Sa

16

Jul

2011

Alle lieben Bilbo

Ende April tauchte er das erste Mal bei uns auf, der Bilbo, und bevor wir nicht seine Besitzerin ausfindig gemacht hatten, wußten wir seinen Namen nicht. Wir brachten ihn hinunter ins Dorf, sieben Kilometer entfernt, und setzten ihn, ganz nach Anweisung, vor seinem Haus auf die Straße. Es dauerte keine vierundzwanzig Stunden, da war er wieder bei uns. Muß sich wohl postwendend wieder auf den Weg gemacht haben. Wir brachten ihn wieder zurück, und diesmal behielt ihn die Besitzerin im Haus, bis der Kastrationstermin anstand, und auch danach noch eine gute Woche. Dann jedoch durchkämmte Bilbo wieder unsere Wiesen auf der Jagd nach Beute. Irgend etwas zieht ihn zu uns, aber da unsere Katzen ihn nicht leiden können, kann es an deren Charme nicht liegen. Nun gut, seine Eierchen sind ab, soll er doch bei uns wohnen.

 

Letzte Woche saß Urban bei uns am Kaffeetisch, der Bauer, der das Gras bei uns schlägt. Er ist Bilbos Nachbar im Dorf und hatte sich mit Bilbos Besitzer unterhalten, der sich grübelnd fragte, „was denn mit dem Kater“ sei, und wo er „sich wohl rumtreibt“. Da hat ihn wohl seine Ehefrau nicht über Bilbos Vorliebe für unseren Hof aufgeklärt…

 

Man muß ihn einfach mögen. Strax wandert er auf jeden zu, den er sieht, und wünscht ihm maunzend einen guten Morgen oder einen guten Tag oder einen schönen Abend. Streicht um die Beine und krallt sich in die Hosenbeine bei seinem Versuch, auf eine Augenhöhe mit uns Menschen zu gelangen. Zu oft wird er dann hochgehoben, wofür er sich dann mit Küßchen auf Hals und Kinn bedankt und gleichzeitig seinen jungen Dieselmotor hochfährt. Er begleitet uns auf unseren Wegen über den Hof, und ist er in Kuschellaune, wirft er sich direkt vor Hofbewohners Beinen auf den Rücken, um am Bauch gekrault zu werden. Man muß wirklich achtgeben, daß man nicht über ihn stolpert!

 

 

Verläßt man den Hof zum Spaziergang, folgen Bilbos Augen jeder Bewegung, und betritt man den Hof später wieder, kann man sicher sein, daß er lauert und alles genau registriert. Es ist sein Hof, und so inspiziert er ganz genau, was hier so vor sich geht. Ein Graben wird zur Schule ausgehoben? Da mußte er genau nachschauen, was es damit auf sich hatte, und nachdem er in den Graben gesprungen und die Arbeit beäugt hatte, begab er sich wieder auf einen seiner Streifzüge. Die Arbeit am Zaun wird genauso beguckt wie das Reparieren der Fenster an der Schule, und nicht nur einmal hatte ich ihn mit auf der Leiter, während ich das Kittmesser schwang. 

 

In der Schule geht er ein und aus, hat auf den Betten Probe gelegen und auch die noch nasse Farbe an der Schuldecke angesehen. Jeder neue Wwoofer und Gast wird begrüßt und ausgiebig beschnuppert, und zwar, bevor er die Erlaubnis zum Bleiben erhält, und alle sind von ihm vorbehaltlos eingenommen. Er ist der Schwarm aller Wwoofis, und so durfte er gestern beispielsweise beim Zaunbau auf Annes Rücken kraxeln und das Werk von oben betrachten.


 

Bilbo läßt sich von Anne verwöhnen Bilbo läßt sich von Anne verwöhnen

Denise war zwar am Boden zerstört gewesen, als er mit einem Eichhörnchenbaby in der Schnute zur aktuellen Baustelle kam und dem sowieso schon malträtierten Tierchen nicht gerade zartfühlend den Rest gab, bevor er es verspeiste. Der Schwanz des kleinen Dings wurde dann würdig bestattet. Ihrer Liebe zu Bilbo tat dieser Vorfall dennoch keinen Abbruch. Er weiß halt, wie er es anstellen muß, unser Charmeur.

 

Neuerdings traut er sich hin und wieder in den eingezäunten Bereich um Haus und Küchengarten. Natürlich nur, wenn von unseren Katzen weit und breit nichts zu sehen ist, denn sonst wird er gemeinschaftlich verprügelt. Gestern schalteten und walteten Daniel und seine vorgestern angereiste Freundin Birgit an der Elektrik an der großen Scheune, und er beschaute sich das Kabelgewirr ganz genau, bevor er sein Einverständnis gab. Und natürlich wurden zwischendurch immer wieder Kuschelrunden eingelegt, um neue Kräfte zu sammeln.

 

Wir haben ihn nicht gesucht, doch er hat uns gefunden. Und wir hoffen, daß er uns noch lange, lange erhalten bleibt. 

 

Für alle fitten Köpfchen hier noch eine Denksportaufgabe. Dieses ist ein Wimmelbild. Wo ist Bilbo?

 

 

Viel Spaß beim Rätselraten. 

 

Cordula

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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