Mo

12

Okt

2009

Die unendliche Geschichte

Nichts hält die Schafe mehr innerhalb des Elektrozaunes. Die letzte Weide habe ich mit fünf Bändern versehen- sie gehen einfach hindurch. Jetzt im Herbst sollte es egal sein, wo sie Wiese abfressen, ab Frühjahr ist Weideplanung wieder wichtig, aber daß sie regelmäßig im Hühnerstall vorbeischauen, finden weder ich noch die Hühner gut. Außerdem habe ich Angst, daß sie doch noch an meinen Grünkohl gehen, immerhin ist ein Teil des Ackers nach oben hin offen: Ein Elch wird nicht an unserem Wohnhaus vorbei und dann in die Beete marschieren. Die Schafe hingegen bewegen sich völlig unbekümmert.

Ich weiß nicht, wie oft ich den Zaun verstärkt und die Wiese vergrößert habe. Es nützt alles nichts. Vorgestern Abend öffnete ich die Tür, um unsere Katze hinauszulassen- und prallte fast genauso erschrocken wie sie zurück, als die Schafe, eines hinter dem anderen, direkt an unserer Haustür vorbeiparadierten. Meine Geduld erschöpfte sich allmählich.

Mit Leckerlis lockten wir sie in den Stall und Michael überprüfte gestern früh, bevor er sie auf die Wiese ließ, ob wirklich Strom auf dem Zaun war. Es war. Also ließ er die Schafe hinaus. Als er nicht zum Frühstück hereinkam, wollte ich ihn abholen- und lief fast in die Schafe hinein, die sich diesmal nicht mit Leckerlis locken ließen.

Wir trieben sie schließlich vom Bereich vor dem Haus weg auf die große Wiese, um zumindest erstmal frühstücken zu können. Ich beobachtete sie vom Sessel aus, während ich meinen Tee trank. Unruhig zogen sie hin und her, von einem Ende des Grundstückes zum nächsten. Daß sie nicht in den Wald gehen würden, darauf vertrauten wir, aber was war mit der Ausfahrt, die nur mit einem einfachen Schlagbaum geschlossen war? Inzwischen war auch Elchjagd, und wer wußte, wie ein Jäger reagieren würde, wenn ihm statt eines Elches plötzlich ein Schaf vor das Gewehr kam?

Wir gingen einen schnellen Spaziergang mit den Hunden, dann versuchten wir wieder, die Schafe in den Stall zu locken, um ein festes Wintergehege für sie zu bauen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwann waren sie wirklich im Stall.

Wir zogen einen festen Zaun, den wir nach oben hin noch mit einem Stromband verstärkten. Dann ließen wir die Schafe hinaus. Sofort liefen sie am Zaun auf und ab, suchten eindeutig eine Möglichkeit, hinausschlüpfen zu können.

Das war gestern gegen drei Uhr. Fast den gesamten Sonntag hatten wir damit verbracht, uns um die Schafe zu kümmern, die andere Arbeit war liegengeblieben.

Meine Geduld ist wirklich erschöpft, und ich bin froh, daß wir am Wochenende endlich schlachten. Vielleicht kehrt dann wieder mehr Ruhe ein, so daß wir die Schafe noch einmal auf die Wiesen lassen können. Denn daß wir ab jetzt bereits zufüttern sollten, war von uns nicht eingeplant.

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Outdoor- Magazin, Juni 2010

Freie Heilpraktiker (”Wir”), Dezember 2009

 

 

 

Cordula und Michael verlassen Deutschland. Sie fühlen sich eingeengt und perspektivlos. In den schwedischen Wäldern haben sie sich eine alte Holzhütte ohne Strom gekauft, die sie gegen die Bequemlichkeiten ihrer alten Heimat eingetauscht haben. Ihr Ziel – Selbstversorger in Schweden. Doch ist nicht alles so einfach, wie es klingt.

 

In diesem Buch beschreibt Cordula 6 Jahre Auswanderalltag ungeschminkt in allen Facetten. Daß es heute nicht so leicht ist, ein Leben ohne Strom zu führen, wird in dem reich bebilderten Buch (über 90 Fotos!) ebenso herzlich erfrischend von der Autorin geschildert wie die vielen anderen schönen und schlechten Momente in ihrem neuen Zuhause.

 

Daß Wäschewaschen ohne Waschmaschine zeitraubend und mühselig ist, und daß man beim Holzhacken fast die Hand verlieren kann, sind nur einige der fesselnden Anekdoten, in denen Cordula das Leben in Schweden beschreibt. Sie läßt den Leser eindrucksvoll teilhaben an der Arbeitssuche, ebenso wie an der Zähmung eines Hühnerkükens oder den Schwierigkeiten, ein Plumpsklo zu entleeren.

 

Dieses amüsant und leicht zu lesende Buch legt man nicht so schnell zur Seite. Für alle, die jemals vom Auswandern geträumt haben oder für Freunde Schwedens, ist diese Geschichte vielleicht nicht nur spannende Freizeit- oder Urlaubslektüre, sondern auch ein Buch, das Mut macht. Nämlich Probleme anzupacken, wo sie auftauchen, die schönen Momente zu genießen und seine Träume zu leben.  

 

ISBN: 9-783839-103142

 

 

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