Fr

27

Aug

2010

Träume sind nicht nur Schäume

Eigentlich wollte ich Euch heute ja über andere Dinge berichten, beispielsweise über die Nagelbürste, den Mäusebraten oder unseren Überraschungsgast, der sich auf dem Schuldachboden eingenistet hat. Jetzt habe ich aber etwas anderes, richtig aktuelles, das ich Euch berichten möchte.

 

Wo fange ich an? Vielleicht mit dem Traum, den ich gestern hatte.

 

Glücklicherweise habe ich ihn Katharina erzählt, als wir morgens eine Runde mit den Hunden gegangen sind, sonst hätte mir das hinterher niemand mehr geglaubt. So aber habe ich Beweise! Einen Zeugen! Der erste Teil des Traumes ist in diesem Zusammenhang nicht so interessant, abgesehen davon, daß er besagte, daß wir Geld benötigten und damit im Grunde die Tatsachen widerspiegelt. Dann der zweite Teil: Hoffnung bahnt sich an, ich habe ein Vorstellungsgespräch. Und ich weiß, daß ich die Arbeit bekommen werde, da es sich um den Vater eines ehemaligen Schulkameraden handelt, dessen Namen mir allerdings nicht einfällt. Auf dem Tisch habe ich eine Schale mit Obst stehen, Tomaten und Gurken, und dieses Obst ist sehr wichtig während dieses Gespräches, so daß ich meinem Gesprächspartner zeige, was ich da geerntet habe. Soweit der Traum.

 

Folgende Assoziationen hatte ich dazu: Die Schale mit Früchten hatte ich tatsächlich einen Tag zuvor geerntet, bio aus dem eigenen Garten. Und der Vater meines ehemaligen Schulkameraden erinnerte mich an eine Situation, in der ich vor Jahren beim Arbeitsamt saß und der Vater eines ehemaligen Schulkameraden mein Sachbearbeiter war.

 

Nun bin ich Traumdeutungsfetischist und gehe fest davon aus, daß das Unterbewußte sich in Träumen ausdrückt und Hinweise auf Dinge gibt, die wir bewußt vielleicht gar nicht wahrgenommen haben. Wenn ich also träume, daß meine Geldbörse aus der Handtasche fällt und ich es verliere, so sollte ich schleunigst die Nähte meiner Tasche kontrollieren, um sicherzugehen, daß mein Unterbewußtsein nicht registriert hat, daß sich die Nähte lösen und es mir hiermit mitteilt. Erst, wenn sich das als nicht zutreffend erweist, gehe ich auf die nächste Ebene und versuche den Traum zu deuten, indem ich mit den Gegenständen und den Gefühlen der Traumsituation arbeite und es mehr theoretisiere. Ich bin da ein Anhänger von Ann Faraday, die ein sehr gutes Buch über Träume geschrieben hat: Deine Träume- Schlüssel zur Selbsterkenntnis.

 

Mit diesem Traum jedoch konnte ich überhaupt nichts anfangen. Gar nichts. Bis der Anruf kam.

 

Kurz nach zehn Uhr, ich hatte den Traum bereits als unlösbares Rätsel beiseite gelegt, erhielt ich einen Anruf von einem Unternehmer, der jemanden für Buchführung und überhaupt alle Papierarbeiten im Büro suchte. Meine Telefonnummer hatte er von der Arbeitsvermittlung erhalten. Soviel zu der Assoziation zum Arbeitsvermittler. Wir vereinbarten einen Gesprächstermin für denselben Tag, also gestern, und aufgrund des Traumes wußte ich, daß er mich einstellen würde.

 

Und tatsächlich: Ich habe die Arbeit bekommen. Und sie ist fast perfekt für mich. Eigentlich zu perfekt, um wahr zu sein. Es handelt sich bei meinem zukünftigen Arbeitgeber um einen Unternehmer, der in alternativen Energien unterwegs ist: Solar, Windkraft, Bergwärme, Luftwärmepumpe, Wasserkraft. Er expandiert jetzt und braucht jemanden für die Administration und Buchführung. Früher war er Selbstversorger mit Biogemüse, hatte sogar eigene Milch und Bienen. Und er ist aktives Mitglied der Umweltpartei in der Kommune. Das war also die Schale mit Früchten im Traum, denn ihm gefiel sehr, daß ich auch ökologisch eingestellt bin und eigenes Gemüse habe. Und für mich fühlt es sich natürlich auch besser an, für einen Biomenschen zu arbeiten als für jemanden, der besprühte Apfelsinen verkauft…

 

Und das, was die Arbeit so perfekt für mich macht: Sie ist Teilzeit, und ich kann von zuhause aus arbeiten. Gleichzeitig arbeite ich mit genau dem, was ich ursprünglich vorhatte: Buchführung. Denn ich hatte ja eigentlich geplant, mich damit nach meinem Studium selbständig zu machen, was aber nicht geklappt hat, da ich ohne praktische Erfahrung, sprich Anstellung, es nicht wagte. Denn ich will Qualität liefern und sicher sein, daß ich keine Fehler begehe. Ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben- und jetzt auf einmal geht es richtig schnell. Nächste Woche fange ich an. Heftig, was?

 

Was mich am meisten staunen läßt, ist die Tatsache, daß ich es vorher geträumt habe. Und eigentlich habe ich es nicht wissen können, woher auch? Hier war wohl weniger das Unterbewußte als mehr das Überbewußte aktiv. Und es zeigt mir einmal mehr, wie ernst man seine Träume nehmen sollte.

 

Genau in die Zeit, in der ich unterwegs war, um mich mit meinem zukünftigen Arbeitgeber zu treffen, fiel die versprochene Kiste Bier. Michael hatte Katharina und Manuel, unserem tüchtigen Zaunteam, nämlich versprochen, daß sie eine Kiste seines gut gehüteten deutschen Flaschenbieres in die Schule gestellt bekämen, wenn sie die nächste Ecke des Grundstückes erreichen. Tagelang arbeiteten die beiden darauf hin, den Zaun soweit zu setzen, daß sie das Bier baldmöglichst bekämen, und gestern war es dann soweit.

 

Schade, daß ich nicht sehen konnte, wie Michael die Kiste Bier in der quietschenden Schubkarre über die Wiese bis zur Zaunecke fuhr, Katharina hat es mir hinterher allerdings bildlich geschildert. Die beiden hatten gar nicht damit gerechnet, daß Michael sein Versprechen so umgehend einlösen würde und waren ziemlich überrascht, als sie ein rhythmisches Quietschen hörten, das sich näherte. Sie sagte: Erst sahen wir Michaels Kopf hinter dem Hügel auftauchen, dann seinen Körper- und dann sahen wir, daß er eine quietschende Schubkarre vor sich her schub, auf der die versprochene Kiste Bier stand!

 

Und so kam es gestern gegen zwei Uhr mittag zu einem kleinen Trinkgelage auf der Wiese, bevor man sich wieder ans Werk machte, weiter Zaun zu setzen.

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Kommentare: 1

Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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