Fr
19
Feb
2010
Am 13.Februar hatten wir noch Geburtstag gefeiert (unser Autounfall jährte sich zum zehnten Mal) und erhielten unser „Geschenk“ frühmorgens am Tag drauf, dem Valentinstag.
Wie immer war es Michael, der sich morgens um die Schafe kümmerte, und er riß mich aus meinen morgendlichen Wach- auf- Übungen, indem er aufgeregt rufend ins Haus rannte: Die Lämmchen sind da!
Schnell aus den Hausschuhen heraus, Brille aufgesetzt, Müdigkeit im Sessel gelassen und los durch den hohen Schnee. Diesen Morgen war es nicht so kalt wie die Tage davor, wir hatten nur minus fünf Grad. Die Schafmami muß wohl spontan entschieden haben, daß es das perfekte Geburtswetter ist, denn am Abend davor hatte sie noch kräftig Futter gemampft, eher untypisch für ein Schaf kurz vor der Niederkunft.
Im Stall erwarteten uns dann drei kleine Lämmchen, die etwas desorientiert durch die Gegend liefen und ihre Mami suchten. Drei!
Normalerweise sollten Schafe ja in einer speziell abgetrennten Box lammen, damit sich die Bindung zwischen Mutter und Kindern in aller Ruhe ausbilden kann, aber da sie uns so überrascht hatte, war alles etwas durcheinander. Ein Lämmchen stand weinend bei einem fremden Schaf, zwei weitere stürmten auf ihre Mutter zu, die seelenruhig durch den Stall auf uns zu stapfte.
Sie waren bereits trocken, die Geburt mußte also mitten in der Nacht erfolgt sein. Wie klein sie waren! Der Körper so groß wie eine Katze, die Beine natürlich länger. Eines der Lämmchen, das weiße, war erheblich kleiner als seine Geschwister, und so vermuteten wir bereits jetzt, daß es Probleme geben könnte.
In aller Eile richteten wir eine Box her, die wir mit frischem Stroh auslegten und versuchten, die Mutter und ihre Lämmchen zum Umzug zu bewegen. So recht wollten sie ja nicht, und dann liefen uns auch immer noch der Hammel und die beiden anderen Schafe im Weg herum!
Schließlich waren sie all in der Box, die Lämmchen hatten ihre Mami ganz für sich allein und schmatzen Milch aus dem Euter. Dabei wackelten die kleinen Schwänzchen hin und her.
Es war Sonntag. Am Tag darauf kauften wir sicherheitshalber Milch für die Aufzucht per Flasche, denn daß die Milch für drei Lämmer reichen würde, bezweifelten wir.
Dienstag gingen die Probleme los. Morgens war das kleine weiße Lämmchen noch auf den Beinen gewesen, mittags lag es im Stall und ließ auf sich herumtrampeln. Wir holten es ins Wohnzimmer vor den Kamin, die Katze mußte den Sessel räumen, und wir wärmten das unterkühlte Lämmchen auf und gaben ihm zu Trinken.
Jetzt bekam es auch seinen Namen: Schneeflocke sollte es heißen, bestimmte Michael.
Erst wollte es nicht recht, dann stellte es fest, wie gut es doch schmeckte und suckelte Milch. Wurde kräftiger, und wir dachten, es habe das schlimmste hinter sich, machten schon Pläne, ob und wann es in den Stall zurück solle.
Lisa verliebte sich in das Kleine und schleckte es vorsichtig ab. Klar, es hatte ein milchverschmiertes Mäulchen, das war richtig lecker! Es schien dem Lämmchen aber zu gefallen, eine neue Freundin gefunden zu haben, dennoch brauchte es seine Ruhe, so daß Lisa wieder gehen mußte.
Die Freude währte nicht lange. Gegen Abend wurde es wieder schwächer, trank nicht mehr, schlief nur noch. Und es gab keine Ausscheidungen von sich, der kleine Popo war und blieb sauber. Garkein gutes Zeichen!
Später bekam es Zuckungen und starb.
Bei so kleinen Lämmchen kommt es wohl relativ häufig vor, daß der Darm nicht fertig ausgebildet ist, und das wird wohl auch bei unserer kleinen Schneeflocke der Fall gewesen sein. Da kann sie dann trinken, soviel sie will, die Überlebenschance ist null.
Jetzt sind noch zwei kräftige Lämmchen übrig. Sie werden es schaffen.