Fr
03
Jun
2011
Der erste Wwoofer ist da! Zwar schon seit mehr als zwei Wochen, aber bisher habe ich ihn ja nicht vorgestellt, Ihr wißt also noch gar nichts von ihm. Er heißt Daniel, ist vor einiger Zeit über mein Buch gestolpert, das ihm gefiel und hatte sich daraufhin bei uns gemeldet. Mitte Mai eröffnete er die diesjährige Wwoof- Saison- und ebenso die Campingsaison, denn er wohnt in eigenem Wohnwagen und ist somit unser erster Campinggast. Wir haben uns nämlich entschlossen, auf unserem Hof Platz für einige Wohnmobile und Wohnwagen zu schaffen für Menschen, die einen eher familiären und kleinen Campingplatz inmitten von Wald und Natur suchen. Im Menü findet Ihr mehr Informationen dazu.
Es gibt noch weitere Gäste auf unserem Hof: Beispielsweise ist Bilbo wieder da. Der rot-weiße Kater, der ins sieben Kilometer entfernte Dorf gehört, und den wir zweimal bereits wieder nach Hause gebracht hatten. Dann wurde er kastriert, was ihn aber nicht davon abhielt, schnurstracks wieder zu uns zu wandern- irgendwas gibt es hier wohl, das ihn anzieht. Und das können nicht unsere hübschen Katzen sein, denn ohne Eierchen dürften ihn die nicht mehr interessieren. Darüber hinaus wollen die ihn sowieso nicht hier haben, und hin und wieder werden wir Ohrenzeuge einer Keilerei zwischen einer von ihnen und Bilbo.
Und dann haben wir zwei Pärchen wilder Kanadagänse auf unserer Wiese. Mit lautem Geschrei fliegen sie an und landen. Oft wird lautstark diskutiert, welches Pärchen denn nun die älteren Rechte auf unsere Wiese habe, aber wie es scheint, können sie sich nicht recht einigen. Denn auch die Kraniche haben inzwischen entdeckt, wie schön es sich bei uns grasen läßt, so daß sich die Gänsediskussionen um die Wiese erübrigen. Vor einigen Tagen hatten wir sechs laut singende Kraniche auf der Wiese! Und das bei dem Echo auf unserem Grundstück, es ist faszinierend! Oft hören wir Gänse oder Kraniche auch morgens vor dem Aufstehen, denn hier wird es um drei, halb vier hell, und Federvieh scheint Frühaufsteher zu sein.
Ja, es ist Leben auf dem Hof, das läßt sich nicht bestreiten.
Seit drei Tagen ist es endlich auch wärmer geworden. Seit dem letzten Temperatursturz war es ja richtig kalt, aber das scheint nun auch endlich hinter uns zu liegen. Gartenwetter! Fast ist es zu warm zum Arbeiten, aber mit ausreichend Pausen und Flüssigkeit läßt es sich dann doch aushalten. Michael und Daniel haben begonnen, den Windschutzzaun zu verlängern, und Daniel hat mir heute ein Gartentürchen eingebaut. Und nicht nur das: Damit man genau weiß, ob man nun ziehen oder drücken soll, ließ er seiner Kreativität freien Lauf:
Für all diejenigen, den des Schwedischen nicht mächtig sind, gibt es einen Hinweis auf Englisch. Denn die meisten Wwoofis, die uns besuchen werden, können kein Schwedisch, müssen aber auch wissen, wie sich die Pforte öffnen läßt...
Überhaupt verändert sich der Küchengarten. Jetzt, wo tatkräftige Hilfe da ist, geht es auch im Garten voran. Zwar legen die beiden Männer momentan Priorität auf die Renovierung der Schule, schließlich ziehen Ende Juni die nächsten Wwoofer ein, aber bei so schönem Wetter lassen sie sich doch nicht lange bitten, wenn es um etwas Hilfe in Garten geht.
Und dann muß ich Euch noch von den Plumpsklo- Eiern erzählen! Michael hatte sich mehrfach beschwert, daß es unter ihm laut gackern würde, wenn er morgens auf dem Donnerbalken sitzt. Dazu muß ich erklären, daß man auf dem Weg zum Thron einige Stufen hinaufsteigen muß. Viel Platz für unsere Hinterlassenschaften ist also vorhanden. Und in diesem Hohlraum jedenfalls gackerte es. Eines Morgens thronte Michael mal wieder, als ein aufgescheuchtes Huhn unter einer Treppenstufe auftauchte und laut gackernd floh. Er nahm die Stufe genauer in Augenschein und stellte fest, daß sie eine Öffnung hatte, die gerade groß genug war für ein Huhn. Als er mir dies berichtete, bewaffnete ich mich mit einem Spiegel, um einen Blick hinter die Stufen werfen zu können. Und entdeckte: Ein Nest. Mit sechs Eiern. Plumpsklo- Eier nicht weit entfernt von dem werdenden Düngehaufen, an dem wir täglich bauen. Nun wurde uns auch klar, warum wir zu wenige Eier im Stall fanden. Waren es Mitte Mai noch acht bis neun Eier täglich, so benötigten unsere Hühnchen für dieselbe Menge jetzt zwei Tage. Aber vielleicht bereitete eine Henne auch einfach nur eine Kinderstube vor? Wir warteten etwas ab. Als die Menge der Eier jedoch auf dreizehn gestiegen war und von einer brütenden Henne weit und breit nichts zu sehen war, nagelten wir das Loch in der Stufe zu.
Leider, leider haben wie trotzdem nur vier bis fünf Eier pro Tag im Stall. Und das bei zehn Hennen. Irgendwo draußen im Dickicht befindet sich also noch ein Nest. Ich habe schon diverse Male Ostern gespielt, bin aber nicht fündig geworden. So geht das aber nicht weiter, denn unsere Nachbarn kaufen ihre Eier bei uns, und als sie vorgestern vierundzwanzig Stück kaufen wollten, konnten wir nur acht Stück liefern. So etwas geht nicht! Wir haben bereits ein ernsthaftes Wörtchen mit unseren Hennen geredet, ohne Erfolg. Ich werde mich morgen früh also wohl an die Fersen der Hühner heften und sehen, ob ich irgendwo ein Nest finde. Denn einsperren will ich sie nicht. Bei Demeter wird es ja so gehandhabt, das hatte uns Wwoofer- Lilith berichtet, die auf einem schwedischen Demeterhof gewwooft hatte: Die Hühner werden erst um zwei Uhr aus dem Stall gelassen. Tja, bisher hatten wir das nicht nötig, aber die Hühnerfarmbetreiber werden schon wissen, warum sie es so machen…
Cordula