Do
17
Feb
2011
Wir sind wieder am Atlantik. Das Wetter zeigt sich momentan nicht von seiner besten Seite – Regengüsse, Sturm und Sonne – alles dabei. Zu allem Übel bekam ich Zahnschmerzen. Glück im Unglück war, daß wir im Internet einige deutsche Zahnärzte an der Algarve fanden. Und so kam es, daß wir, die immer einen Bogen um Touristengebiete gemacht haben, uns diese „Attraktion“ mal anschauen konnten.
Zugebaute Küsten und völlig überlaufen. Wie kann man hier nur Urlaub machen wollen? Alles nur auf Touris ausgelegt, Speisekarten auf deutsch und englisch, deutsches Fachärztezentrum mit allen Spezialisten, deutsche Zahnärzte, Heilpraktiker, deutsche Metzger und Bäcker.
Klar, das Klima lockt. Warum kalte Winter in der Heimat erleben, wenn man bei 15 -20 Grad im Biergarten sitzen kann und seine Bildzeitung am Kiosk nebenan bekommt. Laut ADAC zählen zu den 450 000 Einwohnern der Algarve mittlerweile über 20 000 Deutsche und 40 000 Briten die dort ihren Lebensabend verbringen, nicht hinzugerechnet Holländer, Skandinavier etc.
Das merkt man natürlich und auf eine gewisse Art und Weise ist es auch wie eine große Aussteigercommunity mit eigener Infrastruktur. Schließlich wollte ich ja auch einen Zahnarzt der deutsch sprach und den bekam ich hier. Er war in meinem Alter, war vorher in Brasilien tätig und dann hat es ihn nach Portugal verschlagen. Meine Zahnschmerzen sind jetzt weg und wir sind auch froh, wieder in weniger touristisch erschlossenen Gefilden zu sein.
Vorgestern gingen wir zu „unserer“ Bucht um dort mit den Hunden zu spielen. Dabei trafen wir auf Bas, einen Engländer. Das er auch etwas schräg drauf sein mußte, sahen wir schon an seinem Auto aus dessem Dach ein Schornstein rausragte.
Cordula und Bas
Bei der „Besichtigung“ des Lastwagens kam mir wieder das Sprichwort in den Sinn: „Arm ist nicht der, der viel besitzt, sondern der, der viel benötigt.“ Bas hatte sein Bett darin das er etwas höher gebaut hatte, so das seine beiden Hunde unter dem Bett ihren Platz hatten. Der Rest war vollgestopft mit Holz und seinen Kunstwerken. Etwa 10 Blumentöpfe hatte er mit, nicht etwa mit Haschischpflanzen wie man es vielleicht bei seinem Anblick vermuten würde, sondern mit Rosmarin und anderen Gewürzen für die Küche.
Bas bei der Arbeit
Bas erzählte uns während er an einem Stück Treibholz herumschnitzte, daß er schon seit 15 Jahren in seinem LKW lebt und seit 40 Jahren auf Reisen ist. Wie geschickt er mit Holz umgehen konnte, begriff ich spätestens, als er mir einige seiner Kunstwerke zeigte. Ich hätte niemals Geduld für so etwas - als Mann für grobe Holzarbeiten wie Dachlatten auswechseln oder Fassadenerneuerungen käme es mir nie in den Sinn Tage für Holzschalen oder Skulpturen zu opfern.
Ich fragte Bas wieviel Zeit er braucht im Durchschnitt. Er sagte mir das es ihm egal sei, schließlich hätte er Zeit im Überfluß.
Ein guter Platz zum Arbeiten
Er verkaufte mir eine Schale aus dem Wurzelholz eines Olivenbaumes, die ich zwar nicht brauche, aber trotzdem gerne gekauft habe, um solch eine individualistische Lebensweise zu unterstützen. Denn auch wenn ich selbst ein solches Leben nicht führen wollen würde, so ist es doch immer wieder prima, auf Menschen zu treffen, welche die materiellen Lebensstrukturen der heutigen Zeit durch ihre eigene Lebensweise in Frage stellen.
Eine kleine Auswahl von Bas Kunstwerken
Michael von Dolsperg