Hubschrauberstaffel verfügt. Dieses Regiment hält regelmäßig Militärübungen ab, von denen man meistens jedoch gar nichts mitbekommt. Hin und wieder hört man mal einige Schüsse, auch mal kurze Maschinengewehrsalven, aber wirklich selten. Und dann dieses Aufgebot an schwer bewaffneten Überschallfliegern!

 

Ich hatte es bereits vorgestern geschrieben, daß Chemtrails auch zu militärischen Zwecken eingesetzt werden, und da wir wissen wollten, welche Chemiebrühe auf uns und unsere Biogemüse hinabgeregnet war, hieß die einzig logische Reaktion: Verteidigungsministerium anrufen. Und das hat Michael dann auch getan.

 

Nachdem Michael sein Anliegen vorgebracht hatte, wurde er mit einem Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums verbunden, der darauf verzichtete, seinen Namen zu nennen. Statt dessen jedoch war er sehr interessiert daran, Michaels Namen zu erfahren, und er ließ ihn sich dreimal buchstabieren, damit er ihn ja auch richtig aufgeschrieben hatte. Er wollte nämlich zurückrufen lassen, da in diesem Fall die Flugwaffe zuständig sei, denn die würde diese Übungen durchführen. Er ließ sich sowohl Haus- als auch Mobilnummer geben und versprach, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

 

Ob die Flugpause, die nun entstand, reiner Zufall war, oder nicht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls flogen plötzlich keine Flieger mehr.

 

Innerhalb einer Stunde kam der erwartete Rückruf auf dem Haustelefon. Michael war jedoch inzwischen schon nicht mehr zuhause, so daß ich den Anruf entgegennahm. Eine dunkle Männerstimme sagte soviel wie: Ich suche einen Michael.

 

Der sei nicht mehr zuhause, ob er denn mit mir sprechen wolle. Ansonsten müsse er auf Mobiltelefon anrufen. Der Anrufer entschied sich für das Mobiltelefon.

 

Ich rief umgehend Michael an und warnte ihn vor, damit er Zeit hatte, an den Straßenrand zu fahren und seinen Notizblock zu zücken.

 

Der Anruf erfolgte jedoch nicht. Fast eine weitere Stunde verging, bevor Michael angerufen wurde. Einschüchterungstaktik? Immer noch flogen keine Flieger.

 

 

Dann endlich informierte mich Michael darüber, daß der Anruf gekommen sei. Und in diesem Moment schossen auch bereits die Überschallflieger heran, um ihre Kreise zu ziehen.

 

Auch dieser Anrufer habe keinen Namen gehabt, sagte Michael, und er habe den Eindruck gewonnen (Achtung, subjektive Auffassung: ), daß er ziemlich unsicher gewesen war, als er ihm erklärte, daß die Flugwaffe durchaus Chemtrails produziere und dazu spezielle Tanks unter den Flugzeugen anbringe. Dem Treibstoff würde angeblich nichts zugemischt werden, das würden die Motoren nicht vertragen. Vorgestern aber, so schwor er Stein und Bein, habe man keine Chemtrails gewebt, es habe sich nur um Kondensstreifen gehandelt.

 

Michael wies ihn auf die Sendungen hin, die im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden waren und Chemtrails diskutierten, und der Anrufer ohne Namen teilte ihm mit, daß sie zwar solche Übungen durchführen, es in Friedenszeiten aber verboten sei, Chemtrails zu weben (was denn jetzt, haben sie, oder haben sie nicht?), und daß wir uns wirklich keine Gedanken machen müßten.

 

Immerhin: Es wurde zugegeben, daß Chemtrails aus Aluminiumteilchen in die Atmosphäre geblasen werden. Nur vorgestern, da nicht… Das kann ich jetzt glauben, oder auch nicht. Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden.

 

Und noch etwas ist interessant: Am Montag wurden an mehrere Stellen in Schweden Chemtrails gewebt. Und meine Eltern, die auf der Rückreise sind, haben mir soeben mitgeteilt, daß auch in Tjörn, das ist irgendwo in Südschweden, militärische Übungen stattgefunden haben und Militärschiffe auf dem Meer unterwegs gewesen seien.

 

Google ich weiter, so finde ich diese groß angelegte Übung jedoch nicht. Ich muß noch einmal genauer schauen, vielleicht habe ich was übersehen. Falls ich nichts finde, muß ich wohl bei der Flugwaffe anrufen, den Mann ohne Namen verlangen und ihn fragen, ob es an anderer Stelle in Schweden auch nur Kondensstreifen waren. Und ob er denn selber glaube, was er da erzählt.

 

Meine Meinung betreffend Chemtrails hat sich verfestigt: Staub aufwirbeln. Unbequeme Fragen stellen. Chemtrails über Hamburg? Ruft bei der Stadt und dem Bürgermeister an und fragt, was da in der Luft passiert. Ruft beim Land an. Ruft Euren Politiker an und fragt, was das für weiße Streifen sind. Oder macht es wie wir, ruft im Verteidigungsministerium an. Bei der Luftwaffe. Oder bei der Bundeswehr. Egal, wo, aber scheucht die Leute auf. Je mehr Anrufe eingehen, desto besser ist es. Irgendwann werden sie gezwungen sein, zu reagieren.

 

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Mo

06

Sep

2010

Der gestohlene blaue Himmel...

Bei strahlend blauem Himmel standen wir auf. Es versprach, ein wunderschöner Tag zu werden. Zwar war es zu kalt, um draußen zu frühstücken, aber die Temperaturen lagen bereits bei zehn Grad im Schatten. Sonne!

 

Michael verließ das Haus, und als er wieder hereinkam, sagte er: Cordula, sind das da draußen Chemtrails?

 

Alarmiert sprang ich hinaus. Das wäre ja das erste Mal, daß wir hier oben Chemtrails hätten, und bisher hatten wir immer gesagt, daß wir das rauhe Klima gern in kauf nehmen, wenn wir dafür auf den Chemiecocktail aus der Luft verzichten. Und auf den Anblick, den die weißen Gitternetzlinien in beispielsweise Südschweden, Berlin oder Hamburg bieten.

 

Ein Blick in den Himmel verriet, daß es tatsächlich Premiere für uns war. Chemtrails!

 

Ich muß dazu sagen, daß wir hier sehr selten Flugverkehr haben, so daß der Anblick, der sich mir bot, alle meine Alarmlampen rot aufleuchten ließ.

 

So hier sah es aus:

 

Selbst, wenn es sich um gewöhnliche Kondensstreifen aus Flugzeugen gehandelt hätte, kann man sich fragen, warum sie nicht auseinanderfließen. Und selbst, wenn das mal vorkommen könnte: Welch merkwürdige Flugstrecken haben sie heute früh zurückgelegt!

 

Ich hatte meinen ersten Arbeitstag, sollte einige Stunden eingearbeitet werden, um dann voll ausgerüstet in mein Büro auf unserem Hof zu ziehen. Bereits auf dem Weg zur Arbeit stellte ich fest, daß überall diese weißen Streifen am Himmel zu sehen waren, und der Himmel zog sich immer mehr zu.

 

Als ich vier Stunden später nach Hause fuhr, war es bewölkt. Und Michael und Manuel, die heute und morgen zuhause sind, bevor sie wieder auf Montage verschwinden, berichteten, daß sie dabei zugesehen hätten, wie ein Flugzeug den Himmel zugewebt habe. Manuel hatte das Phänomen der Chemtrails bis heute gar nicht gekannt, und er war absolut fassungslos, was da über unseren Köpfen geschehen war. Und auch wir konnten es kaum glauben, sollten wir jetzt regelmäßig Chemtrails zu sehen bekommen? So weit im Norden?

 

Bereits vor einigen Wochen waren wir erneut auf die Problematik aufmerksam geworden. Bei Youtube kann man sich Ausschnitte aus dem Wetterbericht der Tagesschau ansehen, in denen gesagt wird, die Wolken auf dem Wetterschirm seien keines natürlichen Ursprungs, sondern ein Ergebnis eines militärischen Experiments. Und auch auf RTL, SAT1 und sogar bei Bublath im ZDF war das Thema Chemtrails in Verbindung mit Klimaerwärmung besprochen worden. Zur besten Sendezeit.

 

Hier sind einige Links zu entsprechenden Videos auf Youtube:

 

Wetterbericht im ZDF:

http://www.youtube.com/watch?v=Xot1EI4s6j0

 

ZDF- Chemtrails gegen Erderwärmung:

http://www.youtube.com/watch?v=RbKH_ZAh9oI&feature=related

 

RTL- Chemtraileinsätze der Luftwaffe:

http://www.youtube.com/watch?v=BVjKg1JOjVY&feature=related

 

Tagesschau vom 11.09.2001 (!!):

http://www.youtube.com/watch?v=CeACJLERFSs

 

Ziel der Chemtrails soll es sein, entweder das Sonnenlicht durch das Einsprühen von Aluminium- Fluorverbindungen in die Atmosphäre zu reflektieren, um einer weiteren Erwärmung der Atmosphäre vorzubeugen. Was mit den Aluminiumteilchen später passiert, kann sich jeder ausrechnen.

 

Oder aber es soll ein Vulkanausbruch imitiert werden, der durch das Ausstoßen von Schwefelsulfaten eine Abkühlung der Temperaturen nachweislich nach sich zieht. Diese Sulfate werden den Flugzeugtreibstoffen beigemischt, bei der Verbrennung entsteht das giftige Schwefeldioxid.

 

Militärisch werden die Chemtrails dazu genutzt, Flugzeuge auf dem Radarschirm unsichtbar zu machen, ohne Rücksicht auf eventuelle gesundheitliche Folgen.

 

Zufällig (?) las ich vor wenigen Wochen im schwedischen National Geografic eine Abhandlung über Geo- Engineering, in dem verschiedene Maßnahmen zur Verhinderung einer Klimaerwärmung abgehandelt wurden. Die Chemtrailmaßnahme wurde vorgestellt- und als zu teuer und umständlich kommentiert, als daß sie zum Einsatz kommen könnte.

 

Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, hatte vor einigen Jahren versprochen, sich in der Chemtrailfrage zu engagieren, so daß wir versuchten, ihn zu kontaktieren und ihn zu fragen, inwieweit seine Bemühungen gediehen und von Erfolg gekrönt worden waren.

 

Michael stellte sich als Biobauer vor, der Auskunft darüber haben wollte, welchen Chemikalien, die in der Luft versprüht werden, sein gutes Biogemüse ausgesetzt sei, da er bereits von mehreren Kunden darauf angesprochen worden sei, inwieweit Bio überhaupt noch Bio garantieren könne.

