So

17

Okt

2010

Elchjagd, Kälteeinbruch und kulinarisches

Als ich vorgestern früh aus der Türe trat, war alles weiß. Nicht viel, aber ein guter Zentimeter Schnee war gefallen. Ein Blick auf das Thermometer, das minus 5 Grad anzeigte, genügte, um mich davon zu überzeugen, in den Holzschuppen zu gehen und noch einen Arm voll Holz mit ins Haus zu nehmen. Etwas später klingelte das Telefon. Ein befreundeter Jäger rief mich an und fragte mich, ob ich noch Interesse an Elchhäuten hätte.

 

Als Vorgeschichte sollte ich vielleicht erwähnen, daß ich mich etwas mit Gerben beschäftige und diesen Jäger vor einiger Zeit gefragt hatte, ob ich nicht ein Fell bekommen könnte, und, falls vorhanden, einige Knochen für unsere Hunde.

 

Er berichtete mir, sie hätten zwei Elche geschossen, ich solle bei ihm vorbeikommen und die Felle holen. Also ab ins Auto, als Dankeschön für die Jäger noch eine Flasche Schnaps mitgenommen, und zurück kam ich mit zwei Elchfellen, eins von einem Bullen, und eines von einer Kuh. Bei der Kuh sagte er mir, hätten sie die Zunge noch nicht rausgenommen, ich solle sie unbedingt probieren. Bei beiden Fellen war der Kopf also noch dran.

 

Und so schnappte ich mir unseren Praktikanten Manuel und häutete den Kopf der Elchkuh, schnitt die Zunge raus – für das Essen war gesorgt. Dann salzten wir die Felle, denn so können sie jetzt erst mal etwas liegen, bis ich die Zeit finde, sie endgültig zu behandeln.

 

Am Abend rief der Jäger noch einmal an, sie hätten die Elche jetzt zerlegt und die Knochen für die Hunde könne ich abholen. Gesagt getan – zurück kam ich mit vier großen Müllsäcken voll Knochen. Auf dem Rückweg fuhr ich mir mal wieder einen Platten (zwei Reifen in zwei Wochen!)

 

(Falls irgendein Reifenhersteller diesen Blog liest – mein Verschleiß liegt bei etwa 15 - 20 Reifen pro Jahr – ich stelle mich als Reifentester zur Verfügung. Extreme Testbedingungen – hunderte Kilometer nur auf Schotterwegen – ich brauche einen Reifensponsor!)

 

Cordula hatte wegen der Kälte schon Blattradieschen geerntet (für mich eher eine Rettichvariante), die auf dem Schafsmist super gekommen waren! Was für Dinger!

Elchzunge mit Blattradieschen, wobei Cordula die Elchzunge doch zu suspekt war und sich auf Gemüse und Kartoffeln aus eigener Ernte beschränkte.

 

Gestern war es dann noch kälter, minus sieben Grad, erst mittags kletterte das Thermometer im Schatten über Null. 

 

Die Elchknochen waren klasse. Und da die Jäger nicht sehr sauber gearbeitet hatten, blieb noch genug mageres und zartes Fleisch für uns übrig. Das Elchgulasch war somit auch gesichert, und diesmal beteiligte sich auch Cordula an dem Festmahl.

 

Auch die Hunde waren wie aus dem Häuschen. Während sich Bamse gierig auf den Knochen stürzte, nagte Lisa wie in Trance mit geschlossenen Augen an dem Riesenknochen.

 

Das Elchgulasch wird auch noch für heute reichen – also drei Tage Elchfleisch in Folge.

Morgen gibt es wieder vegetarisch. Es ist noch soviel Mangold im Garten, der dringend geerntet werden muß.

 

Die vier Mülltüten mit den Elchknochen sind natürlich zuviel für unsere Hunde, so daß wir die Hälfte den Deutschen geschenkt haben, die den Opi und seine Mädels nehmen und die Huskyfarm nicht weit von uns betreiben. Die beiden haben uns heute Nachmittag besucht, und als ein weiterer Anruf eines anderen befreundeten Jägers eintraf, der uns mitteilte, einen ganzen Anhänger von Elchknochen für uns bereit gestellt zu haben, war die Freude natürlich groß. Fünfzehn Huskys müssen irgendwie satt werden, und da kommen die vielen Knochen natürlich nur recht.

 

Und so sind abgesehen von den Elchen, die über ihr vorzeitiges Ableben bestimmt nicht so glücklich waren, einige andere glücklich geworden. Die Jäger für erfolgreiches Jagdglück, ein Praktikant, der zum ersten Mal Elchfleisch futtern konnte, die vielen Hunde, die richtiges Fleisch statt Hundefutter mit nur 10 Prozent Fleischanteil zum Futtern bekommen, und ich, wenn ich erfolgreich gegerbt hab. Denn dann können wir die Haut für Cordulas Trommel verwenden, die dann wiederum glücklich sein wird- obwohl sie noch skeptisch ist, was meine Fellgerbekünste und eine spätere Verwendung für die Trommel angeht.

 

Wie heißt es in einem schwedischem Sprichwort: „Des einen Not, des anderen Brot“

Klingt etwas sarkastisch – ist aber so.

 

Michael von Dolsperg 

 

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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