Sa
29
Jan
2011
Vor über einer Woche holte uns die Kälte ein. Wer hätte gedacht, daß es in Portugal an der Küste derart kalt werden würde? Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nachts, und auch tagsüber gerade mal im zweistelligen Bereich, dazu starker Wind und Regen. Beinahe hätte ich meinen Wintermantel wieder herausgeholt.
Zwei Tage lang sahen wir uns die Kälte an, aber da wir in Porto Covo nur wegen unserer schönen, verschwiegenen Bucht waren, war dies ein Grund zum verführten Aufbruch. Das Wetter und das merkwürdige Verhalten der Campingplatzangestellten, die nicht recht glauben konnten, daß wir nur alle vier oder fünf Tage Strom für unsere Batterien brauchten.
Zuvor aber besuchten wir noch eine bereits vor achtzehn Jahren nach Porto Covo ausgewanderte Deutsche, die wir einige Tage zuvor im Restaurant kennengelernt hatten. Ihr Freund oder Mann oder Exfreund, ganz schlau wurden wir nicht draus, wohnte überwiegend in England, besuchte sie aber wohl oft, und der gemeinsame Sohn wohnte und arbeitete in Norwegen. Eine wirklich globale Familie!
Normalweise legen die Portugiesen keinen Wert auf Gartengestaltung, und statt Blumen ziehen sie Gemüse an, bei Nannis Haus und Garten jedoch sah man den deutschen Einfluß, und wir wurden beide von etwas Neid erfaßt, als wir ihren Garten sahen.
Interessanterweise ist Nanni nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen; sie erhält Strom durch Solarzellen (in Portugal auch im Winter kein Problem), und wenn es doch einmal bewölkt ist und sie Wäsche waschen möchte, wirft sie den Stromgenerator an.
Wir begaben uns auf den Weg in ein Naturschutzgebiet an der portugiesisch- spanischen Grenze und übernachteten bei einem Schweizer, der zwanzig Jahre in Asien gearbeitet und sich vor zwei Jahren ein Grundstück in Zentralportugal gekauft hatte. Auf dem Grundstück befindet sich eine Kirchenruine aus dem sechzehnten oder siebzehnten Jahrhundert, und nun befindet sich im vorgeschriebenen Abstand von fünfzig Metern (ja, die Portugiesen nehmen die Bauvorschriften sehr ernst, wie wir bereits von Nanni erfahren hatten) sein Bunker. Und ein Bunker ist es wirklich, er bezeichnet sein Haus selber so. Uns gefiel es nicht, wir sind Holzhausfans, aber Geschmäcker sind nun mal verschieden, und das ist auch gut so.
Lisa hatte natürlich nichts besseres zu tun, als Theo und seiner Frau ständig Stöckchen vor die Füße zu legen, die diese bitte werfen sollten, und wie so viele, konnten auch diese ihrem Charme nicht widerstehen. Und dann geschah es: Theo warf ein Stöckchen, Lisa setzte hinterher. Ich hörte Theo noch sagen: „Nein, nicht dahin!“- und dann verschwand Lisa bereits in der Erde. Wurde sozusagen von ihr verschluckt.
Sie war in einen alten Brunnen gefallen, der glücklicherweise nicht tief war, und so zogen wir eine triefnasse Lisa gemeinsam aus dem Wasserloch. Sobald sie festen Boden unter den Füßen verspürte, suchte sie das Stöckchen, das hinter dem Brunnen im Gras lag. Alles andere war unwichtig, das Stöckchen mußte gefunden werden! Ich darf nicht daran denken, was alles hätte passieren können, aber Lisa ist einfach nur blind, wenn es um Tannenzapfen oder Stöckchen geht. Da rennt sie dann gegen Brenntonnen (den dunklen Fleck auf der Stirn trug sie fast zwei Wochen spazieren), Schubkarren oder auch schon einmal gegen ihr Frauchen, das dann mit dem Hosenboden den Boden küßt.
Seit vier Tagen stehen wir mit unserem Wohnwagen auf einem kleinen familiären Campingplatz mit angeschlossener Biofarm im Naturpark Serra do Sao Mamede, der über unheimlich viele Dolmen nicht nur im portugiesischen Teil des Gebirges verfügt. Der Blick auf eine Übersichtskarte ließ mich die Augen ungläubig aufreißen. Leider konnten wir die Karte nicht mitnehmen, begaben uns jedoch trotz allem auf die Suche nach diesen Hinterlassenschaften einer längst vergangenen Megalithkultur.
Aufgrund mangelnder Informationen und Wegbeschreibungen seitens des portugiesischen Touristenbüros (das waren die zwei netten Damen mit dem kopierten Stadtplan. Die uns übrigens auf meine direkte Frage einen kleinen Wisch auf portugiesisch in die Hand drückten, auf dem der Weg zu zwei Dolmen in der näheren Umgebung beschrieben wurde. Mehr Informationsmaterial besaßen sie nicht) unternahmen wir einen Ausflug in den spanischen Teil des Gebirges.
Der erste Dolmen, den wir besuchten, war Melizzo, und er war auch mit Abstand der schönste und am besten erhalten von allen, die wir danach noch aufsuchten.
Weitere Ausflüge werden folgen, genauso wie ein Besuch auf der Biofarm eines Deutschen, der seine Kinder zuhause unterrichtet. Jedenfalls hoffen wir, daß wir ihn besuchen können, denn unsere letzte Information ist, daß er eventuell erst im Februar nach Portugal zurückkehrt, und dann sind wir hoffentlich wieder am Strand. An meinem heißgeliebten Atlantik. Den ich bereits jetzt vermisse. Aber wer hat schon Lust, bei acht bis zehn Grad und Regen mit starkem Wind am Strand zu liegen? Außer Lisa natürlich, für die gehen Meer und Wellen und Sand mit Stöckchengewerfe fast über alles…
Cordula