 

Persönlich konnte Michael nicht mit dem Minister sprechen, wurde aber von einem freundlichen Mitarbeiter telefonisch unter anderem darüber informiert, daß man leider nicht gegen ein Phänomen vorgehen könne, das offiziell nicht existiere, weil es sich hierbei um eine Angelegenheit des Bundes, und nicht des Landes handele. NATO Übungen wie die über dem Hunsrück seien ohnehin geheim, man wisse nicht, was die Bundeswehr bei ihren Übungen versprühe.

 

Ich wollte es genauer wissen und schrieb das Bundesumweltministerium an mit der Bitte, mich über die Hintergründe aufzuklären und eine Stellungnahme abzugeben.

 

Bereits einen Tag später erhielt ich folgende Antwort:

 

„Sehr geehrte Frau von Dolsberg, vielen Dank für Ihre Anfrage. Diese Fragen tauchen seit Jahren immer wieder auf, hauptsächlich in der Sommerzeit. Das Umweltbundesamt, unsere nachgeordnete, wissenschaftliche Behörde ,hat deshalb diverse Veröffentlichungen dazu zusammengestellt, die sie hier nachlesen können

 

http://www.umweltbundesamt.de/suchergebnisse.htm?cx=005614723337003609205%3Ag1l3iw4aado&cof=FORID%3A11&ie=ISO-8859-1&q=chemtrails&sa=%3E%3E#929

Mit freundlichen Grüßen
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit
Referat  Bürgerservice“

 

Die Linksammlung ist lächerlich: Nur ein einziger Artikel behandelt Chemtrails, und der ist bereits mehrere Jahre alt und schiebt alles in die Esoterikecke. Umgehend antwortete ich dem Umweltministerium:

 

„Guten Tag,
die Publikationen, auf die Sie verweisen, sind nicht sehr aussagekräftig.

Einige Links existieren nicht mehr. Andere behandeln völlig andere Themen.
Der einzige Artikel, der das Thema wirklich trifft, lautet "Chemtrails-
Gefährliche Experimente mit der Atmosphäre oder nur Fiktion?", ist bereits
mehrere Jahre alt und verweist das Thema Chemtrails in die Esoterik- und
Verschwörungstheoretikerecke. Was aber ist mit den doch relativ aktuellen
Tagesthemen, deren Link ich Ihnen übermittelt habe? Oder ZDF/ Bublath. RTL.
Um nur einige zu nennen. Alles Esoteriker? Weltverschwörungstheoretiker?
Wohl kaum!

Haben Sie keine aktuelle Aussage zu dem Thema, die sich seriös damit
auseinandersetzt, ohne den kritischen Bürger in eine der passenden
Schubladen zu stecken?

Mit freundlichen Grüßen
Cordula von Dolsperg”

 

Das war am 05.08.2010. Seitdem warte ich auf Antwort. Die vermutlich nicht mehr kommen wird.

 

Es ist ungeheuerlich, was über unseren Köpfen geschieht. Ich bin fest davon überzeugt, daß hier eine große Vertuschungsaktion gefahren wird, denn anders kann ich es mir nicht erklären, daß man überall auf eine Mauer des Schweigens stößt. Und das Vorzimmer des Herrn Remmel hat Recht: Wie will man gegen etwas vorgehen, das offiziell nicht existiert? Wie will man Verantwortliche ausfindig machen und zur Rede stellen, wenn es die Problematik gar nicht gibt?

 

Und dann stellen sich tatsächlich noch Leute hin und reden groß von Demokratie! Ich jedenfalls bin nicht gefragt worden, ob ich dem großen Experiment über meinem Kopf zustimme. Und ich wette, von Euch hatte ebenfalls keiner die Möglichkeit, seine Meinung dazu zu äußern!

 

Was kann man tun? Staub aufwirbeln! Sprecht Eure Politiker an. Fragt Eure Abgeordneten, Volksvertreter, sprecht die Grünen an! Redet mit dem Besitzer Eures Bioladens und fragt ihn oder sie, welche Garantien sie geben können, daß diese Chemikalien nicht in ihrem Gemüse landen. Laut Robert Koch Institut gibt es wesentlich mehr Krebserkrankungen als noch vor zehn Jahren. Zufall, oder das Ergebnis durch die Belastung durch Chemiecocktails und Nanopartikel? Stellt unbequeme Fragen. Jede unangenehme Frage ist ein Sandkorn im Getriebe. Streut Sandkörner!

 

Cordula von Dolsperg

 

 

 

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Fr

03

Sep

2010

Allein

Katha hat mich verlassen. Ich glaube das gar nicht. Wie schnell waren die vier Wochen um! Anfangs erscheint es lang, aber dann fängt die Zeit an, zu rasen. Und das unfaßbare: Sie tauscht die supertolle Lehrerwohnung mit Blick auf die Wiese, die sie die letzten Wochen bewohnte, freiwillig gegen ein Bett im Zwölfbettzimmer in irgendeinem Hostel in Stockholm! Bevor sie nach Hause fährt, will sie nämlich noch unsere Hauptstadt erkunden. Na, das wird ein Kulturschock werden!

 

Ich bin also allein auf dem Hof, denn Michael ist seit gestern früh auf Montage und hat Manuel mitgenommen. Gut, unser letzte Woche überraschend aufgetauchter waschechter Bayer, der Hans, ist noch da. Er wohnt auf dem Schuldachboden. Von ihm sieht und hört man nur hin und wieder etwas. Und auch meine Eltern haben ihren Urlaub doch nicht verkürzt, und mein Vater tobt sich an den Beeteinfassungen aus. Dennoch: Es ist anders.

 

Da wir Mädels gestern bereits sturmfrei hatten, ließen wir es uns richtig gut gehen. Einem Ausflug an einen nahegelegenen See mit den Hunden folgte ein gemütlicher Abend vor dem Kamin, vor dessen prasselndem Feuer wir uns einen pichelten. Katha mit Bier, ich hatte etwas Wein für mich hervorgekramt. Es war ein schöner Abend, und Michael, der um zehn Uhr anrief, behauptete doch glatt, wir hätten einen sitzen! Wie will der das denn beurteilen?! Wohl nicht an dem Gegacker, das durch das Telefon schallte?!

 

Als wir um elf Uhr ins Bett gingen, hatten wir sage und schreibe zwei Grad draußen. In geschützter Lage am Küchenfenster, also kann man sich ausrechnen, wie die echten Temperaturen gewesen sind. An dem Ort, wo Michael momentan malt, weiter im Süden, war jedenfalls Frost.

 

Höchste Zeit, Zucchini und Sellerie zu ernten. Die Tomaten auf den Beeten werden auch nichts mehr, die einzigen, die wir ernten, sind die im Gewächshaus. War ja eigentlich klar, aber wir mußten es ja trotzdem mit Freiland versuchen… Roter Meier und Mangold stehen immer noch gut, die können etwas Kälte vertragen. Dennoch sollten wir sie in den nächsten Tagen ernten.

 

Salat- wir haben viel zuviel Salat. Unsere letzten Wwoofis waren derartige Salatmuffel, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte! Und allein schaffen wir die Berge an Grünzeug nicht. Naja, die Hühner werden sich freuen.

 

Apropos Hühner. Da ist ja wieder einiges los.

 

Termingerecht letzten Sonntag schlüpften fünf Küken der brütenden Brahmahenne. Ihr hatte ich am ersten Bruttag vier Eier untergeschoben, damit es sich auch lohnt, denn sonst brüten sie nur ein, maximal zwei Küken aus. Irgendwie ging das Brütgen in den letzten Generationen verloren, da müssen wir nachhelfen. Bei einer der im Frühsommer brütenden Hennen hatte ich keine Eier, die ich unterschieben konnte, und so kam es, wie es kommen mußte: Sie brütete ein Einzelkind aus. Als es später selbständiger wurde, suchte es Anschluß an die anderen Hühner, fand ihn aber nicht, und war daher immer allein unterwegs. Was tat es mir leid, dieses Einzelkind! Irgendwann hatte es sich genug Mut angesammelt, um bei vier älteren Halbstarken Anschluß zu suchen. Die jagten ihn (ja, es ist ein Hahn, das sieht man inzwischen) jedoch fort. Nächster Versuch war dann die Gruppe jüngerer Küken, die noch mit ihrer Mutter gingen. Hier klappte es besser, hier war er der Ältere, und seit Wochen ist er mit ihnen zusammen. Ist ein merkwürdiger Anblick: Die Glucke mit ihren sechs Küken- und einem größeren dazwischen…

 

Gestern früh jedenfalls waren die fünf kleinen Kuschelknäule so munter, daß ich die Abtrennung entfernte, damit sie nicht allein auf Spaziergang gehen; die Küken nämlich passen durch das Gitter, die Glucke nicht. Die Sonne schien, es war relativ warm, etwa zwölf Grad. Und tatsächlich, sie schossen den ganzen Tag mit Mami draußen herum und entdeckten die Welt.

 

Eine weitere Henne hatte einige Tage nach der Brahmahenne angefangen, zu brüten, und auch ihr hatte ich einige Eier untergeschoben. Vorgestern entdeckte ich dann ein pechschwarzes Küken bei ihr. Der Vater ist eindeutig Tokki, denn auch er war kohlrabenschwarz gewesen, bevor er sich für mehr Farbe entschieden hatte. Und heute früh sah ich noch ein hellbraunes Köpfchen aus Mamis Federn herauslugen.

 

Unsere beste Glucke scheint krank zu sein. War gestern seit mittags im Stall, saß jedoch abends auf der Stange, so daß ich dachte, das schlimmste sei um. Heute jedoch war sie wieder in der dunkelsten Ecke. Ich stellte ihr Wasser und Futter hin, damit sie es nicht so weit hat und sich auf ihre Erholung konzentrieren kann. Sie jedoch floh wie ein aufgescheuchtes Huhn (jaja, diese Wortspielereien) aus dem Stall und begann, draußen zu picken. Blieb aber nicht lange draußen, später war sie wieder im Stall. Ich hoffe, sie erholt sich wieder. Klarasson war ja auch einmal krank gewesen, so daß wir dachten, ihn schlachten zu müssen, auch er hatte sich nach einigen Tagen erholt.

