Do
24
Dez
2009
Wir saßen bei einem späten Frühstück, als Michael plötzlich aufsprang und nach draußen rannte. Im Laufen rief er mir noch irgend etwas zu, was ich nicht verstand, und dann hörte ich es selbst: Hundegebell vor unserem Haus!
Mein erster Gedanke: Ein Jagdhund, der abgehauen ist und unseren Hühnchen den Garaus machen will!
Flugs rannte ich Michael hinterher und blieb dann wie angewurzelt stehen.
Vor unserm Haus befand sich kein entsprungener Jagdhund. Sondern ein Schlittenhundegespann! Lachend begrüßte der Fahrer Michael, der den Hühnerstall, auf den die Samojeden stracks zugehalten hatten, eilig geschlossen hatte.
Ich kannte den Fahrer, der sich im Sommer bei uns vorgestellt hatte. Besser gesagt, er hatte sich bei mir vorgestellt, Michael war zu dieser Zeit nicht da. Der Schwede besaß eine Samojedenzucht und war einer der Interessenten für unseren Hof gewesen, als dieser vor zwei Jahren zum Verkauf gestanden hatte. Für ihn und seine damals zwölf Samojeden wären Lage und Größe des Hofes perfekt gewesen, allerdings, so sagte er mir, sei die Fahrt zur Arbeit dann doch zu weit, so daß er sich für ein etwas zentraler gelegenes Haus entschieden hatte. Der Gedanke an Snåret hatte ihn jedoch nicht losgelassen, und so war er eines Tages einfach losgefahren, um die neuen Besitzer kennenzulernen.
Mit seinem großen Wohnmobil war er vorgefahren, das er umgebaut hatte, so daß er alle seine Hunde mitnehmen konnte. Und einen von ihnen hatte er dabei, einen wunderschönen Rüden, den wir mit Lisa bekannt machten. Lisa jedoch war der Auffassung, daß dieser Rüde nicht das Recht hatte, auf ihrem Land zu sein, so daß sie ihn anknurrte und nicht ins Haus ließ.
Vor drei Wochen, wir fuhren gerade durch den Wald, kamen uns zwei Schlittenhundegespanne entgegen. Eines wurde gezogen von grauen Huskys, und das andere von den weißen Samojeden. Welch ein Anblick! Bei diesem Treffen hatten wir ihn eingeladen, uns doch mal mit seinen Hunden zu besuchen.
Und heute früh war er auf unsere Einladung zurückgekommen. Ich war völlig hingerissen von diesen wunderschönen Hunden, und verliebte mich erneut in diese herrliche Hunderasse mit ihren großen, lieben Augen und ihrem freundlichen Wesen.
Als er dann eine Thermoskanne mit heißem Glögg und Rosinen auspackte und gleichzeitig drei Thermosbecher zückte, in die er eingoß und mit uns anstieß, während seine neun Hunde laut und fröhlich kläfften und unsere beiden im Haus fast wahnsinnig wurden und zurückkläfften und jaulten, war ich einfach nur glücklich.
Den krönenden Abschluß bildete dann eine Fahrt auf dem Hundewagen. Da thronte ich auf dem motorlosen vierrädrigen Karren und konnte mein Glück kaum fassen.
Unser Schwede besitzt momentan siebzehn Samojeden, davon sechs Welpen. Und wir sind eingeladen, ihn zu besuchen. Ich weiß nicht, ob ich es wage. Denn ich werde mich garantiert rettungslos in diese Welpen verlieben. Und was dann?!?
Cordula von Dolsperg