Sa
26
Feb
2011
Es ist ja irgendwie schon irre- während wir in Portugal im Februar bei (für uns) sommerlichen Temperaturen gebraten werden, melden uns Nachbars von zu Hause Temperaturen von -24 Grad. Das sind etwa 50 Grad Temperaturunterschied zwischen Schweden und Portugal! Und während Freunde in Schweden über eingefrorene Wasserleitungen meckern, klagen wir darüber, das bei unserem Schrammelwohnwagen der Kühlschrank nicht funktioniert.
Zu Hause ein Meter Schnee - hier Badesport in Atlantik und Stauseen, blühende Osterglocken und überhaupt duftet hier alles nach Frühling. Es wird uns wie ein Schlag treffen, wenn wir in einigen Wochen wieder in Schweden sind. Ich hab mit Cordula gewettet das der See bei uns um die Ecke Anfang April überwiegend offen ist, sie hält dagegen und ich hoffe sie gewinnt nicht.
Für uns geht es jetzt jedenfalls schon mal ganz, ganz sachte auf den Heimweg. Vor ein paar Tagen haben wir uns von Bas verabschiedet, der wieder ein paar nette Holzschalen geschnitzt hatte. Zum Abschied bekam ich noch eine schöne Arbeit von ihm. Und nun sind wir nordwärts unterwegs um Freunde in der Nähe von Coimbra zu besuchen. Wir hatten auf dem Weg dorthin noch einen schönen Platz an der Küste gefunden mit herrlichen Felsformationen und atemberaubender Aussicht. Weil es so heiß war und wir mit den Hunden nicht bei der drückenden Hitze fahren wollten, gammelten wir einfach noch etwas rum um am späten Nachmittag weiterzufahren.
Auf der Karte hatten wir uns schon schlau gemacht, wir wollten an einem Stausee übernachten. Natürlich war es schon dunkel als wir in die Gegend kamen und eierten auf superschmalen Landstraßen fast 30 Kilometer lang Serpentinen hoch und runter bis wir endlich an einen Platz kamen den wir dann entnervt auswählten. Als wir ausstiegen, merkten wir das der Platz direkt neben einer Autobahn lag und es war bei der Geräuschkulisse kein angenehmes Schlafen. Aber manchmal spielt das Schicksal eben seine Streiche.
Schön ist Portugals Norden, wesentlich schöner als der Süden. Die Vegetation ist abwechslungsreicher und viel interessanter als die Oliven und Korkeichenplantagen des Südens.
Viele schöne Plätze haben wir gesehen, die Hunde freuen sich auf die Abkühlungen in den Stauseen und der erwachende Frühling ist eine Wohltat für die Seele. Das schönste war zweifelsohne ein kleiner Stausee dessen Namen wir hier nicht verraten, weil er so einsam bleiben soll. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Kirche vorbei, auf der zwei riesige Lautsprecher aufgebaut waren. Ich machte natürlich wieder ein paar doofe Sprüche etwa in der Art: „Wenn ich hier wohnen würde und müßte mir in 5 Kilometern Entfernung Predigten anhören, dann...“
Am Stausee angekommen umfasste uns eine Stille wie wir sie sonst nur von zu Hause kennen. Ein Entenpärchen flog verschreckt auf aber ansonsten Stille. Und dann hörten wir wie der Kantor ein Stück auf der Orgel spielte und es klang so majästetisch und schön, das wir begriffen, warum sie die Lautsprecher an der Kirche angebracht hatten. Das Echo trug die Melodie kilometerweit. So etwas gibt es wohl nur in den Bergen.
Michael von Dolsperg