 

Die Schafe sind auch mal wieder ausgebüxt. Sie finden wirklich jedes Loch in der Abtrennung, und wenn keines da ist, werfen sie sich so lange gegen die Bretter, bis eines nachgibt. Dabei hatten Katha und ich die Fägatan extra mit viel Mühe repariert! Die Schafe haben etwa drei Hektar grüne Wiese zur Verfügung, aber natürlich reicht es ihnen nicht, sie wollen mit dabei sein, wenn gewerkelt und gebaggert wird. Denn:

 

Von Montag bis Mittwoch hatten wir einen Bagger auf dem Grundstück, der Wasserleitung vom Brunnen bis zur Schule und zur Schmiede legte! Passend, daß sowohl Michael als auch Katha gerade Glennkill hörten, den Schafskrimi als Hörbuch, und sich ständig Schafssprüche um die Ohren hauten und einen Charakterabgleich zwischen unseren und den Glennkillschafen vornahmen. Ich weiß nicht, welcher der Praktikanten das Hörbuch mit angeschleppt hatte, aber sie hörten und besprachen es mit wachsender Begeisterung…

 

Michael lockt die ausgebüxten Schafe mit Getreide Michael lockt die ausgebüxten Schafe mit Getreide

Und von wegen, alles Sand: Da kamen teilweise so große Felsbrocken zum Vorschein, daß die Wasserleitung einen großen Umweg machen muß und daher nicht gereicht hat. Also ist Michael noch losgefahren und hat einige Meter gekauft. Außerdem liegt die Leitung aufgrund der Felsen nicht überall frostfrei, so daß wir noch ein Wärmekabel kaufen müssen. Ärgerlich.

 

Drei Tage lang arbeitete der Bagger an dem Graben für die Leitung, und Michael und teilweise auch Manuel standen knietief im Matsch, es regnete nämlich mal wieder. Parallel dazu ging natürlich unsere Wasserpumpe kaputt, und da die Handpumpe letztens für Diesel herhalten mußte, konnte ich sie nicht mal eben aktivieren. Und nachkaufen können wir sie auch nicht, sie ist nämlich aus dem Sortiment genommen worden…

 

Jedenfalls durchzieht jetzt eine breite braune Narbe die Wiese. Und meine Aufgabe wird es sein, alle Steine aufzulesen und die Erde breitzuziehen. Das ist nicht wenig Arbeit, denn durch den Wasserdruck vom Hügel konnte unser Baggerfahrer die letzte Hälfte der Strecke nicht gut arbeiten, so daß der Boden sehr, sehr uneben ist. Ich drücke mir jetzt alle Daumen, daß unsere nächste Wwooferin, die sich für nächstes Wochenende angesagt hat, auch wirklich kommt. Sonst stehe ich allein da, denn die Zeit drängt auch, wenn erst Gras wächst, ist es zu spät.

 

Und dann die Herbstarbeiten in Garten und Gewächshaus. Nicht wenig. Montag fange ich an zu arbeiten, und da ich mich erst einarbeiten muß, werde ich sicherlich die ersten Tage bei meinem Chef verbringen, bevor ich mir die Akten schnappen und nach Hause fahren kann.

 

Mein Chef ist aber echt cool. Eigentlich sollte ich bereits Mittwoch anfangen, zu arbeiten. Als ich in Dienstag wegen der Arbeitszeiten anrief und ihm sagte, daß ich noch Praktikanten habe und daher eigentlich erst ab ein oder zwei Uhr kommen könne, sagte er, das sei ja alles so schnell gegangen mit der Anstellung bei ihm, ich solle doch erst am Montag anfangen. Das finde ich richtig gut.

 

Mein Büro übrigens kommt in den verglasten Raum oberhalb des Eingangsbereiches. Bereits bei der Besichtigung hatte ich das Zimmer beschlagnahmt, und bisher hatten wir es zur Anzucht benutzt. Es steht also eigentlich leer, so daß es jetzt umfunktioniert wird. Leider verfügt es nur über einfachverglaste Scheiben, da wird mir Manuel noch was basteln müssen, damit ich nicht friere. Aber wenn ich dort sitze, habe ich einen tollen Ausblick über den Hof.

 

Es ist halb neun. Fast dunkel. Zeit, sich vor den Kamin zu setzen.

 

 

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Fr

27

Aug

2010

Träume sind nicht nur Schäume

Eigentlich wollte ich Euch heute ja über andere Dinge berichten, beispielsweise über die Nagelbürste, den Mäusebraten oder unseren Überraschungsgast, der sich auf dem Schuldachboden eingenistet hat. Jetzt habe ich aber etwas anderes, richtig aktuelles, das ich Euch berichten möchte.

 

Wo fange ich an? Vielleicht mit dem Traum, den ich gestern hatte.

 

Glücklicherweise habe ich ihn Katharina erzählt, als wir morgens eine Runde mit den Hunden gegangen sind, sonst hätte mir das hinterher niemand mehr geglaubt. So aber habe ich Beweise! Einen Zeugen! Der erste Teil des Traumes ist in diesem Zusammenhang nicht so interessant, abgesehen davon, daß er besagte, daß wir Geld benötigten und damit im Grunde die Tatsachen widerspiegelt. Dann der zweite Teil: Hoffnung bahnt sich an, ich habe ein Vorstellungsgespräch. Und ich weiß, daß ich die Arbeit bekommen werde, da es sich um den Vater eines ehemaligen Schulkameraden handelt, dessen Namen mir allerdings nicht einfällt. Auf dem Tisch habe ich eine Schale mit Obst stehen, Tomaten und Gurken, und dieses Obst ist sehr wichtig während dieses Gespräches, so daß ich meinem Gesprächspartner zeige, was ich da geerntet habe. Soweit der Traum.

 

Folgende Assoziationen hatte ich dazu: Die Schale mit Früchten hatte ich tatsächlich einen Tag zuvor geerntet, bio aus dem eigenen Garten. Und der Vater meines ehemaligen Schulkameraden erinnerte mich an eine Situation, in der ich vor Jahren beim Arbeitsamt saß und der Vater eines ehemaligen Schulkameraden mein Sachbearbeiter war.

 

Nun bin ich Traumdeutungsfetischist und gehe fest davon aus, daß das Unterbewußte sich in Träumen ausdrückt und Hinweise auf Dinge gibt, die wir bewußt vielleicht gar nicht wahrgenommen haben. Wenn ich also träume, daß meine Geldbörse aus der Handtasche fällt und ich es verliere, so sollte ich schleunigst die Nähte meiner Tasche kontrollieren, um sicherzugehen, daß mein Unterbewußtsein nicht registriert hat, daß sich die Nähte lösen und es mir hiermit mitteilt. Erst, wenn sich das als nicht zutreffend erweist, gehe ich auf die nächste Ebene und versuche den Traum zu deuten, indem ich mit den Gegenständen und den Gefühlen der Traumsituation arbeite und es mehr theoretisiere. Ich bin da ein Anhänger von Ann Faraday, die ein sehr gutes Buch über Träume geschrieben hat: Deine Träume- Schlüssel zur Selbsterkenntnis.

 

Mit diesem Traum jedoch konnte ich überhaupt nichts anfangen. Gar nichts. Bis der Anruf kam.

 

Kurz nach zehn Uhr, ich hatte den Traum bereits als unlösbares Rätsel beiseite gelegt, erhielt ich einen Anruf von einem Unternehmer, der jemanden für Buchführung und überhaupt alle Papierarbeiten im Büro suchte. Meine Telefonnummer hatte er von der Arbeitsvermittlung erhalten. Soviel zu der Assoziation zum Arbeitsvermittler. Wir vereinbarten einen Gesprächstermin für denselben Tag, also gestern, und aufgrund des Traumes wußte ich, daß er mich einstellen würde.

 

Und tatsächlich: Ich habe die Arbeit bekommen. Und sie ist fast perfekt für mich. Eigentlich zu perfekt, um wahr zu sein. Es handelt sich bei meinem zukünftigen Arbeitgeber um einen Unternehmer, der in alternativen Energien unterwegs ist: Solar, Windkraft, Bergwärme, Luftwärmepumpe, Wasserkraft. Er expandiert jetzt und braucht jemanden für die Administration und Buchführung. Früher war er Selbstversorger mit Biogemüse, hatte sogar eigene Milch und Bienen. Und er ist aktives Mitglied der Umweltpartei in der Kommune. Das war also die Schale mit Früchten im Traum, denn ihm gefiel sehr, daß ich auch ökologisch eingestellt bin und eigenes Gemüse habe. Und für mich fühlt es sich natürlich auch besser an, für einen Biomenschen zu arbeiten als für jemanden, der besprühte Apfelsinen verkauft…

 

Und das, was die Arbeit so perfekt für mich macht: Sie ist Teilzeit, und ich kann von zuhause aus arbeiten. Gleichzeitig arbeite ich mit genau dem, was ich ursprünglich vorhatte: Buchführung. Denn ich hatte ja eigentlich geplant, mich damit nach meinem Studium selbständig zu machen, was aber nicht geklappt hat, da ich ohne praktische Erfahrung, sprich Anstellung, es nicht wagte. Denn ich will Qualität liefern und sicher sein, daß ich keine Fehler begehe. Ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben- und jetzt auf einmal geht es richtig schnell. Nächste Woche fange ich an. Heftig, was?

 

Was mich am meisten staunen läßt, ist die Tatsache, daß ich es vorher geträumt habe. Und eigentlich habe ich es nicht wissen können, woher auch? Hier war wohl weniger das Unterbewußte als mehr das Überbewußte aktiv. Und es zeigt mir einmal mehr, wie ernst man seine Träume nehmen sollte.

 

Genau in die Zeit, in der ich unterwegs war, um mich mit meinem zukünftigen Arbeitgeber zu treffen, fiel die versprochene Kiste Bier. Michael hatte Katharina und Manuel, unserem tüchtigen Zaunteam, nämlich versprochen, daß sie eine Kiste seines gut gehüteten deutschen Flaschenbieres in die Schule gestellt bekämen, wenn sie die nächste Ecke des Grundstückes erreichen. Tagelang arbeiteten die beiden darauf hin, den Zaun soweit zu setzen, daß sie das Bier baldmöglichst bekämen, und gestern war es dann soweit.

 

Schade, daß ich nicht sehen konnte, wie Michael die Kiste Bier in der quietschenden Schubkarre über die Wiese bis zur Zaunecke fuhr, Katharina hat es mir hinterher allerdings bildlich geschildert. Die beiden hatten gar nicht damit gerechnet, daß Michael sein Versprechen so umgehend einlösen würde und waren ziemlich überrascht, als sie ein rhythmisches Quietschen hörten, das sich näherte. Sie sagte: Erst sahen wir Michaels Kopf hinter dem Hügel auftauchen, dann seinen Körper- und dann sahen wir, daß er eine quietschende Schubkarre vor sich her schub, auf der die versprochene Kiste Bier stand!

 

Und so kam es gestern gegen zwei Uhr mittag zu einem kleinen Trinkgelage auf der Wiese, bevor man sich wieder ans Werk machte, weiter Zaun zu setzen.

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Mo

23

Aug

2010

Carpe diem

Heute war der erste richtig sonnige Tag nach etwa vier Wochen Regen, so daß wir ab dem zweiten Frühstück tatsächlich draußen sitzen konnten!

