Di

12

Jul

2011

Es geht voran

Bevor sie uns verließen, legten sich Denise und Peter noch richtig ins Zeug, damit das Erdkabel noch bis zur Schule verlegt werden konnte. Während ich mir in der Schmiede beim Malen der Decke weiße Farbe in Gesicht und Haare kleckste, arbeiteten sie sich gemeinsam mit Daniel die letzten Meter bis zur Schule vor. Zwei Spatenstiche tief war der Graben, der etwa siebzig Meter lang war, und die vielen kleinen und großen Steine, die seinen Verlauf markierten, zeugten von der harten Arbeit, die dahinter steckte. Auch ich hatte es eilig mit den Arbeiten in der Schmiede, denn Wwoofer- Axels Besuch rückte immer näher, und ihn wollten wir in der Schmiede nächtigen lassen, um den Schulsaal während der sicherlich anstehenden Regenperioden renovieren zu können. Die Lehrerwohnung würden Anne und Lisa, unsere berliner Mädels, beziehen.

 

An Daniel blieb die meiste Arbeit mit Zuschütten und anschließendem Harken hängen, und zudem arbeitete er weiter mit unserer maroden Hofelektrik. Nicht selten hörte man ihn fluchen. Ich vermute, er hält nur durch, weil er am Mittwoch seine Freundin zu einem zweiwöchigen Besuch am Flughafen abholt…

 

Donnerstag Abend jedenfalls schlemmten wir noch einmal ordentlich mit Blaubeerpfannkuchen, und zum Abschied bekamen wir selbstgemachte Pralinen geschenkt. Freitag früh brachte ich Denise und Peter beiden zum Bahnhof, von wo aus sie richtung Stockholm auf den nächsten Hof fuhren.

Der Sonnabend zog ins land, und pünktlich kurz vor vier stand ich am Bahnhof, um Anne und Lisa abzuholen, als ich eine sms von ihnen bekam: Der Bus hatte Verspätung. Bus? Ich stand am Zugbahnhof! Da hätten wir uns ja beinahe verpaßt!

 

Axel wollte am Sonntag eintreffen, er radelte ja zu uns hoch, aber irgendwie hatte ich im Gefühl, daß er bereits Sonnabend ankommen würde. Und tatsächlich: Wir saßen noch draußen, als sein Fahrrad vorfuhr. Jetzt hatte ich meine Wwoofis komplett!

Normalerweise haben sie sonntags frei, aber da sie erst Sonnabend angekommen waren und zudem die Erdbeerbeete nach Zupfen und Mulchen schrien, strich ich den freien Sonntag. Ausschlafen sollten sie, was die beiden Mädels auch leidlich ausnutzten (Habe ich früher auch bis halb zwölf im Bett gelegen?!?), und dann gingen wir zu fünft an die Beete. Und wie es voran ging!

 

Gestern und heute machten wir weiter, und allmählich sieht das ganze richtig gut aus! Und damit das so bleibt, habe ich Order an alle gegeben, mindestens zweimal pro Tag alle Beete abzugehen und alles zu zupfen, was hochkommt und nach nicht erwünschtem Bewuchs aussieht.

Der Zaunbau geht auch voran. Sowohl mit Denise und Peter als auch mit unseren jetzigen drei Wwoofern wurde er weitergebaut, und bald geht uns das Material aus, so daß wir nachkaufen müssen. Noch etwa dreihundertsiebzig Meter, dann sind wir ums gesamte Grundstück herum. Noch zwei Tore gebaut, dann ist es fertig, unser Dreijahresprojekt. Ich bin guter Dinge, was das angeht.

 

Cordula

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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