Di

04

Mai

2010

Der Frühling und die Schafe

„Nur raus hier!“ war der einzige Gedanke, der in den Köpfen unserer Schafe herumspukte, als der Schnee begann, zu tauen. Da wir bereits im Herbst die leidvolle Erfahrung sammeln mußten, daß unsere Schafe keine „echten“ Schafe sind, sondern eher verkappte Ziegen, so daß wir mehr mit Einfangen beschäftigt waren als mit anderen Herbstarbeiten, hatten wir ihnen, als auch der gewöhnliche Schafszaun mit Elektroverstärkung nicht mehr half, einen Auslauf gebaut, der nur aus starken Holzbrettern bestand. Es hatte einige Tage gedauert, auch die letzten Schlupflöcher zu verschließen, aber letztendlich war er ausbruchssicher gewesen. Dann kam der Schnee, so daß sich die Schafe überwiegend im Stall aufhielten. Vier Lämmchen wurden im Februar geboren (na ja, eigentlich fünf, aber das Kleinste einer Drillingsgeburt war nach zwei Tage gestorben), dann begann der Schnee zu tauen und verschwand schließlich vollends aus dem Auslauf.

Während die Kraniche ihren Hochzeitstanz auf unserer Wiese veranstalteten und die Hühner fröhlich vor sich hin pickten, schmiedeten die Schafe Ausbruchspläne- die sie tatsächlich durchsetzen konnten. Es wurde so lange gegen die Bretter angerannt, bis sie entzweibrachen. Zuerst schlüpften die Lämmchen durch die Löcher, die von den ausgewachsenen dann derart vergrößert wurden, daß auch der dickste von ihnen hindurchpaßte.

Und so machten wir da weiter, wo wir im Herbst aufgehört hatten: Schafe einfangen. Denn da die Wiese noch längst nicht grün war, brach Panik unter den Schafen aus, und statt in Ruhe vor sich hin zu mampfen und zu kauen und richtige Schafsruhe auszustrahlen, rannte man aufgeschreckt von Wiese zu Wiese, in donnerndem Galopp. Und man versuchte sogar, im Wald an Nahrhaftes heranzukommen. Das Heu, das wir ihnen boten, schmeckte nicht wirklich, man suchte Gras- vergeblich.

Wir verstärkten die im Herbst gezogene und für den Winter vorgesehene Weide, konnten die Schafe aber dennoch nicht auf der Seite des Zaunes halten, auf der wir sie haben wollten. Der Hühnerstall lockte sie, und auch der Küchengarten, in dem zwar kaum etwas Grün zu sehen war, von dem sie aber noch aus dem Herbst wußten, daß dort leckere und zarte Stengel und Blätter zu holen waren. Gut, daß wir ihn provisorisch gegen sowohl Hühner wie auch Schafe eingezäunt hatten! Leider war er für uns so nicht zugänglich, eine andere Lösung mußte her. Oder besser gesagt: Mehrere Lösungen.

 

Die alte Winterweide bauten wir ab und wieder auf, wobei wir diesmal aufs genaueste darauf achteten, die Wiese in einen Hochsicherheitstrakt zu verwandeln, was uns fast zwei Tage Arbeit kostete. Am ersten Mai standen wir bei vier Grad, strömendem Regen und kräftigem Wind fluchend auf der Wiese und errichteten die Wiese, während die Schafe frei über die Wiesen zogen und hin und wieder tatsächlich schon einige grüne Grashalme erbeuteten. In den Hühnerstall konnten sie nicht, den hatten wir schafssicher verbarrikadiert, allerdings war der Schlagbaum am Eingang unseres Grundstückes über Winter auseinander gebrochen, so daß wir ihn nicht schließen konnten, und der Wald lockte trotzdem noch mit seinen Geheimnissen, so daß wir regelmäßig nachsahen, ob die Schafe noch auf unserem Grundstück weideten.

 

Zusätzlich verstärkten wir den Zaun mit zwei Strombändern, eines oben, und eines unten, denn wir hatten festgestellt, daß die Schafe bevorzugt unter dem Maschendraht hindurchkrochen, und die Lämmchen hatten sich das ganz schnell bei ihren Mamis abgeguckt und düsten grundsätzlich auf direktem Wege zum Zaun, um ihn mit ihren Schnuten anzuheben und drunter durch zu krabbeln.

Dann kam der große Augenblick: Wir öffneten die Stalltür, und die Schafe trampelten ungehalten heraus und direkt auf den Zaun zu. Die Schnuten gingen zum Boden, wollten den Zaun angeben- oh, was sie sprangen, als sie einen gewischt bekamen! Sie konnten es ja nicht ganz fassen, versuchten es immer wieder, und es dauerte eine Viertelstunde, bis sie begriffen hatten, daß es hier diesmal kein Entkommen gab. Mißmutig kauten sie schließlich an dem Heu, das wir ihnen gaben.

Am nächsten Tag sah ich, wie die Lämmchen das zart sprießende Gras unter den Strombändern abknabberten und das Stromband berührten, ohne einen gewischt zu bekommen. Meine Befürchtung bestätigte sich: Das Aggregat hatte keinen Strom, was war aus! Herrje, wie lange würde es dauern, bis die Schafe die Konsequenzen dessen begriffen? Glücklicherweise kam genau in diesem Moment unser Nachbar, und gemeinsam suchten und fanden wir den Fehler- einen Wackelkontakt. Puh!

 

Eigentlich hatten wir geplant, die Schafe, wenn sie frisch geschoren sind, auf einen neue Wiese zu schicken, die mit Elektroband abgesteckt wurde; im Herbst konnten sie ja nur entwischen, da die dicke Wolle den Stromschlag nicht leitete, wenn sie durch die Bänder hindurchkrabbelten, und frisch geschoren würde die Sache anders aussehen. Gestern wollte der kommen, der Schafscherer, aber dann rief er an, seine Schurmaschine sei kaputt gegangen. Jetzt müssen wir noch fast drei Wochen auf ihn warten. Drei Wochen, in denen die Schafe unzufrieden in ihrem Hochsicherheitstrakt herumstehen werden. Na, vielleicht können wir sie frei laufen lassen, wenn die Wiese grün ist und der Wald dadurch seine Verlockung verliert. Aber auch das wird wohl frühestens in zwei Wochen soweit sein.

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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