 

Katharina, Manuel und Michael haben sich heute den ganzen Tag mit dem Zaun beschäftigt und sechzig Meter gesetzt! Das ist absoluter Rekord! Da für die nächsten Meter allerdings kein Material mehr dort ist, wo es verbaut werden soll, wird es ab morgen etwas langsamer voran gehen. Michael wird neue Holzstangen besorgen, und es wird meine Aufgabe sein, die nächste Etappe des alten Zaunes abzubauen.

 

Nach dem Regen in Kombination mit der wetterbedingten Untätigkeit, was Gartenarbeit betrifft, ist der Garten jetzt endgültig zugewuchert, teilweise kann man noch nicht einmal mehr die Wege zwischen den Beeten benutzen. Und was da nicht alles ineinander gewachsen ist und eine undurchdringliche Mauer bildet: Herzgespann mit Ochsenzunge, Mutterkraut, Comfrey und Gutem Heinrich. Tomaten ranken auf die Wege, dazwischen haben sich überall Erdbeerableger gebildet, so daß man acht geben muß, wo man hintritt. Das kleine Seifenkraut blüht zwar nicht mehr, hat aber auch eindeutig die Tendenz, sich auf die Wege auszubreiten, und auch meine Trittsteine in den Beeten selbst sind nicht mehr zu erkennen.

 

Im Gewächshaus sieht es nicht besser aus. Habe ich es bisher als Dschungel bezeichnet, so fehlen mir jetzt einfach die Worte. Wir haben eindeutig zu dicht gepflanzt! Andererseits muß ich auch sagen, daß wir nicht mit dem rasanten Wachstum gerechnet haben, das die Pflanzen hingelegt haben. Der Tomatenbaum beispielsweise sollte nur einen Meter hoch werden, reckte sich jedoch bereits auf etwa zwei Meter in die Höhe, bevor wir ihn gestern aufgrund eines Blattlausbefalls sicherheitshalber aus dem Gewächshaus entfernten. Blattläuse im Gewächshaus- das hätte mir noch gefehlt! Über den Winter hätte ich ihn sowieso nicht bringen können, und der für dieses Jahr erwartete Blüten- und Früchtesegen ist bisher ausgeblieben. Dasselbe Schicksal wie den Tomatenbaum ereilte die Sonnenblume, die sich irgendwie hineingeschummelt hatte und auch einige Blattläuse aufwies.

 

 

Der Tomatenbaum ist eindeutig größer als ich! Der Tomatenbaum ist eindeutig größer als ich!

Die amerikanische Blaubeere Huckleberry sollte auch nur einen Meter hoch werden- auch sie bewegt sich inzwischen in Zweimeterhöhe, und die Gurken ranken noch höher. An die roten Tomaten kommt man kaum heran, den neuseeländischen Spinat kann man schon lange nicht mehr unter den Tomaten erkennen, und meine Pimpinelle ist vollkommen erdrückt worden. Nun ja, sie gehört eigentlich auch nicht ins Gewächshaus, da mir aber ein Anzuchtregal im Frühjahr umgefallen war, keimten und wuchsen alle möglichen Dinge ungeplant in den Beeten: Pimpinelle, Zitronenmålla (fragt mich nicht, was die auf deutsch heißt!), diverse Kräuter und sogar Spargel!

 

Für mich war heute daher Gartentag angesagt, und obwohl ich mich mehrere Stunden damit beschäftigte, Ordnung hineinzubringen, habe ich nicht die Hälfte dessen geschafft, was eigentlich getan werden müßte.

 

Ich bin nicht nur dabei, in den Beeten aufzuräumen, sondern auch, die ersten Kräuter zu ernten. Pfefferminze und Liebstöckel hängen bereits zum Trocknen im Wohnzimmer, und die erste Petersilie ist inwischen auch soweit getrocknet, daß sie in Gläser gepackt werden kann. Als nächstes geht es weiter mit noch mehr Petersilie und Sellerie.

 

Obwohl wir zwei Wwoofer haben, könnten wir noch mehr helfende Hände gebrauchen. Eigentlich hatten dieses Wochenende noch zwei weitere Praktikanten eintreffen sollen, ein Pärchen, das wie wir die größtmögliche Selbstversorgung anstreben, allerdings haben sich bei ihm familiäre und bei ihr gesundheitliche Probleme ergeben, so daß wir ihren Besuch auch nächstes Jahr verschieben müssen. Glücklicherweise trudelte noch eine Anfrage für Mitte September bis Anfang Oktober aus der Schweiz ein, die ich erstmal positiv beantwortet habe. Dann ist Garten zwar so gut wie durch, aber wir haben ja noch genug andere Sachen zu tun. An Arbeitsmangel leiden wir nun wirklich nicht!

 

Es ist fast dunkel. Daran muß man sich erstmal gewöhnen, immerhin wurde es um Mittsommer herum fast gar nicht dunkel. Es geht rasant auf den Winter zu. Ich darf gar nicht daran denken! Erschwerend kommt noch hinzu, daß wir noch nicht alles Feuerholz unter Dach haben, noch nicht einmal aufgeschlagen, wir müssen also zusehen, daß wir damit so schnell wie möglich fertig werden. Sonst heißt es, mit feuchtem Holz zu heizen, und das ist nicht gut…

 

 

 

 

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Do

19

Aug

2010

Nicht immer geht alles so, wie man es sich wünscht

Regen. Eigentlich war es klar: Ist das Dach der Schmiede abgedeckt, beginnt es zu regnen. Denn statt tatsächlich abzuziehen, haben sich die dunklen Wolken seit einigen Tagen bei uns eingenistet, und heute früh hatten wir nur neun Grad. Etwas zu kühl für August, und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Überhaupt geht momentan einiges bei uns schief. Michael hatte sich Mitte Mai selbständig gemacht, und der Malereibetrieb lief auch ganz gut an, so daß wir, wenn alls wie geplant gelaufen wäre, diesen Monat endlich im Plus gelandet wären. Dann jedoch hatten wir den ersten Kunden, der nicht bezahlt. Wir übergeben die Angelegenheit jetzt dem Inkasso, müssen die Kosten jedoch vorstrecken, in der Hoffnung, sie irgendwann vom Schuldern zurückerstattet zu bekommen. Und die Sachbearbeitungszeiten sind sehr lang. Also heißt es, warten und hoffen.

Dann der nächste Schreck: Hier in Schweden gibt es einen staatlichen Zuschuß, wenn ein Handwerker Arbeiten im und am Haus durchführt. Der Handwerker holt sich die Hälfte seiner Arbeitskosten vom Finanzamt. Das hatte bisher auch immer gut geklappt, aber bei einem der Aufträge ging die Zeit, ohne daß die Erstattung erfolgte. Ein Anruf beim Finanzamt gestern informierte uns darüber, daß der Kunde das Haus, in dem Michael tapeziert hatte, garnicht besaß, und daß daher keine Erstattung erfolgen könne. Glücklicherweise jedoch konnte Michael den Kunden erreichen und erfuhr dann, daß sich die Umschreibung nach dem Hauskauf aus verwaltungstechnischen Gründen verzögert hatte, in den nächsten Tagen jedoch erfolgen müsse. Da können wir nur hoffen, daß das Geld noch rechtzeitig zum Monatsende mit seinen vielen fälligen Rechnungen kommt.

Und dann der absolute Knaller: Michael hatte einen Auftrag in Südschweden. Ein Deutscher, der sein Ferienhaus gemalt haben wollte. Die Farbe wurde extra angemischt, Michael fuhr vorgestern runter- und fand das Haus verrammelt vor. Auch der Nachbar, der den Schlüssel haben sollte, war nicht da, weder am Abend noch gestern früh. Damit hatte Michael keinen Strom für die Hebebühne und konnte auch nicht die Fenster malen, da die nach innen aufgehen und daher im geöffneten Zustand gemalt werden müssen. Also fuhr er gestern unverrichteter Dinge wieder zurück. Hinfahrt acht Stunden Fahrt, Übernachtung, Rückfahrt sieben Stunden. Wir sind sauer und frustriert und fragen uns, was wir mit diesem Auftraggeber machen sollen. Denn der hat uns, entgegen seiner Zusage, immer noch nicht seine deutsche Adresse mitgeteilt.

So kommt eines zum anderen, und wir überlegen ernsthaft, die Firma wieder niederzulegen, denn wenn man sechzig Stunden die Woche arbeitet und sogar noch Montage macht, sollte irgendwann auch etwas hängenbleiben, und genau da hakt es bei uns. Pechsträhne?

Und dann die niederschmetternde Nachricht für mich: Seit Mai habe ich eine Reitbeteiligung und bin dabei, ein richtig gutes Team mit Tess, "meinem" Pferd, zu werden. Allerdings soll sie jetzt verkauft werden! Ich kann sie momentan nicht nehmen, also muß ich mich von ihr verabschieden, und das macht mich wirklich traurig. Ich kann die Besitzerin verstehen: Sie wohnt allein im Wald, studiert, arbeitet- und hat noch drei Pferde. Das ist einfach zuviel. Und ich kann nicht die zeitliche Entlastung bringen, die sie bräuchte, da ich auch sehr eingespannt bin und allein fast eine halbe Stunde bis zu ihr fahre.  

Sie sagte mir, daß sie sie auf jeden Fall zum Verkauf anbieten möchte, bevor die ganzen Sommerpferde verkauft werden. Sommerpferde? Das kannte ich garnicht, und sie erklärte es mir: Es ist hier in Schweden wohl relativ üblich, daß sich Leute im Frühjahr ein Pferd kaufen, das sie im Herbst wieder verkaufen. So etwas begreife ich nicht! Bei einem Pferdekauf geht es doch um soviel mehr als ein paar Ausritte im Sommer! Eine Kameradschaft mit dem Pferd, eine Beziehung, ein neues Familienmitglied! Und wie egoistisch auch, es streßt Pferde doch unheimlich, ständig den Besitzer zu wechseln! Das Problem der Sommerkatzen kenne ich, und daß Hunde vorm Urlaub ausgesetzt werden, ist auch allgemein bekannt, aber Sommerpferde?!? Auf diese Idee wäre ich garnicht gekommen, mir ein Pferd für den Sommer zu kaufen! Die Menschen sind wirklich merkwürdig!

-Gibt es auch gute Nachrichten? Ja, gibt es! Wir ertrinken in Zucchinis, und die ersten Tomaten sind auch reif! Unser Gewächshaus ist ein einziger Dschungel, und heute hat Michael wieder eine Riesengurke geerntet. Jetzt hoffe ich, daß sich das Wetter trotz allem wieder bessert, damit meine asiatischen Blattgemüse gut wachsen. Und damit mein Ausritt auf Tess morgen nicht ins Wasser fällt.

