Mo

23

Aug

2010

Carpe diem

Heute war der erste richtig sonnige Tag nach etwa vier Wochen Regen, so daß wir ab dem zweiten Frühstück tatsächlich draußen sitzen konnten!

 

Katharina, Manuel und Michael haben sich heute den ganzen Tag mit dem Zaun beschäftigt und sechzig Meter gesetzt! Das ist absoluter Rekord! Da für die nächsten Meter allerdings kein Material mehr dort ist, wo es verbaut werden soll, wird es ab morgen etwas langsamer voran gehen. Michael wird neue Holzstangen besorgen, und es wird meine Aufgabe sein, die nächste Etappe des alten Zaunes abzubauen.

 

Nach dem Regen in Kombination mit der wetterbedingten Untätigkeit, was Gartenarbeit betrifft, ist der Garten jetzt endgültig zugewuchert, teilweise kann man noch nicht einmal mehr die Wege zwischen den Beeten benutzen. Und was da nicht alles ineinander gewachsen ist und eine undurchdringliche Mauer bildet: Herzgespann mit Ochsenzunge, Mutterkraut, Comfrey und Gutem Heinrich. Tomaten ranken auf die Wege, dazwischen haben sich überall Erdbeerableger gebildet, so daß man acht geben muß, wo man hintritt. Das kleine Seifenkraut blüht zwar nicht mehr, hat aber auch eindeutig die Tendenz, sich auf die Wege auszubreiten, und auch meine Trittsteine in den Beeten selbst sind nicht mehr zu erkennen.

 

Im Gewächshaus sieht es nicht besser aus. Habe ich es bisher als Dschungel bezeichnet, so fehlen mir jetzt einfach die Worte. Wir haben eindeutig zu dicht gepflanzt! Andererseits muß ich auch sagen, daß wir nicht mit dem rasanten Wachstum gerechnet haben, das die Pflanzen hingelegt haben. Der Tomatenbaum beispielsweise sollte nur einen Meter hoch werden, reckte sich jedoch bereits auf etwa zwei Meter in die Höhe, bevor wir ihn gestern aufgrund eines Blattlausbefalls sicherheitshalber aus dem Gewächshaus entfernten. Blattläuse im Gewächshaus- das hätte mir noch gefehlt! Über den Winter hätte ich ihn sowieso nicht bringen können, und der für dieses Jahr erwartete Blüten- und Früchtesegen ist bisher ausgeblieben. Dasselbe Schicksal wie den Tomatenbaum ereilte die Sonnenblume, die sich irgendwie hineingeschummelt hatte und auch einige Blattläuse aufwies.

 

 

Der Tomatenbaum ist eindeutig größer als ich! Der Tomatenbaum ist eindeutig größer als ich!

Die amerikanische Blaubeere Huckleberry sollte auch nur einen Meter hoch werden- auch sie bewegt sich inzwischen in Zweimeterhöhe, und die Gurken ranken noch höher. An die roten Tomaten kommt man kaum heran, den neuseeländischen Spinat kann man schon lange nicht mehr unter den Tomaten erkennen, und meine Pimpinelle ist vollkommen erdrückt worden. Nun ja, sie gehört eigentlich auch nicht ins Gewächshaus, da mir aber ein Anzuchtregal im Frühjahr umgefallen war, keimten und wuchsen alle möglichen Dinge ungeplant in den Beeten: Pimpinelle, Zitronenmålla (fragt mich nicht, was die auf deutsch heißt!), diverse Kräuter und sogar Spargel!

 

Für mich war heute daher Gartentag angesagt, und obwohl ich mich mehrere Stunden damit beschäftigte, Ordnung hineinzubringen, habe ich nicht die Hälfte dessen geschafft, was eigentlich getan werden müßte.

 

Ich bin nicht nur dabei, in den Beeten aufzuräumen, sondern auch, die ersten Kräuter zu ernten. Pfefferminze und Liebstöckel hängen bereits zum Trocknen im Wohnzimmer, und die erste Petersilie ist inwischen auch soweit getrocknet, daß sie in Gläser gepackt werden kann. Als nächstes geht es weiter mit noch mehr Petersilie und Sellerie.

 

Obwohl wir zwei Wwoofer haben, könnten wir noch mehr helfende Hände gebrauchen. Eigentlich hatten dieses Wochenende noch zwei weitere Praktikanten eintreffen sollen, ein Pärchen, das wie wir die größtmögliche Selbstversorgung anstreben, allerdings haben sich bei ihm familiäre und bei ihr gesundheitliche Probleme ergeben, so daß wir ihren Besuch auch nächstes Jahr verschieben müssen. Glücklicherweise trudelte noch eine Anfrage für Mitte September bis Anfang Oktober aus der Schweiz ein, die ich erstmal positiv beantwortet habe. Dann ist Garten zwar so gut wie durch, aber wir haben ja noch genug andere Sachen zu tun. An Arbeitsmangel leiden wir nun wirklich nicht!

 

Es ist fast dunkel. Daran muß man sich erstmal gewöhnen, immerhin wurde es um Mittsommer herum fast gar nicht dunkel. Es geht rasant auf den Winter zu. Ich darf gar nicht daran denken! Erschwerend kommt noch hinzu, daß wir noch nicht alles Feuerholz unter Dach haben, noch nicht einmal aufgeschlagen, wir müssen also zusehen, daß wir damit so schnell wie möglich fertig werden. Sonst heißt es, mit feuchtem Holz zu heizen, und das ist nicht gut…

 

 

 

 

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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