So
09
Okt
2011
Weißkopf kann seine verwandtschaftliche Verbindung mit Mokki Tokki nicht leugnen: Beide starben mit demselben Krawall. Und diese Krawallgene leben nun in nicht wenigen Küken weiter. Wwoofer- Anna hielt trotz des lautstarken Sterbens tapfer durch und assistierte Michael, als dieser unser Abendbrot vorbereitete. Einfach wird es nicht für sie gewesen sein: Beim ersten Mal Schlachten gleich eine solche Negativerfahrung… Jaja, der Vorführeffekt. Bei Jule der meterweit flatternde kopflose Torso, und hier das lautstarke Wehren gegen das Unvermeidliche. Eindeutig: Tokki war der Papi.
Weißkopf hat es in den letzten Wochen seines Lebens nicht leicht gehabt, denn der große weiße Hahn rächte sich unerbittlich für die vergangenen Monate des gnadenlosen Mobbings. Und nun war es Weißkopf, den es traf. Der keine Henne begleiten durfte. Der nicht mit den anderen gemeinsam picken durfte. Und der ständig verjagt wurde.
Jedenfalls gibt es in zwei Stunden Hühnchen zum Essen. Zwar ist an Weißkopf nicht viel dran, aber schmecken wird er uns trotzdem. Er wird neben der Roten Bete auf dem Feuer garen. Die werden Anna und ich nämlich heute noch einlegen, und dazu muß sie vorher weich gekocht und geschält werden. Mit etwas Glück sind wir vor dem Essen damit fertig.
Überhaupt ist Erntezeit, und Anna legt sich voll ins Zeug. Obwohl heute ihr freier Sonntag ist und es ziemlich kalt war, heute früh waren es minus fünf Grad, alles frostweiß überhaucht und ein Grad plus erst ab zehn Uhr, zog es sie, mit Hacke, Schere und Bindfaden bewaffnet, in den Garten. Begeistert erntete sie den leicht verfrosteten Blumenkohl, Rote Bete, Blattsellerie, Pfefferminze…
Eine ganze Schubkarre voll Kürbisse warten auf die Einlagerung bzw. Verarbeitung, und dieselbe Menge müssen wir morgen noch ernten. Wir haben vielleicht etwas lange damit gewartet, aber ich denke, die dicke Schale wird einiges an Kälte abgehalten haben. Der Mangold und der Kohl blieb von dem Frost völlig unberührt, allerdings ist es jetzt mit den Tomaten und Gurken im Gewächshaus vollends vorbei. Na, durch die Gewächshausleuchten haben wir noch soviel wie möglich zur Reife gebracht. Und schön sieht es abends auch noch aus, wenn das Gewächshaus erleuchtet ist.
Bilbo inspizierte erst einmal ganz genau, was Anna da so im Gewächshaus treibt. Inzwischen wagt er sich nämlich sogar ans Wohnhaus, er ist ja sehr hartnäckig, und letztens durfte er sogar gemeinsam mit einigen unserer Katzen aus einem Napf fressen.
Nicht, daß jetzt Waffenstillstand wäre, oh nein, aber knurrende Mägen lassen den kampfesmutigsten Stubentiger nur aufs Futter schielen, und nicht auf den Feind. In dem offenen Badfenster saß er schon, und zweimal ging er bereits im Haus spazieren, wobei er einmal auf Hupe traf, die ihm fauchend und knurrend begegnete. Aber er gibt ja nicht auf, und aus Frust greift er gern unseren Hemmel an, denjenigen, der sich vor seinem eigenen Schatten fürchtet und ständig versucht, ihm tunlichst aus dem Weg zu gehen. Erst heute überfiel er ihn wieder und verfolgte ihn bis unter das Haus. So haben alle unsere Katzen Kratzer und Wunden, und unsere Katzenomi sogar ein stark eingerissenes Ohr.
Und wie könnte es anders sein: Bilbo hat sich zumindest stundenweise bei Anna in der Schule einquartiert. Zwar geht er nachts auf Streifzüge, aber auf das weiche Bett verzichtet er dann doch nicht. Immerhin ist es seine Schule. Sein Hof, seine Schule, seine Wwoofer- und natürlich sein Schwedenzaun. Und da muß man natürlich gucken, ob der auch richtig gebaut und repariert wird. Die beste Aussicht hat man von oben, und deshalb:
Rückblick auf sonnigere Tage
Gestern Abend war Sternschnuppennacht. Der Kometenschweif sollte bis zu sechshundert Sternschnuppen pro Stunde hervorbringen, und da wir sowieso Lust auf ein Feuerchen hatten, war das ein guter Anlaß.
Die schön mit Steinen eingefaßte Feuerstelle haben wir Wwoofer- Hannah und Wwoofer- Milan zu verdanken, die an ihrem letzten Tag noch Steine rückten und buddelten.
Zwar gab es gestern kein Stockbrot, dafür aber Spiegelei auf Käsebrot, und getrommelt haben wir auch. Bamse fand das ziemlich aufregend, und als Michael die Handtrommel mit Schellen schüttelte, fiel er in den Reigen mit ein. Lisa hielt es nicht mehr in ihrer Höhle, und so durfte sie noch ein Weilchen bei uns draußen sein. Bis es dann am Waldrand zu spannend wurde, dort muß sich wohl das eine oder andere Wild aufgehalten haben, so daß wir sie ins Haus verfrachteten.
Am Feuer spürte man die Kälte nicht, und so wurde es ziemlich spät. Und als wir im Bett lagen, saß Anna noch am Feuer und genoß die Stille. Denn so ruhig ist es in Nürnberg dann doch nicht.
Cordula