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Mo

16

Aug

2010

Nachtrag zum 16. August

Der größte Druck ist raus aus den geplanten Arbeiten für dieses Jahr. Dank unserer Praktikanten sind wir sehr weit gekommen!

 

Es ist ein herrliches Gefühl, sich der dringend notwendigen Fensterrenovierungen an diversen Außengebäuden widmen zu können, ohne daran denken zu müssen, daß es ja noch wichtiger ist, Feuerholz für den Winter vorzubereiten. Denn juchhu, meist steht immer einer unserer fleißigen Helfer an der Holzspaltemaschine, so daß der Feuerholzberg wächst, obwohl ich mich nicht darum kümmere. Das einzige, was wir übernehmen müssen, ist das Sägen der Stämme in Rollen- und das übernimmt Michael mit der Motorsäge.

 

Oder ich kann ganz beruhigt auch einmal Beikräuter in meinem Gemüsegarten zupfen- der Holzzaun um unser Grundstück wächst weiter, denn momentan haben wir ein unheimlich gut eingespieltes Zaunteam aus zwei Praktikanten- die glücklicherweise auch noch die nächsten drei Wochen zusammenarbeiten können. Dann erst reist die erste ab.

 

Es ist sehr befriedigend, zu sehen, wie der Berg an Arbeit stetig abnimmt. Man nicht in Panik verfallen muß, da der Herbst vor der Tür steht und man nicht die Hälfte dessen geschafft hat, was man eigentlich wollte- und mußte. Denn schlecht gepflegte Nebengebäude warten nicht mit dem Zusammenstürzen, bis man Zeit hat, sich um sie zu kümmern. Viele Renovierungsarbeiten dulden keinerlei Aufschub, will man schlimmeres vermeiden. Und da ist es wirklich schön, wenn helfende Hände da sind, um einem beizustehen. Außerdem macht es sehr viel mehr Spaß, gemeinsam zu arbeiten und auch die Möglichkeit zu haben, sich einmal gedanklich auszutauschen.

 

Aber unsere Praktikanten müssen nicht nur Zaun bauen und Feuerholz machen, wir variieren die Arbeit, damit sie auch Spaß macht. Gestern und heute hat mir Katharina beispielsweise dabei geholfen, die Fenster der Tischlerei zweimal zu malen, während Nassim und Manuel den Grund für das große Anbaugewächshaus gießen, womit sie hoffentlich morgen fertig werden. Es gibt immer Projekte, die prioritiert werden, aber es darf nicht langweilig werden. Und daher dürfen die drei mir morgen ganz sicher wieder helfen, die Schafe einzufangen, die bereits ungeduldig über den Zaun blicken, da das Gras auf der anderen Seite mal wieder grüner ist als das, was ihnen zur Verfügung steht...

 

Was ich eigentlich sagen wollte: Da der größte Druck raus ist und ich mir zwischendurch immer mal wieder einige Minuten stehlen kann, habe ich mir vorgenommen, diesen Blog hier in Zukunft mindestens zweimal in der Woche zu aktualisieren. Es ist viel passiert, und es passiert bis sicherlich Oktober noch vieles, und darüber möchte ich berichten. Jetzt hoffe ich natürlich, daß ich diesen Vorsatz auch halten kann... vor allem, da wir auch noch dabei sind, diese Seite umzubauen. Es kann also immer mal wieder zu Fehlermeldungen oder verschwundenen Artikeln kommen, bitte seht uns dies nach!

 

Cordula

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Mo

16

Aug

2010

Der Herbst ist da

Der Herbst hat spürbar Einzug gehalten. In den letzten vier, fünf Tagen veränderte sich die Atmosphäre, die Blätter fingen an, sich zu verfärben, und nicht wenige liegen bereits am Boden. Zwar ist es noch warm, allerdings handelt es sich um eine Wärme, die anders ist als die des Sommers. Die Vögel schweigen, nur hin und wieder ziehen singende Kraniche über unser Grundstück und lassen uns für einen Moment in unserem Tun innehalten und ihnen auf ihrem Weg nach Süden nachblicken.

 

Wie schnell ist der Sommer vergangen! Wir hatten viele schöne Wochen bis lang in den Juli hinein, und jetzt scheint der Regen der letzten drei Wochen auch endlich abzuziehen und einem milden Frühherbst Platz zu machen.

 

Es muß im Mai gewesen sein, als ich träumte, es sei endlich Frühling geworden, am nächsten Tag jedoch bereits wieder Herbst mit Kälte und Frost. Ich war richtig erschrocken in diesem Traum, und nach dem Erwachen war ich heilfroh, daß tatsächlich erst Mai war, hatten wir doch noch einige hoffentlich sonnige Monate vor uns.

 

Und nun ist es doch soweit. Herbst. Die Tage werden merklich kürzer, in sechs Wochen müssen wir mit den ersten Frösten rechnen. Bald ist Herbsttagundnachtgleiche. Die Zeit steht nicht still, unmerklich verrinnen Sekunden, die zu Minuten, Stunden, Tagen und letztendlich Wochen werden. Zeit, die nicht wiederkehrt. Zeit, die wir hoffentlich im positiven Sinne genutzt haben. Denn sonst wäre es verschwendete Zeit gewesen.

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Fr

23

Jul

2010

Ein herrlicher Sommer

Dieses Wetter muß man einfach geniessen. Als ob Schweden uns für den ekligen Winter entschädigen wollte, zeigt sich das Wetter nun von seiner schönsten Seite. Seit Wochen Sonne satt, im Garten wächst es und die Mücken sind auch halbwegs erträglich. Zwar ist es eine recht arbeitsintensive Zeit, aber man muß sich bei diesem Wetter auch mal Zeit für sich nehmen und die Seele baumeln lassen. 

 

Michael mit Schoßhündchen Bamse Michael mit Schoßhündchen Bamse
Cordula mit Methorn am Sonnwendfeuer Cordula mit Methorn am Sonnwendfeuer
Und nach der Arbeit noch schnell eine Paddeltour Und nach der Arbeit noch schnell eine Paddeltour
Ständig gibt es Nachwuchs auf dem Hof Ständig gibt es Nachwuchs auf dem Hof

Vielleicht sollte man viel öfter über die schönen Dinge im Leben nachdenken und die schönen Zeiten viel bewußter genießen. Euch allen einen schönen Sommer!

 

Michael

 

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Di

11

Mai

2010

Der Schafsflüsterer

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Di

04

Mai

2010

Der Frühling und die Schafe

„Nur raus hier!“ war der einzige Gedanke, der in den Köpfen unserer Schafe herumspukte, als der Schnee begann, zu tauen. Da wir bereits im Herbst die leidvolle Erfahrung sammeln mußten, daß unsere Schafe keine „echten“ Schafe sind, sondern eher verkappte Ziegen, so daß wir mehr mit Einfangen beschäftigt waren als mit anderen Herbstarbeiten, hatten wir ihnen, als auch der gewöhnliche Schafszaun mit Elektroverstärkung nicht mehr half, einen Auslauf gebaut, der nur aus starken Holzbrettern bestand. Es hatte einige Tage gedauert, auch die letzten Schlupflöcher zu verschließen, aber letztendlich war er ausbruchssicher gewesen. Dann kam der Schnee, so daß sich die Schafe überwiegend im Stall aufhielten. Vier Lämmchen wurden im Februar geboren (na ja, eigentlich fünf, aber das Kleinste einer Drillingsgeburt war nach zwei Tage gestorben), dann begann der Schnee zu tauen und verschwand schließlich vollends aus dem Auslauf.

Während die Kraniche ihren Hochzeitstanz auf unserer Wiese veranstalteten und die Hühner fröhlich vor sich hin pickten, schmiedeten die Schafe Ausbruchspläne- die sie tatsächlich durchsetzen konnten. Es wurde so lange gegen die Bretter angerannt, bis sie entzweibrachen. Zuerst schlüpften die Lämmchen durch die Löcher, die von den ausgewachsenen dann derart vergrößert wurden, daß auch der dickste von ihnen hindurchpaßte.

Und so machten wir da weiter, wo wir im Herbst aufgehört hatten: Schafe einfangen. Denn da die Wiese noch längst nicht grün war, brach Panik unter den Schafen aus, und statt in Ruhe vor sich hin zu mampfen und zu kauen und richtige Schafsruhe auszustrahlen, rannte man aufgeschreckt von Wiese zu Wiese, in donnerndem Galopp. Und man versuchte sogar, im Wald an Nahrhaftes heranzukommen. Das Heu, das wir ihnen boten, schmeckte nicht wirklich, man suchte Gras- vergeblich.

Wir verstärkten die im Herbst gezogene und für den Winter vorgesehene Weide, konnten die Schafe aber dennoch nicht auf der Seite des Zaunes halten, auf der wir sie haben wollten. Der Hühnerstall lockte sie, und auch der Küchengarten, in dem zwar kaum etwas Grün zu sehen war, von dem sie aber noch aus dem Herbst wußten, daß dort leckere und zarte Stengel und Blätter zu holen waren. Gut, daß wir ihn provisorisch gegen sowohl Hühner wie auch Schafe eingezäunt hatten! Leider war er für uns so nicht zugänglich, eine andere Lösung mußte her. Oder besser gesagt: Mehrere Lösungen.

 

Die alte Winterweide bauten wir ab und wieder auf, wobei wir diesmal aufs genaueste darauf achteten, die Wiese in einen Hochsicherheitstrakt zu verwandeln, was uns fast zwei Tage Arbeit kostete. Am ersten Mai standen wir bei vier Grad, strömendem Regen und kräftigem Wind fluchend auf der Wiese und errichteten die Wiese, während die Schafe frei über die Wiesen zogen und hin und wieder tatsächlich schon einige grüne Grashalme erbeuteten. In den Hühnerstall konnten sie nicht, den hatten wir schafssicher verbarrikadiert, allerdings war der Schlagbaum am Eingang unseres Grundstückes über Winter auseinander gebrochen, so daß wir ihn nicht schließen konnten, und der Wald lockte trotzdem noch mit seinen Geheimnissen, so daß wir regelmäßig nachsahen, ob die Schafe noch auf unserem Grundstück weideten.

 

Zusätzlich verstärkten wir den Zaun mit zwei Strombändern, eines oben, und eines unten, denn wir hatten festgestellt, daß die Schafe bevorzugt unter dem Maschendraht hindurchkrochen, und die Lämmchen hatten sich das ganz schnell bei ihren Mamis abgeguckt und düsten grundsätzlich auf direktem Wege zum Zaun, um ihn mit ihren Schnuten anzuheben und drunter durch zu krabbeln.

