Sa

25

Jun

2011

Unser Mittsommer

Gestern wurde hier in Schweden das traditionelle Mittsommerfest begangen. In fast jedem Ort wurden Mittsommerstangen errichtet, und dann wurde getanzt und gefeiert. Wir hatten es eher klein und familiär: Die gesamte Nachbarschaft versammelte sich bei unseren schwedischen Nachbarn und feierte dort im kleinen Kreis.

 

Nachbarn- für schwedische Verhältnisse auf jeden Fall. Da gibt es unsere schwedischen Nachbarn Maria und Odd, die Luftlinie etwa achthundert Meter entfernt auf der höchsten ehemaligen Sanddüne wohnen. Mit Wald dazwischen, nur selten hört man ihre Motorsäge, da hören sie doch öfter unsere hähnischen Krawallmaschinen. Auf dieser Lichtung im Wald steht noch ein zweites Haus- das bisher Dänen gehörte und nun an andere Dänen verkauft wurde, die hier ihren Sommerurlaub verbringen. Noch weiter weg ist ein weiteres Ferienhaus, dort verbringen Deutsche ihren Sommer. Und dann gibt es noch uns. Wir waren also wirklich multinational gestern, und unsere schwedischen Nachbarn hatten sich zur Verstärkung noch Tochter, Schwiegersohn und Enkel geholt, um nicht ganz in der Unterzahl zu sein.

Karl, der deutsche Rentner, der sich noch vor einer Woche mit dem Holzspalter statt Holz den rechten Zeigefinger gespalten hatte und seitdem mit einem dicken Verband umherläuft, hatte vorgestern trotz Behinderung eine Mittsommerstange gebaut. Die schmückten wir gestern gemeinsam und richteten sie unter großem Jubel auf.

Fleisch wurde auf den Grill geworfen und danach im Partyzelt gut gespeist. Und was wurde nicht alles aufgetischt! Gudrun, Karls Frau, hatte extra für mich eine Portion vegetarischen Salat angerührt, und zudem gab es noch Kartoffelgratin, diverse andere Salate und frische schwedische Erdbeeren. Und Wein und Bier nicht zu vergessen! Die Dänen kamen später noch mit Kaffee und gutem deutschen Kognak an, aber dem habe ich mich enthalten. Mir hatten zwei Becher Wein bereits zur nötigen Entspannung und Bettschwere verholfen.

 

Die Knott, die sich zu gern an uns sattgefuttert hätten, mußten draußen bleiben J

Nachdem wir uns gegen zehn Uhr abends verabschiedet und auf den Heimweg begeben hatten, sammelten wir, eingehüllt in Schwärme von Knott, die dieses feuchte Wetter, das momentan herrscht, natürlich lieben, eine nicht unerhebliche Menge Schnecken vom Kohl. Hatte ich es doch richtig gedeutet: Die Löcher, die merkwürdigerweise überwiegend unter dem schützenden Vlies entstanden, waren keine Erdflohlöcher! Ich hoffe, wir haben noch rechtzeitig eingegriffen, so daß der Kohl noch wächst und irgendwann von uns gegessen werden kann.

 

Und zum Schluß noch ein kleiner Exkurs zur Mittsommerstange, die auch oft Maibaum genannt wird, was häufig zur Verwirrung beiträgt: Der Name Maibaum hat nichts mit dem Monat Mai zu tun. Wäre auch merkwürdig, da die Sonnenwende und das Mittsommerfest ja in den Juni fallen, und das schon seit jeher. Der Begriff Mai kommt von maien (herrje, hoffentlich habe ich das jetzt richtig geschrieben!), was soviel bedeutet wie „Heu schlagen“. Daher auch die deutschen Nachnamen Maier und Meier und Mayer und Meyer. Und das Heu wird zumindest hier in Schweden traditionell im Juni geschlagen. Daher also der Name Maibaum.

 

Cordula

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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