Di

23

Aug

2011

Wwoofi müßte man sein...

Wäre man Wwoofi, hätte man es gut. Das bewiesen unsere drei Bayerinnen vorgestern Abend. Das Foto spricht für sich. Und sagt nicht, daß kein Neid bei Euch aufkommt!

Redlich verdient hatten sie sich das Bad, denn sie haben etwas getan, woran noch vor wenigen Tagen nicht zu denken gewesen war. Sophie und Luzie sind Vegetarier, und von daher müssen sie es nicht, aber die beiden und auch Michael und ich waren der Auffassung, wer Fleisch ißt, sollte auch mal schlachten, und so traf Julia dieses Los. Ganz widerstandslos ging das ganze nicht vonstatten, aber schließlich erklärte sie sich tapfer bereit, Michael beim Schlachten des großen dunklen Hahns zu assistieren. Als moralische Unterstützung waren auch Luzie und Sophie zugegen, wobei erstere hingegen nach dem ersten Axthieb und dem kräftigen Flattern der Hahnenflügel ins Haus flüchtete.

Ein bißchen doof war es ja gelaufen, der typische Vorführeffekt: Obwohl kopflos, flatterte das Vieh noch einige Meter, und für jemanden, der diesen Anblick zum ersten Mal sieht, ist es wirklich makaber. Nicht viele Hühner haben derart viel Energie, aber unser dunkler hatte wohl Störtebeker als Vorbild, und damit hatten wir nicht gerechnet.

 

Trotzdem waren sie sich hinterher einig, daß es schnell ging und der Hahn nicht leiden mußte. Und auf jeden Fall hatte unser Hahn einen angenehmeren Tod als die unzähligen Hühner, die anonym und maschinell in den Hühnerfarmen getötet werden und teilweise sogar noch lebend gebrüht werden.                                   

 

Eigentlich hätte Mokki Tokki dran glauben müssen. Ihr wißt schon, der hysterische, durchgeknallte Schwanzlose, das Sportmodell, das seine nicht vorhandene Größe wie ein kleiner Sizilianer mit Aggressionen wettmacht. Da an ihm jedoch nix dran ist und wir sowieso der Meinung waren, daß Tokki einen riesigen Rabatz schlagen würde, haben wir uns gegen ihn entschieden. Er erhielt nochmal eine Gnadenfrist. Das zweite Mal dem Hackeklotz entgangen! Aber mal ehrlich, wer zum ersten Mal beim Schlachten assistiert, sollte kein Trauma erleiden. Und dafür hätte Tokki sicherlich gesorgt. Es ging ja schon los, als Michael die Stalltür öffnete. Normalerweise bleiben Hühner ruhig auf der Stange sitzen, wenn man im Dunklen den Stall betritt, aber von Tokki sind wir ja sowieso anderes gewohnt. Und so legte er auch diesmal kreischend los, sobald sich die Tür nur einen Spalt breit geöffnet hatte. Ob er froh war, als Michael mit dem dunklen Hahn unterm Arm den Stall verließ? Na, der bedankte sich dann ja mit der Störtebeker- Nummer…

 

Vorgestern gab es also glücklichen Hahn zum Essen. Jedenfalls für Julia, Michael und mich. Die anderen begnügten sich mit Chili sin Carne und Salat. Ich hatte auch seit drei Monaten kein Fleisch mehr gegessen, und ich muß sagen, der Hahn schmeckte gut. Gestern gab es dann noch Hahnennudelsoße.

 

Als nächstes sind dann Tokki und Weißkopf dran. Weißkopf ist Tokkis Sohn, und er zeigt ähnliche größenwahnsinnige Tendenzen wie sein Papi. Wie überhaupt alle Schwanzlosen aus dieser Linie. Die Küken werden wohl in dieser Tradition verbleiben, denn auch hier haben wir einige Schwanzlose dabei.

 

Während ich hier sitze und schreibe, kann ich unseren Garten sehen. Von oben, denn ich arbeite im Büro, von dem aus ich einen herrlichen Blick auf Garten und Wiesen habe.

War der Küchengarten im Mai noch kahl und braun gewesen und die Beete nur von einer dicken Heuschicht bedeckt, so hat man jetzt Mühe, wenn man sich einen Weg auf den schmalen Wegen bahnen will. Der Regen der letzten zwei Wochen hat alles noch einmal explodieren lassen, und jetzt ist es höchste Zeit, zumindest das Blattgemüse zu verarbeiten. Und so haben wir eben noch Kohl geschnippelt und gedämpft, um ihn später einzufrieren. Den Raupen des Kohlweißlings gönne ich ihn nämlich nicht, es reicht, daß mir die Erdflöhe einen Großteil der Gemüse geklaut haben.

 

Da das Wetter es nicht zugelassen hatte, haben wir nicht viel im Garten erledigen können. Statt dessen ist es im Schulsaal voran gegangen, und unsere drei Bayerinnen haben geschliffen und Fenster gemalt, bis ihnen die Farbe ausging.

 

Waffelduft zieht zu mir hoch. Ist es jetzt das dritte oder gar das vierte Mal, daß wir Waffeln probebacken? Am Sonnabend nämlich verkaufen wir Biowaffeln und Biokaffee auf einem Herbstmarkt, und dafür müssen wir üben. Die Waffeln sollen milchfrei sein, Eier ließen sich aber leider nicht vermeiden, obwohl ein veganes Waffelrezept das Gegenteil behauptete. Backe ich für mich selbst Waffeln, ist es ja ok, wenn sie festkleben oder zerbröseln, aber wenn ich sie verkaufe, geht das natürlich nicht. Und so üben wir und üben und üben. Ich gehe fest davon aus, daß wir spätestens am Wochenende keine Waffeln mehr sehen können. Gut, daß Sophie, Luzie und Julia bereits Verkaufserfahrung haben; der Verkauf von Gemüse gehörte nämlich auf ihrem vorigen Wwoof- Hof zu ihren Aufgaben.

 

 

Ach ja, und dann ist jetzt endlich das Snåret- Schild fertig. Eine Seite des Wegweisers verdanken wir ja Lisa und Anne, und jetzt haben die drei Bayerinnen auch die andere Seite fertig gestellt. Wir präsentieren also ganz stolz unseren hofeigenen Wegweiser! Heute wurde er dann aufgesetzt.

 

Foto oben: Made by Anne und Lisa. Foto unten: Die fleißigen Schildmaler mit ihrem Werk.

v.l.n.r.: Julia, Sophie, Luzie v.l.n.r.: Julia, Sophie, Luzie

Habt Ihr eigentlich schon gesehen, daß die alte Schmiede und die Lehrerwohnung zur Vermietung freigegeben wurden? Nein? Dann wird es aber Zeit! Schaut links im Menü nach, dann könnt Ihr es nicht übersehen.

 

So, und für mich wird es jetzt auch Zeit, Waffeln zu probieren. Sonst essen mir Michael und die Mädels alles weg.

 

Cordula

 

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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