Dann kam der große Augenblick: Wir öffneten die Stalltür, und die Schafe trampelten ungehalten heraus und direkt auf den Zaun zu. Die Schnuten gingen zum Boden, wollten den Zaun angeben- oh, was sie sprangen, als sie einen gewischt bekamen! Sie konnten es ja nicht ganz fassen, versuchten es immer wieder, und es dauerte eine Viertelstunde, bis sie begriffen hatten, daß es hier diesmal kein Entkommen gab. Mißmutig kauten sie schließlich an dem Heu, das wir ihnen gaben.

Am nächsten Tag sah ich, wie die Lämmchen das zart sprießende Gras unter den Strombändern abknabberten und das Stromband berührten, ohne einen gewischt zu bekommen. Meine Befürchtung bestätigte sich: Das Aggregat hatte keinen Strom, was war aus! Herrje, wie lange würde es dauern, bis die Schafe die Konsequenzen dessen begriffen? Glücklicherweise kam genau in diesem Moment unser Nachbar, und gemeinsam suchten und fanden wir den Fehler- einen Wackelkontakt. Puh!

 

Eigentlich hatten wir geplant, die Schafe, wenn sie frisch geschoren sind, auf einen neue Wiese zu schicken, die mit Elektroband abgesteckt wurde; im Herbst konnten sie ja nur entwischen, da die dicke Wolle den Stromschlag nicht leitete, wenn sie durch die Bänder hindurchkrabbelten, und frisch geschoren würde die Sache anders aussehen. Gestern wollte der kommen, der Schafscherer, aber dann rief er an, seine Schurmaschine sei kaputt gegangen. Jetzt müssen wir noch fast drei Wochen auf ihn warten. Drei Wochen, in denen die Schafe unzufrieden in ihrem Hochsicherheitstrakt herumstehen werden. Na, vielleicht können wir sie frei laufen lassen, wenn die Wiese grün ist und der Wald dadurch seine Verlockung verliert. Aber auch das wird wohl frühestens in zwei Wochen soweit sein.

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Mo

26

Apr

2010

Hühnerhaltung

Da wir Euch die Ostereier nicht vermiesen wollten, haben wir bis jetzt damit gewartet. Die meisten Ostereier kommen ja aus der Legebatterie und wen es interessiert, wie es den Hühnern dort geht, kann sich das auf den Seiten von verschiedenen Tierschutzorganisationen ansehen.

Doch auch hier auf unserem Hof, wo Hühner Gras picken können und jedes Huhn eine größere Auslauffläche hat als ein Durchschnittsschrebergarten, ist ein Hühnerleben mal zu Ende. Viele unserer Küken des Vorjahres waren männlich, was bedeutet, dass die Lebenserwartung mangels der Fähigkeit, Eier legen zu können, so hoch ist, wie die Anzahl der Monate bis zur Erreichung des Schlachtgewichtes.

Man muß sich als Fleischesser lernen, in die Augen seiner Beutetiere schauen zu können. Am Anfang war das nicht leicht, aber man gewöhnt sich.
Wir wollen kein anonym verpacktes Fleisch aus dem Supermarkt. Wir wollen wissen, was wir essen.
Inzwischen sind wir Selbstversorger mit Hühnereiern und Hühnerfleisch, und wir sind begeisterte Hühnerhalter geworden. Und die nächste Generation Eierleger und Hähnchenkeulenträger wächst bereits heran. Pünktlich zu Ostern kam die erste unserer Hennen mit vier Küken aus ihrem Versteck. Auch sie werden uns im Austausch für Futter, Stall und Fürsorge ihre Eier, ihr Fleisch und ihre Nachkommen geben müssen.

Michael

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Mo

01

Mär

2010

Und wieder Lämmchen!

Am Sonnabend sprangen uns drei statt zwei Lämmchen entgegen- das dunkle, einjährige Schaf hatte in der Nacht gelammt!

 

Und dann gestern, pünktlich zum Lichtfest, gab es erneut eine Geburt: Ein pechschwarzes, großes, kräftiges Lamm! Die Mutter hatte ganz schön zu kämpfen, und eine Zeitlang dachten wir, daß es Komplikationen gibt. Hatten in Gedanken schon unser „Werkzeug“ zum Nachhelfen zurecht gelegt- aber dann kam es doch noch ohne unsere Hilfe zur Welt. Manchmal muß man einfach Geduld zeigen und abwarten, dann regeln sich gewissen Dinge.

 

Abwarten und Geduld- fällt uns schwer, wenn wir aus dem Fenster sehen. Meine Freundin wohnt in Mitteldeutschland, sie hat vorgestern Blumenzwiebeln gesteckt. Und hier haben wir über Nacht zwanzig Zentimeter Neuschnee bekommen, und es schneit heiter weiter…

 

Cordula von Dolsperg

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Fr

19

Feb

2010

Nachwuchs mit Sorgen

Am 13.Februar hatten wir noch Geburtstag gefeiert (unser Autounfall jährte sich zum zehnten Mal) und erhielten unser „Geschenk“ frühmorgens am Tag drauf, dem Valentinstag.

 

Wie immer war es Michael, der sich morgens um die Schafe kümmerte, und er riß mich aus meinen morgendlichen Wach- auf- Übungen, indem er aufgeregt rufend ins Haus rannte: Die Lämmchen sind da!

 

Schnell aus den Hausschuhen heraus, Brille aufgesetzt, Müdigkeit im Sessel gelassen und los durch den hohen Schnee. Diesen Morgen war es nicht so kalt wie die Tage davor, wir hatten nur minus fünf Grad. Die Schafmami muß wohl spontan entschieden haben, daß es das perfekte Geburtswetter ist, denn am Abend davor hatte sie noch kräftig Futter gemampft, eher untypisch für ein Schaf kurz vor der Niederkunft.

 

Im Stall erwarteten uns dann drei kleine Lämmchen, die etwas desorientiert durch die Gegend liefen und ihre Mami suchten. Drei!

 

Normalerweise sollten Schafe ja in einer speziell abgetrennten Box lammen, damit sich die Bindung zwischen Mutter und Kindern in aller Ruhe ausbilden kann, aber da sie uns so überrascht hatte, war alles etwas durcheinander. Ein Lämmchen stand weinend bei einem fremden Schaf, zwei weitere stürmten auf ihre Mutter zu, die seelenruhig durch den Stall auf uns zu stapfte.

 

Sie waren bereits trocken, die Geburt mußte also mitten in der Nacht erfolgt sein. Wie klein sie waren! Der Körper so groß wie eine Katze, die Beine natürlich länger. Eines der Lämmchen, das weiße, war erheblich kleiner als seine Geschwister, und so vermuteten wir bereits jetzt, daß es Probleme geben könnte.

 

In aller Eile richteten wir eine Box her, die wir mit frischem Stroh auslegten und versuchten, die Mutter und ihre Lämmchen zum Umzug zu bewegen. So recht wollten sie ja nicht, und dann liefen uns auch immer noch der Hammel und die beiden anderen Schafe im Weg herum!

 

Schließlich waren sie all in der Box, die Lämmchen hatten ihre Mami ganz für sich allein und schmatzen Milch aus dem Euter. Dabei wackelten die kleinen Schwänzchen hin und her.

 

Es war Sonntag. Am Tag darauf kauften wir sicherheitshalber Milch für die Aufzucht per Flasche, denn daß die Milch für drei Lämmer reichen würde, bezweifelten wir.

 

Dienstag gingen die Probleme los. Morgens war das kleine weiße Lämmchen noch auf den Beinen gewesen, mittags lag es im Stall und ließ auf sich herumtrampeln. Wir holten es ins Wohnzimmer vor den Kamin, die Katze mußte den Sessel räumen, und wir wärmten das unterkühlte Lämmchen auf und gaben ihm zu Trinken.

 

Jetzt bekam es auch seinen Namen: Schneeflocke sollte es heißen, bestimmte Michael.

 

Erst wollte es nicht recht, dann stellte es fest, wie gut es doch schmeckte und suckelte Milch. Wurde kräftiger, und wir dachten, es habe das schlimmste hinter sich, machten schon Pläne, ob und wann es in den Stall zurück solle.

 

Lisa verliebte sich in das Kleine und schleckte es vorsichtig ab. Klar, es hatte ein milchverschmiertes Mäulchen, das war richtig lecker! Es schien dem Lämmchen aber zu gefallen, eine neue Freundin gefunden zu haben, dennoch brauchte es seine Ruhe, so daß Lisa wieder gehen mußte.

 

Die Freude währte nicht lange. Gegen Abend wurde es wieder schwächer, trank nicht mehr, schlief nur noch. Und es gab keine Ausscheidungen von sich, der kleine Popo war und blieb sauber. Garkein gutes Zeichen!

 

Später bekam es Zuckungen und starb.

 

Bei so kleinen Lämmchen kommt es wohl relativ häufig vor, daß der Darm nicht fertig ausgebildet ist, und das wird wohl auch bei unserer kleinen Schneeflocke der Fall gewesen sein. Da kann sie dann trinken, soviel sie will, die Überlebenschance ist null.

 

Jetzt sind noch zwei kräftige Lämmchen übrig. Sie werden es schaffen.

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Do

24

Dez

2009

Überraschender Weihnachtsbesuch

Wir saßen bei einem späten Frühstück, als Michael plötzlich aufsprang und nach draußen rannte. Im Laufen rief er mir noch irgend etwas zu, was ich nicht verstand, und dann hörte ich es selbst: Hundegebell vor unserem Haus!

 

Mein erster Gedanke: Ein Jagdhund, der abgehauen ist und unseren Hühnchen den Garaus machen will!

 

Flugs rannte ich Michael hinterher und blieb dann wie angewurzelt stehen.

 

Vor unserm Haus befand sich kein entsprungener Jagdhund. Sondern ein Schlittenhundegespann! Lachend begrüßte der Fahrer Michael, der den Hühnerstall, auf den die Samojeden stracks zugehalten hatten, eilig geschlossen hatte.

 

Ich kannte den Fahrer, der sich im Sommer bei uns vorgestellt hatte. Besser gesagt, er hatte sich bei mir vorgestellt, Michael war zu dieser Zeit nicht da. Der Schwede besaß eine Samojedenzucht und war einer der Interessenten für unseren Hof gewesen, als dieser vor zwei Jahren zum Verkauf gestanden hatte. Für ihn und seine damals zwölf Samojeden wären Lage und Größe des Hofes perfekt gewesen, allerdings, so sagte er mir, sei die Fahrt zur Arbeit dann doch zu weit, so daß er sich für ein etwas zentraler gelegenes Haus entschieden hatte. Der Gedanke an Snåret hatte ihn jedoch nicht losgelassen, und so war er eines Tages einfach losgefahren, um die neuen Besitzer kennenzulernen.

