So

10

Okt

2010

Die letzten Gurken

Da habe ich vor zwei Monaten angekündigt, zweimal die Woche in meinem Blog zu schreiben, und was ist daraus geworden?! Inzwischen ist Oktober, und hier hat sich einiges getan, nur fehlte mir die Zeit, es niederzuschreiben. Naja, als ich ankündigte, regelmäßig berichten zu wollen, wußte ich noch nicht, daß ich Arbeit bekomme. Und nun sitze ich mehrere Stunden täglich in meinem Büro mit Blick auf den Garten, und mal wieder ist Zeit das große Thema. Zeit, die für all die Dinge fehlt, die ich tun möchte und noch nicht einmal für all das reicht, was ich tun muß.

 

Gerade bricht die Sonne durch die dicke Wolkendecke und läßt das Laub des Ahorns vorm Haus aufleuchten. Eigentlich ist es eine schöne Jahreszeit, der Herbst, auch wenn sich nicht verleugnen läßt, daß es mit großen Schritten auf den Winter zugeht.

 

Michael und Manuel sind gerade dabei, den letzten Auftrag für dieses Jahr abzuschließen. Danach wird Kassensturz gemacht. Was übrigbleibt, teilen wir halbe halbe mit dem schwedischen Staat (warum gibt es hier keine Kleingewerberegelung wie in Deutschland?!), und der Rest muß bis Ende Mai reichen, wenn das Geld des ersten Auftrages im nächsten Jahr eingeht. Einen Auftrag haben wir bereits, und den werden wir wohl ab Anfang Mai ausführen. Ich kann nur hoffen, daß sich noch der eine oder andere Winterauftrag ergibt, sonst wird es ziemlich eng bei uns…

 

Der Opi und seine Herde. Natürlich riefen vor allem Muslime an, die versprachen, daß „Papa schlachtet“. Dabei hatte ich extra in die Anzeige reingeschrieben, daß Angehörige schächtender Religionen erst gar nicht anzurufen brauchen. Naja, einer bot uns an, bei uns auf dem Hof zu schlachten, und wir kontaktierten Dieter, der uns letztes Jahr beim Schlachten geholfen hatte und inzwischen ein Bolzenschußgerät besitzt. Nur ist Dieter momentan in Deutschland und erst in zwei Wochen wieder da.

 

Aber dann meldeten sich Annika und Stefan, welch ein Glück! Ein deutsches Pärchen, frisch nach Schweden ausgewandert, das seinen Hof mit Tieren füllen möchte. Als ob fünfzehn Hunde nicht reichen würden- sie haben nämlich eine Huskyfarm und bieten auch Fahrten mit einem Huskygespann an. Sie entschieden sich, den Opi und drei weitere Schafe zu nehmen, und zudem einen Hahn und drei bis vier Hennen. Nun müssen wir also warten, bis die Lämmchen geschlachtet sind, und dann ziehen Opi und seine Mädels um. Nicht weit weg übrigens, etwa vierzig Kilometer. Und dort werden sie es gut haben, da bin ich mir sicher.

 

Dann rief noch eine Frau an, die Tiertherapien abietet, meldete sich aber nicht mehr, und auch noch Engländer, die allerdings auch nichts mehr von sich hören ließen. Und, wie gesagt, endlos viele Muslime. Es war ja abzusehen gewesen.

 

Momentan bin ich auf der Jagd nach einem Westernsattel. Seitdem Tess verkauft ist, reite ich Ginny, und da ich englische Sättel und auch die englische Reitweise nicht ausstehen kann, reite ich western und benötige einen passenden Sattel. Ist bequemer und schonender nicht nur fürs Pferd, auch ich fühle mich auf einem Westernsattel wohler als auf diesen englischen Dressursätteln, und so durchforste ich, wann immer die Zeit es zuläßt, das Internet. Es wird wohl auf einen Import hinauslaufen, hier sind die Sättel viel zu teuer. Und dann kann man nur hoffen, daß er auch paßt.

 

Ich bin richtig glücklich darüber, daß ich die Möglichkeit habe, regelmäßig zu reiten. Das hatte mir die letzten Jahre doch ziemlich gefehlt, und daß ich mich mit Erika, der Besitzerin, gut verstehe, macht das ganze noch schöner.

 

Am Dienstag startet dann tatsächlich unser Gitarrenkurs, und sowohl Michael als auch ich werden daran teilnehmen. Seitdem ich Kind war, wollte ich Gitarre lernen, aber außer einer Gitarren- AG in der Schule ist nie was draus geworden. Nichts desto trotz hatte ich fast ständig mindestens eine Gitarre im Haus, denn oft können unsere Gäste spielen, und ich sehe und höre ihnen immer neidisch dabei zu. Letztes Jahr tauchte in Deutschland meine vor Jahren als vermißt gemeldete Gitarre auf irgendeinem Dachboden auf, so daß wir jetzt zwei Gitarren besitzen und somit beide an dem Kurs teilnehmen werden. Es handelt sich nur um sieben Abende, ich sollte also keine zu hohen Erwartungen daran knüpfen, und springt auch nur einer der fünf Teilnehmer ab, findet auch kein Fortsetzungskurs im Frühjahr statt, aber vielleicht ist es ein Anfang. Dann können wir uns, falls gar nichts mehr geht, als Straßenmusikanten über Wasser halten, denn Bamse singt gern und schief, und Lisa beteiligt sich auch manchmal an unseren Ständchen, je nach Laune. Aber eigentlich sollten wir die Kleine zum Hut umhertragen und Geld einsammeln ausbilden, mit ihren hübschen braunen Äugelein wird sie da sehr erfolgreich sein…

 

 

Der Garten. Ständig verirren sich Vögel in unser Gewächshaus, da müssen wir uns was einfallen lassen, denn alle Löcher stopfen können wir nicht. Vorgestern erntete Michael die letzten Gurken und heute muß ich mich endlich um die restlichen Tomaten kümmern, die im Gewächshaus stehen. Reifen tut jetzt sowieso nichts mehr. Der Borretsch muß endlich geerntet werden, und auch die Petersilie und der letzte Sellerie. Die asiatischen Blattgemüse und den Mangold wollte ich schon längst milchgesäuert haben. Aber die Zeit, die Zeit…

 

Gestern haben wir die erste Ladung Apfelmus gekocht, mit Äpfeln aus dem Garten unseres dänischen Nachbarn. Dem ist es ja in Schweden zu kalt, verständlicherweise, und er verkauft daher sein Haus und geht nach Dänemark zurück. Momentan pendelt er zwischen Dänemark und Schweden, und wenn er Michael nicht günstiges Bier aus Dänemark mitbringt, dann eben Obst aus seinem Garten. Und das wird bei uns zu Mus.

 

Die Wolken sind verschwunden. Ich sollte in den Garten gehen. Aufräumen kann ich später immer noch. Und auch in meinem Büro sitzen und den Buchschluß machen. Macht mich übrigens etwas nervös, es ist der erste Buchschluß, den ich allein durchführe. Beim Studium hatten wir ja ständig Gruppenarbeiten, und eine Teilnehmerin hatte bereits jahrelang mit Buchführung gearbeitet, so daß die Last nicht allein auf meinen Schultern lag. Hat mir doch tatsächlich vorgestern eine Migräne verpaßt, ich konnte es kaum fassen. Aber es geht voran, und es wird gut. Man wächst mit seinen Aufgaben…

 

Ja, jetzt muß ich raus. Die Sonne ruft. Und es gibt viel zu tun.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading

Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

Kontakt