Sa

13

Nov

2010

Raubtieralarm

Der Winter ist eingezogen auf unserem Hof. Momentan taut der Schnee zwar wieder, es wurde aber bereits neuer Schneefall angesagt. Damit wird es etwas ruhiger, zu tun haben wir aber immer noch genug.

 

Vor einer Woche schloß Michael den letzte Auftrag für dieses Jahr ab, ein Wohnhausdach. Bisher hat sich nichts neues aufgetan, obwohl wir einige Annoncen veröffentlicht haben. Klar, die Leute haben keine Lust, im Winter Handwerker im Haus zu haben, ich kann das verstehen.

 

Der Fuchs hat uns vor einigen Wochen ein Hühnchen geklaut, das ist zu verschmerzen. Wir sehen seine Spuren regelmäßig im Schnee, wir er die Einfahrt hoch und am Hühnerstall vorbei schleicht. Zudem haben wir einen Dachs auf dem Grundstück, und auch dessen Spuren können wir regelmäßig sehen. Manuel hat sowohl ihn als auch den Fuchs sogar erwischt, wie sie sich in den offenen Außengebäuden in der Nähe der Elchfelle aufhielten.

 

Und ein großer Wolf ist vorgestern nahe unseres Grundstücks durch den Wald gezogen, die Spuren verlaufen quer über unseren Zufahrtsweg und dann weiter in den Wald hinein. Nun ist ja Bamse nicht gerade der kleinste Hund, aber seine Spuren nahmen sich neben denen des Wolfes doch ziemlich unbedeutend aus… Wir waren ja ein wenig in Sorge, ob er sich an unsere Schafe wagt, immerhin wurden nur wenige Kilometer entfernt auch einige Schafe von einem Wolf gerissen, aber bisher ist nichts passiert.

 

Diese Woche werden wir die vier Lämmchen schlachten und verkaufen. Und dann ziehen der Opi und seine drei Mädels nach Hagfors. Zeit wird es, eigentlich wollte ich die Schafe bereits im August weggegeben haben. Wogegen sich Michael jedoch erfolgreich gesträubt hat.

 

Manuel ist gestern nach Deutschland gefahren. Nach fünf Monaten sind wir also wieder zu zweit hier. Und damit ändert sich auch unser Rhythmus. So haben wir uns beispielsweise heute ein langes Frühstück vor dem Kamin gegönnt. Und während ich hier tippe, hält Michael ein Mittagsschläfchen auf dem Sofa. Das ist ein Luxus, den wir uns sehr lange nicht mehr gegönnt haben. Eigentlich wollte ich heute auf einen verfrühten Weihnachtsmarkt fahren, auf dem Freunde von uns Kinderpunsch und Lebkuchen verkaufen, habe mich jedoch zum einen aufgrund der Straßenverhältnisse und zum anderen aufgrund des zu beseitigenden Chaoses dagegen entschieden. In den letzten Tagen ist zuviel Arbeit im Haushalt liegen geblieben, wir werden jetzt also die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam an eine große Putz- und Aufräumaktion gehen. Überhaupt haben wir uns vorgenommen, in den nächsten Wochen massiv auszumisten. Es hat sich bei uns viel zuviel Kram angesammelt, von dem wir uns trennen werden.

 

Dann bekommen wir noch Besuch von Annika und Stefan aus Hagfors, die wir ja vor einigen Wochen im Zusammenhang mit der Anzeige für den Verkauf der Schafe kennengelernt und mit Kiloweise Elchknochen für ihre vielen Hunde versorgt haben. Die beiden betreiben eine Huskyfarm und bieten unter anderem Hundeschlittenfahrten an. Für sie beginnt jetzt mit dem Schnee also die Saison, für uns hört sie auf. Entsprechend sind die beiden überglücklich über den Schnee, wir hingegen könnten gut auf ihn verzichten…

 

Lisa verträgt die Elchknochen übrigens gar nicht. Bamse hatte nach der Futterumstellung zwei, drei Tage lang Durchfall, danach normalisierte es sich bei ihm. Lisa hingegen mußte auch noch nach drei Wochen nachts vier bis sechs Mal raus, teilweise stündlich. Und tagsüber natürlich auch. Und sie hatte nicht nur weichen Stuhlgang, sondern richtig flüssigen. Es war erschreckend, und obwohl sie endlich zugenommen hat und die Knochen liebt, haben wir aufgehört, sie damit zu füttern. Jetzt gibt es wieder Trockenfutter, aber eines mit höherem Fleischanteil als das Supermarktfutter. Das ganz teure Orijen können wir uns nicht leisten, es würde für beide Hunde zusammen umgerechnet über hundert Euro im Monat kosten, und obwohl wir es ihnen gern gönnen würden, geht es einfach nicht. Der Kompromiß kostet nur halb so viel.

 

So, jetzt werde ich Michael vom Sofa schmeißen. Wir haben noch viel zu tun.

 

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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