 

Mit seinem großen Wohnmobil war er vorgefahren, das er umgebaut hatte, so daß er alle seine Hunde mitnehmen konnte. Und einen von ihnen hatte er dabei, einen wunderschönen Rüden, den wir mit Lisa bekannt machten. Lisa jedoch war der Auffassung, daß dieser Rüde nicht das Recht hatte, auf ihrem Land zu sein, so daß sie ihn anknurrte und nicht ins Haus ließ.

 

Vor drei Wochen, wir fuhren gerade durch den Wald, kamen uns zwei Schlittenhundegespanne entgegen. Eines wurde gezogen von grauen Huskys, und das andere von den weißen Samojeden. Welch ein Anblick! Bei diesem Treffen hatten wir ihn eingeladen, uns doch mal mit seinen Hunden zu besuchen.

 

Und heute früh war er auf unsere Einladung zurückgekommen. Ich war völlig hingerissen von diesen wunderschönen Hunden, und verliebte mich erneut in diese herrliche Hunderasse mit ihren großen, lieben Augen und ihrem freundlichen Wesen.

 

Als er dann eine Thermoskanne mit heißem Glögg und Rosinen auspackte und gleichzeitig drei Thermosbecher zückte, in die er eingoß und mit uns anstieß, während seine neun Hunde laut und fröhlich kläfften und unsere beiden im Haus fast wahnsinnig wurden und zurückkläfften und jaulten, war ich einfach nur glücklich.

 

Den krönenden Abschluß bildete dann eine Fahrt auf dem Hundewagen. Da thronte ich auf dem motorlosen vierrädrigen Karren und konnte mein Glück kaum fassen.

 

Unser Schwede besitzt momentan siebzehn Samojeden, davon sechs Welpen. Und wir sind eingeladen, ihn zu besuchen. Ich weiß nicht, ob ich es wage. Denn ich werde mich garantiert rettungslos in diese Welpen verlieben. Und was dann?!?

 

Cordula von Dolsperg

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Di

15

Dez

2009

Wintereinbruch

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Fr

04

Dez

2009

Dusche im Schnee

Endlich ist es wieder etwas wärmer geworden. Die letzten Tage bewegten sich die Temperaturen zwischen minus acht und minus elf Grad, dazu wehte mal wieder ein eisiger Wind. Gestern Nachmittag bewölkte sich der Himmel und die Temperaturen stiegen bis minus zwei Grad. Es begann, leicht zu schneien.

 

Wir verfügen immer noch nicht über ein Bad oder eine Badewanne, in der wir uns gegenseitig duschen können. Da hieß es dann, draußen zu duschen. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie es sich anfühlt, bei windigen minus zehn Grad eine Draußendusche zu nehmen? Die bloßen Füße auf dem gefrorenen Boden?

 

Das Haarewaschen habe ich von Tag zu Tag verschoben, ich konnte mich einfach nicht dazu überwinden. Ein Blick auf das Thermometer heute zeigte dann warme minus zwei Grad an, besser würde es nicht werden, also stand ich dann heute draußen und ließ mir zwei Gießkannen mit heißem Wasser angedeihen. Getrocknet habe ich die Haare dann vor dem Kamin.

 

Michael ist mit dem Bad beschäftigt und hofft, mir zur Sonnenwende eine heiße Drinnendusche schenken zu können. Wäre ja schön, aber ich glaube nicht so recht daran.

 

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Mi

18

Nov

2009

Die Renovierung unseres Schwedenzaunes

Der alte Schwedenzaun Der alte Schwedenzaun

Solche Schwedenzäune halten ja recht lange, aber bei unserem Hof war bei dem alten Zaun nichts mehr zu retten. Da unsere Tiere bald frei auf dem ganzen Grundstück gehen sollen, muss nun ein neuer her.

Hier war es wirklich Zeit für die Erneuerung Hier war es wirklich Zeit für die Erneuerung

Also nichts wie ran ans Werk. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit, mir dieses alte Handwerk vor einiger Zeit zu lernen. Das kam uns jetzt zugute. Wir hätten beim Anblick der Schwedenzäune nie gedacht, an was man alles denken muss, zum Beispiel, was die Holzqualität betrifft.

Der Zaun wird auf traditionelle Art und Weise mit Fichtenzweigen gebunden Der Zaun wird auf traditionelle Art und Weise mit Fichtenzweigen gebunden

Es war schon etwas Arbeit. Aber die ersten 200 Meter, die wir uns für dieses Jahr vorgenommen hatten, haben wir heute geschafft. Für nächstes Jahr haben wir eine größere Etappe geplant, bis wir unser Grundstück dann im übernächsten Jahr vollständig eingezäunt haben werden. So sieht der Zaun jetzt aus:

Ein guter Zaun ist der beste Schutz gegen Raubtiere Ein guter Zaun ist der beste Schutz gegen Raubtiere
Der Schmuck eines jeden Hofes Der Schmuck eines jeden Hofes

Nun sind wir froh, daß die Arbeit erledigt ist, unsere letztes großes Projekt für dieses Jahr. Jetzt heißt es, langsam zur Ruhe zu kommen, die restlichen Sachen zu erledigen, die liegengeblieben sind, und dann die schönen langen Winterabende vor dem prasselndem Kaminfeuer zu geniessen.

 

Michael

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Mo

09

Nov

2009

Unser Getreidemagazin ist endlich renoviert

Rechts das Getreidemagazin im unrenovierten Zustand Rechts das Getreidemagazin im unrenovierten Zustand

Bei dem Getreidemagazin handelt es sich um ein sehr altes und von der Bauart her ungewöhnliches Gebäude, das auf einem Erdkeller erbaut ist. Durch Vernachlässigung des Vorbesitzers befand es sich in einem katastrophalen Zustand, wie die Fotos zeigen:

Die Fassade war schadhaft und stellenweise weggefault, Wasserschäden befanden sich an tragenden Balken, das Dach wies mehr Löcher als Ziegel auf, und die Fensterscheiben fielen fast aus den Rahmen, nur noch von kleinen, wackeligen Nägelchen gehalten.

 

Nach viel mühevoller Arbeit, wir renovierten sogar das Unterdach originalgetreu mit alten Holzschindeln, ist es fast fertig. Fast bedeutet, wir konnten es nicht fertig rödfärgen, d.h. die traditionelle schwedische Schlammfarbe aufbringen. Die ist nämlich frostempfindlich, und seit gestern ist richtig Winter mit Schneetreiben.

 

Dennoch: Wir sind stolz auf unser fast fertiges Werk.

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Mo

12

Okt

2009

Die unendliche Geschichte

Nichts hält die Schafe mehr innerhalb des Elektrozaunes. Die letzte Weide habe ich mit fünf Bändern versehen- sie gehen einfach hindurch. Jetzt im Herbst sollte es egal sein, wo sie Wiese abfressen, ab Frühjahr ist Weideplanung wieder wichtig, aber daß sie regelmäßig im Hühnerstall vorbeischauen, finden weder ich noch die Hühner gut. Außerdem habe ich Angst, daß sie doch noch an meinen Grünkohl gehen, immerhin ist ein Teil des Ackers nach oben hin offen: Ein Elch wird nicht an unserem Wohnhaus vorbei und dann in die Beete marschieren. Die Schafe hingegen bewegen sich völlig unbekümmert.

Ich weiß nicht, wie oft ich den Zaun verstärkt und die Wiese vergrößert habe. Es nützt alles nichts. Vorgestern Abend öffnete ich die Tür, um unsere Katze hinauszulassen- und prallte fast genauso erschrocken wie sie zurück, als die Schafe, eines hinter dem anderen, direkt an unserer Haustür vorbeiparadierten. Meine Geduld erschöpfte sich allmählich.

Mit Leckerlis lockten wir sie in den Stall und Michael überprüfte gestern früh, bevor er sie auf die Wiese ließ, ob wirklich Strom auf dem Zaun war. Es war. Also ließ er die Schafe hinaus. Als er nicht zum Frühstück hereinkam, wollte ich ihn abholen- und lief fast in die Schafe hinein, die sich diesmal nicht mit Leckerlis locken ließen.

Wir trieben sie schließlich vom Bereich vor dem Haus weg auf die große Wiese, um zumindest erstmal frühstücken zu können. Ich beobachtete sie vom Sessel aus, während ich meinen Tee trank. Unruhig zogen sie hin und her, von einem Ende des Grundstückes zum nächsten. Daß sie nicht in den Wald gehen würden, darauf vertrauten wir, aber was war mit der Ausfahrt, die nur mit einem einfachen Schlagbaum geschlossen war? Inzwischen war auch Elchjagd, und wer wußte, wie ein Jäger reagieren würde, wenn ihm statt eines Elches plötzlich ein Schaf vor das Gewehr kam?

Wir gingen einen schnellen Spaziergang mit den Hunden, dann versuchten wir wieder, die Schafe in den Stall zu locken, um ein festes Wintergehege für sie zu bauen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwann waren sie wirklich im Stall.

Wir zogen einen festen Zaun, den wir nach oben hin noch mit einem Stromband verstärkten. Dann ließen wir die Schafe hinaus. Sofort liefen sie am Zaun auf und ab, suchten eindeutig eine Möglichkeit, hinausschlüpfen zu können.

Das war gestern gegen drei Uhr. Fast den gesamten Sonntag hatten wir damit verbracht, uns um die Schafe zu kümmern, die andere Arbeit war liegengeblieben.

Meine Geduld ist wirklich erschöpft, und ich bin froh, daß wir am Wochenende endlich schlachten. Vielleicht kehrt dann wieder mehr Ruhe ein, so daß wir die Schafe noch einmal auf die Wiesen lassen können. Denn daß wir ab jetzt bereits zufüttern sollten, war von uns nicht eingeplant.

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Mi

07

Okt

2009

Was für ein Tag! -Oder: Tiere auf Abwegen

Es fing ganz harmlos an. Ich ließ die Hühner aus dem Stall und fütterte sie und die Katzen. Frühstückte, ging mit den Hunden eine Runde und gab dann ihnen etwas zu futtern. Nachdem ich die notwendige Rechnerarbeit erledigt hatte, verließ ich das Haus- und wurde vom Anblick der Schafe auf meinem Gemüseacker begrüßt. Mich traf fast der Schlag, wie ich sie da genüßlich an meinem Grünkohl knabbern sah, das einzige Gemüse, das einigermaßen gut gekommen war, und auf dessen Verzehr ich mich bereits gefreut hatte. Mein Blick wanderte zum Erdbeerbeet: Auch dort knusperte ein Schaf an meinen Erdbeerpflanzen.

