Mi
22
Dez
2010
Falls ich noch nicht erwähnt habe, daß ich Banken hasse, dann hole ich das hier mal nach. Wir wollten uns vorgestern unsere bestellten Teuros abholen, doch schon um 14 Uhr war die Bank verriegelt. Öffnungszeiten Mo.– Fr. von 10 bis 13 Uhr! Nachdem ich mit meinem Finger leicht irritiert in den Klingel betätigte, um die Schlafmützen aufzuwecken, erschien dann auch ein geschniegeltes und gebügeltes Männchen, um mir zu erklären, daß wir 50 Kilometer umsonst gefahren sind und morgen zur normalen Öffnungszeit wiederkommen sollen.
Am nächsten Tag ging es früh aus dem Bett. Wir hatten Vollmond, und die anstehende Mondfinsternis wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zu sehen bekamen wir leider nichts.
Dann wieder zur Bank. Auf dem Weg dorthin wurden wir fast von einem großen Frachtflugzeug „gerammt“ (kein Scherz), das so tief flog, daß wir glaubten, jeden Moment knallt es. Es knallte aber nicht, scheinbar ist es normal, daß die Dinger jetzt in 50 Meter Höhe fliegen.
Am Bankschalter erklärte uns die Sachbearbeiterin, daß keine Teuros für uns da sein würden. Der gellende Schrei Cordulas, der daraufhin durch die Bank fegte, ließ sie noch mal nachschauen, und schließlich entdeckten ihre Augen das Kuvert mit den Teuros. Nach etwa fünf Versuchen, ein paar Geldscheine zu zählen, blickte sie ganz glücklich und offensichtlich stolz darauf, es geschafft zu haben, im sechsten Versuch zehn Fünfzigeuroscheine so zu zählen, daß es auch 500 Teuros wurden.
Unsere letzten zwei Hähne landeten danach im Kochtopf. Jetzt sind wir hühnerfrei, und es ist schon ein komisches Gefühl, wenn es morgens nicht kräht.
Die Sonnenwende war die kälteste, die wir bisher erlebt haben. Schon am Nachmittag sanken die Temperaturen am schlecht isolierten Fenster bereits auf minus 25 Grad, und dann fror wieder eine Wasserleitung ein.
Abends am Feuer war es dann noch kälter, an minus 30 fehlte wirklich nicht mehr viel, aber da sowohl das Feuer als auch der Met wärmte, saßen wir dort – zum ersten Mal seit langem allein – und schickten unsere Wünsche und Feuersprüche mit den fliegenden Funken zu den Ahnen und Göttern in den klaren Sternenhimmel.
Und nun ist sie wieder vorbei, die Wintersonnenwende, und ab nun sollen die Tage wieder länger werden. Während die erkaltenden Reste des Sonnenwendfeuers den Rauch in den frostigen Morgenhimmel entlassen, heißt es für uns, die letzten Sachen zusammenzupacken, bevor wir dem Frühling entgegenreisen werden. Jetzt noch Weihnachten mit der Familie, und dann fahren wir mit unserem schrammeligen 30 Jahre alten 650 Teuro Wohnwagen in südlichere Gefilde und schauen mal, auf wen oder was wir dort treffen werden. Der erste Urlaub seit 9 Jahren- ich glaube, wir haben ihn uns verdient nach all den Jahren der Schufterei.