Sa

18

Dez

2010

Sieben...sechs...fünf...

Korrektur: Nina ist nicht Norwegerin. Sie ist Schwedin, arbeitet in Oslo und benutzt eine norwegische Tastatur, wenn sie den Rechner benutzt. Daher mein Irrtum. Sie kam gestern nicht vorbei, das Wetter ließ es nicht zu, aber morgen frühstücken wir zusammen. Bin gespannt, ob wir uns verstehen.

 

Die Hühner sind auf dem Weg in die Hühnerpension. Hilfe, was das ein Theater gewesen, sie in die Kartons zu stecken! Um drei Uhr hatten wir das Licht im Stall gelöscht und die Tür geschlossen. Um vier Uhr saßen sie dann ganz brav auf der Stange, bis auf ein paar Junghühner, die in der Rangordnung wohl so weit unten stehen, daß sie nicht auf die Stangen dürfen. Denn Platz genug wäre ja. Wir hatten drei große Kartons, die wir mit Luftlöchern versehen hatten. Die Taschenlampe hängten wir in einen Winkel des Stalles, ich stand am Karton, den ich öffnen und schließen sollte, und Michael hob das erste Hühnchen von der Stange. Tokki hatte natürlich längst angefangen, Panik zu veranstalten und brachte Chaos in die Ruhe, so daß er einer der ersten war, der im Karton landete. Die Theorie und auch unsere früheren Erfahrungen besagten nämlich, daß Hühner still sind, wenn es dunkel ist. Und im Karton war es dunkel. Tokki jedoch wußte anscheinend nichts von dieser Benimmregel, er krakeelte weiter und stellte sich an, als ob er geschlachtet werden sollte. Als ob wir unseren Tokki aufessen würden!

 

Im Endeffekt benötigten wir vier Kartons für die Hühner, und zwei Junghähne blieben zurück, sie müssen morgen über die Klinge springen. Es sind hübsche Junghähne, aber das Los hat entschieden. Oder besser gesagt: die Dunkelheit. Denn Michael konnte nicht sehen, wen er einpackt, und leider hat der dunkle Junghahn das lange Streichholz gezogen, dabei war der meiner Favorit für den Bräter.

 

Es gibt also nochmal Hühnchen. Danach bleiben wir hühnchenabstinent bis zum Frühjahr. Und auch Eier werde ich vorerst nicht mehr essen. Die fünf, die ich heute aus dem Stall geholt habe, werden verschenkt. Nächstes Jahr können wir dann Eier verkaufen. Aber natürlich nicht alle, einige müssen auf Vorrat im Kühlschrank bleiben, damit wir sie den brütenden Hennen unterschieben können. Und auch Enteneier schieben wir nächstes Jahr unter. Wenn die Hühner aus der Pension abgeholt werden, bringen wir gleich Bruteier mit, denn ich wette, daß es nicht lange dauert, bis die erste Henne brütet.

 

Jedenfalls leert sich der Hof allmählich. Die Katzen bleiben bis zum Schluß, die Katzenpension liegt auf unserer Strecke. Ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht, wie lange ein Katzengedächtnis reicht, hoffe doch, daß sie sich hinterher noch an uns erinnern?!

 

Eine Vogelfutterstelle müssen wir noch bauen. Irgend etwas überdachtes, unter das wir fünfzig Kilo Sonnenblumenkerne schütten, damit unsere Vögel, allen voran Meisen, nicht hungern. Schließlich sollen sie nächstes Jahr fleißig Mücken und Knott fangen und viele Eier legen, um die nächste Generation Mückenfänger auf die Welt zu bringen!

 

Der Dachs scheint übrigens ausgezogen zu sein. Hat es mir wohl übel genommen, daß ich im den reich gedeckten Tisch entzogen habe. Bamse schlägt nachts nicht mehr an, und Spuren konnten wir im Schnee auch nicht entdecken. Das ist sehr gut.

 

Was wir allerdings heute früh gesehen haben, das waren Wolfsspuren. Die Einfahrt hinunter bis zur Schranke, an der unser Grundstück und Bamses Revier beginnt. Dort wendete der Wolf und trottete richtung Nachbars. Lisa und Bamse waren sehr interessiert an den Spuren, die uns ein gutes Stück auf unserem Spaziergang begleiteten.

 

Übrigens sollen hier wieder Wölfe gejagt werden, vom Mitte Januar bis Mitte Februar. Diesmal „nur“ zwanzig Stück. Und mindestens die gleiche Anzahl illegal, klar. Welcher Jäger will nicht die Gelegenheit wahrnehmen, dem erklärten Feind den Garaus zu machen? Es werden sowieso ständig Wölfe schwarz geschossen. Im Winter sieht man ihre Spuren ja sehr gut, und es macht so einen Spaß, mit dem Schneescooter hinter ihnen herzujagen, um sie schließlich zu erschießen. Wenn der Wolf Glück hat, denn bei der letzten Wolfsjagd wurde es offiziell: Die Jäger können ihre Schießeisen nicht hantieren, es wurden mehrere Wölfe angeschossen und verendeten qualvoll bei eisigen minus fünfundzwanzig Grad und starkem Wind. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, es macht mich so böse! 

 

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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