Do
05
Mai
2011
Nachdem vor zwei Wochen der meteorologische Sommer verkündet worden war, da die Tagesmitteltemperaturen über einen gewissen Zeitraum einen festgelegten Wert überstiegen hatten, und nachdem Erika, bei der ich die Reitbeteiligung innehabe, Ostern bereits baden gewesen war (sie sagt, es sei kalt gewesen, teilweise habe noch Eis auf dem See gelegen, ihre mit dieser Mutprobe zusammenhängende Wette habe sie aber trotzdem verloren) und wir uns bereits einen Sonnenbrand im Gesicht geholt hatten, schlug das Wetter am Sonnabend radikal um. Ich hatte ob der Hitze gerade meine kurzen Hosen angezogen und bereitete eine groß angelegte Anzuchtaktion im Garten vor, als sich der Himmel zuzog. Nichts desto trotz legte ich einige Stunden lang Samen über Samen in die Erde, flüchtete dann jedoch vor starkem, kalten Wind ins Haus. Es wurde immer kälter, und als absehbar war, daß es Nachtfröste geben würde, kramten wir unsere Marschalls heraus und plazierten sie im Gewächshaus, um die dortigen Tomatenpflänzchen zu schützen. Über dem Hochbeet, in das Michael bereits einige Zucchinipflanzen gesetzt hatte, befand sich eine Folienhaube, auf die wir große Hoffnungen setzten.
Der nächste Morgen enthüllte frostkalte Luft. Minus sechs Grad waren es geworden, und die Zucchinis hatten es nicht überlebt. Es war kalt, und als sich abends wieder Frost ankündigte, packte Michael den nächsten Marschall ins Gewächshaus, diesmal unterstützt von vielen Teelichtern. Jede Tomatenpflanze bekam zwei zugeteilt, so daß eine richtig romantische Atmosphäre herrschte…
Gestern früh dann war die Welt weiß geworden. Fünf Zentimeter Neuschnee, wir trauten unseren Augen kaum. Und kalt war es. So kalt, daß ich einen Bürotag einlegte und Michael sich ins Auto setzte, um einen kleineren Auftrag mit Innenrenovierung zu erledigen- leider mit Übernachtung, so daß ich allein zurück blieb.
Es schneite und es hagelte. Dann taute der Schnee weg. Es schneite wieder. Graupelte. Man fühlte sich wie im Winter. Neuschnee Anfang Mai, das haben wir hier noch nicht erlebt! Genauso wenig, wie wir es hier erlebt haben, daß Ende April alles grün ist; drei Wochen früher als sonst- aber nun gut, der Winter ist zurück, soviel zu einer frühen Gartensaison.
Zwei neue Hofbewohner haben wir. Einen holten wir, der andere lief uns zu.
Vorgestern, ich kam gerade mit den Hunden von der Wiese, wurde ich leise angemaunzt. Von einem wunderschönen, hellrot- weiß gezeichneten Kater, der gleich auf mich zulief und mit mir kuschelte. Leider ist er unkastriert, so daß ich unsere drei Miezen ganz genau im Auge behalte, bis die Herkunft des Tigers geklärt ist und er wieder nach Hause reisen kann. Dazu habe ich Aushänge vorbereitet, bin allerdings eher skeptisch, was ihren Erfolg betrifft.
Und außerdem zog ein großer, weißer Hahn bei uns ein. Klarasson, unser Haupthahn, war im Winter gestorben, und Tokki, der kleine hysterische Schläger, der ihn vertrat und seine die Nachfolge angetreten hat, verfügt unserer Auffassung nach nicht über die Führungsqualitäten, die wir bei unserem Haupthahn gern sehen würden. Einen großen, orangefarbenen Brahmahahn, wie ich ihn gern hätte, haben wir nicht bekommen, so daß wir auf einen von der Schlachtung bedrohten weißen Mischlingshahn zurückgriffen, der am Sonnabend bei uns einzog. Er ist größer als unsere Hähne, hat aber Probleme, sich einzugewöhnen. Was auch absehbar war. Nach den ersten Schlägereien mit unseren Zwergen lief er einsam auf dem Hof umher, fand jedoch abends problemlos in den Stall und auf die Stange zurück. Und heute früh sah ich ihn dann in Begleitung einer jungen Brahmahenne das Dickicht durchforsten. Das gibt Anlaß zur Hoffnung.
Cordula