So

05

Jun

2011

Luxusbad

Manchmal sind Männer unglaublich. Keinen Augenblick darf man sie aus den Augen lassen, sonst machen sie nur Blödsinn! Große Buben sind sie, das haben meine beiden gestern mal wieder bewiesen.

 

Mir schwante ja bereits, was mir blühte, als sie die alte gußeiserne Badewanne aus der Tvättstuga wuchteten und richtung Schmiede schafften. Eine Stunde später bestätigte sich mein Verdacht: sie bauten an einem Draußenbad. Und zwar einem ganz exklusiven.

Große Steine wurden gestapelt, und die Badewanne dort eingebaut. Dann schrubbte Daniel das Ding, und eine Feuerstelle wurde unter ihr eingerichtet. Das schöne an Gußbadewannen ist, daß man ihnen eine Menge antun kann und sie trotzdem nicht kaputtgehen. Kunststoffbadewannenbesitzern empfehlen wir nicht, dasselbe mit ihrer modernen Badewanne zu tun.

 

Ein solches Luxusbad hatte sich Michael gewünscht, seitdem er es vor Jahren bei einem Freund gesehen hatte- der seine wertvolle gußeiserne Badewanne nach Fertigstellung seines Badezimmers unverständlicherweise wieder deinstalliert hatte.

 

Gut, Schafe sind ja nicht mehr da, um das Ding als Viehtränke auf eine Weide zu stellen, und zum Wegwerfen ist sie natürlich auch viel zu schade, aber mußten sie ausgerechnet jetzt…

Michael ließ Daniel den Vortritt. Er gab es ja nicht zu, aber er war ganz schön neidisch, daß Daniel den Vortritt eingeräumt bekommen hatte. Ich hingegen war nur ultra scharf drauf, ein schönes Foto zu schießen, entschied mich aber aufgrund der sowieso schon mangelnden Privatsphäre des Draußenbades, darauf zu verzichten. Ich tröstete mich mit dem Gedanken daran, daß Michael am Tag darauf als Fotoobjekt herhalten müßte. Dann jedoch kam Daniel mit seligem Lächeln und nur mit einem Badetuch bekleidet auf mich zugetrabt und drückte mir seine Kamera in die Hand. Ich durfte fotografieren!

Heute war Michael dann an der Reihe. Er schleppte etwa 10 Gießkannen, und dann wurde angefeuert. Nach einer Stunde waren 100 Liter Wasser auf 45 Grad erhitzt, und Michael setzte alles daran, mich dazu zu überreden, mit ihm in die Wanne zu steigen. Ich bin ja eher der Duschtyp, dem Baden kann ich nichts abgewinnen, aber zu einem Einweihungsbad ließ ich mich dann doch in das viel zu warme Wasser gleiten.

 

Der Ausblick war ja wirklich herrlich: Wir blickten genau auf unsere sonnige Wiese. Naja, ich blickte auf die sonnige Wiese- Michael saß mit dem Rücken zu ihr, trank aber glückselig von seinem kalten Bier. Ich hatte auf ein Glas Wein verzichtet, da es erst Nachmittag war und ich noch eine Menge zu tun hatte.

 

Ich hielt es nicht lange in der Wanne aus, im Gegensatz zu Michael, der genüßlich seine langen Beine ausstreckte und verträumt auf die Wiese schaute. Später verriet er mir, wovon er geträumt hatte: Von einem Bad im Schnee. Wenn ein halber Meter Schnee liegt und es 10 Grad minus sind, würde er gern im Schneetreiben in einer heißen Badewanne sitzen.

 

Na, in den nächsten Wochen werden erst einmal Wwoofis in der Wanne sitzen. Ihre verspannten und von der schweren Arbeit müden Muskeln entspannen. Und damit einen Luxus genießen, der nur wenigen Auserwählten zur Verfügung steht.

 

Cordula

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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