Fr
05
Aug
2011
Regenzeit ist Blogschreibezeit. Die letzten Tage, eigentlich seit Abreise unserer beiden Mädels, hatten wir bombastisches Wetter. Es war so warm, daß sogar ich mich in den See gewagt habe. Dort waren Michael und ich gestern am späten Nachmittag mit den Hunden. Ich glaube, der Horssjön ist der einzige See, in dem man schmutziger wieder raussteigt als man reingegangen ist. Der Lehm legt sich wirklich um jedes Härchen!
Heute jedoch regnet es, und das ist eigentlich auch gut so. Dennoch drückt das Wetter etwas auf mein Gemüt. Na, morgen soll es wieder besser werden.
Was haben wir die letzten zwei Wochen getrieben? Nun, als erstes haben wir versucht, uns an die Stille zu gewöhnen. Das hat zwei, drei Tage gedauert.
Sonnabend hatten wir ein Lagerfeuer, an dem wir gemütlich beisammen saßen und mit Bilbo kuschelten, der sich bei uns all das holte, was er die Tage davor nicht von den Mädels bekommen hatte- nach denen er immer noch täglich fragt. Unsere Katzen waren nicht sehr begeistert davon, daß Bilbo so einträchtig mit uns am Feuerchen saß und haben fauchend versucht, ihn zu vertreiben. Vergeblich. Bilbo ist ein sehr gerechter ehemaliger Kater: Er verteilte sein Kuschelbedürfnis an jeden von uns, und so durfte ihn jeder einmal auf dem Schoß haben und durchwalken.
Auch den Zaunbau hat Bilbo voll unter Kontrolle, und wie mir die fleißigen Zaunbauer Axel und Michael berichteten, dreht er täglich seine Runde ums Grundstück- auf dem Zaun.
Überhaupt Zaunbau: Heute wurde der Hofrekord vom letzten Jahr gebrochen. Da hatten nämlich Wwoofer- Katharina, Wwoofer- Manuel und Michael an einem Tag 63 Meter Zaun gesetzt. Heute jedoch zogen Axel und Michael 67 Meter Zaun!
Axel ist begeisterter Zaunbauer, der teilweise morgens vorm Frühstück die ersten Pfosten setzte und auch abends nach dem Abendbrot noch hin und wieder eine Sonderschicht einlegte. So wie gestern Abend, als er unbedingt die letzten Pfosten setzen wollte, um heute so richtig mit Michael durchziehen zu können. Und das haben die beiden dann ja auch getan- trotz Regen. Dennoch hat er sich dazu entschlossen, Sonntag frei zu nehmen, da er zum einen Montag früh um sechs Uhr zum nächsten Hof weiterradeln möchte, und zum anderen, da er unseren nächsten drei Wwooferinnen nicht alle gute Arbeit wegnehmen möchte. Die drei münchner Mädels sollen die Ehre haben, den letzten Ast am Zaun zu befestigen. Ist er nicht ein echter Kavalier?
Ja, Axel reist Montag früh ab. Und kehrt um den 24.08. herum auf dem Rückweg nach Dänemark für ein oder zwei Tage bei uns ein. Ich hoffe, für drei oder vier oder fünf. Denn dann haben wir ja die drei Münchnerinnen hier, frisch abituriert und voll motiviert. Und das wird sicherlich lustig.
Auch sonst ist in den letzten Tagen einiges passiert: Die letzten Gipsplatten sind im Schulsaal gesetzt worden und warten auf Spachtel. Die Südseite der Schule ist mit Rödfärg besprüht worden, dann ging leider die Sprühmaschine kaputt, und das Projekt Schulfassade malen ist fürs erste auf eis gelegt. Dafür hat sich Axel todesmutig aufs hohe Gerüst gewagt und das Fenster in der oberen Etage zweimal gemalt und auch begonnen, die Windscheiben zu malen. Der Anblick der neu bemalten Schule ist absolut faszinierend.
Im Hühnerstall tanzt der Bär. Wir haben jetzt einundzwanzig Küken, alles wuselt durcheinander, und wenn man den Stall betritt, muß man genau acht geben, wohin man tritt. Das eine und andere Küken gerät immer mal aus dem einen oder anderen Grund in Panik, und so haben wir immer ein Ohr in Richtung Hühnerstall, um im Notfall eingreifen zu können. Ein solcher trat ein, als ein zwei Tage altes Küken lauthals und verzweifelt nach Mami rief- die sich mit den anderen beiden Küken bereits im Stall befand. Hühnermama Cordula rückte an und rettete das kleine Wesen. Oder Panik, Panik, Panik. Es klang nach einem ganz jungen Küken. Und tatsächlich: Zwei Tage alt und schon festgeklemmt in der Spalte zwischen Rampe und Hühnerstallschwelle. Auch hier war Notrettung angesagt.
Gestern Abend, als ich die Tür zum Hühnerstall schloß, bot sich mir ein vergnügliches Bild: Ein größeres Küken schaukelte auf dem Kabel der Mückenlampe. Vor, zurück. Vor, zurück. Leider wurde es ihm dann wohl zu langweilig- oder zu gefährlich, denn als ich endlich den Fotoapparat geholt hatte, hatte es sich bereits zu seinen Geschwistern gesellt.
Hier noch ein Rätsel für Hühnerliebhaber. Dies ist ein Küken:
Wer dieser Hähne ist der Urheber desselben?
(Denkt nicht so makabre Dinge über uns! Dies ist zwar ein Hackeklotz, aber es ist definitiv keine Axt, die drauf liegt!)
Cordula