 

Als wir die Schafe vor einigen Wochen bekommen hatten, verfügte unser Grundstück über einen einzigen festen Zaun, nämlich den, mit dem wir den Acker gegen unerwünschten Elchbesuch eingezäunt hatten. Eigentlich hätten wir lieber festen Weidezaun aufgebaut, aber zum einen fehlte uns die Zeit, und zum anderen wußten wir nicht, wo die endgültigen Weiden für unsere Tiere liegen sollten. Über (Bio-) Strom verfügten wir auf dem Grundstück, daher entschieden wir uns für einen transportablen Elektrozaun, den wir uns geliehen hatten. Mir war diese Technik von Anfang an nicht geheuer, da sie aber jeder anscheinend problemlos benutzte, wollte ich dem ganzen nicht zu negativ gegenüberstehen. Und irgendwie mußten die Schafe ja eingezäunt werden.

 

Und da standen sie nun mitten zwischen meinen Kohlköpfen und fraßen das bißchen Gemüse, das ich ernten wollte! Ein Blick zum Zaun enthüllte, daß einige Pfosten auf dem Boden lagen. Das Weidezaunaggregat schien aus zu sein, und eine Kontrolle der Steckdose wies auf einen Kurzschluß. Nun kenne ich mich überhaupt nicht mit Strom aus, so daß ich schließlich zwei Verlängerungsschnüre holte und den Strom von einer anderen Steckdose zum Aggregat legte. Auch dann funktionierte es nicht, dabei hatte ich es erst einen Tag zuvor gekauft. Gebraucht zwar, aber funktionieren sollte es trotzdem, zumal es doch gestern nicht kaputt gewesen war.

 

Eine kurze Untersuchung zeigte mir, daß ich es falsch angeschlossen hatte. Jedes Aggregat verfügt über einen schwarzen und einen roten Anschluß, von dem einer den Strom auf den Zaun leitet und der andere zur Erdung benutzt wird. Ich hatte mich an den Farben des alten Aggregates orientiert, dessen Knöpfe vom Vorbesitzer allerdings augenscheinlich vertauscht worden waren. Ich korrigierte den Fehler und hatte wieder Strom auf dem Zaun.

 

Ich trieb die Schafe wieder auf ihre Weide. Kaum hatte ich ihnen den Rücken zugewendet, standen sie wieder auf dem Gemüseacker. Ich legte wieder einige Pfosten um, trieb die diesmal sehr unwilligen Schafe hinein, und stellte die Pfosten auf.

 

Die Schafe hatten herausgefunden, wie man den Stromschlägen entgeht. Ich konnte es beobachten: Erst wurde der Kopf zwischen zwei Strombändern hindurchgeschoben, dann kam der wollige Körper mit Wucht nach. Die Wolle leitete nicht, so daß sie unbeschadet durch den Zaun gehen konnten.

 

Ich erweiterte von drei auf fünf Bänder. So sollten sie den Kopf nicht mehr zwischen zwei Bändern hindurchstecken können, ohne einen Schlage zu bekommen.

 

Inzwischen war es früher Nachmittag, so daß ich frohen Mutes mit Bamse und Lisa auf einen längeren Spaziergang ging. Wir waren fast wieder zuhause angelangt, da rannte Lisa in den Wald, anscheinend hinter einer Spur her. Mein Rufen erzielte keine Wirkung, sie kam nicht zurück. Und dann hörte ich sie bellen, weit weg. Sie bellte und bellte. Ich rief und rief. Sie bellte. Und dann war plötzlich Stille.

 

Bamse folgte der Spur in einem Tempo, bei dem ich nicht mithalten konnte. Die Bäume schlossen sich immer enger um mich, von Lisa keine Spur. Ich lief Gefahr, mich zu verlaufen, so gut kannte ich mich hier noch nicht aus, so daß ich wieder zurück ging.

 

Bamse brachte ich ins Haus, warf einen Blick auf die Schafe, die wieder mitten im Grünkohl standen, und lief wieder los, Lisa suchen. Vor einigen Tagen erst hatte ich ein Wolfsrudel in der Nähe gehört, ich machte mir wirklich Sorgen um sie. Aber auch ein Elch kann mit seinen Hufen einen Hundeschädel ohne weiteres zerschmettern.

 

Ich rief, lief durch den Wald und verlief mich. Eigentlich war ich überzeugt gewesen, mir den Weg gemerkt zu haben, dennoch kam ich schlußendlich an einer ganz anderen Stelle aus dem Wald heraus, als ich geplant hatte. Von Lisa keine Spur. Inzwischen war sie über eine Stunde verschwunden, und Michael befand sich bereits auf dem Weg zu mir. Ich kontrollierte nochmal am Haus, auch dort war Lisa nicht. Wieder ging ich los, und wieder fand ich sie nicht. Da entschloß ich mich, noch ein letztes Mal am Haus nachzusehen, dann Kreide zu holen, um meinen Weg im Wald zu markieren, und mich richtig in den Wald zu schlagen. Eilig ging ich zum Haus- da kam mir Lisa entgegen. Sie blieb stehen, wußte wohl nicht recht, ob sie zu mir kommen sollte oder nicht, dann legte sie sich auf dem Boden und kroch einige Meter auf mich zu. Ich war so erleichtert, daß ich gar nicht böse sein konnte. Sie begrüßte mich, als ob sie mich mehrere Tage statt zwei Stunden nicht gesehen hätte, und ich gab Michael Entwarnung. Was war ich froh!

 

Blieben also noch die Schafe, die immer noch auf der falschen Seite des Zaunes standen. Zwar hatte ich meinen Grünkohl eigentlich abgeschrieben, als ich dann aber sah, wie gut er ihnen mundete, packte mich doch wieder das kalte Grausen. Ich trieb sie weg und zog einen neuen Zaun kurz unterhalb meines Grünkohls. Bei Einbruch der Dämmerung hatte ich Strom auf dem Zaun und kann jetzt nur hoffen, daß sie nicht wieder durchbrechen.

 

Rasch ging ich noch die Beete ab, die den Schafen ausgeliefert waren, und sammelte ein paar kleine Brokkolirosen ein, rettete einige Kohlrabi, und pflückte die restliche Petersilie und einige Grünkohlpflanzen, die weiter unten auf dem Acker standen.

 

Morgen stecke ich eine neue Wiese ab. Mit Elektrozaun. Sollten die Schafe da hindurchgehen und die Wölfe kommen, ist es halt so. Nicht zu ändern. Drücken wir die Daumen, daß das Rudel in andere Jagdgründe gezogen ist.

 

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So

04

Okt

2009

Eindrücke von unserem Hof

Mitte März letzten Jahres erhielten wir endlich den Schlüssel zu unserem neuen Hof und begannen im April mit der Renovierung des Wohnhauses. Auch einige Nebengebäude wiesen akute Schäden auf, die wir dringend beheben mußten, um sie zu erhalten.

Jedes Wochenende verbrachten wir nun in Snåret, und Michael opferte seinen Urlaub, um einige größere Renovierungsarbeiten durchführen zu können. Die Woche über arbeitete er, während ich damit zu tun hatte, an unserem damaligen Zuhause die abschließenden Renovierungen durchzuführen. So renovierte ich die Fenster, mit denen wir den Wintergarten gebaut hatten. Sie hatten sich ursprünglich in einer Schule befunden und bedurften einer vollständigen und zeitraubenden Renovierung. Auch an den Fenstern des Wohnhauses führte ich die letzten Maßnahmen durch, kittete die Innenbögen und malte sie, begann, unseren Hausrat zu verpacken, den Anhänger fürs Wochenende vorzubereiten und gleichzeitig den Garten einigermaßen in Ordnung zu halten, in dem ich hoffte, doch einige Gemüse ernten zu können. Anfang Juni begann auch ich, zu arbeiten, so daß Renovierungen und Packen auf die Abende verschoben werden mußte, an denen allerdings auch die Hunde ihre Zeit forderten.

Es war sehr stressig, und ich war mit meinen Kräften ziemlich am Ende, als ich im Herbst endlich mit Arbeiten aufhörte. In den kältesten Monaten des Winters fuhren wir nicht nach Snåret, begannen erst dieses Frühjahr wieder mit den Renovierungen.

 

Wir hatten gehofft, das Fundament für das Gewächshaus noch gießen zu können, sind aber aufgrund des Regens nicht weit damit gekommen. Knapp die Hälfte ist gegossen, vielleicht schaffen wir es noch, den Rest diesen Herbst zu gießen. Allerdings haben wir bereits Frost, so daß es eher unwahrscheinlich ist.

 

Ich will Euch hier einen Eindruck vom Hof vermitteln. Wie er gelegen ist, wie das Wohnhaus aussah, als wir ihn übernahmen, und wie es jetzt aussieht, und auch einige Fotos vom Acker. Inzwischen haben wir auch angefangen, einen Küchengarten direkt vorm Haus anzulegen, aber den hebe ich mir für einen anderen Beitrag auf.

 

Ich hoffe, Ihr habt Eure Freude an den Fotos.

Der ehemalige "Viehweg", durch den die Tiere direkt in die Scheune getrieben wurden Der ehemalige "Viehweg", durch den die Tiere direkt in die Scheune getrieben wurden
Das Wohnhaus zum Übernahmezeitpunkt Das Wohnhaus zum Übernahmezeitpunkt
Nach der Außenrenovierung- die noch nicht abgeschlossen ist Nach der Außenrenovierung- die noch nicht abgeschlossen ist
Der Acker im Juni. Im Hintergrund das Getreidemagazin Der Acker im Juni. Im Hintergrund das Getreidemagazin
Und im September, vom Dach des Getreidemagazines aus gesehen Und im September, vom Dach des Getreidemagazines aus gesehen
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So

27

Sep

2009

Unsere Schafe und ich

Ende August zogen sie bei uns ein, und seitdem blökt es auf dem Hof, wenn wir in Sicht kommen. Lisa war ganz fasziniert, begrüßte die Schafe überglücklich und tauschte Küßchen mit ihnen aus. Einem Lamm durfte sie sogar den Popo ablecken, wenn das keine wahre Freundschaft ist!

Nur eines konnte sie nicht verstehen: Stampften die Schafe drohend mit den Vorderbeinen auf die Erde, wollen sie nicht spielen, wie konnte das denn sein?!

Dann hatte sie eine unschöne Begegnung mit dem Stromband, das die Schafe vom Ausbüxen abhalten soll, quiekte laut auf und machte einen erschrockenen Satz. Seitdem geht sie nicht mehr in die Nähe des Zaunes, schade eigentlich.

Bamse hingegen hat aus dem elektrischen Schlag, den er versetzt bekommen hat, einen anderen Schluß gezogen: Er berührt das Band einfach nicht mehr, will lieber drunter durch kriechen. Auf diese Idee ist Lisa bisher noch nicht gekommen...

Im November schlachten wir drei Lämmer, werden dann also unsere eigene Wurst und unseren eigenen Schinken haben. Ich bin gespannt, ob ich es fertigbringe, mitzuhelfen. Denn ein Lamm zu schlachten ist doch etwas anderes als ein Huhn oder eine Ente.

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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