Fr
03
Dez
2010
Der Winter nervt, obwohl er kaum begonnen hat. Seit 2 Tagen tischlere ich an einer Treppe für eine Kundin herum. Bei minus 16 Grad zur Mittagszeit ist es ein schönes Erlebnis, Holz paßgenau zu sägen. Die Finger sind klamm und nahe am Abfrieren, mit Handschuhen kann man nicht arbeiten, und alle zwei Stunden rennt man rein, um einen heißen Tee zu trinken.
Jetzt ist die Treppe soweit fertig, muß allerdings noch geölt werden. Wenn ich die Treppe heute einöle, stellt sich die Frage des Trocknens. Bei den Temperaturen dauert das bis zum Frühjahr! Also muß Extrawärme her. Das nervt. Gewisse Dinge dauern im Winter doppelt so lang.
Auch die Gitarren verübeln uns die Temperaturunterschiede. Von 25 Grad plus in 20 Grad minus, danach ins lauwarme Auto und wieder in 20 Grad minus und von dort aus wieder in 20 Grad plus wo unser Gitarrenkurs stattfindet. Da muß der Stimmapperat auf Hochtouren laufen. Cordulas Gitarre hat sich verzogen, so daß ich sie erst mal richten muß, bevor man wieder auf ihr klimpern kann.
Dann begann der frischrenovierte Kachelofen auch noch zu rauchen, er zog einfach nicht mehr. Alle Selbstversuche scheiterten, so daß wir jetzt den Schornsteinfeger bestellt haben, der allerdings nichts von sich hören läßt. Wahrscheinlich hat er uns vergessen. Zum Glück funktionieren die anderen Öfen super.
Nicht funktionieren hingegen tun die Kaltwasserleitungen und der Abfluß der Dusche, denn beide sind eingefroren. Welch toller Winter!
Bei soviel Uneffektivität war es schön, daß uns einer unserer Praktikanten ein Weihnachtspaket schickte, u.a. mit einer Flasche Glühwein. Denn das ist wohl das einzig schöne an solch arschkalten Wintertagen – Glühwein trinken und gemütlich vor dem Kamin sitzen.
Michael von Dolsperg